10. September 2011

HIMMELFAHRTSKOMMANDO (Der Mythos Jesus Teil 8)


[Teil 1: Der unsichtbare Mann] [Teil 2: Leben wie Gott in Galiläa]
[Teil 3: Lehre/Versprechungen] [Teil 4: Auf den Schultern von Riesen]
[Teil 5: Dekonstruktion] [Teil 6: In Gottes Namen]
[Teil 7: Der Mythos Moses]



Er speiste die Armen, erweckte Tote wieder zum Leben und fuhr zum Himmel - von wo aus er am Ende aller Tage zurückkehrt.
Dies ist die Geschichte vom Propheten Elia, seinem Nachfolger Elisa und dem Remake dieser Erzählung um einen gewissen Jesus Christus.





COLD OPEN

Der Prophet Elia (auch Elijah oder Elija) tritt in der Bibel zum ersten Mal im 1. Buch der Könige auf, das unüberraschenderweise von der Zeit der jüdischen Könige erzählt. Elia kündigt an, dass der HERR es von nun an jahrelang nicht mehr regnen lassen wird - so wahr Gott noch nicht tot ist!

"1 Und es sprach Elia, der Thisbiter, aus den Bürgern Gileads, zu Ahab: So wahr der HERR, der Gott Israels, lebt, vor dem ich stehe, es soll diese Jahre weder Tau noch Regen kommen, ich sage es denn."

(1 Könige 17:1)



Moment mal, denkt man da vielleicht. Wer ist denn dieser Elia-Kerl überhaupt? Und wieso?
Eine Einführung des Charakters gibt es aber nicht. Elia kommt aus heiterem Himmel - und kehrt später wieder dahin zurück.
Wir erfahren nicht, wer er ist, wo er herkommt und warum er in Gottes Namen spricht. Dies gleicht dem frühsten geschriebenen Lebensbericht über Jesus Christus, dem Markus-Evangelium. Auch hier kommt die Hauptfigur, ein seltsamer Typ namens Jesus, direkt im Erwachsenenalter in die Story, ohne dass wir Genaueres über seinen Hintergrund und seine Lebensgeschichte erfahren. Das einzige, was wir über seine Herkunft erfahren, ist dass seine Familie ihn für verrückt hält (Markus 3:21).
Die berühmte Erzählung um die Geburt Christi finden wir nur in zwei der vier Evangelien (Matthäus und Lukas).

Zurück zu Elia - Als dieser die Botschaft Gottes von der langen Dürre überbracht hat, zieht er auf göttlichen Wunsch hin an einen Bach, wo Raben ihn fortan mit Nahrungsmitteln versorgen.
Nein, das ist überhaupt nicht lächerlich!!! Was fällt dir ein?!!

"2 Und das Wort des HERRN kam zu ihm und sprach:
3
Gehe weg von hinnen und wende dich gegen Morgen und verbirg dich am Bach Krith, der gegen den Jordan fließt;
4 und sollst vom Bach trinken; und ich habe den Raben geboten, daß sie dich daselbst sollen versorgen."

(1 Könige 17:2-4)







HEX HEX

Elia tut, was der HERR ihm sagt und zieht an den Bach Krith, wo er von Raben verpflegt wird. Klingt bis hierhin etwas unglaubwürdig, wenn ihr mich fragt, aber was soll's.
Der Bach, von dem Elia sein Trinkwasser bezieht, trocknet irgendwann aus. Was nun? Gott könnte Pelikane schicken, die ihm Mineralwasserflaschen bringen oder einfach wieder Wasser in den Bach zaubern, doch so weit reicht seine Allmächtigkeit wohl nicht.
Aber keine Sorge, Gott denkt sich einen neuen unnötig komplizierten Plan aus und schickt Elia zu einer Witwe, die er angewiesen hat, seinen Propheten zu versorgen - obwohl die leider selbst auch kein Essen hat...

"8 Da kam das Wort des HERRN zu ihm und sprach:
9 Mache dich auf und gehe gen Zarpath, welches bei Sidon liegt, und bleibe daselbst; denn ich habe einer Witwe geboten, daß sie dich versorge"

(1 Könige 17:8-9)



Bisher scheint sich der Prophetenjob für Elia bezahlt zu machen. Für seine Verpflegung sorgt der HERR persönlich, während der Rest von Gottes Volk ohne Regen wohl in diesem Jahr auf die Ernte verzichten muss.
Das einzige, was Elia bislang dafür tun musste, war ein Auftrag als Überbringer einer göttlichen Nachricht. Den Empfängern dieser Botschaft hat das wenig genutzt. Von dem Wissen, dass Gott sich weigert, es regnen zu lassen, können sie sich auch nichts zu essen kaufen. Da hat es Elia besser getroffen, der nun bei der Witwe angekommen ist.

"10 Und er machte sich auf und ging gen Zarpath. Und da er kam an das Tor der Stadt, siehe, da war eine Witwe und las Holz auf. Und er rief ihr und sprach: Hole mir ein wenig Wasser im Gefäß, daß ich trinke!"

(1 Könige 17:10)


Als Prophet kann man es sich wohl erlauben, unfreundlich zu sein. Trotzdem: Es hätte ihn wohl nicht umgebracht, "Bitte" zu sagen - oder wenigstens "Hallo".
Aber nein, der feine Prophet verlangt direkt auch noch was zu essen von der armen Witwe.

"11 Da sie aber hinging, zu holen, rief er ihr und sprach: Bringe mir auch einen Bissen Brot mit!
12 Sie sprach: So wahr der HERR, dein Gott, lebt, ich habe nichts gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Kad und ein wenig Öl im Krug. Und siehe, ich habe ein Holz oder zwei aufgelesen und gehe hinein und will mir und meinem Sohn zurichten, daß wir essen und sterben."

(1 Könige 17:11-12)



Die Witwe kann Elia nichts zu essen geben, da sie selbst fast nichts hat. Das macht aber nichts, Elia kann zum Glück zaubern!
So sorgt er dafür, dass die Witwe einen unerschöpflichen Vorrat an Brotzutaten hat, bis Gott es wieder regnen lässt.

"15 Sie ging hin und machte, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Haus eine Zeitlang.
16 Das Mehl im Kad ward nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, daß er geredet hatte durch Elia."

(1 Könige 17:15-16)



Eine Win-Win-Situation: Die Witwe würde gern Brot backen, hat aber keine Zutaten, Elia kann Zutaten bis zum Abwinken besorgen, lässt aber sein Brot natürlich lieber von einer Frau backen.
So erzieht Gott Elia aber nicht zum selbständigen Mann! Zuerst schickt er ihm sein Essen per Raben-Kurier direkt zu und danach lässt er Elia von einer Witwe bekochen, die auch ohne Elia schon genug Probleme hat.





THE WALKING DEAD

Die Witwe, die Elia versorgt und ohne Namen bleibt, muss sich keine Sorgen mehr darüber machen, ob sie und ihr Sohn verhungern müssen. Gott sei Dank! Ganz ohne Sorgen bleibt sie nicht, da nach diesen Geschichten ihr Sohn plötzlich im Sterben liegt. Aber irgendwas ist ja immer.

"17 Und nach diesen Geschichten ward des Weibes, seiner Hauswirtin, Sohn krank, und seine Krankheit war sehr hart, daß kein Odem mehr in ihm blieb.
18 Und sie sprach zu Elia: Was habe ich mit dir zu schaffen, du Mann Gottes? Bist du zu mir hereingekommen, daß meiner Missetat gedacht und mein Sohn getötet würde."

(1 Könige 17-18)



Die Witwe glaubt, dass Elias Anwesenheit etwas mit dem Tod ihres Kindes zu tun hat. Elia ist schockiert von dieser Anschuldigung und hat keine Ahnung, warum das Kind stirbt. Er schaltet seinen heißen Draht zu Gott ein und fragt nach, was dieser Scheiß denn wohl solle.

"19 Er sprach zu ihr: Gib mir her deinen Sohn! Und er nahm ihn von ihrem Schoß und ging hinauf auf den Söller, da er wohnte, und legte ihn auf sein Bett
20 und rief den HERRN an und sprach: HERR, mein Gott, hast du auch der Witwe, bei der ich ein Gast bin, so übel getan, daß du ihren Sohn tötetest?"

(1 Könige 17:19-20)



Ohne eine Antwort abzuwarten, warum Gott das Kind mit der Krankheit geschlagen hat, geht Elia einfach mal davon aus, dass der HERR seine Pläne ändert, wenn er sich auf das Kind legt und Gott befehlt, seine Fehlentscheidung zu korrigieren. Und er sollte Recht behalten...

"21 Und er maß sich über dem Kinde dreimal und rief den HERRN an und sprach: HERR, mein Gott, laß die Seele dieses Kindes wieder zu ihm kommen!
22 Und der HERR erhörte die Stimme Elia's; und die Seele des Kindes kam wieder zu ihm, und es ward lebendig."

(1 Könige 17:21-22)




Nur ganz wenige Leute in der Bibel haben wie Elia die Fähigkeit, Tote wieder zum Leben zu erwecken. Einer davon ist übrigens ein gewisser Jesus Christus. Von drei solchen Wundern wird im neuen Testament berichtet: Neben Lazarus holt Jesus zwei Kinder aus dem Reich der Toten zurück, eins davon ist der einzige Sohn einer Witwe (Lukas 7:11-15).



LIGHT MY FIRE

Die Zeiten sind schlecht für Gott und seine Anhänger. Während es zur Lebenszeit Elias nur einen einzigen Propheten des HERRN gibt, nämlich Elia selbst, hat die Konkurrenz hunderte von der Sorte.
Gott schmiedet daher einen Plan, um die Herzen der Gläubigen auf seine Seite zu bringen. Er ordnet die Todesstrafe für mehrere hundert Propheten der fremden Göttern an - einzig und allein aus dem Grund, dass sie andere Götter und nicht ihn anbeten.
Und da wundert er sich, warum er als Gott nicht allzu beliebt ist...

Bevor die Ungläubigen dem verdienten Tod zugeführt werden, kommt es zu einem großen Showdown. Elia und 850 Propheten der anderen ortsüblichen Gottheiten veranstalten einen Wettbewerb. Beide Seiten bereiten einen Opferaltar mit einem zerteilten Bullen vor.

"19 Wohlan, so sende nun hin und versammle zu mir das ganze Israel auf den Berg Karmel und die vierhundertfünfzig Propheten Baals, auch die vierhundert Propheten der Aschera, die vom Tisch Isebels essen.
20 Also sandte Ahab hin unter alle Kinder Israel und versammelte die Propheten auf den Berg Karmel. [...]
22 Da sprach Elia zum Volk: Ich bin allein übriggeblieben als Prophet des HERRN; aber der Propheten Baals sind vierhundertfünfzig Mann.
 23 So gebt uns zwei Farren und laßt sie erwählen einen Farren und ihn zerstücken und aufs Holz legen und kein Feuer daran legen; so will ich den andern Farren nehmen und aufs Holz legen und auch kein Feuer daran legen.
24 So rufet ihr an den Namen eures Gottes, und ich will den Namen des HERRN anrufen. Welcher Gott nun mit Feuer antworten wird, der sei Gott. Und das ganze Volk antwortete und sprach: Das ist recht."

(1 Könige 18:19-20,22-24)



Nun rufen zuerst die Anhänger Baals ihren Gott an, damit der Feuer vom Himmel schickt und den Altar anzündet. Aber der will sich einfach nicht melden...

"26 Und sie nahmen den Farren, den man ihnen gab, und richteten zu und riefen an den Namen Baals vom Morgen bis an den Mittag und sprachen: Baal, erhöre uns! Aber es war da keine Stimme noch Antwort. Und sie hinkten um den Altar, den sie gemacht hatten."

(1 Könige 18:26)


Elia macht sich über den Gott seiner Gegner lustig, da der nicht aufkreuzt. Er meint, vielleicht hat ihr Gott gerade zuviel zu tun oder ist im Gedanken. So lernen wir, dass es angemessen und sehr witzig ist, sich über die imaginären Götter anderer Leute lustig zu machen.

"27 Da es nun Mittag ward, spottete ihrer Elia und sprach: Ruft laut! denn er ist ein Gott; er dichtet oder hat zu schaffen oder ist über Feld oder schläft vielleicht, daß er aufwache.
28 Und sie riefen laut und ritzten sich mit Messern und Pfriemen nach ihrer Weise, bis daß ihr Blut herabfloß."

(1 Könige 18:27-28)


Die Story nimmt einen vorhersehbaren Lauf. Der HERR ist der einzige Gott im Land, der antwortet und Feuer auf den Altar regnen lässt.

"36 Und da die Zeit war, Speisopfer zu opfern, trat Elia, der Prophet, herzu und sprach: HERR, Gott Abrahams, Isaaks und Israels, laß heute kund werden, daß du Gott in Israel bist und ich dein Knecht, und daß ich solches alles nach deinem Wort getan habe!
37 Erhöre mich HERR, erhöre mich, daß dies Volk wisse, daß du, HERR, Gott bist, daß du ihr Herz darnach bekehrst!
38 Da fiel das Feuer des HERRN herab und fraß Brandopfer, Holz, Steine und Erde und leckte das Wasser auf in der Grube."

(1 Könige 18:36-38)




Da Elia den Contest gewonnen hat, darf er nun hunderte falsche Propheten persönlich abschlachten. Merke: Wenn man die richtige Religion hat, sollte man sich über die Leute mit einem anderem Glauben lustig machen und deren geistige Führer ohne sonstigen Grund ermorden. Wenn doch mehr Leute heutzutage diese simple Lektion der Bibel befolgen würden!

"40 Elia aber sprach zu ihnen: Greift die Propheten Baals, daß ihrer keiner entrinne! und sie griffen sie. Und Elia führte sie hinab an den Bach Kison und schlachtete sie daselbst."

(1 Könige 18:40)



Das ist doch mal eine wunderbare Idee von Gott, die er uns in der heiligen Schrift mitgibt. Eine Möglichkeit, die Existenz seines Gott eindrücklich zu beweisen. Muslime und Christen sollten also, statt sich ständig zu bekriegen, die Frage mit solch einem Gottesbeweis endlich klären. Einfach zwei Altäre aufbauen und schauen, welcher Gott denn Feuer wirft.
Man könnte das im Fernsehen live übertragen, als Mega-Super-Eventshow. Per Telefonabstimmung könnte man auf den Gott setzen, von dem man sich den Sieg erwartet. Der Gewinner dürfte dann einen der anderen Propheten abschlachten.
Im Rahmenprogramm könnten beispielsweise die Regensburger Domspatzen singen, die dann im Falle eines Sieges von Allah ebenfalls abgeschlachtet würden. Das wäre doch ein Heidenspaß!



DIE MUTTER DER PORZELLANKISTE

So ein Spektakel wie der blutige Wettstreit der Götter erregt natürlich Aufsehen. So erfährt auch die Frau des Königs von Israel davon. Da sie selbst der Baal-Religion angehört, ist sie verständlicherweise nicht so begeistert von dem Massaker an den 850 Priestern. Sie schickt einen Boten zu Elia und droht ihm mit dem selben Schicksal.

"1 Und Ahab sagte Isebel alles an, was Elia getan hatte und wie er hatte alle Propheten Baals mit dem Schwert erwürgt.
2 Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter tun mir dies und das, wo ich nicht morgen um diese Zeit deiner Seele tue wie dieser Seelen einer."

(1 Könige 19:1-2)



Doch mit Gottes Unterstützung hat Elia wohl nichts zu befürchten, sollte man doch meinen. Immerhin hatte er durch Gottes Hilfe ein Leiche wieder zum Leben erweckt und erlebt, wie der HERR Feuer vom Himmel regnen lässt und was mit Gottes Feinden passiert. Wer könnte mit mehr Berechtigung auf den HERRN vertrauen?
Doch Elia geht lieber auf Nummer Sicher und flieht in die Wüste und wünscht sich, er wäre tot.

"3 Da er das sah, machte er sich auf und ging hin um seines Lebens willen und kam gen Beer-Seba in Juda und ließ seinen Diener daselbst.
4 Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise und kam hinein und setzte sich unter einen Wacholder und bat, daß seine Seele stürbe, und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser denn meine Väter."

(1 Könige 19:3-4)


Die aufreibende Flucht, das Klima in der Wüste, Elias extremer emotionaler Zustand und mangelhafte Ernährung: Es wäre wirklich kein Wunder, wenn Elia nun zu halluzinieren begänne...
Doch in Wirklichkeit geschieht etwas völlig anderes: Er trifft einen Engel!

"5 Und er legte sich und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iß!
6 Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und eine Kanne mit Wasser. Und da er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen.
7 Und der Engel des HERRN kam zum andernmal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! denn du hast einen großen Weg vor dir."

(1 Könige 19:5-7)


Nachdem der Engel Elia zweimal zu essen gegeben hat, schickt er ihn auf seine Mission. Das Essen stellt sich als echtes Kraftfutter heraus, von dem Elia 40 Tage zehren kann.

"8 Er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft derselben Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Gottes Horeb"

(1 Könige 19:8)



Die 40 Tage dauernde einsame Wanderung durch die Wüste ohne Nahrung und die Begegnung mit Gott auf dem Berg Horeb ist eine eindeutige Parallele zur Exodus-Geschichte, in der Moses exakt das selbe widerfährt (Exodus 34:28).

Auch Christus fastet 40 Tage lang in der Wüste (Matthäus 4:2).




MEMENTO

Elia schlägt nach seiner 40-Tage-Wanderung sein Nachtlager in einer Höhle  auf, wo er Gott begegnet. Dieser scheint jedoch zunächst verwundert darüber zu sein, Elia an solch einem abgelegen Ort zu treffen.

"9 und kam daselbst in eine Höhle und blieb daselbst über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm und sprach zu ihm: Was machst du hier, Elia?
10 Er sprach: Ich habe geeifert um den HERRN, den Gott Zebaoth; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen und deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert erwürgt, und ich bin allein übriggeblieben, und sie stehen darnach, daß sie mir mein Leben nehmen."

(1 Könige 19:9-10)


Elia beklagt, dass die Propheten des HERRN alle mit dem Schwert erwürgt wurden - was komisch ist, da es doch sehr viel einfacher wäre, sie zu erstechen, wenn man schon einmal ein Schwert benutzt. Aber egal wie sie starben: Es ist doch extrem barbarisch, Priester nur aus dem Grund zu ermorden, weil sie eine andere Religion verbreiten. Nicht wahr, Elia?

Der alte HERR scheint keinen guten Tag zu haben. Er hat bereits vergessen, was Elia ihm gerade eben erzählt hat und fragt ihn noch einmal die gleiche Frage wie einen Moment zuvor - dessen Antwort er als allwissender Gott eigentlich auch so hätte wissen können. Konsequenterweise erhält er von Elia exakt die gleiche Antwort wie kurz zuvor.

"13 Da das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging heraus und trat in die Tür der Höhle. Und siehe, da kam eine Stimme zu ihm und sprach: Was hast du hier zu tun, Elia?
14 Er sprach: Ich habe um den HERRN, den Gott Zebaoth, geeifert; denn die Kinder Israel haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen, deine Propheten mit dem Schwert erwürgt, und ich bin allein übriggeblieben, und sie stehen darnach, daß sie mir das Leben nehmen."

(1 Könige 19:13-14)



Gott gibt Elia drei Aufgaben: Er soll die Stelle des Königs von Syrien und des Königs von Israel neu besetzen, außerdem seinen eigenen Nachfolger anlernen. Das alles soll geschehen, um ein großes Massaker an den Andersgläubigen zu veranstalten.

"15 Aber der HERR sprach zu ihm: Gehe wiederum deines Weges durch die Wüste gen Damaskus und gehe hinein und salbe Hasael zum König über Syrien,
16 Und Jehu, den Sohn Nimsis, zum König über Israel, und Elisa, den Sohn Saphats, von Abel-Mehola, zum Propheten an deiner Statt.
17 Und es soll geschehen, daß wer dem Schwert Hasaels entrinnt, den soll Jehu töten.
18 Und ich will übriglassen siebentausend in Israel: alle Kniee, die sich nicht gebeugt haben vor Baal, und allen Mund, der ihn nicht geküßt hat."

(1 Könige 19:15-18)



Dieser Plan Gottes beinhaltet mehrere Stufen und braucht seine Zeit. Na, hoffentlich vergisst Gott unterdessen nicht wieder, was er gesagt hat...



DRITTELHERZIGE ARBEIT

Es fängt ganz gut an. Elia sucht Elisa auf (anders als der Name das vielleicht andeutet ist Elisa übrigens ein Mann) und macht ihn zu seinem Jünger und zukünftigen Nachfolger. Dies ist nicht besonders schwer, da Elisa nicht groß überzeugt werden muss. Trotzdem hat Elia schon nach der ersten von drei Aufgaben keine Lust mehr, weiterzumachen und setzt darauf, dass der senile alte HERR sein Geschwafel eh bald wieder vergessen hat.

Jehu wird nicht König von Israel, wie Gott es gefordert hatte. Der amtierende König Ahab wird nach seinem Tod auf dem Schlachtfeld von seinem Sohn Ahasja (1 Könige 22:40) abgelöst. Nach Ahasjas Tod regiert ein gewisser Joram (2 Könige 1:17)
Auch Hasael wird von Elia nicht zum syrischen König gemacht, wie Gott dies wollte. Er wird erst lange nach Elias Zeiten zum König von Syrien (2 Könige 8:14).

Da Gott Elia nicht ermahnt, seine Arbeit fortzuführen oder seinen Plan jemals wieder erwähnt, sieht es so aus, als könne er sich tatsächlich nicht mehr an seine eigenen Befehle erinnern. Aber er hat ja auch immer viel um die Ohren...

Etwas hat die ganze Aktion dann doch gebracht: Elia rekrutiert immerhin Elisa als seinen Nachfolger. Zum Glück für den arbeitsscheuen Elia ist das ein extrem leichter Job.
Als Elia ihm zum ersten Mal begegnet, arbeitet Elisa gerade auf seinem Feld. Dort entschließt er sich auch spontan vom Fleck weg ohne irgendwelche Gegenfragen, die Rolle als Jünger und Prophet im Training anzunehmen.

"19 Und er ging von dannen und fand Elisa, den Sohn Saphats, daß er pflügte mit zwölf Jochen vor sich hin; und er war selbst bei dem zwölften. Und Elia ging zu ihm und warf seinen Mantel auf ihn.
20 Er aber ließ die Rinder und lief Elia nach und sprach: Laß mich meinen Vater und meine Mutter küssen, so will ich dir nachfolgen."

(1 Könige 19:19-20)






Die übertriebene Spontanität der Entscheidung erinnert an die Rekrutierung der Jünger von Jesus Christus. Ähnlich schnell wie einst Elisa entschließt sich zum Beispiel Petrus, der später zum Nachfolger Christi werden sollte.

"18 Als nun Jesus an dem Galiläischen Meer ging, sah er zwei Brüder, Simon, der da heißt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, die warfen ihre Netze ins Meer; denn sie waren Fischer.
19 Und er sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!
20 Alsbald verließen sie ihre Netze und folgten ihm nach.
21 Und da er von da weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiff mit ihrem Vater Zebedäus, daß sie ihre Netze flickten; und er rief sie.
22 Alsbald verließen sie das Schiff und ihren Vater und folgten ihm nach."

(Matthäus 4:18-22)


Fische fischen macht ja jeder, denken sich wohl Petrus und Co. Menschen fischen ist doch mal was Neues. Außerdem sind die auch zumeist größer und nicht im Wasser und daher leichter zu fangen.
So entschließen sie sich wie einst Elisa, ihr altes Leben Hals über Kopf aufzugeben - anders als Elisa sagen sie nicht mal ihren Familien und Freunden, wo sie hingehen. Die werden sich ganz schön wundern...



FAIR IS FOUL AND FOUL IS FAIR

Die Baal verehrende Königin Isebel, die Elia töten wollte, ist mittlerweile mit einer weiteren Intrige beschäftigt. Die nimmt ihren Anfang, als der König Ahab einen Weinberg haben möchte, dessen Besitzer Naboth aber nicht verkaufen will.
Im Namen des Königs, jedoch ohne dessen Wissen, schmiedet Isebel einen Plan, bei dem Naboth fälschlicherweise als Gottes- und Königslästerer beschuldigt wird. Die Intrige gelingt und Naboth erhält die für dieses Vergehen vorgesehene Strafe und wird gesteinigt.

"11 Und die Ältesten und Obersten seiner Stadt, die in seiner Stadt wohnten, taten, wie ihnen Isebel entboten hatte, wie sie in den Briefen geschrieben hatte, die sie zu ihnen sandte,
12 und ließen ein Fasten ausschreien und ließen Naboth obenan unter dem Volk sitzen.
13 Da kamen die zwei losen Buben und stellten sich vor ihn und zeugten wider Naboth vor dem Volk und sprachen: Naboth hat Gott und den König gelästert. Da führten sie ihn vor die Stadt hinaus und steinigten ihn, daß er starb."

(1 Könige 21:11-13)


Die Aussage von zwei losen Buben reicht aus, um Naboth steinigen zu lassen. Daher hatte Gott in den zehn Geboten das falsche Zeugnis verboten. Allerdings werden die Männer, die von der Königin angestiftet das Schicksal des guten Naboths besiegeln, nicht bestraft.
Als Gott von der Sache Wind bekommt, schickt er Elia, um die Strafe für Isebels Tat zu verkünden. Leider ist Gott Gerüchten aufgesessen und glaubt fälschlicherweise, Ahab sei für Naboths Verleumdung verantwortlich gewesen.

"17 Aber das Wort des HERRN kam zu Elia, dem Thisbiter, und sprach:
18 Mache dich auf und gehe hinab, Ahab, dem König Israels, entgegen, der zu Samaria ist, siehe, er ist im Weinberge Naboths, dahin er ist hinabgegangen, daß er ihn einnehme,
19 und rede mit ihm und sprich: So spricht der HERR: Du hast totgeschlagen, dazu auch in Besitz genommen. Und sollst mit ihm reden und Sagen: So spricht der HERR: An der Stätte, da Hunde das Blut Naboths geleckt haben, sollen auch Hunde dein Blut lecken."

(1 Könige 21:17-19)








Aber nur Ahab zu bestrafen, das reicht dem HERRN nicht aus: Auch alle seine männliche Nachkommen sollen für das Verbrechen büßen, das sie weder verursacht haben, noch hätten verhindern können.

"20 Und Ahab sprach zu Elia: Hast du mich gefunden, mein Feind? Er aber sprach: Ja, ich habe dich gefunden, darum daß du dich verkauft hast, nur Übles zu tun vor dem HERRN.
21 Siehe, ich will Unglück über dich bringen und deine Nachkommen wegnehmen und will von Ahab ausrotten, was männlich ist, den der verschlossen und übriggelassen ist in Israel"

(1 Könige 21:20-21)



Ahab unterwirft sich demütig. Der HERR hat ja bekanntlicherweise einen wahnhaften Gott-Komplex und freut sich daher wie ein Honigkuchenpferd über Ahabs Erniedrigung. Er entscheidet sich, den König doch nicht zu bestrafen.
Da aber anscheinend unbedingt jemand bestraft werden muss, entschließt sich der HERR, Ahabs Söhne für die Tat Isebels ins Unglück zu stürzen. Gerechtigkeit muss sein!

"27 Da aber Ahab solche Worte hörte, zerriß er seine Kleider und legte einen Sack an seinen Leib und fastete und schlief im Sack und ging jämmerlich einher.
28 Und das Wort des HERRN kam zu Elia, dem Thisbiter, und sprach:
29 Hast du nicht gesehen, wie sich Ahab vor mir bückt? Weil er sich nun vor mir bückt, will ich das Unglück nicht einführen bei seinem Leben; aber bei seines Sohnes Leben will ich das Unglück über sein Haus führen."

(1 Könige 21:27-29)


Ich will ja nichts sagen, aber das wäre alles nicht passiert, wenn Elia Gottes Auftrag erfüllt hätte und Jehu statt Ahab zum König über Israel gemacht hätte...



BURNING MEN

Auch das nächste Unglück mit hundert Todesopfern hätte verhindert werden können, wenn Gott darauf bestanden hätte, dass Elia Jehu zum König macht. Oder wenn er mal selber den Arsch hoch bekommen hätte, statt immer nur andere für sich arbeiten zu lassen.

Die Geschichte beginnt damit, dass Ahasja, der nach dem Tod seines Vaters Ahab König von Israel geworden war, nach einem schweren Sturz mit dem Tod ringt. Er schickt einen Boten zu einem Orakel, um zu erfragen, ob er wieder genesen wird. Befragt wird aber nicht der HERR, sondern der Gott Baal-Zebul, was übersetzt "der erhabene Herr" bedeutet. Die Bibel nennt ihn allerdings Baal-Zebub, was "Herr der Fliegen" heißt, ein Wortspiel, um den falschen Gott schon bei der Nennung seines Namens lächerlich zu machen. LOL, voll lustich!

"2 Und Ahasja fiel durch das Gitter in seinem Söller zu Samaria und ward krank; und sandte Boten und sprach zu ihnen: Geht hin und fragt Baal-Sebub, den Gott zu Ekron, ob ich von dieser Krankheit genesen werde."

(2 Könige 1:2)


Der HERR wird darüber sehr wütend. Wieso befragt der König von Israel einen ausländischen Gott, wo es doch in Israel auch einen gibt, den man fragen könnte?! Verdammte ausländische Götter, nehmen dem HERRN doch glatt den Arbeitsplatz weg!

Dafür hat der König Ahasja den Tod verdient und um es ihm unter die Nase zu reiben, schickt er Elia los.

"3 Aber der Engel des HERRN redete mit Elia, dem Thisbiter: Auf! und begegne den Boten des Königs zu Samaria und sprich zu ihnen: Ist denn nun kein Gott in Israel, daß ihr hingehet, zu fragen Baal-Sebub, den Gott Ekrons?
4 Darum so spricht der HERR: Du sollst nicht von dem Bette kommen, darauf du dich gelegt hast, sondern sollst des Todes sterben. Und Elia ging weg."

(2 Könige 1:3-4)



Als der König die Nachricht von Elia erhält, schickt er fünfzig Männer, um Elia zu sich in den Palast zu bringen. Sie finden Elia und richten ihm aus, dass der König ihn zu sehen wünscht. Weder wenden sie Gewalt an, noch drohen sie Elia - doch allein die Überbringung der Nachricht rechtfertigt in Gottes Augen ihren Tod.
Der HERR wirft Feuer vom Himmel und ermordet damit alle fünfzig Soldaten und ihren Hauptmann.

"9 Und er sandte hin zu ihm einen Hauptmann über fünfzig samt seinen fünfzigen. Und da er hinaufkam, siehe, da saß er oben auf dem Berge. Er aber sprach zu Ihm: Du Mann Gottes, der König sagt: Du sollst herabkommen!
10 Elia antwortete dem Hauptmann über fünfzig und sprach zu ihm: Bin ich ein Mann Gottes, so falle Feuer vom Himmel und fresse dich und deine fünfzig. Da fiel Feuer vom Himmel und fraß ihn und seine fünfzig."

(2 Könige 1:9-10)








Der König probiert es nach dem Fehlschlag noch einmal mit der selben Methode und schickt erneut fünfzig Männer, um Elia zu holen. Auch diese Menschen verbrennen bei lebendigem Leibe durch Gottes Feuer.

"11 Und er sandte wiederum einen andern Hauptmann über fünfzig zu ihm samt seinen fünfzigen. Der antwortete und sprach zu ihm: Du Mann Gottes, so spricht der König: Komm eilends herab!
12 Elia antwortete und sprach: Bin ich ein Mann Gottes, so falle Feuer vom Himmel und fresse dich und deine fünfzig. Da fiel das Feuer Gottes vom Himmel und fraß ihn und seine fünfzig."

(2 Könige 1:11-12)



Das hat schon wieder nicht geklappt. Was nun?!
Der König denkt sich: Am besten sende ich einfach noch mal fünfzig Männer...
Der Hauptmann dieser dritten Truppe weiß, was mit seinen Vorgänger geschehen ist und fleht Elia an, ihn und seine Männer zu verschonen.

"13 Da sandte er wiederum den dritten Hauptmann über fünfzig samt seinen fünfzigen. Da der zu ihm hinaufkam, beugte er seine Kniee gegen Elia und flehte ihn an und sprach zu ihm: Du Mann Gottes, laß meine Seele und die Seele deiner Knechte, dieser fünfzig, vor dir etwas gelten.
14 Siehe, das Feuer ist vom Himmel gefallen und hat die ersten zwei Hauptmänner über fünfzig mit ihren fünfzigen gefressen; nun aber laß meine Seele etwas gelten vor dir.
15 Da sprach der Engel des HERRN zu Elia: Gehe mit ihm hinab und fürchte dich nicht vor ihm! und er machte sich auf und ging mit ihm hinab zum König."

(2 Könige 1:13-15)



Da Gott nichts lieber mag als völlige Unterwerfung, verschont er die Truppe und weist Elia an, in den Palast mitzugehen. Die 100 Soldaten und 2 Hauptmänner mussten also nicht sterben, um zu verhindern, dass Elia den König trifft, sondern nur, weil sie nicht sofort unterwürfig auf die Knie gefallen sind. Ach du lieber Gott! Und da wundert sich der HERR, warum so viele Menschen nichts mit ihm zu haben wollen und die Konkurrenz aus dem Ausland bevorzugen...

Im Palast wiederholt Elia das, was er zuvor schon gesagt hat: Der HERR bringt den König um, weil er an den falschen Gott glaubt. Gesagt, getan...
Die Botschaft, dass es Gottes Wunsch ist, dass Jehu zum König Israels wird, erwähnt Elia auch bei dieser guten Gelegenheit nicht und so wird ein gewisser Joram zum neuen König.

"16 Und er sprach zu ihm: So spricht der HERR: Darum daß du hast Boten hingesandt und lassen fragen Baal-Sebub, den Gott zu Ekron, als wäre kein Gott in Israel, dessen Wort man fragen möchte, so sollst du von dem Bette nicht kommen, darauf du dich gelegt hast, sondern sollst des Todes sterben.
17 Also starb er nach dem Wort des HERRN, das Elia geredet hatte. Und Joram ward König an seiner Statt im zweiten Jahr Jorams, des Sohnes Josaphats, des Königs Juda's; denn er hatte keinen Sohn."

(2 Könige 1:16-17)



Sicher hätte Gott dem König den wohlverdienten Tod auch etwas eher bringen können, dann hätten die 100 Soldaten und 2 Hauptmänner nicht sterben müssen. Doch offensichtlich waren die heimtückischen Morde zwar grausam, aber auch notwendig, um uns Bibellesern irgend eine Art von Lektion mit auf den Weg zu geben: Wer sich nicht vollends unterwirft, wird grausam hingerichtet. Hallelujah!

Später im neuen Testament gibt es ein ähnliches Konzept. Allerdings wird man nun nicht nur einmal verbrannt, wenn man sich Gott nicht unterwirft, sondern verbringt die ganze Ewigkeit in den höllischen Flammen.
Und das ist verdammt lange...



LOST IN SPACE

Gott mag den guten Elia so gern, dass er nicht warten möchte, bis er nach seinem Tod zu ihm kommt. Daher beschließt er, Elia direkt in den Himmel zu holen.

"1 Da aber der HERR wollte Elia im Wetter gen Himmel holen, gingen Elia und Elisa von Gilgal."

(2 Könige 2:1)


Gemeinsam mit seinem designiertem Nachfolger Elisa macht er sich auf seine vorerst letzte Reise.
Als sie an den Jordan gelangen, stehen die beiden scheinbar vor einem Problem. Wie soll man nur darüber kommen? Doch für Elia ist das keine Schwierigkeit: Er teilt einfach das Wasser und die beiden laufen durchs Trockene ans andere Ufer, wo bereits fünfzig weitere Jünger Elias auf den hohen Besuch warten. Das Leben ist doch viel einfacher, wenn man zaubern kann!

"7 Aber fünfzig Männer unter der Propheten Kindern gingen hin und traten gegenüber von ferne; aber die beiden standen am Jordan.
8 Da nahm Elia seinen Mantel und wickelte ihn zusammen und schlug ins Wasser; das teilte sich auf beiden Seiten, daß die beiden trocken hindurchgingen."

(2 Könige 2:7-8)


Dieses Wunder ist eine eindeutige Parallele zur Exodusgeschichte, in der Moses ein Schilfmeer teilt (das in alten Übersetzungen aber oft fälschlicherweise als das rote Meer bezeichnet wird). Jesus verbringt kein vergleichbares Wunder. Braucht er ja auch gar nicht - schließlich kann er einfach über die Wasseroberfläche laufen.

Bevor Elia nun endgültig Richtung Himmel verschwindet, hat Elisa noch eine Bitte. Er möchte etwas von Elias Geist erben - und zwar nicht nur eine Einheit, sondern gleich zwei. Wie auch immer das funktionieren soll...

"9 Und da sie hinüberkamen, sprach Elia zu Elisa: Bitte, was ich dir tun soll, ehe ich von dir genommen werde. Elisa sprach: Daß mir werde ein zwiefältig Teil von deinem Geiste."

(2 Könige 2:9)


Wenn Elisa nur einen Teil von Elias Geist erben würde, wäre das eigentlich schon beeindruckend. Aber direkt zwei? Ganz schön dreist, findet auch Elia.

"10 Er sprach: Du hast ein Hartes gebeten. Doch, so du mich sehen wirst, wenn ich von dir genommen werde, so wird's ja sein; wo nicht, so wird's nicht sein."

(2 Könige 2:10)


Damit verabschiedet sich Elia und fährt in einem Wagen aus Feuer Richtung Himmel. So war das also damals...

"11 Und da sie miteinander gingen und redeten, siehe, da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, die schieden die beiden voneinander; und Elia fuhr also im Wetter gen Himmel."

(2 Könige 2:11)






Damit gehört Elia nun zu dem exklusiven Club der biblischen Himmelfahrer. Die einzige andere Figur der heiligen Schrift, die dazu gehört, ist Jesus Christus. Katholiken glauben zwar auch, dass Maria zum Himmel gefahren ist, doch davon steht nichts in der Bibel.

Falls, wie einige Christen behaupten, Gottes Himmelsreich gar nicht über den Wolken ist, sondern in einer anderen spirituellen Welt oder in der Dimension X oder sonstwo, haben Elia und Jesus ein ernsthaftes Problem. Denn dann befinden sie sich irgendwo im Weltraum, wo es auf Grund eines Sauerstoff-Defizits und niedriger Temperaturen ziemlich ungemütlich sein dürfte.






THE NEXT GENERATION

Das mit dem ererbten Geist scheint geklappt zu haben. Von nun an kann auch Elisa zaubern. Während er vor Elias Verschwinden kein einziges Wunder vollbringt, tut er dies von nun an ständig. Dabei wiederholt er Elias Wundertaten fast 1 zu 1. Das beginnt damit, dass er den Jordan teilt.

"12 Elisa aber sah es und schrie: Vater, mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter! und sah ihn nicht mehr. Und er faßte sein Kleider und zerriß sie in zwei Stücke
13 und hob auf den Mantel Elia's, der ihm entfallen war, und kehrte um und trat an das Ufer des Jordans
14 und nahm den Mantel Elia's, der ihm entfallen war, und schlug ins Wasser und sprach: Wo ist nun der HERR, der Gott Elia's? und schlug ins Wasser; da teilte sich's auf beide Seiten, und Elisa ging hindurch.
15 Und da ihn sahen der Propheten Kinder, die gegenüber zu Jericho waren, sprachen sie: Der Geist Elia's ruht auf Elisa; und gingen ihm entgegen und fielen vor ihm nieder zur Erde"

(2 Könige 2:12-15)



Auch Jesus vererbt nach seiner Himmelfahrt etwas von seinem Geist und geizt dabei auch nicht mit den Portionen. So verspricht er, dass seine Anhänger größere Wunder als er selbst vollbringen werden.

"12 Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun; denn ich gehe zum Vater."

(Johannes 14:12)





Beim so genannten Pfingstwunder regnet es heiliger Geist auf die Apostel (Apostelgeschichte 2:1-4). Daraufhin vollbringen sie auch selbst Wunder - was zu  Lebenszeiten von Jesus Christus nur er allein konnte (Apostelgeschichte 5:12).
Petrus, dem Jesus vor seiner Himmelfahrt die Leitung der Christen-Gemeinde übertragen hatte (Johannes 21:17), kann sogar Zombies machen!

"40 Und da Petrus sie alle hinausgetrieben hatte, kniete er nieder, betete und wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabea, stehe auf! Und sie tat ihre Augen auf; und da sie Petrus sah, setzte sie sich wieder.
41 Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf und rief die Heiligen und die Witwen und stellte sie lebendig dar."

(Apostelgeschichte 9:40-41)


Wo er das wohl gelernt hat?..

"35 Da er noch also redete, kamen etliche vom Gesinde des Obersten der Schule und sprachen: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du weiter den Meister?
36 Jesus aber hörte alsbald die Rede, die da gesagt ward, und sprach zu dem Obersten der Schule: Fürchte dich nicht, glaube nur!
37 Und ließ niemand ihm nachfolgen denn Petrus und Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. [...]
40 Und er trieb sie alle aus und nahm mit sich den Vater des Kindes und die Mutter die bei ihm waren, und ging hinein, da das Kind lag,
41 und ergriff das Kind bei der Hand und sprach zu ihr: Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mägdlein, ich sage dir stehe auf!
42 Und alsbald stand das Mägdlein auf und wandelte;
es war aber zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich über die Maßen."

(Markus 5:35-37,40-42)




IST DOCH BÄRENSACHE!

Auch Elisa verschafft die Himmelfahrt seines Gurus einen riesigen Machtgewinn. Hat er zuvor nie selbst Wunder vollbracht - sondern nur sein Vorbild Elia angehimmelt wie ein Vollidiot - ist Elisa nun ein großer Prophet.
Nur an seinen Social Skills könnte er eventuell ein wenig arbeiten. Als er eine Gruppe Kinder trifft, die ihn als Kahlkopf verspotten, verflucht er sie im Namen des HERRN. Auch Gott verhält sich nicht ganz so, wie man es von einer liebenden Vaterfigur erwarten würde, als die er ja von seinen Anhängern oft angesehen wird. Er schickt zwei Bären, die 42 Kinder zerfleischen.

"23 Und er ging hinauf gen Beth-El. Und als er auf dem Wege hinanging, kamen kleine Knaben zur Stadt heraus und spotteten sein und sprachen zu ihm: Kahlkopf, komm herauf! Kahlkopf, komm herauf!
24 Und er wandte sich um; und da er sie sah, fluchte er ihnen im Namen des HERRN. Da kamen zwei Bären aus dem Walde und zerrissen der Kinder zweiundvierzig."

(2 Könige 2:23-24)







ELIA 2.0

Der Großteil der Lebensgeschichte Elisas klingt wie ein schlechtes Plagiat der Elia-Story. Wie Elia vermehrt Elisa auf wundersame Weise das Öl einer Witwe (2 Könige 4:5-6) und erweckt einen toten Jungen wieder zum Leben. Dabei ist es nicht so, dass dies damals weit verbreitete Prophetentricks waren. Im alten Testament sind Elia und Elisa die einzigen Menschen, die Leute aus dem Reich der Toten zurückholen können und Nahrungsmittel vermehren.

"32 Und da Elisa ins Haus kam, siehe, da lag der Knabe tot auf seinem Bett.
33 Und er ging hinein und schloß die Tür zu für sie beide und betete zu dem HERRN
34 und stieg hinauf und legte sich auf das Kind und legte seinen Mund auf des Kindes Mund und seine Augen auf seine Augen und seine Hände auf seine Hände und breitete sich also über ihn, daß des Kindes Leib warm ward.
35 Er aber stand wieder auf und ging im Haus einmal hierher und daher und stieg hinauf und breitete sich über ihn. Da schnaubte der Knabe siebenmal; darnach tat der Knabe seine Augen auf."

(2 Könige 4:32-35)






Während Elia nur die Zutaten für Brot vermehrt, geht Elisa einen Schritt weiter und vermehrt direkt fertig gebackene Brote. So versorgt er mit nur 20 Broten 100 Menschen (2 Könige 4:42-44).
Jesus vollbringt in einer Hommage an diese Wundertat Elisas ein ganz ähnliches Wunder, nur eine ganze Nummer größer. Dieses Brotvermehrungswunder ist eines der wichtigsten Wunder Jesu - immerhin ist es das einzige, von dem alle vier Evangelien berichten.
Und das direkt sechsmal mal: Im Matthäus- und Markus-Evangelium wird wie in den anderen Evangelien von der Speisung der 5000 berichtet - und wenig später von dem fast identischen Wunder der Speisung der 4000 (Matthäus 15, Markus 8).





GESUNDBRUNNEN

Ein Großteil von Jesus' Wundern sind Wunderheilungen. Die gibt es im alten Testament übrigens gar nicht. Die einzige Ausnahme ist eine Episode, in der Elisa den syrischen Hauptmann Naeman heilt.

"1 Naeman, der Feldhauptmann des Königs von Syrien, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und hoch gehalten; denn durch ihn gab der HERR Heil in Syrien. Und er war ein gewaltiger Mann, und aussätzig. [...]
9 Also kam Naeman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas.
10 Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Gehe hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder erstattet und rein werden. [...]
14 Da stieg er ab und taufte sich im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geredet hatte; und sein Fleisch ward wieder erstattet wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er ward rein."

(2 Könige 5:1,9-10,14)


Es erscheint schon bizarr, dass Elisa sein einziges Heilungswunder gerade an einem syrischen Feldhauptmann vollbringt. Schließlich lässt er zuvor 42 Kinder ermorden, weil sie den nötigen Respekt vor Gottes Propheten vermissen lassen. Und dann heilt er einen Mann, dessen Beruf es ist, im Namen eines fremden Gottes Kriege zu führen gegen die Nachbarländer Syriens - zu denen auch Israel gehört.



KNOCHENJOB

Sich selbst kann Elisa aber nicht heilen und so stirbt er schließlich an einer nicht genannten Krankheit. Jeder muss irgendwann sterben. Na ja, Elia nicht, da macht Gott aus nur ihm bekannten Gründen eine Ausnahme, aber alle anderen Menschen müssen sterben - selbst wenn sie wie im Fall Elisa fast den selben Job gemacht haben...

"14 Elisa aber war krank, daran er auch starb. Und Joas, der König Israels, kam zu ihm hinab und weinte vor ihm und sprach: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter!"

(2 Könige 13:14)


Doch bevor Elisa das Zeitliche segnet, macht er dem aktuellen König von Israel noch eine Prophezeiung.

"18 Und er sprach: Nimm die Pfeile! Und da er sie nahm, sprach er zum König Israels: Schlage die Erde! Und er schlug dreimal und stand still.
19 Da ward der Mann Gottes zornig auf ihn und sprach: Hättest du fünf- oder sechsmal geschlagen, so würdest du die Syrer geschlagen haben, bis sie aufgerieben wären; nun aber wirst du sie dreimal schlagen."

(2 Könige 13:18-19)


Aha... Das hätte er ja vielleicht auch einfach vorher erwähnen können!
Elisa hat eigentlich keinen Grund, sauer auf den König zu sein, denn der hat nur das gemacht, was Elisa von ihm verlangt hat. Kann ja kein vernünftiger Mensch ahnen, dass Gott so wichtige Entscheidungen wie den Ausgang eines Krieges davon abhängig macht, wie oft man mit Pfeilen auf den Boden klopft.
Eigentlich würde man doch eher im Gegensatz dazu annehmen, dass Gott einen großen, weisen Masterplan hat, nachdem er handelt und die Führung des Weltschicksals eben nicht davon abhängig macht, wie oft jemand mit Pfeilen auf den Boden klopft. Aber anscheinend ist es so: Es steht ja so in seinem Buch.

Elisa stirbt und wird begraben. Doch der große Prophet macht sogar noch nach seinem Tod Schlagzeilen: Seine Knochen erwecken einen Toten zum Leben...

"20 Da aber Elisa gestorben war und man ihn begraben hatte, fielen die Kriegsleute der Moabiter ins Land desselben Jahres.
21 Und es begab sich, daß man einen Mann begrub; da sie aber die Kriegsleute sahen, warfen sie den Mann in Elisas Grab. Und da er hinabkam und die Gebeine Elisas berührte, ward er lebendig und trat auf seine Füße.

(2 Könige 13:20-21)



Das klingt an sich schon etwas unglaubwürdig. Doch noch seltsamer ist es in meinen Augen, dass es bei einem einzigen Wiederauferstandenen bleibt.
Wenn man doch schon mal im Besitz von Knochen ist, die Tote wieder lebendig machen, könnte man eigentlich doch etwas mehr damit anfangen als gar nichts...





ELIJAH WHO

Dies ist das Ende der Geschichte um Elisa. Aber was ist mit seinem Mentor Elia? Der befindet sich im Himmel und - so erfahren wir im Buch Maleachi - wartet dort auf sein Comeback am Ende aller Tage.

"23 Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des HERRN."

(Maleachi 3:23)


Im neuen Testament liegt die Erwartung vom Ende der Welt in der Luft und so wird Jesus von vielen für den zurückgekehrten Elia gehalten (Lukas 9:18-19, Matthäus 16:13-16, Markus 6:14-15 und 8:27-28)

Andere Juden, darunter Jesus, halten Johannes den Täufer für Elia (Johannes 1:21).
In der Vorstellung der damaligen Gläubigen konnte Elia jederzeit aus dem Himmel wiederauftauchen - es ist ja sicherlich auch langweilig dort nach hunderten von Jahren.

"46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut und sprach: Eli, Eli, lama asabthani? das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
47 Etliche aber, die dastanden, da sie das hörten, sprachen sie: Der ruft den Elia.
48 Und alsbald lief einer unter ihnen, nahm einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und steckte ihn an ein Rohr und tränkte ihn.
49 Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen, ob Elia komme und ihm helfe.
50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied."

(Matthäus 27:46-50)


Da die Apokalypse, die laut Jesus in der Lebenszeit einiger seiner Anhänger kommen sollte (siehe z.B. Matthäus 16:28), offensichtlich bis heute auf sich warten lässt, ist es nicht verwunderlich, dass Elia in den aktuellen Versionen der christlichen Religion nicht so bekannt ist. Schließlich ist die Figur eng mit dem Konzept des Weltuntergangs verflochten. Und dass die ziemlich unmissverständlichen Prophezeiungen des nahenden Endes, nicht nur in den Evangelien, sondern auch im Buch der Offenbarung und in vielen der Briefe des neuen Testaments, sich als unwahr herausgestellt haben - das ignoriert man dann doch lieber.
In den Jesus-Geschichten aber ist Elia so prominent wie Moses, mit dem er als Vision in der Geschichte der Transfiguration einen Gastauftritt hat.



ALTER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN

Wie wir gesehen haben, gibt es zahlreiche Parallelen zwischen den Elia/Elisa-Geschichten und der Jesus-Saga. Haben die Autoren des neuen Testaments keine Lust gehabt, sich neue Geschichten auszudenken und daher einfach die Stories aus dem alten Testament kopiert und gehofft, dass keiner was merkt?
Wohl eher nicht: Die primäre Zielgruppe des frühen Christentums waren schließlich Juden und die kannten die Geschichten der Propheten viel zu gut, um deren Wundertaten nicht wiederzuerkennen. Wahrscheinlicher ist, dass der Wiedererkennungseffekt bewusst einkalkuliert wurde. Christus sollte in eine Linie mit den großen Propheten des Judentums gestellt werden - schließlich arbeiten ja angeblich alle für den selben Boss. Er sollte sein wie die guten alten Propheten, die wir kennen und lieben, nur halt besser.

So speist Jesus mehr Leute mit weniger Broten als Elisa und heilt viel mehr Menschen. Während Elisa nur einen heilt, heilt Jesus gleicht mehrere. Nicht die ganze Menschheit, so weit wollte er dann doch nicht gehen, aber viele.
Während Elia und Elisa zusammen drei Tote wiedererwecken - und einen davon auch nur unabsichtlich - schafft Jesus das ganz allein.
Und während Elia einen magischen Feuerwagen benötigt, um zum Himmel zu fahren, schafft Jesus das im Superman-Stil ganz ohne Hilfsmittel.

Die Parallen zwischen den Mythen sind nicht nur auf der Handlungsebene zu finden,
sondern sind auch in den theologischen Bedeutungen der Figuren zu erkennen. Elia ist, so heißt es im alten Testament, der letzte Prophet des wahren Gottes und hat die Aufgabe, die vom rechten Glauben abgefallenen Sünder wieder zur richtigen Religion zu bringen. Auch Jesus hat in seiner Mission eine Monopolstellung - niemand käme zu Gott außer durch ihn, sagt er einmal (Johannes 14:6).
Und wehe wenn nicht! Durch den Götterwettbewerb, in dessen Folge hunderte von Baal-Propheten ermordet werden, das Feuer, das vom Himmel auf die 100 Soldaten regnet und die Bären, die Gott auf die frechen Kinder hetzt, springt uns folgende Botschaft ins Gesicht: Wenn du Gott folgst, darfst du leben, wenn nicht, musst du qualvoll sterben.
Das neue Testament vertritt eine ähnliche Message, geht aber einen Schritt weiter: Wenn du Gott und seinem Sohn folgst, darfst du ewig leben (Johannes 3:16), wenn nicht, wirst du nachdem du gestorben bist, in alle Ewigkeiten Qualen erleiden (Johannes 3:18).

Die Gemeinsamkeiten zwischen Jesus und Elia/Elisa waren für die Frühphase des Christentums nützlich - für spätere Versionen der Religion, die sich immer weiter vom Judentum entfernten und in der Jesus Christus als etwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes dargestellt wird, sind die ganzen Parallelen aber eher unvorteilhaft. Denn selbst die beeindruckensten Wunder von Jesus waren nicht wirklich neu: Weder Wunderheilungen, das Erwecken von Toten, Massenspeisungen noch die Himmelfahrt.
Dies dürfte ein weiterer wichtiger Grund sein, warum Elia im heutigen Christentum nicht annähernd eine so wichtige Rolle erfüllt wie in den guten alten Zeiten.
Im Gegenteil: Er wird fast totgeschwiegen. Und das ist schon ironisch - schließlich ist er laut Bibel der einzige Mensch in der Weltgeschichte, der nicht sterben musste.







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SERIE: "DER MYTHOS JESUS"


21. August 2011

DAVID II - THE ZION KING (Helden der Bibel Teil 4B)


Teil 1: David - A Star is born

Was bisher geschah:
Gott gründet das erste jüdische Königreich mit Saul als Staatsoberhaupt. Als dieser jedoch den Befehl Gottes, das Volk Amalek auszurotten, nicht vollständig erfüllt und dessen König am Leben lässt, beschließt der HERR, dass von nun an ein Schafhirte namens David König sein soll. 
Obwohl David daraufhin auch prompt zum König der Juden gesalbt wird, bleibt der verstoßene Saul an der Regierung. Dieser versucht David umzubringen, obwohl der sein Schwiegersohn ist und auch eine enge Beziehung zu seinem Sohn Jonathan hat.
David kann den Mordplänen Sauls entkommen und schließt sich dem Heer der Philister an, einem verfeindeten Nachbarvolk der Israeliten. Er vernichtet tapfer mehrere Armeen für seinen neuen Arbeitgeber. An einer Schlacht gegen Sauls Armee darf er jedoch nicht teilnehmen, da die Philister ihm plötzlich misstrauen.
Saul stirbt auf dem Schlachtfeld, während David und seine Männer nach Ziklag ziehen, wo sich einst ihr Lager samt Familien befunden hat. Doch die eigentlich schon ausgestorbenen Amalekiter haben ihre Frauen und auch - was noch viel schlimmer ist - ihre ganzen anderen Besitztümer gestohlen...



EVERYTHING'S NOT LOST

Doch die Amalekiter haben einen Fehler gemacht, der David nie passiert wäre: Sie haben ihre Gefangenen nicht ermordet. Stattdessen haben sie die Frauen und Kinder von Davids Männern kurzerhand mitgenommen. David und seine Krieger jagen ihnen hinterher.


Unterwegs treffen David und seine Truppe einen zurückgelassenen Sklaven der Amalekiter und bringen ihn dazu, sie zum amalekiturianischen Lager zu führen. Da die Amalekiter die Frauen und Kinder nicht getötet haben, lassen David und seine Armee nun im Gegenzug auch die feindlichen Soldaten am Leben.
Nee, war natürlich nur Spaß! Alle werden ermordet, bis auf ein paar die flüchten können.

"16 Und er führte ihn hinab. Und siehe, sie hatten sich zerstreut auf dem ganzen Lande, aßen und tranken und feierten über all dem großen Raub, den sie genommen hatten aus der Philister und Juda's Lande.
17 Und David schlug sie vom Morgen an bis an den Abend gegen den andern Tag, daß ihrer keiner entrann, außer vierhundert Jünglinge; die stiegen auf die Kamele und flohen.
18 Also errettete David alles, was die Amalekiter genommen hatten, und seine zwei Weiber;
19 und fehlte an keinem, weder klein noch groß noch Söhne noch Töchter noch Beute noch alles, das sie genommen hatten; David brachte es alles wieder.
20 Und David nahm die Schafe und Rinder und trieb das Vieh vor sich her, und sie sprachen: Das ist Davids Raub."

(1 Samuel 30:16-20)



Die Ironie des Schicksals: Obwohl die Israeliten das Volk Amalek zweimal restlos vernichtet hatten, gab es immer wieder Probleme mit den Bastarden. Jetzt, nachdem zum ersten Mal davon berichtet wird, dass einige hundert Amalekiter flüchten können, ist es endgültig vorbei mit dem Spuk. Dies war die letzte militärische Konfrontation mit diesem Volk. Aber keine Angst! Gott hat genug Völker erschaffen, die sein auserwähltes Volk massakrieren kann. Er ist ja kein Unmensch.

David macht sich auf den Weg zurück nach Ziglak, wo ihn kurze Zeit später eine alles verändernde Nachricht erreicht...



CAMP DAVID

Während David seinen Triumph auskostet, siehe, da kommt doch ein Mann mit Gleichgewichtsstörungen, der ausschaut wie ein Penner. Er fällt hin und bringt schlimme Kunde.

"1 Nach dem Tode Sauls, da David von der Amalekiter Schlacht wiedergekommen und zwei Tage in Ziklag geblieben war,
2 siehe, da kam am dritten Tage ein Mann aus dem Heer von Saul mit zerrissenen Kleidern und Erde auf seinem Haupt. Und da er zu David kam, fiel er zur Erde und beugte sich nieder.
3 David aber sprach zu ihm: Wo kommst du her? Er sprach zu ihm: Aus dem Heer Israels bin ich entronnen.
4
David sprach zu ihm: Sage mir, wie geht es zu? Er sprach: Das Volk ist geflohen vom Streit, und ist viel Volks gefallen; dazu ist Saul tot und sein Sohn Jonathan."
(2 Samuel 1:1-4)



David will natürlich wissen, woher der Bote seine Informationen hat. Dieser berichtet von einer tragischen Szene, in der er Saul in aussichtsloser Situation Sterbehilfe leistet.

"5 David sprach zu dem Jüngling, der ihm solches sagte: Woher weißt du, daß Saul und Jonathan tot sind?
6 Der Jüngling, der ihm solches sagte, sprach: Ich kam von ungefähr aufs Gebirge Gilboa, und siehe Saul lehnte sich auf seinen Spieß, und die Wagen und Reiter jagten hinter ihm her.
7 Und er wandte sich um und sah mich und rief mich. Und ich sprach: Hier bin ich.
8 Und er sprach zu mir: Wer bist du? Ich sprach zu ihm: Ich bin ein Amalekiter.
9 Und er sprach zu mir: Tritt zu mir und töte mich; denn ich bin bedrängt umher, und mein Leben ist noch ganz in mir.
10 Da trat ich zu ihm und tötete ihn; denn ich wußte wohl, daß er nicht leben konnte nach seinem Fall; und nahm die Krone von seinem Haupt und das Armgeschmeide von seinem Arm und habe es hergebracht zu dir, meinem Herrn."

(2 Samuel 1:1-10)

Diese Beschreibung von Sauls Tod steht im Widerspruch zu einem vorherigen Bericht über Sauls Tod. Darin begeht Saul eindeutig Selbstmord, da er schwer verwundet ist. Von einem Amalekiter, der ihm dabei hilft und David dann praktischerweise die Nachricht und die Krone überbringt, ist dort nicht die Rede. Komisch, wo doch die Bibel das widerspruchsfreie Wort Gottes ist...

"3 Und der Streit ward hart wider Saul, und die Schützen trafen auf ihn mit Bogen, und er ward sehr verwundet von den Schützen.
4 Da sprach Saul zu seinem Waffenträger: Zieh dein Schwert aus und erstich mich damit, daß nicht diese Unbeschnittenen kommen und mich erstechen und treiben ihren Spott mit mir. Aber sein Waffenträger wollte nicht; denn er fürchtete sich sehr. Da nahm Saul das Schwert und fiel hinein.
5 Da nun sein Waffenträger sah, daß Saul tot war, fiel er auch in sein Schwert und starb mit ihm.
"

(1 Samuel 31:3-5)





Hut ab! Der Amalekiter beweist hier großen Mut. Immerhin begibt er sich in Lebensgefahr, als er die Israeliten aufsucht - die gerade erst von einem Massaker an seinen Landleuten zurückgekehrt sind. Er begibt sich in das Lager von David, der einmal sein ganzes Volk abgeschlachtet hatte und überbringt ihm die Nachricht vom Tod Sauls - der ebenfalls einen Holocaust des Volkes Amalek auf dem Gewissen hat. Anstatt Sauls Krone und Armgeschmeide auf dem Basar zu verscheuern und sich davon Drogen und Prostituierte zu kaufen, überbringt der Amalekiter unterwürfig die Nachricht.
Schön blöd! Denn David lässt ihn dafür töten...

"13 Und David sprach zu dem Jüngling, der es ihm ansagte: Wo bist du her? Er sprach: Ich bin eines Fremdlings, eines Amalekiters, Sohn.
14 David sprach zu ihm: Wie, daß du dich nicht gefürchtet hast, deine Hand zu legen an den Gesalbten des HERRN, ihn zu verderben!
15 Und David sprach zu seiner Jünglinge einem: Herzu, und schlag ihn! Und er schlug, ihn daß er starb."

(2 Samuel 1:13-15)




STAY ON THE SCENE...

David trauert um König Saul, obwohl der mehrfach versucht hatte, ihn zu töten, und ganz besonders um seinen ganz speziellen Freund Jonathan, dessen Liebe ihm angenehmer als Frauenliebe war...

"26 Es ist mir leid um dich, mein Bruder Jonatan; du bist mir sehr lieb gewesen! Deine Liebe war mir viel angenehmer als Frauenliebe!"

(2 Samuel 1:1)



Dave und Jonathan in den guten alten Zeiten


Nicht, dass David sich nicht mit Frauenliebe auskennen würde. Zu diesem Zeitpunkt hat David nach Sauls Tochter Michal bereits sechs weitere Frauen geheiratet und geschwängert...

"2 Und es wurden David Kinder geboren zu Hebron: Sein erstgeborener Sohn: Amnon, von Ahinoam, der Jesreelitin;
3 der zweite Chileab, von Abigail, Nabals Weib, des Karmeliten; der dritte: Absalom, der Sohn Maachas, der Tochter Thalmais, des Königs zu Gessur;
4 der vierte: Adonia, der Sohn der Haggith; der fünfte: Sephatja, der Sohn der Abital;
5 der sechste: Jethream, von Egla, dem Weib Davids. Diese sind David geboren zu Hebron."

(2 Samuel 3:2-5)


Davids Kinder sind ausnahmslos männlich - Zufälle gibt's...



THE KING IS DEAD - LONG LIVE THE KINGS

Nach dieser Geschichte fragt David Gott, ob er in eine der Städte Judas, dem südlichen Teil des jüdischen Königreichs, ziehen solle. Der HERR bejaht dies - sagt ihm aber nicht, in welche Stadt. Natürlich kann niemand in die Zukunft sehen, aber Davids nächste Frage ist dann doch eigentlich recht vorhersehbar...

"1 Nach dieser Geschichte fragte David den HERRN und sprach: Soll ich hinauf in der Städte Juda's eine ziehen? Und der HERR sprach zu ihm: Zieh hinauf! David sprach: Wohin? Er sprach: Gen Hebron."

(2 Samuel 2:1)


Im Nordteil des Reichs, Israel, übernimmt ein Sohn Sauls die Macht, von dem zuvor niemals die Rede war: Is-Boseth. Das hat Gott nun davon, dass er einst Saul zum König gemacht hatte! Noch mehr hat es sein auserwähltes Volk nun davon, denn das Reich teilt sich und es kommt zu einem blutigen Bürgerkrieg um die Krone des jüdischen Königreichs.

"15 Da machten sich auf und gingen hin an der Zahl zwölf aus Benjamin auf Is-Boseths Teil, des Sohnes Sauls, und zwölf von den Knechten Davids.
16 Und ein jeglicher ergriff den andern bei dem Kopf und stieß ihm sein Schwert in seine Seite, und fielen miteinander; daher der Ort genannt wird: Helkath-Hazzurim, der zu Gibeon ist.
17 Und es erhob sich ein sehr harter Streit des Tages. Abner aber und die Männer Israels wurden geschlagen vor den Knechten Davids."

(2 Samuel 2:15-17)


Obwohl die erste Runde eindeutig an David und seine Anhänger geht, dauert der Konflikt und die Trennung des Staats insgesamt sieben Jahre lang.

10 Und Is-Boseth, Sauls Sohn, war vierzig Jahre alt, da er König ward über Israel, und regierte zwei Jahre. Aber das Haus Juda hielt es mit David.
11 Die Zeit aber, da David König war zu Hebron über das Haus Juda, war sieben Jahre und sechs Monate."

(2 Samuel 2:10-11)





HEAD OF STATE

Nach sieben Jahren haben die Untertanen des nördlichen Reichs die Schnauze voll von ihrem König und wählen ihn ab, Bibel-Style.

"5 So gingen nun hin die Söhne Rimmons, des Beerothiters, Rechab und Baana, und kamen zum Hause Is-Boseths, da der Tag am heißesten war; und er lag auf seinem Lager am Mittag.
6 Und sie kamen ins Haus, Weizen zu holen, und stachen ihn in den Bauch und entrannen.
7 Denn da sie ins Haus kamen, lag er auf seinem Bette in seiner Schlafkammer; und sie stachen ihn tot und hieben ihm den Kopf ab und nahmen seinen Kopf und gingen hin des Weges auf dem Blachfelde die ganze Nacht"

(2 Samuel 4:5-7)


Mit dem Kopf des ehemaligen Königs reisen die Attentäter nach Juda. Sie bringen David den Beweis, dass Is-Boseth leicht unfreiwillig auf den Thron verzichtet hat und David jetzt das jüdische Reich wiedervereinigen kann.

Sie halten David für den besseren König der Juden, doch offensichtlich kennen sie ihn nicht sehr gut. Denn David ist stinksauer, dass Is-Boseth ermordet wurde - auch wenn er mit ihm Krieg geführt hat und der Frieden wahrscheinlich vielen seiner Soldaten Verwundung und Tod erspart hat.
David lässt die Attentäter töten und profitiert dann von deren Tat, indem er nun König über Sauls gesamtes Reich wird.

"8 und brachten das Haupt Is-Boseths zu David gen Hebron und sprachen zum König: Siehe, da ist das Haupt Is-Boseths, Sauls Sohnes, deines Feindes, der nach deiner Seele stand; der HERR hat heute meinen Herrn, den König, gerächt an Saul und an seinem Samen.
9 Da antwortete ihnen David: So wahr der HERR lebt, der meine Seele aus aller Trübsal erlöst hat,
10 ich griff den, der mir verkündigte und sprach: Saul ist tot! und meinte, er wäre ein guter Bote, und erwürgte ihn zu Ziklag, dem ich sollte Botenlohn geben.
11 Und diese gottlosen Leute haben einen gerechten Mann in seinem Hause auf seinem Lager erwürgt. Ja, sollte ich das Blut nicht fordern von euren Händen und euch von der Erde tun?
12 Und David gebot seinen Jünglingen; die erwürgten sie und hieben ihre Hände und Füße ab und hingen sie auf am Teich zu Hebron. Aber das Haupt Is-Boseths nahmen sie und begruben's in Abners Grab zu Hebron."

(2 Samuel 4:8-12)


David hat eindeutig eine Doppelmoral, wenn es ums Töten geht. Wenn andere töten, ist ihm der Grund egal: Sei es um viele weitere Todesfälle zu verhindern oder sogar aus Mitleid, wie beim Mann aus Amalek, der Saul Euthanasie gewährt hatte. Wer einen Israeliten umbringt, muss sterben!
Außer natürlich, wenn man David ist, schließlich war er selbst ja bereit und willens, auf Seiten der Erzfeinde gegen sein eigenes Volk zu kämpfen.
Lang lebe der König! (Und hoffentlich bietet ihm kein anderes Land mehr Geld, wenn er auf ihre Seite wechselt.)



DER RECHTE KRIEGSMANN

Da nun der Kampf mit den eigenen Landsmännern vorbei ist und David nun eine noch größere Armee hat, deren Soldaten sich nun sicherlich langweilen, beschließt er, freilich mit Gottes Segen: Es wäre doch eine schöne Sache, mal die Nachbarvölker anzugreifen. Zum Beispiel die Philister, dieTodfeinde Israels und Davids ehemalige Arbeitgeber.

"19 Und David fragte den HERRN und sprach: Soll ich hinaufziehen wider die Philister? und willst du sie in meine Hand geben? Der HERR sprach zu David: Zieh hinauf! ich will die Philister in deine Hände geben."

(2 Samuel 5:19)


Da der HERR die Feinde in die Hand von Davids Truppen gibt, sind sie bald besiegt. Doch so schnell geben die Philister nicht auf und schicken weitere Truppen zur Verstärkung. Die kann Gott den Israeliten allerdings nicht in die Hände geben oder aber es ist ihm zu stressig, keine Ahnung. Jedenfalls befiehlt Gott seiner Armee, die Feinde aus dem Hinterhalt anzugreifen. Fast könnte man die Israeliten mit Feiglingen verwechseln, die keine Hilfe vom Erschaffer des Universums haben...

"22 Die Philister aber zogen abermals herauf und ließen sich nieder im Grunde Rephaim.
23 Und David fragte den HERRN; der sprach: Du sollst nicht hinaufziehen, sondern komm von hinten zu ihnen, daß du an sie kommst gegenüber den Maulbeerbäumen."

(2 Samuel 5:22-23)



Außerdem tötet Davids Armee mehr als 62.000 Syrer (2 Samuel 8:5, 2 Samuel 10:18). In einem Angriffskrieg wohlgemerkt, nicht etwa in einem Verteidigungsfall. Aber sicherlich hatten sie heimlich Massenvernichtungswaffen.



GOD HATES THE USA

Auch das Nachbarvolk der Jebusiter wird von Davids Armee überfallen. Aus der eingenommen Burg Zion entsteht die neue Hauptstadt Jerusalem. So eine Hauptstadt braucht natürlich auch mindestens eine spektakuläre Sehenswürdigkeit. Daher wird die Bundeslade herangeschafft - ein mit Engelsfiguren geschmücktes Gefäß, in dem sich angeblich die Steintafeln mit den zehn Geboten befinden.

"1 Und David sammelte abermals alle junge Mannschaft in Israel, dreißigtausend,
2 und machte sich auf und ging hin mit allem Volk, das bei ihm war, gen Baal in Juda, daß er die Lade Gottes von da heraufholte, deren Name heißt: Der Name des HERRN Zebaoth wohnt darauf über den Cherubim.

(2 Samuel 6:1-2)


Ein sehr schöner Name, wie ich finde! Ob sich darin wirklich die Tafeln mit den zehn Geboten befinden, darf man als Mensch allerdings nicht überprüfen. Die völlig angemessene Strafe dafür, die Lade zu öffnen und das Heiligtum zu betrachten ist nämlich der sofortige Tod.

"20 Sie sollen aber nicht hineingehen, zu schauen das Heiligtum auch nur einen Augenblick, daß sie nicht sterben."

(Numeri 4:20)


"19 Und etliche zu Beth-Semes wurden geschlagen, darum daß sie die Lade des HERRN angesehen hatten. Und er schlug des Volks siebzig Mann (fünfzigtausendund siebzig). Da trug das Volk Leid, daß der HERR so eine große Schlacht im Volk getan hatte."

(1 Samuel 6:19)



Fragt sich, wozu man das olle Ding dann eigentlich braucht, wenn nur Gott es öffnen darf.
Und dann auch noch das: Der HERR passt beim Transport nicht auf und die Rinder treten aus. Die Lade droht herunterzufallen... Wie furchtbar! Die Spannung ist kaum auszuhalten!
Ein gewisser Usa verhindert aber die Katastrophe in letzter Sekunde und hält die Lade fest. Puh!
Gott ist ihm dafür unendlich dankbar und...
Nicht?!

"6 Und da sie kamen zu Tenne Nachons, griff Usa zu und hielt die Lade Gottes; denn die Rinder traten beiseit aus.
7 Da ergrimmte des HERRN Zorn über Usa, und Gott schlug ihn daselbst um seines Frevels willen, daß er daselbst starb bei der Lade Gottes."

(2 Samuel 6:6-7)







UNPRIVATE DANCER

Als die Lade ohne weitere Vorfälle endlich in Jerusalem angekommen ist, wird erst einmal gefeiert. David tanzt halbnackt vor dem ganzen Volk, was seine Ehefrau Michal gar nicht so gut findet.
Als er nach Hause kommt, meckert sie daher erst mal.

"14 Und David tanzte mit aller Macht vor dem HERR her und war begürtet mit einem leinenen Leibrock.
15 Und David samt dem ganzen Israel führten die Lade des HERRN herauf mit Jauchzen und Posaunen.
16 Und da die Lade des HERRN in die Stadt Davids kam, sah Michal, die Tochter Sauls, durchs Fenster und sah den König David springen und tanzen vor dem HERRN und verachtete ihn in ihrem Herzen."

(2 Samuel 6:14-16)




"20 Da aber David wiederkam sein Haus zu grüßen, ging Michal, die Tochter Sauls, heraus ihm entgegen und sprach: Wie herrlich ist heute der König von Israel gewesen, der sich vor den Mägden seiner Knechte entblößt hat, wie sich die losen Leute entblößen!"

(2 Samuel 6:20)


Was denkt die Alte sich dabei?! Gottes Lieblingsmenschen zu kritisieren und dann auch noch in einem solch ironischen Ton - Wie kann man nur?!!
Gott handelt mal wieder völlig angemessen und macht Michal dafür unfruchtbar.

"23 Aber Michal, Sauls Tochter, hatte kein Kind bis an den Tag ihres Todes." (2 Samuel 6:23)

Das hat sie nun davon!
Oder auch nicht: Später erfahren wir, dass sie fünf Söhne bekommt (2 Samuel 21:8)...



HOUSE OF LORD

Als David mal endlich für eine Weile nicht Krieg führen muss, hat er Zeit dazu, seinen bewundernswerten Verstand zu benutzen. So denkt er sich: Die Bundeslade braucht ein schöneres Haus zum darin wohnen!

"1 Da nun der König in seinem Hause saß und der HERR ihm Ruhe gegeben hatte von allen seinen Feinden umher,
2 sprach er zu dem Propheten Nathan: Siehe, ich wohne in einem Zedernhause, und die Lade Gottes wohnt unter den Teppichen."

(2 Samuel 7:1-2)



Die arme Lade! Der Prophet Nathan fragt bei Gott für David nach, was der davon hält.
Aus ungenannten Gründen spricht Gott nämlich von einem Tag auf den anderen nicht mehr wie zuvor direkt mit David, sondern benutzt als Vermittler den Propheten Nathan.
Der ist plötzlich ohne Erklärung einfach irgendwie da und hat außer dem Prophet-Sein keine weiteren Charaktereigenschaften. Gott hat offensichtlich beim Inspirieren der Bibel keine Lust gehabt, Nathan und seinen Weg zum Haus- und Hofpropheten näher zu beschreiben.
Des Nachts kommt das Wort des HERRN zu Nathan und erzählt ihm, was er von Davids Idee hält. Nämlich nichts: Er, der große HERR habe es ja gar nicht nötig, in einem schicken Haus zu wohnen - er ist ja nicht eitel!

"4 Des Nachts aber kam das Wort des HERRN zu Nathan und sprach:
5 Gehe hin und sage meinem Knechte David: So spricht der HERR: Solltest du mir ein Haus bauen, daß ich darin wohne?"

(2 Samuel 7:4-5)


Interessant, dass Gott von einer Behausung für ihn selbst spricht, wo David doch ein Haus für die Bundeslade bauen wollte. Anscheinend lebt Gott in der Wunder-Lade.
Zusätzlich zu der Box, in der Gott also wohnt, braucht er kein weiteres Haus, sondern wohnt lieber in den Reihen seiner Untertanen, wo er auch immer irgendjemanden zum Plaudern hat.

"6 Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem Tage, da ich die Kinder Israel aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, sondern ich habe gewandelt in der Hütte und Wohnung.
7 Wo ich mit allen Kinder Israel hin wandelte, habe ich auch je geredet mit irgend der Stämme Israels einem, dem ich befohlen habe, mein Volk Israel zu weiden, und gesagt: Warum baut ihr mir nicht ein Zedernhaus?"

(2 Samuel 7:6-7)



So schlecht wie er tut findet Gott die Idee aber nicht. Unter Davids Nachfolger Salomon lässt er nämlich dann doch einen prächtigen Tempel für sich und seine Lade bauen. Wahrscheinlich ist seine Ablehnung David gegenüber nur eine Masche, damit er später den Tempelbau als seine eigene Idee verkaufen kann und die Lorbeeren für den tollen Einfall mit niemandem teilen muss. Das hasst der HERR nämlich wie die Pest.

Trotzdem kann sich David momentan nicht beschweren. Der König ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens: Er hat ein riesiges Königreich, viele schöne Ehefrauen, eine große Familie und eine super Beziehung mit dem Schöpfer des Universums. Was will man mehr?

Doch wie in jeder guten Geschichte... äh, ich meine, dass ist natürlich alles genau so passiert! Auf jeden Fall kommt nach dem Höhepunkt der Fall  - und David wird tief fallen [dazu mehr im nächsten Teil].


Donatellos David


DON'T KNOW MUCH ABOUT HISTORY

Ob die Geschichten um König David einen historischen Kern haben, ist umstritten. Zumindest fehlen dafür so läppische Argumente wie Beweise.
Doch die sollte man eigentlich erwarten, wenn David Reich wirklich so groß und mächtig war, wie in der Bibel beschrieben. Schließlich hatten Israels Nachbarvölker - im Gegensatz zu Israel selbst - schon lange eine Geschichtsschreibung, als David gelebt haben soll. Zudem ist das Gebiet des angeblichen Königreiches von David archäologisch extrem gut erforscht.

Selbst dafür, dass es überhaupt einen jüdischen König namens David gegeben hat, gibt es wenig Beweise. Eine einzige Inschrift redet von einem "Haus David". Vielleicht aber auch nicht. Die Übersetzung ist unter Archäologen umstritten und könnte auch etwas anderes bedeuten.

Aber selbst wenn es einen König mit dem Namen David gegeben hat, beweist das kaum, dass dieser einen Riesen erschlagen hat, mit seiner Harfe böse Geister vertreiben konnte und in direktem Kontakt mit dem HERRN (oder irgend einem sonstigen Gott) gestanden hat...



Freuen Sie sich auf den dritten und letzten Teil unserer lustigen Reihe über David: Darin ermordet Gott ein Baby, arrangiert einen Brudermord und sorgt dafür, dass Frauen vergewaltigt werden und tausende Unschuldige elendig verrecken. Der Spaß hört niemals auf!

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SERIE: HELDEN DER BIBEL

>>Teil 4B: "David II - The Zion King" (David 2/3)

5. August 2011

DU SOLLST NICHT... ODER DOCH? (Widersprüche in der Bibel Teil 5)



Die Zehn Gebote werden uns oft als wichtigste Regeln der Bibel überhaupt verkauft - als klares, unverrückbares Fundament der christlichen Moral. Aber zu fast allen Geboten gibt es Widersprüche, Relativierungen und Ausnahmen...


"Die Zehn Gebote Gottes sind deshalb so klar und eindeutig, weil sie nicht erst auf einer Konferenz beschlossen wurden."

(Konrad Adenauer) 




OH MEINE GÖTTER!

Zuerst das Wichtigste... Das erste Gebot ist, dass man keine Götter neben Jahwe haben soll. Wär ja auch noch schöner!

"3 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben."

(Exodus 20:3)


Nach Meinung der meisten Christen bedeutet das Gebot nicht nur, dass der HERR ein eifersüchtiger Gott ist, sondern auch der einzig real existierende.

Der HERR nimmt sich ziemlich wichtig. Gotteslästerung ist wahrlich kein Kavaliersdelikt in der Bibel und der liebe Gott ordnet dafür sogar die Todesstrafe an (Deuteronomium 17:2-5). Als Jesus im neuen Testament genau dieses Vergehen vorgeworfen ist, hat er eine kreative Ausrede...

"33 Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um des guten Werks willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen und daß du ein Mensch bist und machst dich selbst zu Gott.
34 Jesus antwortete ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter"?
35 So er die Götter nennt, zu welchen das Wort geschah, und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden,
36 sprecht ihr denn zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: "Du lästerst Gott", darum daß ich sage: Ich bin Gottes Sohn?"

(John 10:33-36)



Wir sind also nicht nur Deutschland und Papst, sondern auch Götter. Hurra!
Den Vers, den Jesus hier zitiert, stammt aus dem 82. Psalm. Dieser Psalm weckt gewisse Zweifel an der "Es gibt keinen Gott außer Gott"-Theorie...

"1 Ein Psalm Asaphs. Gott steht in der Gemeinde Gottes und ist Richter unter den Göttern. [...]
6 Ich habe wohl gesagt: "Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten";
7 aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen.
8 Gott, mache dich auf und richte den Erdboden; denn du bist Erbherr über alle Heiden!"

(Psalm 82:1,6-8)






FLY ON MY SWEET ANGEL

An zweiter Stelle von Gottes Top-10-Liste der grausamsten Ungerechtigkeiten steht das Anfertigen von Götzen. Dafür sucht Gott sogar noch die Urenkel des Delinquenten heim.

"4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist.
5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen"

(Exodus 20:4-5)




Wenig später hat er das aber anscheinend wieder vergessen und befiehlt Mose einen "Gnadenstuhl" zu bauen - eine Art extravaganter Deckel für die Bundeslade, in der die Steintafeln mit den 10 Geboten aufbewahrt werden sollen. Dieser Gnadenstuhl soll mit goldenen Engelsfiguren verziert werden...

"1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: [...]
18 Und du sollst zwei Cherubim machen von getriebenem Golde zu beiden Enden des Gnadenstuhls,
19 daß ein Cherub sei an diesem Ende, der andere an dem andern Ende, und also zwei Cherubim seien an des Gnadenstuhls Enden.
20 Und die Cherubim sollen ihr Flügel ausbreiten von oben her, daß sie mit ihren Flügeln den Gnadenstuhl bedecken und eines jeglichen Antlitz gegen das des andern stehe; und ihre Antlitze sollen auf den Gnadenstuhl sehen."

(Exodus 25:1,18-20)


Falls ihr euch fragt, wie so ein Cherub aussieht - man darf ja keine Bilder von ihm machen... eigentlich:

"19 Und ein jeder Cherub hatte zwei Angesichter: auf einer Seite wie ein Menschenkopf, auf der andern Seite wie ein Löwenkopf."

(Hesekiel 41:19)



Das Bilderverbot ist für heutige Christen anscheinend nicht mehr bindend, wenn man sich die christliche Malerei der letzten Jahrhunderte mal so anschaut...
Auch wenn Engel entgegen der biblischen Beschreibung meistens nicht mit halbem Löwenkopf porträtiert werden, sondern als nackte Babys mit Flügeln. So wie der griechische Gott Eros übrigens schon seit vorchristlichen Zeiten dargestellt wird. Verständlich, denn so wie der Cherub beschrieben wird, sieht er ja gruselig wie Sau aus.
Warum diese Vorschrift aus den ja so immens wichtigen zehn Geboten nicht mehr gildet, weiß ich nicht.
Wahrscheinlich, weil sie dämlich ist.





EVERY DAY IS LIKE SUNDAY

"8 Gedenke des Sabbattags, daß Du ihn heiligest.
9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle dein Dinge beschicken;
10 aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist.
11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn."

(Exodus 20:8-11)


Die zehn Gebote finden sich übrigens nicht nur im Buch Exodus (2. Buch Mose), sondern auch im Buch Deuteronomium (5. Buch Mose). Dort wird das Sabbatgebot allerdings mit dem Exodus begründet - anders als im Buch Exodus, wo es mit der Genesis begründet wird. Irgendwie verwirrend, oder?

"13 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
14 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Ochse noch dein Esel noch all dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist, auf daß dein Knecht und deine Magd ruhe wie du.
15 Denn du sollst gedenken, daß du auch Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort ausgeführt hat mit einer mächtigen Hand und mit ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, daß du den Sabbattag halten sollst."

(Deuteronomium 5:13-15)


Das Buch Levitikus (3. Buch Mose) gibt eine... na, sagen wir mal etwas simplere Begründung für die Einhaltung jeglicher Feiertage.

"3 Ein jeglicher fürchte seine Mutter und seinen Vater. Haltet meine Feiertage; denn ich bin der HERR, euer Gott."

(Levitikus 19:3)



Man könnte auf die abwegige Idee kommen, dass am Sonntag zu arbeiten nicht ganz so dramatisch sei, da es ein Verbrechen ohne Opfer ist. Der liebe Gott sieht das jedoch ganz und gar nicht so und befiehlt die Todesstrafe fürs Arbeiten am Sabbat (Exodus 31:15).
Aber wen interessiert schon, was Gott für absurdes Zeugs von sich gibt?! Offenbar nicht einmal alle der Bibel-Autoren...

"5 Einer hält einen Tag vor dem andern; der andere aber hält alle Tage gleich. Ein jeglicher sei in seiner Meinung gewiß.
6 Welcher auf die Tage hält, der tut's dem HERRN; und welcher nichts darauf hält, der tut's auch dem HERRN.

(Römer 14:5)


"8 Aber zu der Zeit, da ihr Gott nicht erkanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind.
9 Nun ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch denn wiederum zu den schwachen und dürftigen Satzungen, welchen ihr von neuem an dienen wollt?
10 Ihr haltet Tage und Monate und Feste und Jahre.
11 Ich fürchte für euch, daß ich vielleicht umsonst an euch gearbeitet habe."

(Galater 4:8-11)


"16 So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate"

(Kolosser 2:16)




WEM HASS GEBÜHRT

"12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, daß dir der HERR, dein Gott, gibt."

(Exodus 20:12)


Allerdings ist es gar nicht so einfach, jemanden zu ehren, den wir gleichzeitig auch noch hassen sollen...

"26 So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.

(Jesus C. in Lukas 14:26)




FASTER, PUSSYCAT! KILL! KILL!

"13 Du sollst nicht töten."

(Exodus 20:13)


Ganz so einfach ist es aber nicht. Da gibt es nämlich die ein oder andere Ausnahme...

"9 Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Sein Blut sei auf ihm, daß er seinem Vater oder seiner Mutter geflucht hat.
10 Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat.
11 Wenn jemand bei seines Vaters Weibe schläft, daß er seines Vater Blöße aufgedeckt hat, die sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.
12 Wenn jemand bei seiner Schwiegertochter schläft, so sollen sie beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.
13 Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.
14 Wenn jemand ein Weib nimmt und ihre Mutter dazu, der hat einen Frevel verwirkt; man soll ihn mit Feuer verbrennen und sie beide auch, daß kein Frevel sei unter euch.
15 Wenn jemand beim Vieh liegt, der soll des Todes sterben, und das Vieh soll man erwürgen.
16 Wenn ein Weib sich irgend zu einem Vieh tut, daß sie mit ihm zu schaffen hat, die sollst du töten und das Vieh auch; des Todes sollen sie sterben; ihr Blut sei auf ihnen."

(Levitikus 20:9-16)


Und das waren gerade einmal sieben Verse...
Im Rest der Bibel finden sich noch viele weitere Anweisungen, wen man so alles steinigen oder verbrennen muss. Unter anderem alle Leute, die nicht an den HERRN glauben - also die Mehrheit der Menschheit.
Eigentlich wäre es einfacher und kürzer, dass Gebot andersherum zu formulieren: Du sollst alle töten - außer Leute, die sich immer an jede einzelne von Gottes abenteuerlichen Vorschriften halten.




IST DOCH KEIN EHEBRUCH!

"14 Du sollst nicht ehebrechen."

(Exodus 20:14)


Nicht ehebrechen? Schade eigentlich! Aber was ist denn genau Ehebruch? Gilt es als Ehebruch, wenn man sich scheiden lässt und neu heiratet? Jesus findet schon:

"11 Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe an ihr;
12 und so sich ein Weib scheidet von ihrem Manne und freit einen anderen, die bricht ihre Ehe."

(Markus 10:11-12)


Im Buch Exodus erlaubt Gott die Scheidung allerdings und auch einer erneuten Hochzeit steht nichts im Wege, solange man nicht die gleiche Frau zweimal heiratet.
Hier wird uns also nicht geboten, dass die Ehe ewig halten soll. Wohl aber die Scheidung...

"1 Wenn jemand ein Weib nimmt und ehelicht sie, und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen, weil er etwas schändliches an ihr gefunden hat, so soll er einen Scheidebrief schreiben und ihr in die Hand geben und sie aus seinem Haus entlassen.
2 Wenn sie dann aus seinem Hause gegangen ist und hingeht und wird eines andern Weib,
3 und der andere ihr auch gram wird und einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause läßt, oder so der andere Mann stirbt, der sie zum Weibe genommen hatte:
4 so kann sie ihr erster Mann, der sie entließ, nicht wiederum nehmen, daß sie sein Weib sei, nachdem sie unrein ist, den solches ist ein Greuel vor dem HERRN, auf daß du nicht eine Sünde über das Land bringst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gegeben hat."

(Exodus 24:1-4)


Ganz schon kompliziert, jetzt genau zu sagen, was genau "Ehebruch" sein soll. Aber nicht ganz unwichtig: Schließlich erwartet Ehebrecher - ihr ahnt es bestimmt - die Todesstrafe.

Hin und wieder hat Gott aber auch einen guten Tag. Dann vergisst er seine spießige Sexualmoral für ein Weilchen und erlaubt dem Menschen mal eine kleine Freude...

"2 Da der HERR anfing zu reden durch Hosea, sprach er zu ihm: Gehe hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom HERRN der Hurerei nach."

(Hosea 1:2)





I LOVE STEALING, I LOVE TAKING THINGS

"15 Du sollst nicht stehlen."

(Exodus 20:15)


Ausnahmen bestätigen die Regel.

"10 So raubet nun Silber! raubet Gold! denn hier ist der Schätze kein Ende und die Menge aller köstlichen Kleinode."

(Nahum 2:10)






LIAR LIAR PANTS ON FIRE

"16 Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten."

(Exodus 20:16)


Dieses Gebot wird meistens fälschlicherweise mit "Du sollst nicht lügen wiedergegeben". Doch eigentlich verbietet es nur eine gerichtliche Falschaussage. Dass man nicht lügen darf steht nicht in den zehn Geboten, ist in der Bibel allerdings an anderen Stellen zu finden.

"11 Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch fälschlich handeln einer mit dem andern.
12 Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und entheiligen den Namen deines Gottes; denn ich bin der HERR."

(Levitikus 19:11-12)


Allerdings ist die Bibel voll von Figuren, die lügen und dafür auch noch gelobt werden. Zum Beispiel Rahab aus Jericho, die ihre Mitbürger anlügt und Spione der Israeliten verbirgt.

"25 Desgleichen die Hure Rahab, ist sie nicht durch die Werke gerecht geworden, da sie die Boten aufnahm und ließ sie einen andern Weg hinaus?"

(Jakobus 2:25)


"2 Da ward dem König von Jericho gesagt: Siehe, es sind in dieser Nacht Männer hereingekommen von den Kindern Israel, das Land zu erkunden.
3 Da sandte der König zu Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus gekommen sind; denn sie sind gekommen, das ganze Land zu erkunden.
4 Aber das Weib verbarg die zwei Männer und sprach also: Es sind ja Männer zu mir hereingekommen; aber ich wußte nicht, woher sie waren.
5 Und da man die Tore wollte zuschließen, da es finster war, gingen sie hinaus, daß ich nicht weiß, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen eilend nach, denn ihr werdet sie ergreifen."

(Josua 2:2-5)


Lügen ist also Okay, wenn es um einen guten Zweck geht. Wie in diesem Fall, wo die Stadt Jericho ausgespäht werden muss, damit die Israeliten auf Gottes Befehl hin die Stadt angreifen und alle Bewohner ermorden können.
Mit einer Ausnahme: Die Hure Rahab wird wegen ihrer Heldentat verschont und auch noch gelobt. Und Huren werden in der Bibel wahrhaftig nicht allzu oft gelobt.

Auch die großen Helden der Bibel haben oft gelogen, ohne dass Gott sie dafür bestraft oder wenigstens gerügt hat. Der Stammvater Abraham verleugnet direkt zwei mal seine Frau und verkauft sie als seine Schwester - was nicht völlig gelogen ist, aber auch nicht wirklich ehrlich ist (mehr dazu hier).
Sein Enkel Jakob lügt seinen Vater auf dem Sterbebett an, um seinen Bruder um sein Erbe zu betrügen (mehr dazu hier).
Jakobs Söhne verkaufen ihren Bruder Joseph als Sklaven und erzählen ihrem Vater, er sei von einem wilden Tier gefressen worden. Als Joseph seine Brüder wiedersieht, ist er es, der sie anlügt (mehr dazu hier).

Und selbst zwei der vielleicht wichtigsten Charaktere der Bibel sind erwiesenermaßen Lügner: Jesus und Gott.
So meint Jesus:

"17 Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden.
18 Schlangen vertreiben; und so sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden."

(Markus 16:18)


Das ist ja wohl eindeutig geschwindelt. Aber jeder Christ ist herzlich willkommen, etwas Tödliches zu trinken und mir das Gegenteil zu beweisen...

Der erste Lügner der Weltgeschichte ist übrigens Gott selbst:

"16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten;
17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben."

(Genesis 2:16-17)


"3 Und Adam war hundertunddreißig Jahre alt und zeugte einen Sohn, der seinem Bild ähnlich war und hieß ihn Seth
4 und lebte darnach achthundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter;
5 daß sein ganzes Alter ward neunhundertunddreißig Jahre, und starb."

(Genesis 5:3-5)


Wer einmal lügt...



THE DOGGONE GIRL IS MINE

"17 Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat."

(Exodus 20:17)


Dass der "Nächste" natürlich nur der Landsmann mit der selben Religion ist und dass man seine Feinde ausrauben darf, ist ja klar. Aber auch unter den Israeliten macht Gott auch schon mal eine Ausnahme zum diesem Gebot.

So erlaubt er es im Buch Richter, dass der Stamm der Benjamiter sich Frauen von einem anderen israelitischen Stamm klauen darf.

"20 Und sie geboten den Kindern Benjamin und sprachen: Gehet hin und lauert in den Weinbergen.
21 Wenn ihr dann seht, daß die Töchter Silos heraus mit Reigen zum Tanz gehen, so fahret hervor aus den Weinbergen und nehme ein jeglicher sich ein Weib von den Töchtern Silos und gehet hin ins Land Benjamin.
22 Wenn aber ihre Väter oder Brüder kommen, mit uns zu rechten, wollen wir zu ihnen sagen: Gönnt sie uns; denn wir hatten nicht für jeden ein Weib genommen im Streit. Auch habt nicht ihr sie ihnen gegeben; sonst wäret ihr jetzt schuldig.
23 Die Kinder Benjamin taten also und nahmen Weiber nach ihrer Zahl von den Reigen, die sie raubten, und zogen hin und wohnten in ihrem Erbteil und bauten die Städte und wohnten darin."

(Richter 21:20-23)





IN GOTTES NAMEN

Das einzige Gebot zu dem es kein Widerspruch, keine Ausnahme oder Relativierung gibt - und damit wohl das wichtigste von allen:

"7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht."

(Exodus 20:7)


Noch schlimmer als den Namen des HERRN zu missbrauchen oder sich über Jesus lustig zu machen, ist - aus mir schleierhaften Gründen - das Lästern über den heiligen Geist.
Wer das tut, dem wird Gott niemals vergeben ewiglich und der Schuft hat sich das Ticket zur Hölle schon gelöst.

"32 Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt."

(Matthäus 12:32)


"29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts."

(Markus 3:29)



Herrgottsakra! Der soll sich mal nicht so aufspielen, dieser beschissene heilige Geist!

Aber zum Glück gibt es im echten Leben ja keine Geister...
Und wenn doch, weiß ich, wen ich anrufen muss.

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WIDERSPRÜCHE IN DER BIBEL

Teil 4: "Jein"
>>Teil 5: "Du sollst nicht... Oder doch?"


DIE ZEHN GEBOTE

"Top Ten"