12. September 2010

JEIN (Widersprüche in der Bibel Teil 4)


Christus musste geopfert werden, damit Gott uns unsere Sünden vergeben kann. Wenn Jesus nicht für uns gestorben wäre, wären wir alle ziemlich am Arsch und nicht nur die verdammten Heiden, die es ja eh nicht besser verdient haben.
Also sollten alle Christenmenschen den Leuten, die für Jesu Verhaftung und Hinrichtung verantwortlich waren, eigentlich doch dankbar sein. Oder?..



JUNG UND JÜNGER

Beginnen wir beim letzten Abendmahl. Jesus hält gerade mal wieder eine Rede über seine seltsamen Vorstellungen von Hygiene und sieht noch immer nicht ein, warum man sich vor dem Essen die Hände waschen sollte (ähnlich wie z.B. in Matthäus 15).
Während des ganzen Abendmahls weiß Jesus genau, dass sich in seinen Reihen ein Verräter befindet...

"9 So spricht zu ihm Simon Petrus: HERR, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt!  

10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts denn die Füße waschen, sondern er ist ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. 
 11 (Denn er wußte seinen Verräter wohl; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein.)"

(Johannes 13:27)



Ein wenig später teilt er diese erschütternde Nachricht allen seinen Jüngern mit. Die sind natürlich schockiert, dass einer von ihnen ein Verräter sein soll und versuchen alles, um herauszubekommen, wer es ist. 

"21 Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geist und zeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
22  Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ward ihnen bange, von welchem er redete.
23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische saß an der Brust Jesu, welchen Jesus liebhatte.
24 Dem winkte Simon Petrus, daß er forschen sollte, wer es wäre, von dem er sagte.
25Denn derselbe lag an der Brust Jesu, und er sprach zu ihm: HERR, wer ist's?"

(Johannes 13:21-25)




Die Spannung ist kaum auszuhalten... Wer ist der Verräter? Jesus gibt eine ziemlich klare Antwort.

"26
Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe."

(Johannes 13:26a)





So - jetzt müssen die Jünger nur noch abwarten, wem Jesus den Bissen gibt und schon wissen sie, wer der Verräter ist.

"Und er tauchte den Bissen ein und gab ihn Judas, Simons Sohn, dem Ischariot."

(Johannes 13:26b)



Judas?! Nicht Judas!!! Das hätte ich nie von ihm erwartet!
Aber zumindest ist die Katze aus dem Sack.

Rekapitulieren wir noch einmal:
1.) Jesus sagt, der Jünger, dem er als nächstes einen Bissen Brot gibt, wird ihn verraten.
2.) Im gleichen Vers gibt er Judas den Bissen.

Man muss eigentlich kein Genie sein, um jetzt zu wissen, wer Jesus verraten wird.
Oder doch?

"27 Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!
28 Das aber wußte niemand am Tische, wozu er's ihm sagte."

(Johannes 13:27-28)


Was zum Teufel...?!
Keiner der Jünger hat Jesus verstanden? Und diese grenzdebilen Kerle haben angeblich nach Jesu Tod dessen Botschaft weitergetragen? Kein Wunder, dass da so viele Widersprüche und Ungereimtheiten drin sind...

Auch sehr interessant: Der Satan fährt erst in Judas, nachdem Jesus behauptet hat, dieser werde ihn verraten.
Jetzt hat Judas wohl keine Wahl mehr.

Er verlässt das Abendmahl und tut, was Jesus ihm gesagt hat. Niemand hält ihn auf, da Jesus sich ausschließlich strunzdumme Leute als Jünger ausgesucht hat.

"29 Etliche meinten, dieweil Judas den Beutel hatte, Jesus spräche zu ihm: Kaufe was uns not ist auf das Fest! oder daß er den Armen etwas gäbe.
30 Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht."

(Johannes 13:29-30)



QUO VADIS?

Nachdem Judas gegangen ist, eröffnet Jesus seinen Jüngern, er werde sie bald verlassen.

"33 Ich bin nicht mehr lange bei euch, meine Kinder. Ihr werdet mich suchen, aber was ich schon den Juden sagte, muss ich auch euch sagen: Da, wo ich hingehe, könnt ihr nicht mitkommen."

(Johannes 13:33)



Die Jünger wollen Genaueres wissen und fragen nach, wohin genau Jesus gehe.

"36 Spricht Simon Petrus zu ihm: HERR, wo gehst du hin? Jesus antwortete ihm: Wo ich hin gehe, kannst du mir diesmal nicht folgen; aber du wirst mir nachmals folgen.
37 Petrus spricht zu ihm: HERR, warum kann ich dir diesmal nicht folgen? Ich will mein Leben für dich lassen.
38 Jesus antwortete ihm: Solltest du dein Leben für mich lassen? Wahrlich, wahrlich ich sage dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du mich dreimal habest verleugnet."

(Johannes 13:36-38)



Anstatt zu antworten, setzt Jesus eine weitere selbsterfüllende Prophezeiung in Gang. Aber die Jünger geben so schnell nicht auf und fragen weiter.

"5 Spricht zu ihm Thomas: HERR, wir wissen nicht, wo du hin gehst; und wie können wir den Weg wissen?"

(Johannes 14:5)



Jesus ist schon ein wenig beleidigt, dass ihn niemand fragt, wo er eigentlich hingehe...

"5
Nun aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand unter euch fragt mich: Wo gehst du hin?"


(Johannes 16:5)




AUGEN AUF OHREN AB

Es kommt, wie es kommen musste: Jesus wird von Judas verraten und vom Hohepriester der Pharisäer verhaftet. Einer der Jünger versucht die Verhaftung zu verhindern und schlägt einem Sklaven des Hohepriesters mit seinem Schwert ein Ohr ab. Jesus findet das gar nicht gut.

"51
Und siehe, einer aus denen, die mit Jesus waren, reckte die Hand aus und zog sein Schwert aus und schlug des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm ein Ohr ab.
52
Da sprach Jesus zu ihm; Stecke dein Schwert an seinen Ort! denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen."


(Matthäus 26:51-52)


Soll er? Wozu bist du denn noch mal gekommen, Jesus?

"34 Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert."

(Matthäus 10:34)






Wie auch immer: Jesus meint, seine Jünger sollten ihn nicht verteidigen - er sei genau da, wo er sein wolle.
Um seiner Verhaftung zu entgehen, könnte er jederzeit eine Armee von Engel rufen.

"53
Oder meinst du, daß ich nicht könnte meinen Vater bitten, daß er mir zuschickte mehr denn zwölf Legionen Engel?"

(Matthäus 26:53)


Aber warum sollte er seinen Vater um irgendwas bitten? Er ist doch selbst Gott, oder?

"25 Jesus antwortete ihnen: [...]
30 Ich und der Vater sind eins."

(Johannes 10:25;30)




Im Johannes-Evangelium wird der Ohr abschlagende Jünger als Petrus identifiziert (der nach katholischer Vorstellung übrigens auch nicht "durchs Schwert" umgekommen ist, sondern kopfüber gekreuzigt wurde).

"10 Da hatte Simon Petrus ein Schwert und zog es aus und schlug nach des Hohenpriesters Knecht und hieb ihm sein rechtes Ohr ab. Und der Knecht hieß Malchus.
11 Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir mein Vater gegeben hat?"

(Johannes 18:10-11)


Auch hier lässt es Jesus so aussehen, als hätte er eine Wahl und könnte die ganze Sache abblasen, wenn er wollte. Glaubt man aber, dass Jesus Gott war, ergibt das wenig Sinn.




"24 Da sie das hörten, hoben sie ihre Stimme auf einmütig zu Gott und sprachen: HERR, der du bist der Gott, der Himmel und Erde und das Meer und alles, was darinnen ist, gemacht hat; [...]
27 wahrlich ja, sie haben sich versammelt über deinen heiligen Knecht Jesus, welchen du gesalbt hast, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und dem Volk Israel,
28 zu tun, was deine Hand und dein Rat zuvor bedacht hat, daß es geschehen sollte."

(Apostelgeschichte 4:24;27-28)


"13 Darum so begürtet die Lenden eures Gemütes, seid nüchtern und setzet eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch angeboten wird durch die Offenbarung Jesu Christi, [...]
18 und wisset, daß ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise,
19 sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes,

20 der zwar zuvor ersehen ist, ehe der Welt Grund gelegt ward, aber offenbart zu den letzten Zeiten um euretwillen"

(1 Petrus 1:13;18-20)


Obwohl Jesus sich erst in den "letzten Zeiten" (müsste jeden Augenblick so weit sein...) offenbart hat, war das mit dem Blutopfer angeblich Gottes Plan seit immer, schon vor der Schöpfung. Stellt euch vor, Jesus hätte das vermasselt!
Da wäre Gott (er selbst) wohl ziemlich sauer auf ihn (sich selbst) gewesen.



DOPPELT HÄLT BESSER

Wir wissen alle, wie die Geschichte ausgegangen ist. Jesus ist am Kreuz gestorben und wiederauferstanden, wie Gott das geplant hatte. Und das war unsere Erlösung, wenn wir daran glauben.
Deshalb sind Christen auch allen ewig dankbar, die dies ermöglicht haben: Satan, den Pharisäern, Pontius Pilatus und seiner Crew und natürlich Judas.
Was aus dem bloß geworden ist?..

"3
Da das sah Judas, der ihn verraten hatte, daß er verdammt war zum Tode, gereute es ihn, und brachte wieder die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten
4 und sprach: Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe.
5 Sie sprachen: Was geht uns das an? Da siehe du zu! Und er warf die Silberlinge in den Tempel, hob sich davon, ging hin und erhängte sich selbst."

(Matthäus 27:3-5)


Selbstmord also? Oder doch Tod durch Herausfallen der Organe?

"15 Und in den Tagen trat auf Petrus unter die Jünger und sprach (es war aber eine Schar zuhauf bei hundertundzwanzig Namen):
16 Ihr Männer und Brüder, es mußte die Schrift erfüllet werden, welche zuvor gesagt hat der Heilige Geist durch den Mund Davids von Judas, der ein Führer war derer, die Jesus fingen;
17 denn er war zu uns gezählt und hatte dies Amt mit uns überkommen.
18 Dieser hat erworben den Acker um den ungerechten Lohn und ist abgestürzt und mitten entzweigeborsten, und all sein Eingeweide ausgeschüttet."

(Apostelgeschichte 1:15-18)





ER WIRD SCHON RICHTEN

Ist Judas nun verachtenswert? Oder nur das Produkt seiner Umwelt (Elternhaus, Peer Groups, Satan, etc).?..
Und sind wir wirklich in der Position, über ihn zu urteilen? Nicht einmal Jesus selbst kam auf die Erde, um zu richten. So sagt er nämlich:

"16 Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde."

(Johannes 3:16-17)

"47 Und wer meine Worte hört, und glaubt nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache."

(Johannes 12:47)


Obwohl...

"39 Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht auf diese Welt gekommen"

(Johannes 9:39)


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WIDERSPRÜCHE IN DER BIBEL

[Teil 1: JA; NEIN; VIELLEICHT]
[Teil 2: SO/SO]
[Teil 3: WIE JETZT?!]

>>[Teil 4: JEIN]
[Teil 5: DU SOLLST NICHT... ODER DOCH?]

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