13. März 2011

DER KLEINE TRÄUMLING (Das Buch Genesis Teil 10)


[Teil 1: "Sonne, Mond und Sterne"]
[Teil 2: "Es war einmal..."]
[Teil 3: "Die gerechte Strafe"]
[Teil 4: "Die Reise zum Mittagsland der Erde"]
[Teil 5: "Die Rückkehr der Riesen"]
[Teil 6: "Feuerwasser"]
[Teil 7: "Opfa!"]
[Teil 8: "Bruder Jakob"]
[Teil 9: "Der Mensch und das Weib"]




Die letzten Kapitel des Buches Genesis erzählen vom Träumer Joseph, einer von zwölf Söhnen Jakobs (- dem biblischen Stammvater aller Israeliten). Joseph lebt den amerikanischen Traum und klettert die soziale Letter hinauf - vom kleinen Hirten zu einem der mächtigsten Menschen der Welt. 


NOTHING BUT A DREAMER

Die Geschichte beginnt, als Joseph ein junger Mann von 17 Jahren ist. Obwohl er damit kein Kind mehr ist, verpetzt der Sepp gerne seine Halbbrüder bei seinem Vater.

"1 Jakob aber wohnte im Lande, darin sein Vater ein Fremdling gewesen war, im Lande Kanaan.
2 Und dies sind die Geschlechter Jakobs: Joseph war siebzehn Jahre alt, da er ein Hirte des Viehs ward mit seinen Brüdern; und der Knabe war bei den Kinder Bilhas und Silpas, der Weiber seines Vaters, und brachte vor ihren Vater, wo ein böses Geschrei wider sie war."

(Genesis 37:1-2)



Jakob (auch "Israel" genannt) liebt seinen Sohn Joseph mehr als all seine anderen Kinder. Das macht den Denunzianten wohl zusätzlich unbeliebt unter seinen Geschwistern - denn Jakob lässt es seine anderen Söhne auch spüren, dass er Joseph mehr liebt als sie.

"3 Israel aber hatte Joseph lieber als alle seine Kinder, darum daß er ihn im Alter gezeugt hatte; und machte ihm einen bunten Rock.
4 Da nun seine Brüder sahen, daß ihn ihr Vater lieber hatte als alle seine Brüder, waren sie ihm feind und konnten ihm kein freundlich Wort zusprechen."

(Genesis 37:3-4)



Auch Joseph selbst hält sich für etwas Besseres. Zumindest unterbewusst, wie seine Träume beweisen.

"5 Dazu hatte Joseph einmal einen Traum und sagte zu seinen Brüdern davon; da wurden sie ihm noch feinder.
6 Denn er sprach zu ihnen: Höret doch, was mir geträumt hat:
7 Mich deuchte, wir banden Garben auf dem Felde, und meine Garbe richtete sich auf und stand, und eure Garben umher neigten sich vor meiner Garbe.
8 Da sprachen seine Brüder zu ihm: Solltest du unser König werden und über uns herrschen? und sie wurden ihm noch feinder um seines Traumes und seiner Rede willen."

(Genesis 37:5-8)



Die Brüder verstehen die platte Symbolik sofort und sind sichtlich wütend darüber. Das sollte Joseph eine Lehre sein, künftig solche Träume lieber für sich zu behalten. Ist es aber nicht.

"9 Und er hatte noch einen andern Traum, den erzählte er seinen Brüdern und sprach: Siehe, ich habe einen Traum gehabt: Mich deuchte, die Sonne und der Mond und elf Sterne neigten sich vor mir.
10 Und da das seinem Vater und seinen Brüdern gesagt ward, strafte ihn sein Vater und sprach zu ihm: Was ist das für ein Traum, der dir geträumt hat? Soll ich und deine Mutter und deine Brüder kommen und vor dir niederfallen?"

(Genesis 37:9-10)


Jetzt ist sogar der Papa böse über seinen Liebling. Obwohl es ja nur ein Traum ist - der mit großer Wahrscheinlichkeit nie in Erfüllung gehen wird. Denn Josephs Mutter, Rahel, ist schon längst tot (Genesis 35:19). Da hat der alte Jakob wohl was durcheinander gebracht. Kein Wunder, da er zwölf Söhne von insgesamt vier Frauen hat.





HOCHMUT KOMMT VOR DEM FALL

Eines Tages hüten Josephs Brüder ihre Schafe, als sie den unbeliebten Bruder nähern kommen sehen.
Sie beschließen, es dem kleinen Träumer mal so richtig heimzuzahlen. Ihr Plan ist allerdings ein wenig radikal.

"18 Als sie ihn nun sahen von ferne, ehe er denn nahe zu ihnen kam machten sie einen Anschlag, daß sie ihn töteten,
19 und sprachen untereinander: Seht, der Träumer kommt daher.
20 So kommt nun und laßt uns ihn erwürgen und in eine Grube werfen und sagen, ein böses Tier habe ihn gefressen, so wird man sehen, was seine Träume sind."

(Genesis 37:18-20)



Der älteste Bruder Ruben meldet allerdings Bedenken an. Als Erstgeborener müsste er seinem Vater Rechenschaft für den verlorenen Sohn abgeben. Er schlägt vor, Joseph nicht zu töten, sondern nur in die Grube zu werfen, aus der er ihn später heimlich wieder befreien will.

"21 Da das Ruben hörte, wollte er ihn aus ihren Händen erretten, und sprach: Laßt uns ihn nicht töten.
22 Und weiter sprach Ruben zu ihnen: Vergießt nicht Blut, sondern werft ihn in die Grube, die in der Wüste ist, und legt die Hand nicht an ihn. Er wollte ihn aber aus ihrer Hand erretten, daß er ihn seinem Vater wiederbrächte."

(Genesis 37:21-22)



Joseph, der seinen hübschen Rock trägt, der zu allem Überfluss auch noch knallbunt ist (tuntiger geht's wohl kaum) erreicht seine Geschwister. Die setzen Rubens Plan um und werfen Joseph in die Grube, ohne selbst hinein zu fallen.

"23 Als nun Joseph zu seinen Brüdern kam, zogen sie ihm seinen Rock, den bunten Rock, aus, den er anhatte,
24 und nahmen ihn und warfen ihn in die Grube"

(Genesis 37:23-24)




Danach machen die Brüder erst mal Mittagspause, währenddessen eine Karawane von Ismaeliten an ihnen vorbeizieht. Dies ist die biblische Bezeichnung für Araber, da sie von Abrahams Sohn Ismael abstammen sollen. Ismael ist somit der Bruder des Großvaters von Joseph und seinen Brüdern. Da bereits ein ganzes Volk aus seinen Nachkommen entstanden ist, muss er recht produktiv beim Kinder machen gewesen sein.

"25 Und setzten sich nieder, zu essen. Indes hoben sie ihre Augen auf und sahen einen Haufen Ismaeliter kommen von Gilead mit ihren Kamelen; die trugen Würze, Balsam und Myrrhe und zogen hinab nach Ägypten.
26 Da sprach Juda zu seinen Brüdern: Was hilft's uns, daß wir unseren Bruder erwürgen und sein Blut verbergen?

27 Kommt, laßt uns ihn den Ismaeliten verkaufen, daß sich unsre Hände nicht an ihm vergreifen; denn er ist unser Bruder, unser Fleisch und Blut. Und sie gehorchten ihm."

(Genesis 37:25-27)


Juda schlägt vor, Joseph zu verkaufen - anstatt ihn umzubringen. Der Autor hätte seinen Text vor der Abgabe wohl besser noch mal lesen sollen: Denn die Brüder hatten kurz zuvor den Plan, Joseph zu ermorden, eigentlich sowieso schon längst aufgegeben. Ihn in die Grube zu schmeißen war ja bereits der Ersatzplan dazu. Steht zumindest so im Text, nur vier Verse vorher.
Die Begründung von Juda, warum die Brüder Joseph nicht töten sollten, ist, dass er ihr eigenes Fleisch und Blut sei. Wenn ein Fremder beleidigende Träume hat, ist es wohl in Ordnung, ihn dafür zu ermorden.

Die Brüder setzen Judas Vorschlag in die Tat um: Sie ziehen Joseph aus der Grube und verkaufen ihn an die Ismaeliten.
Oder doch nicht?..

"28 Und da die Midianiter, die Kaufleute, vorüberreisten, zogen sie ihn heraus aus der Grube und verkauften ihn den Ismaeliten um zwanzig Silberlinge; die brachten ihn nach Ägypten."

(Genesis 37:28)


Der Verfasser dieser Zeilen hat wohl etwas zu viel Opium geraucht. Was er geschrieben hat, ergibt jedenfalls wenig Sinn. Plötzlich heißt es, Midianiter hätten Joseph aus der Grube geholt und an die Ismaeliten verkauft. Dabei waren es doch gerade noch Josephs Brüder, die das Geschäft mit den Ismaeliten gemacht haben. Wenigstens laut dem Text - einen Vers zuvor.

Wie auch immer die Ismaeliten zu ihrem neuen Sklaven gekommen sind - jedenfalls nehmen sie Joseph mit nach Ägypten und verkaufen ihn dort. Oder waren das doch die Midianiter?

"36 Aber die Midianiter verkauften ihn in Ägypten dem Potiphar, des Pharao Kämmerer und Hauptmann der Leibwache."

(Genesis 37:36)


Wie denn jetzt? Gott war wohl beim Bibel inspirieren gerade mit den Gedanken woanders. So entscheidet er sich schon wieder um und lässt doch die Ismaeliten statt den Midianitern Joseph an den Ägypter Potiphar verkaufen.

"1 Joseph ward hinab nach Ägypten geführt; und Potiphar, ein ägyptischer Mann, des Pharao Kämmerer und Hauptmann, kaufte ihn von den Ismaeliten, die ihn hinabbrachten."

(Genesis 39:1)





Wer die Bibel ein wenig kennt, weiß, dass sich dort hin und wieder schon mal ein kleiner Widerspruch befindet. Aber ein Widerspruch, der auf einen Widerspruch folgt, der auf einen Widerspruch folgt - und das alles auf Josephs Weg von der Grube in das Haus Potiphars: Das ist sogar für biblische Verhältnisse sehr beachtlich.



TRAUMTYP

Der Älteste der Brüder, Ruben, ist nicht dabei als Joseph von den anderen Brüdern (oder Midianitern oder sonstwem) aus der Grube gezogen wird. Er kommt später an den Ort des Geschehens und muss schockiert feststellen, dass Joseph nicht mehr da ist. Vor lauter Bestürzung zerreißt er erst einmal seine Klamotten.

"29 Als nun Ruben wieder zur Grube kam und fand er Joseph nicht darin, zerriß er sein Kleid
30 und kam wieder zu seinen Brüdern und sprach: Der Knabe ist nicht da! Wo soll ich hin?"

(Genesis 37:29-30)



Die Brüder nehmen Josephs bunten Rock, tränken ihn in Ziegenblut und überzeugen den Vater, Joseph sei von einem wilden Tier gefressen worden. Der ist todtraurig und zerreißt ebenfalls seine Kleidung. Scheint wohl damals eine üblichere Geste als heutzutage gewesen zu sein.

"34 Und Jakob zerriß sein Kleider und legte einen Sack um seine Lenden und trug Leid um seinen Sohn lange Zeit."

(Genesis 37:34)



Joseph ist nun Sklave im Haus des Ägypters Potiphar. Und wenn er schon gezwungen wird zu arbeiten, dann strengt er sich auch wenigstens besonders an. Mit Gottes tatkräftiger Unterstützung macht er seine Arbeit so gut, dass er schnell zum Chef-Sklaven ernannt wird.

"3 Und sein Herr sah, daß der HERR mit ihm war; denn alles, was er tat, dazu gab der HERR Glück durch ihn,
4 Also daß er Gnade fand vor seinem Herrn und sein Diener ward. Der setzte ihn über sein Haus, und alles, was er hatte, tat er unter seine Hände."

(Genesis 39:3-4)



Leider wird dem verträumten Jüngling bald sein gutes Aussehen zum Verhängnis - denn Potiphars Frau hat ein Auge auf ihn geworfen, oder gar zwei.

"6 [...] Und Joseph war schön und hübsch von Angesicht.
7 Und es begab sich nach dieser Geschichte, daß seines Herrn Weib ihre Augen auf Joseph warf und sprach: Schlafe bei mir!"

(Genesis 39:6b-7)



Joseph ist empört: Nach seinem Moralempfinden wäre es schrecklich, seinen Sklavenbesitzer zu hintergehen. Gott sieht das anscheinend genauso.

"8 Er weigerte sich aber und sprach zu ihr: Siehe, mein Herr nimmt sich keines Dinges an vor mir, was im Hause ist, und alles, was er hat, das hat er unter meine Hände getan,
9 und hat nichts so Großes in dem Hause, das er mir verhohlen habe, außer dir, indem du sein Weib bist. Wie sollte ich denn nun ein solch groß Übel tun und wider Gott sündigen?"

(Genesis 39:8-9)



Aber Potiphars Frau gibt nicht auf und versucht es immer wieder. Als sie schließlich endlich einsehen muss, dass das mit Joseph nichts wird, spinnt sie eine Intrige. Sie behauptet, dass Joseph sie vergewaltigen wollte.

"10 Und sie trieb solche Worte gegen Joseph täglich. Aber er gehorchte ihr nicht, daß er nahe bei ihr schliefe noch um sie wäre. [...]
16 Und sie legte sein Kleid neben sich, bis der Herr heimkam,
17 und sagte zu ihm ebendieselben Worte und sprach: Der hebräische Knecht, den du uns hereingebracht hast, kam zu mir herein und wollte seinen Mutwillen mit mir treiben.
18 Da ich aber ein Geschrei machte und rief, da ließ er sein Kleid bei mir und floh hinaus."

(Genesis 39:10,16-18)



Die Geschichte um Potiphars namenlose Ehefrau ist die letzte im Buch Genesis, in der eine Frau eine aktive Rolle spielt. Dabei wird sie ähnlich unsympathisch dargestellt wie alle anderen Frauen in diesem Buch [mehr dazu in Teil 9 dieser Serie].
Die Bibel vertritt recht unzweideutig die Ansicht, dass Männer Frauen von Natur aus überlegen sind. Wenn ich Gott wäre, würde ich diese Tatsache nicht so medienwirksam veröffentlichen: Immerhin bedeutet dies ja logischerweise auch, dass Gott bei der Schöpfung der Hälfte der Menschheit nicht in seiner Top-Form war und miese Arbeit abgeliefert hat, die weit unterhalb seiner Möglichkeiten steht.




DREAMS ARE MY REALITY

Der Plan von Potiphars Frau geht auf. Potiphar kauft ihr die Story ab und so landet Joseph unschuldig im Gefängnis.

"19 Als sein Herr hörte die Rede seines Weibes, die sie ihm sagte und sprach: Also hat mir dein Knecht getan, ward er sehr zornig.
20 Da nahm ihn sein Herr und legte ihn ins Gefängnis, darin des Königs Gefangene lagen; und er lag allda im Gefängnis."

(Genesis 39:19-20)



Joseph hat die eindeutige Tendenz, Autoritätspersonen unbedingt gefallen zu wollen. Obwohl ihm das im Fall seines Vaters und seines Sklavenbesitzers Potiphar im Endeffekt nicht viel Glück gebracht hat, ändert er sein Verhalten nicht. Er macht seine Zwangsarbeit im Knast so gut, dass ihn der Gefängnisvorsteher schnell zu seiner obersten Vertrauensperson macht.

"21 Aber der HERR war mit ihm und neigte seine Huld zu ihm und ließ ihn Gnade finden vor dem Amtmann über das Gefängnis,
22 daß er ihm unter seine Hand befahl alle Gefangenen im Gefängnis, auf daß alles, was da geschah, durch ihn geschehen mußte.
23 Denn der Amtmann des Gefängnisses nahm sich keines Dinges an; denn der HERR war mit Joseph, und was er tat, dazu gab der HERR Glück."

(Genesis 39:21-23)



Mit Joseph im Knast sitzen ein Bäcker und ein Wirt, die beide beim Pharao in Ungnade gefallen sind. Sowohl der Bäcker als auch der Wirt haben eines Nachts seltsame Träume. Beide sind überzeugt, dass die Träume ihnen ihre Zukunft voraussagen, verstehen sie aber nicht und sind daher verständlicherweise sehr betrübt.

"5 Und es träumte ihnen beiden, dem Schenken und dem Bäcker des Königs von Ägypten, in einer Nacht einem jeglichen ein eigener Traum; und eines jeglichen Traum hatte seine Bedeutung.
6 Da nun des Morgens Joseph zu ihnen hereinkam und sah, daß sie traurig waren,
7 fragte er sie und sprach: Warum seid ihr heute so traurig?
8 Sie antworteten: Es hat uns geträumt, und wir haben niemand, der es uns auslege."

(Genesis 40:5-8a)



Joseph behauptet, nur Gott allein könne Träume deuten. Im nächsten Moment deutet er aber selbst die Träume - anscheinend hält er sich für Gott.

"Joseph sprach: Auslegen gehört Gott zu; doch erzählt mir's."

(Genesis 40:8b)



Der Traum des Bäckers bedeutet laut Joseph, dass der Pharao ihn in drei Tagen hinrichten werde - was natürlich auch prompt so geschieht. Auch die Auslegung des Traums vom Wirt erweist sich als korrekt. Der wird - wie von Joseph vorausgesagt - drei Tage später begnadigt. Blöderweise erzählt der aber niemandem, dass Joseph die Fähigkeit hat, durch Träume in die Zukunft zu sehen. So ein nichtiges Detail kann man ja schon mal vergessen.

"20 Und es geschah des dritten Tages, da beging Pharao seinen Jahrestag; und er machte eine Mahlzeit allen seinen Knechten und erhob das Haupt des obersten Schenken und das Haupt des obersten Bäckers unter den Knechten,
21 und setzte den obersten Schenken wieder in sein Schenkamt, daß er den Becher reicht in Pharaos Hand;
22 aber den obersten Bäcker ließ er henken, wie ihnen Joseph gedeutet hatte.
23 Aber der oberste Schenke gedachte nicht an Joseph, sondern vergaß ihn."

(Genesis 40:20-23)




DER ÄGYPTISCHE TRAUM

Joseph sitzt noch zwei weitere Jahre im Gefängnis. Doch dann hat der Pharao höchstpersönlich Träume, die ihm niemand deuten kann. Er träumt von sieben dicken Kühen und sieben mageren, außerdem von sieben dicken Ähren und sieben dünnen.

"1 Und nach zwei Jahren hatte Pharao einen Traum, wie er stünde am Nil
2 und sähe aus dem Wasser steigen sieben schöne, fette Kühe; die gingen auf der Weide im Grase.
3 Nach diesen sah er andere sieben Kühe aus dem Wasser aufsteigen; die waren häßlich und mager und traten neben die Kühe an das Ufer am Wasser.
4 Und die häßlichen und mageren fraßen die sieben schönen, fetten Kühe. Da erwachte Pharao.
5 Und er schlief wieder ein, und ihn träumte abermals, und er sah, daß sieben Ähren wuchsen an einem Halm, voll und dick.
6 Darnach sah er sieben dünnen Ähren aufgehen, die waren vom Ostwind versengt.
7 Und die sieben mageren Ähren verschlangen die sieben dicken und vollen Ähren. Da erwachte Pharao und merkte, daß es ein Traum war."

(Genesis 41:1-7)



Auch der Pharao ist sich sofort sicher, dass diese Träume zuverlässig die Zukunft vorhersagen. Daher lässt er alle Wahrsager und Weisen seines Landes zur Traumdeutung antanzen. Doch all diese Leute, die immerhin durch diesen Job ihre Brötchen verdienen, haben nicht einmal einen Ansatz einer Hypothese, wie man die subtile Symbolik des Traums verstehen könnte.

"8 Und da es Morgen ward, war sein Geist bekümmert; und er schickte aus und ließ rufen alle Wahrsager in Ägypten und alle Weisen und erzählte ihnen seine Träume. Aber da war keiner, der sie dem Pharao deuten konnte."

(Genesis 41:8)



Nachdem jeder einzelne Wahrsager an den Hof gekommen und an der Deutung der Träume gescheitert war, fällt dem Wirt ein: Ach ja, da war doch noch was...
Er kennt ja jemanden, der Träume richtig auslegen kann! So wird Joseph endlich aus dem Gefängnis geholt und vor den König gebracht. Wieder behauptet Joseph, dass die Traumdeutung allein Sache von Gott ist. Und wieder legt er kurz darauf den Traum selbst aus.

"14 Da sandte Pharao hin und ließ Joseph rufen; und sie ließen ihn eilend aus dem Gefängnis. Und er ließ sich scheren und zog andere Kleider an und kam hinein zu Pharao.
15 Da sprach Pharao zu ihm: Mir hat ein Traum geträumt, und ist niemand, der ihn deuten kann; ich habe aber gehört von dir sagen, wenn du einen Traum hörst, so kannst du ihn deuten.
16 Joseph antwortete Pharao und sprach: Das steht bei mir nicht; Gott wird doch Pharao Gutes weissagen."

(Genesis 41:14-16)



Der Pharao erzählt Joseph von seinen Träumen. Dieser interpretiert die sieben schönen Kühe und dicken Ähren als sieben Jahre mit reicher Ernte und die dünnen Kühe und Ähre als sieben Jahre des Hungerns, die darauf folgen.

"28 Das ist nun, wie ich gesagt habe zu Pharao, daß Gott Pharao zeigt, was er vorhat.
29 Siehe, sieben reiche Jahre werden kommen in ganz Ägyptenland.
30 Und nach denselben werden sieben Jahre teure Zeit kommen, daß man vergessen wird aller solcher Fülle in Ägyptenland; und die teure Zeit wird das Land verzehren"

(Genesis 41:28-30)



Obwohl der Pharao nicht die geringste Ahnung hat, ob diese Deutung richtig ist und eintreffen wird, glaubt er Joseph und holt ihn aus dem Knast.
Aber nicht nur das: Er macht ihn sogar zum Vize-Pharao und hebt ihn über alle Menschen Ägyptens (außer ihn selbst natürlich). Am Morgen noch im Gefängnis, ist Joseph nun nach dem Pharao Ägyptens oberster Politiker, Richter und Befehlshaber über das Militär.

"37 Die Rede gefiel Pharao und allen seinen Knechten wohl.
38 Und Pharao sprach zu seinen Knechten: Wie könnten wir einen solchen Mann finden, in dem der Geist Gottes sei?
39 Und sprach zu Joseph: Weil dir Gott solches alles hat kundgetan, ist keiner so verständig und weise wie du.
40 Du sollst über mein Haus sein, und deinem Wort soll all mein Volk gehorsam sein; allein um den königlichen Stuhl will ich höher sein als du.
41 Und weiter sprach Pharao zu Joseph: Siehe, ich habe dich über ganz Ägyptenland gesetzt."

(Genesis 41:37-41)



Schwer vorstellbar, dass das ägyptische Königreich so viele Jahrhunderte lang erfolgreich bestehen konnte, wenn ein Pharao solch riskante Entscheidungen trifft, wie einem völlig fremden Ausländer, der seit Jahren im Gefängnis sitzt, wegen einer eventuell richtigen Interpretation eines Traums so viel Macht zu verleihen. Dieser blitzartige Aufstieg klingt etwas unglaubwürdig - aber es muss wohl so gewesen sein. Schließlich steht es ja in der Bibel und Gott lügt ja nicht.



SIEBEN JAHRE IN ÄGYPTEN

Wie Joseph es aus Pharaos Träumen gedeutet hatte, folgen sieben fette Jahre. Vize-König Joseph verwaltet den Überschuss der Ernten und lässt ihn lagern, um für die sieben dürren Jahre vorzusorgen - statt alles in den Nil zu werfen oder was immer sie ohne den weisen Joseph getan hätten.

"47 Und das Land trug in den sieben reichen Jahren die Fülle;
48 und sie sammelten alle Speise der sieben Jahre, so im Lande Ägypten waren, und taten sie in die Städte. Was für Speise auf dem Felde einer jeglichen Stadt umher wuchs, das taten sie hinein.
49 Also schüttete Joseph das Getreide auf, über die Maßen viel wie Sand am Meer, also daß er aufhörte es zu zählen; denn man konnte es nicht zählen."

(Genesis 41:47-49)



Zu der Zeit bekommt Joseph auch zwei Söhne von seiner ägyptischen Frau, die er vom Pharao bei seiner Beförderung zur Nummer 2 im Land geschenkt bekommen hat.

"50 Und Joseph wurden zwei Söhne geboren, ehe denn die teure Zeit kam, welche ihm gebar Asnath, Potipheras, des Priesters zu On, Tochter.
51 Und er hieß den ersten Manasse; denn Gott, sprach er, hat mich lassen vergessen alles meines Unglücks und all meines Vaters Hauses.
52 Den andern hieß er Ephraim; denn Gott, sprach er, hat mich lassen wachsen in dem Lande meines Elends."

(Genesis 41:50-52)



Und wie angekündigt folgen auf die sieben fetten Jahre sieben magere. Joseph kümmert sich persönlich um die Verteilung der gesammelten Reserven. Davon gibt es so viel, dass Joseph sogar exportieren kann.

"53
 Da nun die sieben reichen Jahre um waren in Ägypten,
54 da fingen an die sieben teuren Jahre zu kommen, davon Joseph gesagt hatte. Und es ward eine Teuerung in allen Landen; aber in ganz Ägyptenland war Brot."

(Genesis 41:53-54)


Leute aus allen Ländern der Erde kommen nach Ägypten, um Nahrungsmittel zu kaufen, denn anscheinend regnet es sieben Jahre lang nirgendwo auf der Welt mehr.

"57 Und alle Lande kamen nach Ägypten, zu kaufen bei Joseph; denn die Teuerung war groß in allen Landen."

(Genesis 41:57)




THEY'RE ALL SPIES

Auch Josephs Vater Jakob hat gehört, dass man in Ägypten Getreide kaufen könne und schickt daher seine verbliebenen Söhne dorthin - bis auf den jüngsten, Benjamin. Der ist schließlich nach Josephs Verschwinden Jakobs einziger Sohn von seiner Lieblingsfrau Rahel.

"1 Da aber Jakob sah, daß Getreide in Ägypten feil war, sprach er zu seinen Söhnen: Was sehet ihr euch lange um?
2 Siehe, ich höre, es sei in Ägypten Getreide feil; zieht hinab und kauft uns Getreide, daß wir leben und nicht sterben.
3 Also zogen hinab zehn Brüder Josephs, daß sie in Ägypten Getreide kauften.
4 Aber den Benjamin, Josephs Bruder, ließ Jakob nicht mit seinen Brüdern ziehen; denn er sprach: Es möchte ihm ein Unfall begegnen."

(Genesis 42:1-4)



Als die Brüder vor Joseph treten, der die Getreideausgabe persönlich überwacht, erkennen sie ihn nicht wieder. Joseph erkennt jedoch seine Brüder sofort und bemerkt auch, dass das nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Dies nutzt er geschickt zu seinem Vorteil aus und gibt daher seine wahre Identität nicht preis.

"6 Aber Joseph war der Regent im Lande und verkaufte Getreide allem Volk im Lande. Da nun seine Brüder kamen, fielen sie vor ihm nieder zur Erde auf ihr Antlitz.
7 Und er sah sie an und kannte sie und stellte sich fremd gegen sie und redete hart mit ihnen und sprach zu ihnen: Woher kommt ihr? Sie sprachen: Aus dem Lande Kanaan, Speise zu kaufen.
8 Aber wiewohl er sie kannte, kannten sie ihn doch nicht."

(Genesis 42:6-8)



Joseph wirft den Brüdern vor, ausländische Spione zu sein - ein Beruf, für den sie hingerichtet werden könnten.

"9 Und Joseph gedachte an die Träume, die ihm von ihnen geträumt hatten, und sprach zu ihnen: Ihr seid Kundschafter und seid gekommen zu sehen, wo das Land offen ist."

(Genesis 42:9)


Die Brüder weisen die schwerwiegenden Anschuldigung weit von sich. Doch Joseph lässt nicht locker. Um zu beweisen, dass sie keine Kundschafter sind, sollen die Brüder zurück zu ihrem Vater reisen und mit dem jüngstem Bruder Benjamin zurückkehren. Als Pfand behält Joseph einen der Bruder zurück und steckt ihn Gefängnis.

"14 Joseph sprach zu ihnen: Das ist's, was ich euch gesagt habe: Kundschafter seid ihr.
15 Daran will ich euch prüfen; bei dem Leben Pharaos! ihr sollt nicht von dannen kommen, es komme denn her euer jüngster Bruder. [...]
19 Seid ihr redlich, so laßt eurer Brüder einen gebunden liegen in eurem Gefängnis; ihr aber zieht hin und bringet heim, was ihr gekauft habt für den Hunger.
20 Und bringt euren jüngsten Bruder zu mir, so will ich euren Worten glauben, daß ihr nicht sterben müßt. Und sie taten also."

(Genesis 42:14-15,19-20)



Warum das Erscheinen von Benjamin beweisen soll, dass keiner der Brüder ein Spion ist, kann ich leider nicht verraten...

Zerknirscht reisen die verbliebenen neun Brüder mit dem Getreide ab. Was sie nicht wissen: Joseph hat in die Getreidesäcke auch das Geld wieder einpacken lassen, das die Brüder für das Getreide bezahlt haben.

"25 Und Joseph tat Befehl, daß man ihre Säcke mit Getreide füllte und ihr Geld wiedergäbe, einem jeglichen in seinen Sack, dazu auch Zehrung auf den Weg; und man tat ihnen also.
26 Und sie luden ihre Ware auf ihre Esel und zogen von dannen."

(Genesis 42:25-26)


Unterwegs in einer Herberge entdeckt einer der Brüder, dass in seinem Getreidesack Geld ist.

"27 Da aber einer seinen Sack auftat, daß er seinem Esel Futter gäbe in der Herberge, ward er gewahr seines Geldes, das oben im Sack lag,
28 und sprach zu seinen Brüdern: Mein Geld ist mir wieder geworden; siehe, in meinem Sack ist es. Da entfiel ihnen ihr Herz, und sie erschraken untereinander und sprachen: Warum hat uns Gott das getan?"

(Genesis 42:27-28)


Die Brüder sind entsetzt, dass Gott ihnen so etwas antut - eine alternative Erklärung ziehen sie nicht in Erwägung. Auch kommen sie nicht auf die Idee, die anderen Säcke zu überprüfen. Dass sich auch in allen Säcken Geld befindet, stellen die Brüder daher erst fest, als sie zuhause gemeinsam mit ihrem Vater Jakob die Säcke öffnen.

"35 Und da sie die Säcke ausschütteten, fand ein jeglicher sein Bündlein Geld in seinem Sack. Und da sie sahen, daß es Bündlein ihres Geldes waren, erschraken sie samt ihrem Vater."

(Genesis 42:35)



Die Brüder erläutern dem Papa die Situation. Doch der will seinen jüngsten Sohn Benjamin nicht herausrücken. Der Älteste, Ruben, bietet daraufhin an, mit dem Leben zu haften - aber natürlich nicht mit seinem eigenen: Er bietet an, dass Jakob seine zwei Söhne töten darf, wenn er Benjamin nicht nach Hause bringt.

"37 Ruben antwortete seinem Vater und sprach: Wenn ich dir ihn nicht wiederbringe, so erwürge meine zwei Söhne; gib ihn nur in meine Hand, ich will ihn dir wiederbringen."

(Genesis 42:37)


Was Jakob davon hat, wenn er beim Tod seines jüngsten Sohnes zwei seiner Enkel ermorden darf, erschließt sich mir ebenfalls nicht ganz. Andere Länder, andere Sitten...



THERE'S AN OLD SAYING IN TENNESSEE

Als die importierten Getreidevorräte verbraucht sind, bittet Jakob seine Söhne, erneut nach Ägypten zu reisen, um Nachschub zu holen. Doch die weigern sich, ohne Benjamin wieder vor Joseph zu treten.

"1 Die Teuerung aber drückte das Land.
2 Und da es verzehrt war, was sie an Getreide aus Ägypten gebracht hatten, sprach ihr Vater zu ihnen: Zieht wieder hin und kauft uns ein wenig Speise.
3 Da antwortete ihm Juda und sprach: Der Mann band uns das hart ein und sprach: Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, es sei denn euer Bruder mit euch."

(Genesis 43:1-3)


Schweren Herzens stimmt Jakob nun doch zu und schickt alle seine verbliebenen Söhne, auch Benjamin, zum Getreidekauf.


Zunächst läuft alles nach Plan: Die Brüder bekommen Simeon zurück, der seit ihrer letzten Reise im ägyptischen Knast sitzen musste. Auch werden sie zu einem großen Bankett in Josephs Haus eingeladen. Auch diesmal erkennen sie ihren Bruder nicht.

"15 Da nahmen sie diese Geschenke und das Geld zwiefältig mit sich und Benjamin, machten sich auf, zogen nach Ägypten und traten vor Joseph.
16 Da sah sie Joseph mit Benjamin und sprach zu seinem Haushalter: Führe diese Männer ins Haus und schlachte und richte zu; denn sie sollen zu Mittag mit mir essen."

(Genesis 43:15-16)


Nach dem Essen brechen die Brüder wieder auf. Erneut lässt Joseph ihnen heimlich das bezahlte Geld wieder in die Säcke legen - außerdem einen Becher, mit dem man wahrsagen kann. Die Brüder haben nichts aus ihrem letzten Erlebnis gelernt und kontrollieren auch diesmal die Säcke nicht.

"1 Und Joseph befahl seinem Haushalter und sprach: Fülle den Männern ihre Säcke mit Speise, soviel sie führen können, lege jeglichem sein Geld oben in seinen Sack;
2 und meinen silbernen Becher lege oben in des Jüngsten Sack mit dem Gelde für das Getreide. Der tat, wie ihm Joseph gesagt hatte.
3 Des Morgens, da es licht ward, ließen sie die Männer ziehen mit ihren Eseln."

(Genesis 44:1-3)



Joseph lässt seine Brüder diesmal allerdings abfangen und durchsuchen. Und natürlich wird das Geld und der Becher bei ihnen gefunden. Au weia!

"4 Da sie aber zur Stadt hinaus waren und nicht ferne gekommen, sprach Joseph zu seinem Haushalter: Auf jage den Männern nach! und wenn du sie ereilst, so sprich zu ihnen: Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten?
5 Ist's nicht das, daraus mein Herr trinkt und damit er weissagt? Ihr habt übel getan. [...]
11 Und sie eilten, und ein jeglicher legte seinen Sack ab auf die Erde, und ein jeglicher tat seinen Sack auf.
12 Und er suchte und hob am Ältesten an bis auf den Jüngsten; da fand sich der Becher in Benjamins Sack.
13 Da zerrissen sie ihre Kleider und belud ein jeglicher seinen Esel und zogen wieder in die Stadt."

(Genesis 44:4-5,11-13)




LIFE IS BUT A DREAM

Joseph verlangt, dass Benjamin zur Strafe nun sein Sklave sein müsse. Die anderen Brüder versuchen ihn verzweifelt davon abzubringen. Juda bietet sich selbst als Sklaven an, falls Benjamin frei gelassen wird.

"18 Da trat Juda zu ihm und sprach: Mein Herr, laß deinen Knecht ein Wort reden vor den Ohren meines Herrn, und dein Zorn ergrimme nicht über deinen Knecht; denn du bist wie Pharao. [...]
33 Darum laß deinen Knecht hier bleiben an des Knaben Statt zum Knecht meines Herrn und den Knaben mit seinen Brüdern hinaufziehen.
34 Denn wie soll ich hinaufziehen zu meinem Vater, wenn der Knabe nicht mit mir ist? Ich würde den Jammer sehen müssen, der meinem Vater begegnen würde."

(Genesis 44:18,33-34)



Da Joseph erkennt, dass sich die Brüder geändert haben und nicht mehr einen von ihnen aufgeben - wie einst ihn - gibt er sich nun endlich als Joseph zu erkennen.

"4 Er aber sprach zu seinen Brüdern: Tretet doch her zu mir! Und sie traten herzu. Und er sprach: Ich bin Joseph euer Bruder, den ihr nach Ägypten verkauft habt.
5 Und nun bekümmert euch nicht und denkt nicht, daß ich darum zürne, daß ihr mich hierher verkauft habt; denn um eures Lebens willen hat mich Gott vor euch her gesandt."

(Genesis 45:4-5)


Angeblich ist er gar nicht sauer darüber, dass seine Brüder ihn einst in die Sklaverei verkauft hatten - da alles eigentlich Gottes Plan war. Aber so wenig nachtragend, wie er behauptet, ist Joseph wohl nicht. Sonst hätte er sich ja sofort zu erkennen gegeben, selbst wenn die Brüder allesamt noch immer so unmoralische Schweinehunde wie früher gewesen wären.
Andererseits ist als Sklave verkauft zu werden wohl auch ein ganz guter Grund, um auf jemanden wütend zu sein.

Die Brüder reisen zurück nach Hause und berichten ihrem Vater die Neuigkeiten. Das muss wohl ein leicht unangenehmes Gespräch gewesen sein, da sie ihm zunächst einmal beibringen mussten, dass sie seinen Lieblingssohn in die Sklaverei verkauft hatten und ihn zwanzig Jahre lang im Glauben gelassen haben, er sei tot.

Aber Ende gut, alles gut. Und so zieht die ganze Großfamilie von Jakob nach Ägypten.

"26 Alle Seelen, die mit Jakob nach Ägypten kamen, die aus seinen Lenden gekommen waren (ausgenommen die Weiber seiner Kinder), sind alle zusammen sechsundsechzig Seelen"

(Genesis 46:26)




AUSGETRÄUMT

Alles was Joseph bisher getan hatte, lässt sich in zwei Kategorien einordnen: Intrigen (erst als Opfer, dann als Täter) und Träume. Nun hinterlässt er auch mal etwas für seine Nachwelt: Er erfindet die Leibeigenschaft, eine neue Form der Sklaverei.
Innerhalb der ersten zwei mageren Jahre macht er die vorher freien ägyptischen Bauern zum Eigentum seines Herrn, dem Pharao. Im ersten Jahr knöpft er ihnen für das Getreide erst mal ihre gesamten Ersparnisse ab.

"14 Und Joseph brachte alles Geld zusammen, das in Ägypten und Kanaan gefunden ward, um das Getreide, das sie kauften; und Joseph tat alles Geld in das Haus Pharaos."

(Genesis 47:14)


Noch im selben Jahr stellt er die Bauern, die jetzt schon kein Geld mehr haben, vor eine Wahl: Entweder verpfänden sie ihr Vieh, das sie ja zum Arbeiten benötigen - oder sie verhungern.

"15 Da nun Geld gebrach im Lande Ägypten und Kanaan, kamen alle Ägypter zu Joseph und sprachen: Schaffe uns Brot! Warum läßt du uns vor dir sterben, darum daß wir ohne Geld sind?
16 Joseph sprach: Schafft euer Vieh her, so will ich euch um das Vieh geben, weil ihr ohne Geld seid."

(Genesis 47:15-16)


Im zweiten Jahr haben die Leute schon wieder Hunger. Die kriegen wohl nie genug, diese gierigen Ägypter! Gnädigerweise gibt der gottgefällige Joseph ihnen etwas von dem Vorräten. Sie müssen nichts dafür tun - außer dem Pharao im Austausch dafür ihren gesamten Landbesitz zu geben.

"18 Da das Jahr um war, kamen sie zu ihm im zweiten Jahr und sprachen zu ihm: Wir wollen unserm Herrn nicht verbergen, daß nicht allein das Geld sondern auch alles Vieh dahin ist zu unserm Herrn; und ist nichts mehr übrig vor unserm Herrn denn unsre Leiber und unser Feld.
19 Warum läßt du uns vor dir sterben und unser Feld? Kaufe uns und unser Land ums Brot, daß wir und unser Land leibeigen seien dem Pharao; gib uns Samen, daß wir leben und nicht sterben und das Feld nicht wüst werde.
20 Also kaufte Joseph dem Pharao das ganze Ägypten. Denn die Ägypter verkauften ein jeglicher seinen Acker, denn die Teuerung war zu stark über sie. Und ward also das Land Pharao eigen."

(Genesis 47:18-20)



Nicht nur, dass die Leute nun keinen Acker mehr haben, sie dürfen ihren Ex-Acker auch nicht unbedingt weiter bearbeiten, sondern werden dorthin geschickt, wo es Joseph halt gerade für richtig hält.

"21 Und er teilte das Volk aus in die Städte, von einem Ende Ägyptens bis ans andere."

(Genesis 47:21)



Dafür, dass die Ägypter netterweise auf dem Acker des Pharaos schuften dürfen, müssen sie ihm von nun an 20% ihres Gewinnes abgeben. Aber angeblich finden die Leute das total super.

"23 Da sprach Joseph zu dem Volk: Siehe, ich habe heute gekauft euch und euer Feld dem Pharao; siehe, da habt ihr Samen und besäet das Feld.
24 Und von dem Getreide sollt ihr den Fünften geben; vier Teile sollen euer sein, zu besäen das Feld und zu eurer Speise und für euer Haus und eure Kinder.
25 Sie sprachen: Du hast uns am Leben erhalten; laß uns nur Gnade finden vor dir, unserm Herrn, so wollen wir gerne Pharao leibeigen sein."

(Genesis 47:23-25)



Die Ironie der Geschichte: Laut der Bibel werden die Nachkommen Jakobs (und daher auch Josephs Nachfahren) später selbst von der ägyptischen Regierung von freien Menschen zu Sklaven gemacht.

"8 Da kam ein neuer König auf in Ägypten, der wußte nichts von Joseph [...]
13 Und die Ägypter zwangen die Kinder Israel zum Dienst mit Unbarmherzigkeit
14 und machten ihnen ihr Leben sauer mit schwerer Arbeit in Ton und Ziegeln und mit allerlei Frönen auf dem Felde und mit allerlei Arbeit, die sie ihnen auflegten mit Unbarmherzigkeit."

(Exodus 1:8,13-14)




WHEN ISRAEL WAS IN EGYPT'S LAND

Als Josephs Vater, abwechselnd Israel und Jakob genannt, nach Ägypten kommt, ist er nicht mehr ganz der Jüngste, mit seinen zarten 130 Jahren. Dennoch lebt er dort noch 17 Jahre.

"27 Also wohnte Israel in Ägypten im Lande Gosen, und hatten's inne und wuchsen und mehrten sich sehr.
28 Und Jakob lebte siebzehn Jahre in Ägyptenland, daß sein ganzes Alter ward hundertsiebenundvierzig Jahre."

(Genesis 47:27-28)


Als er sich dem Tod nahe fühlt, spricht er noch verschiedene Segen über seine Nachkommen. Er beginnt mit den Söhnen Josephs.

"13 Da nahm sie Joseph beide, Ephraim in seine rechte Hand gegen Israels linke Hand und Manasse in seine Linke Hand gegen Israels rechte Hand, und brachte sie zu ihm.
"14 Aber Israel streckte seine rechte Hand aus und legte sie auf Ephraims, des Jüngeren, Haupt und seine linke auf Manasses Haupt und tat wissend also mit seinen Händen, denn Manasse war der Erstgeborene."

(Genesis 48:13-14)


Joseph segnet beide Enkel in einem Rutsch, wobei aber die rechte Hand einen besseren Segen abgibt. Fragt mich nicht, wie das funktioniert...
Dieser Hauptsegen steht eigentlich dem Erstgeborenen zu. Aber genau wie Jakob einst durch einen Trick dafür gesorgt hatte, dass sein Vater Isaak dem Zweitgeborenen den Ergeborenen-Segen gibt - nämlich ihm - segnet Jakob den Zweitgeborenen Josephs mit dem traditionellen Erstgeburtssegen.
Einen Grund dafür hat er nicht.

"17 Da aber Joseph sah, daß sein Vater die rechte Hand auf Ephraims Haupt legte, gefiel es ihm übel, und er faßte seines Vaters Hand, daß er sie von Ephraim Haupt auf Manasses Haupt wendete,
18 und sprach zu ihm: Nicht so, mein Vater; dieser ist der Erstgeborene, lege deine rechte Hand auf sein Haupt.
19 Aber sein Vater weigerte sich und sprach: Ich weiß wohl, mein Sohn, ich weiß wohl. Dieser soll auch ein Volk werden und wird groß sein; aber sein jüngerer Bruder wird größer denn er werden, und sein Same wird ein großes Volk werden."

(Genesis 48:17-18)





ANGRY DAD

Als Jakob danach seine zwölf Söhne segnet, kommt sein eigener Erstgeborener auch nicht besonders tut weg. Sein Segen ist eigentlich eher ein Fluch.

"2 Kommt zuhauf und höret zu, ihr Kinder Jakobs, und höret euren Vater Israel.
3 Ruben, mein erster Sohn bist du, meine Kraft, und der Erstling meiner Stärke, der Oberste in der Würde und der Oberste in der Macht.
4 Er fuhr leichtfertig dahin wie Wasser. Du sollst nicht der Oberste sein; denn du bist auf deines Vaters Lager gestiegen, daselbst hast du mein Bett entweiht mit dem Aufsteigen."

(Genesis 49:2-4)


Das Ereignis, auf das Jakob anspielt, ist in Kapitel 35 des Buches Genesis dokumentiert.

"22 Und es begab sich, da Israel im Lande wohnte, ging Ruben hin und schlief bei Bilha, seines Vaters Kebsweib; und das kam vor Israel."

(Genesis 35:22)



Der Vorfall fand statt, bevor Joseph nach Ägypten verkauft wurde - also vor mindestens 37 Jahren. (Joseph war 17, als er verkauft wurde - Genesis 37:2 - und 30, als er den Traum des Pharaos deutete - Genesis 41:46. Dann folgten die sieben fetten Jahre. Irgendwann während der mageren Jahre zog Jakob nach Ägypten und wohnte dort 17 Jahre lang bis zu seinem Tod - Genesis 47:28.)
Dass Ruben vor Jahrzehnten ein einziges Mal mit einer seiner vier Frauen Sex gehabt hatte, kann Jakob ihm all die Jahre nicht verzeihen. Nicht einmal auf dem Sterbebett vergibt er ihm - oder verzichtet wenigstens darauf, ihm Vorhaltungen zu machen, die Ruben wohl für den Rest seines Lebens verfolgen werden. Stattdessen nimmt er ihm gerade in diesem Moment vor all seinen Brüdern das Erstgeburtsrecht weg.

Es ist ganz schön fies von seinen Söhnen Perfektion zu verlangen, nur weil Jakob selbst in seinem Leben immer ein moralisches Vorbild.. Warte mal...

Jakob hat noch mehr Vorhaltungen zu machen. Seine Söhne Levi und Simeon werden gescholten wegen eines Blutbads, das sie als Reaktion auf die Vergewaltigung ihrer Schwester angerichtet haben (s. Teil 9).

"5 Die Brüder Simeon und Levi, ihre Schwerter sind mörderische Waffen.
6 Meine Seele komme nicht in ihren Rat, und meine Ehre sei nicht in ihrer Versammlung; denn in ihrem Zorn haben sie den Mann erwürgt, und in ihrem Mutwillen haben sie den Ochsen verlähmt.
7 Verflucht sei ihr Zorn, daß er so heftig ist und ihr Grimm, daß er so störrig ist. Ich will sie zerteilen in Jakob und zerstreuen in Israel."

(Genesis 49:5-7)



Den besten Segen bekommt Juda. Das ist der, der seine Schwiegertochter wegen Hurerei verbrennen lassen wollte - bis er erfährt, dass er selbst der Freier war (s. Teil 9). Außerdem war es seine Idee, Joseph als Sklaven zu verkaufen (Genesis 37:27).

Die anderen Söhne bekommen mehr und weniger gute Segen, die sich aber eher auf ihre Nachkommen als auf sie beziehen. Es sind - wie Jakob selbst sagt - Prophezeiungen für die Zukunft.

"1 Und Jakob berief seine Söhne und sprach: Versammelt euch, daß ich euch verkündige, was euch begegnen wird in künftigen Zeiten."

(Genesis 49:1)


Jakobs Prophezeiungen sind allerdings nicht allzu gut und versagen schon bei relativ nahen Ereignissen. So sagt er Joseph voraus, dass der einmal in sein Heimatland, nach Kanaan, zurückkehren werde.

"21 Und Israel sprach zu Joseph: Siehe, ich sterbe; und Gott wird mit euch sein und wird euch wiederbringen in das Land eurer Väter.
22 Ich habe dir ein Stück Land zu geben vor deinen Brüdern, das ich mit Schwert und Bogen aus der Amoriter Hand genommen habe."

(Genesis 48:21-22)


Allerdings erfahren wir nur zwei Kapitel später, dass Joseph bis an sein Lebensende in Ägypten wohnt und dort begraben wird.

"22 Also wohnte Joseph in Ägypten mit seines Vaters Hause und lebte hundertundzehn Jahre [...]
26 Also starb Joseph, da er war hundertundzehn Jahre alt. Und sie salbten ihn und legten ihn in eine Lade in Ägypten."

(Genesis 50:22,26)




NUR DIE WURST HAT ZWEI

Das letzte Kapitel des Buches Genesis erzählt vom Begräbnis Jakobs und schließlich vom Tod Josephs. Obwohl der mit 110 Jahren nicht allzu jung sterben muss, kann man doch innerhalb des Buches Genesis eine radikale Senkung der Lebenserwartung feststellen.
Josephs Vater Jakob wird immerhin 147 (Genesis 47:28) und sein Großvater Isaak 180 Jahre jung (Genesis 35:28).
Das ist aber nichts im Vergleich zu seinen Urahnen - wie Noah, der stolze 950 Jahre alt wird (Genesis 9:29) oder dessen Opa Methusalem, der das stattliche Alter von 969 Jahren erreicht (Genesis 5:27).


Offenbar galt schon früher der Grundsatz, dass früher alles besser war...



Das nächste Mal in "Das Buch Genesis": Was soll der Schmarr'n?! Ein Fazit.

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SERIE: "DAS BUCH GENESIS"


18. Februar 2011

DOWN THE RABBIT HOLE (Geschichten aus der Bibel Teil 5)



Viele Geschichten aus der Bibel klingen so, als wäre Gott beim Inspirieren dieser Verse betrunken gewesen. Lesen Sie in diesem Teil unserer Reihe "Geschichten aus der Bibel", wieso das so ist...





TOTSCHLAG-ARGUMENTE

Alles ist relativ. Viele gläubige Christen würden sich freuen wie ein Honigkuchenpferd, wenn sie Paulus, einen der wichtigsten Autoren des neuen Testaments und Verkünder des Evangeliums, einmal persönlich predigen hören könnten.
Andere Menschen dagegen langweilt Paulus mit seinem Gelaber zu Tode. Und das ist nicht sprichwörtlich gemeint.

"7 Am ersten Tage der Woche aber, da die Jünger zusammenkamen, das Brot zu brechen, predigte ihnen Paulus, und wollte des andern Tages weiterreisen und zog die Rede hin bis zu Mitternacht. [...]
9 Es saß aber ein Jüngling mit namen Eutychus in einem Fenster und sank in tiefen Schlaf, dieweil Paulus so lange redete, und ward vom Schlaf überwältigt und fiel hinunter vom dritten Söller und ward tot aufgehoben."

(Apostelgeschichte 20:7,9)





SEX-GOTT

Gott erscheint in der Bibel vielen Menschen - in Visionen, Träumen oder einfach so zum Mittagessen. Durch seine oft theatralischen Auftritte erfahren wir auch einiges über sein Aussehen.

"9 Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und siebzig von den Ältesten Israels hinauf
10 und sahen den Gott Israels. Unter seinen Füßen war es wie ein schöner Saphir und wie die Gestalt des Himmels, wenn's klar ist."

(Exodus 24:9-10)


"1 Des Jahres, da der König Usia starb, sah ich den HERRN sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl, und sein Saum füllte den Tempel.
2 Seraphim standen über ihm; ein jeglicher hatte sechs Flügel: mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße, und mit zweien flogen sie.
3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth; alle Lande sind seiner Ehre voll!"

(Jesaja 6:1-3)

Fragt sich, woher sie das wissen, wo sie sich doch permanent die Augen zuhalten.

"1 Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt.
2 Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich;"

(Psalm 104:1-2)

Offenbar ist der HERR ein Transvestit. Wer hätte das geahnt?


"7 Er zeigte mir abermals ein Gesicht, und siehe, der HERR stand auf einer Mauer, mit einer Bleischnur gemessen; und er hatte die Bleischnur in seiner Hand."

(Amos 7:7)


Hier erfahren wir, dass der HERR Hände besitzt. Nicht nur zum Bleischnur-halten, in seinen Händen bewahrt Gott zudem seine Zauberkräfte auf.


"3 Gott kam vom Mittag und der Heilige vom Gebirge Pharan. (Sela.) Seines Lobes war der Himmel voll, und seiner Ehre war die Erde voll.
4 Sein Glanz war wie ein Licht; Strahlen gingen von seinen Händen; darin war verborgen seine Macht.
5 Vor ihm her ging Pestilenz, und Plage ging aus, wo er hin trat.

6 Er stand und maß die Erde, er schaute und machte beben die Heiden, daß zerschmettert wurden die Berge, die von alters her sind, und sich bücken mußten die ewigen Hügel, da er wie vor alters einherzog.
[...]
8 Warst du nicht zornig, HERR, in der Flut und dein Grimm in den Wassern und dein Zorn im Meer, da du auf deinen Rossen rittest und deine Wagen den Sieg behielten?
9 Du zogst den Bogen hervor, wie du geschworen hattest den Stämmen (sela!), und verteiltest die Ströme ins Land.
10 Die Berge sahen dich, und ihnen ward bange; der Wasserstrom fuhr dahin, die Tiefe ließ sich hören, die Höhe hob die Hände auf.
11 Sonne und Mond standen still. Deine Pfeile fuhren mit Glänzen dahin und dein Speere mit Leuchten des Blitzes.
12 Du zertratest das Land im Zorn und zerdroschest die Heiden im Grimm."

(Habakuk 3:3-6,8-12)



Wir lernen also einiges über das physische Erscheinungsbild des HERRN, der zufälligerweise genau wie ein Mensch aussieht. Doch so intime Details wie bei Hesekiel gibt es sonst nirgendwo. Denn dieser Prophet verrät uns, dass Gott feurige Lenden hat...

"26 Und über dem Himmel, so oben über ihnen war, war es gestaltet wie ein Saphir, gleichwie ein Stuhl; und auf dem Stuhl saß einer gleichwie ein Mensch gestaltet.
27 Und ich sah, und es war lichthell, und inwendig war es gestaltet wie ein Feuer um und um. Von seinen Lenden überwärts und unterwärts sah ich's wie Feuer glänzen um und um.
28 Gleichwie der Regenbogen sieht in den Wolken, wenn es geregnet hat, also glänzte es um und um. Dies war das Ansehen der Herrlichkeit des HERRN."

(Hesekiel 1:26-28)



Leider hat er keine FRAU, um mit einem göttlichem Rein-und-Raus-Spiel das Feuer ein wenig zu kühlen. Der arme Kerl! Wahrscheinlich ist es daher eines seiner Lieblingshobbys, dem Menschen mit unzähligen Vorschriften den Spaß am Sex zu vermiesen. Außerdem könnte es erklären, warum er meistens vor Wut kocht.



WTF?!

Das vielleicht absurdeste und bizarrste Kapitel der Bibel - und das will was heißen - ist Kapitel 9 des Buches Richter. Es beginnt mit einer Erzählung vom Beginn der Karriere des Königs Abimelech. Um ins Amt zu kommen, killt der erst einmal seine 70 Brüder - und das auch noch auf einen Streich.

"5 Und er kam in seines Vaters Haus gen Ophra und erwürgte seine Brüder, die Kinder Jerubbaals, siebzig Mann, auf einem Stein. Es blieb aber übrig Jotham, der jüngste Sohn Jerubbaals; denn er war versteckt.
6 Und es versammelten sich alle Männer von Sichem und das ganze Haus Millo, gingen hin und machten Abimelech zum König bei der hohen Eiche, die zu Sichem steht."

(Richter 9:5-6)



Nachdem Gott diese historische Tatsache an den irdischen Niederschreiber der Bibel überliefert hat, gönnt sich der HERR wohl ein bisschen zu viel Alkohol. Er beginnt, lang und breit von sprechenden und laufenden Bäumen zu faseln.

"8 Die Bäume gingen hin, daß sie einen König über sich salbten, und sprachen zu dem Ölbaum: Sei unser König!
9 Aber der Ölbaum antwortete ihnen: Soll ich meine Fettigkeit lassen, die beide, Götter und Menschen, an mir preisen, und hingehen, daß ich schwebe über den Bäumen?
10 Da sprachen die Bäume zum Feigenbaum: Komm du und sei unser König!
11 Aber der Feigenbaum sprach zu ihnen: Soll ich meine Süßigkeit und meine gute Frucht lassen und hingehen, daß ich über den Bäumen schwebe?
12 Da sprachen die Bäume zum Weinstock: Komm du und sei unser König!
13 Aber der Weinstock sprach zu ihnen: Soll ich meinen Most lassen, der Götter und Menschen fröhlich macht, und hingehen, daß ich über den Bäumen schwebe?"

(Richter 9:8-13)



Immerhin gibt der HERR hier zu, dass ihn der Wein fröhlich macht, wie jeden anderen Gott auch. Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung.
Die seltsame Geschichte vom sprechenden Grünzeug geht noch weiter. Sprechende Schlangen und sprechende Esel haben Gott anscheinend nicht ausgereicht.

"14 Da sprachen die Bäume zum Dornbusch: Komm du und sei unser König!
15 Und der Dornbusch sprach zu den Bäumen: Ist's wahr, daß ihr mich zum König salbt über euch, so kommt und vertraut euch unter meinen Schatten; wo nicht, so gehe Feuer aus dem Dornbusch und verzehre die Zedern Libanons."

(Richter 9:14-15)



Gott ist nun endlich wieder einigermaßen bei klarem Verstand und führt die Geschichte über König Abimelech fort. Das mit dem Töten der 70 Männer hat dem HERRN eigentlich gar nicht gefallen. Aber die Mühlen Gottes mahlen langsam und so dauert es ganze drei Jahre, bis die Reaktion darauf erfolgt.

"22 Als nun Abimelech drei Jahre über Israel geherrscht hatte,
23 sandte Gott einen bösen Willen zwischen Abimelech und den Männern zu Sichem. Und die Männer zu Sichem wurden Abimelech untreu,
24 auf daß der Frevel, an den siebzig Söhnen Jerubbaals begangen, und ihr Blut käme auf Abimelech, ihren Bruder, der sie erwürgt hatte, und auf die Männer zu Sichem, die ihm seine Hand dazu gestärkt hatten, daß er seine Brüder erwürgte."

(Richter 9:22-24)


Der böse Wille, der Gott den Bewohnern Sichems gesandt hatte, ist leider ihr Todesurteil. Aber das konnte Gott ja nicht vorausahnen.

"49 Da hieb alles Volk ein jeglicher einen Ast ab und folgten Abimelech nach und legten sie an die Festung und steckten's an mit Feuer, daß auch alle Männer des Turms zu Sichem starben, bei tausend Mann und Weib."

(Richter 9:49)



Der arme Abimelech wird aber trotzdem getötet, später, in einer anderen Stadt. Eine Frau zerschmettert ihm den Schädel. Eine Frau!

"53 Aber ein Weib warf einen Mühlstein Abimelech auf den Kopf und zerbrach ihm den Schädel."

(Richter 9:53)



Der König ist nun, mit seinem zerschmetterten Schädel, recht angeschlagen. Doch für seine wichtige letzte Tat nimmt er noch einmal seine Kraft zusammen: Er lässt sich von einem seiner Sklaven erdolchen. Damit keiner von ihm behaupten könne, eine Frau habe ihn getötet.

"54 Da rief Abimelech eilend dem Diener, der seine Waffen trug, und sprach zu ihm: Zieh dein Schwert aus und töte mich, daß man nicht von mir sage: Ein Weib hat ihn erwürgt. Da durchstach ihn sein Diener, und er starb."

(Richter 9:54)




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>>Teil 5: "Down the Rabbit Hole"

11. Februar 2011

FRAUENGESCHICHTEN (Geschichten aus der Bibel Teil 4)



In der Bibel sind alle Hauptrollen männlich. In den wenigen Geschichten, in denen Frauen eine aktive Rolle übernehmen, endet dies für sie meistens recht ungünstig.
Ja, so war das damals - als die Welt noch in Ordnung war...







YOUR PRINCESS IS IN ANOTHER CASTLE

Dass Frauen höhere berufliche Positionen durch Sex mit ihrem Chef bekommen, ist ein altes Klischee. Mindestens so alt wie die Bibel, wie wir in der Erzählung vom persischen König Ahasveros erfahren.
Die Story beginnt damit, dass der König eine riesige Party mit allen wichtigen Leuten seines Reiches veranstaltet. So eine königliche Party dauert natürlich nicht nur eine Nacht: Ganze 180 Tage lang feiert der König sein rauschendes Fest.
Fragt sich nur, wer in der Zeit das Land regiert...

"1 Zu den Zeiten Ahasveros (der da König war von Indien bis an Mohrenland über hundert und siebenundzwanzig Länder)
2 und da er auf seinem königlichen Stuhl saß zu Schloß Susan,
3 im dritten Jahr seines Königreichs, machte er bei sich ein Mahl allen seinen Fürsten und Knechten, den Gewaltigen in Persien und Medien, den Landpflegern und Obersten in seinen Ländern,
4 daß er sehen ließe den herrlichen Reichtum seines Königreichs und die köstliche Pracht seiner Majestät viele Tage lang, hundert und achtzig Tage."

(Ester 1:1-4)



Am siebten Tag der Party will der besoffene König mit seiner hübschen Frau angeben. Die durfte anscheinend bisher nicht mitfeiern - doch die Gäste sind neugierig auf die heiße Königin und wollen sie tanzen sehen.

"10 Und am siebenten Tage, da der König gutes Muts war vom Wein, hieß er [...] die sieben Kämmerer, die vor dem König Ahasveros dienten,
11 daß sie die Königin Vasthi holten vor den König mit der königlichen Krone, daß er den Völkern und Fürsten zeigte ihre Schöne; denn sie war schön."

(Ester 1:10-11)


Die Völker und die Fürsten machen sich wohl nicht viel aus inneren Werten. Aber die Königin weigert sich, herauszukommen und sich zu präsentieren.

"12 Aber die Königin Vasthi wollte nicht kommen nach dem Wort des Königs durch seine Kämmerer. Da ward der König sehr zornig, und sein Grimm entbrannte in ihm."

(Ester 1:12)




Die Befehlsverweigerung macht den König sehr wütend. Sein Berater macht ihn auf den Ernst der Lage aufmerksam. Die Weigerung der Königin könnte nämlich weit reichende Folgen haben. Denn wenn alle Frauen sich die Königin zum Vorbild nehmen würden und die Befehle ihrer Männer verweigern würden: Wo kämen wir denn dahin?!

"16 Da sprach Memuchan vor dem König und den Fürsten: Die Königin Vasthi hat nicht allein an dem König übel getan, sondern auch an allen Fürsten und an allen Völkern in allen Landen des Königs Ahasveros.
17 Denn es wird solche Tat der Königin auskommen zu allen Weibern, daß sie ihre Männer verachten vor ihren Augen und werden sagen: Der König Ahasveros hieß die Königin Vasthi vor sich kommen; aber sie wollte nicht."

(Ester 1:16-17)



Man schlägt dem König vor, sich sofort per Gesetz scheiden zu lassen und eine "bessere" Frau zu suchen. Also eine, die tut, was man ihr sagt.

"19 Gefällt es dem König, so lasse man ein königlich Gebot von ihm ausgehen und schreiben nach der Perser und Meder Gesetz, welches man nicht darf übertreten: daß Vasthi nicht mehr vor den König Ahasveros komme, und der König gebe ihre königliche Würde einer andern, die besser ist denn sie."

(Ester 1:19)


Dem König gefällt die Idee. Die politische Karriere der Königin ist somit zu Ende.
Außerdem folgt der König einem Vorschlag seines Beraters und verschickt Briefe an alle Länder seines Reich, mit denen er die Ungleichbehandlung von Frauen offiziell zum Gesetz macht.

"20 Und es erschalle dieser Befehl des Königs, den er geben wird, in sein ganzes Reich, welches groß ist, daß alle Weiber ihre Männer in Ehren halten, unter Großen und Kleinen.
21 Das gefiel dem König und den Fürsten; und der König tat nach dem Wort Memuchans.
22 Da wurden Briefe ausgesandt in alle Länder des Königs, in ein jegliches Land nach seiner Schrift und zu jeglichem Volk nach seiner Sprache: daß ein jeglicher Mann der Oberherr in seinem Hause sei und ließe reden nach der Sprache seines Volkes."

(Ester 1:20-22)



Der König braucht nun eine neue Frau. So lässt er sich Jungfrauen von überall her zu sich bringen.
Die werden dann mit Schmuck aufgedonnert und dem König präsentiert. Diejenige Jungfrau, die ihm am meisten gefällt, soll die neue Königin werden. Bis Ahasveros wieder eine neue und bessere Frau haben will, versteht sich.

"1 Nach diesen Geschichten, da der Grimm des Königs Ahasveros sich gelegt hatte, gedachte er an Vasthi, was sie getan hatte und was über sie beschlossen war.
2 Da sprachen die Diener des Königs, die ihm dienten: Man suche dem König junge, schöne Jungfrauen,
3 und der König bestellte Männer in allen Landen seines Königreichs, daß sie allerlei junge, schöne Jungfrauen zusammenbringen gen Schloß Susan ins Frauenhaus unter der Hand Hegais, des Königs Kämmerers, der der Weiber wartet, und man gebe ihnen ihren Schmuck;
4 und welche Dirne dem König gefällt, die werde Königin an Vasthis Statt. Das gefiel dem König, und er tat also."

(Ester 2:1-4)


Durch ihre majestätischen Eigenschaften - gut aussehen und gehorchen - bekommt schließlich eine hebräische Frau namens Ester den Job als neue Königin. Politische Macht hat sie aber nicht.
Wäre ja auch noch schöner: eine Frau, die ein Land regiert... Absurd!




DU SOLLST NICHT KÖSTLICHE SCHUHE TRAGEN

Frauen an der Macht - das kann ja nicht gut gehen. Das sieht man an den verdammten Gottlosen, die von Weibern beherrscht werden. Wehe ihnen!

"1 Weh aber den Gottlosen! denn sie haben es übel, und es wird ihnen vergolten werden, wie sie es verdienen.
2 Kinder sind Gebieter meines Volkes, und Weiber herrschen über sie. Mein Volk, deine Leiter verführen dich und zerstören den Weg, da du gehen sollst."

(Jesaja 3:1-2)


Denn wenn man den Weibern einmal erlaubt, etwas anderes zu tun als das, was ihr Mann befiehlt, verleitet das die Frauen zur schrecklichen Sünden. Schuhe kaufen, zum Beispiel, oder Make-Up tragen. Oder, noch furchtbarer: Sie entwickeln ein selbstbewusstes Auftreten!
Das hat der HERR gar nicht gern.

"16 Und der HERR spricht: Darum daß die Töchter Zions stolz sind und gehen mit aufgerichtetem Halse, mit geschminkten Angesichtern, treten einher und schwänzen und haben köstliche Schuhe an ihren Füßen,"

(Jesaja 3:16)



Der HERR ist ja als Gott in moralischen und sonstigen Dingen dem Menschen überlegen. Und wenn jemand stolz ist und meint, sie sei besser als Gott - indem sie köstliche Schuhe anhat und mit aufgerichtetem Halse läuft -, wenn der HERR derart beleidigt wird, muss er natürlich Rache nehmen und den Frauen all die schönen Sachen wieder wegnehmen. Zusätzlich lässt er ihnen die Haare ausfallen.
Mal gucken, wie eitel die dann noch sind, lacht sich Gott in sein Fäustchen und zeigt so seine Überlegenheit.

"17 so wird der HERR den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der HERR wird ihr Geschmeide wegnehmen.
18 Zu der Zeit wird der HERR den Schmuck an den köstlichen Schuhen wegnehmen und die Heftel, die Spangen,
19 die Kettlein, die Armspangen, die Hauben,
20 die Flitter, die Gebräme Randbesatz eines Kleides, die Schnürlein, die Bisamäpfel, die Ohrenspangen,
21 die Ringe, die Haarbänder,
22 die Feierkleider, die Mäntel, die Schleier, die Beutel,
23 die Spiegel, die Koller, die Borten, die Überwürfe;"

(Jesaja 3:17-23)


Und damit auch wirklich niemand auf die Idee kommt, die Frauen immer noch für attraktiv zu halten, sorgt der HERR auch noch dafür, dass sie stinken. Der denkt aber an alles, dieser Gott!

"24 und es wird Gestank für guten Geruch sein, und ein Strick für einen Gürtel, und eine Glatze für krauses Haar, und für einen weiten Mantel ein enger Sack; solches alles anstatt deiner Schöne."

(Jesaja 3:24)



In Ausnahmefällen dürfen die Frauen ja schon Schmuck tragen. Wenn der König zum Beispiel eine neue Frau sucht - oder mehrere - dann geht das schon. Ansonsten gilt: Gott empfiehlt der gläubigen Dame von heute in dieser Saison das modische Ensemble "Sack und Glatze".



SZENEN EINER EHE

Kahlköpfigkeit und von Gott gestohlener Schmuck sind natürlich nicht das größte Problem, das Frauen haben können. Man muss nur den falschen Mann heiraten oder - wie bei den Damen in der Bibel - mit dem falschen Mann verheiratet werden.
Besonders ungünstig hat es in dieser Hinsicht eine namenlose Frau im Buch Richter getroffen. Ihr Mann erweist sich nämlich als nicht unbedingt gentleman like.

Dabei beginnt alles idyllisch. Die Frau und ihr Mann sind unterwegs auf Reisen. Sie übernachten eines Nachts in der Stadt Gibea bei einem alten Wirt. Doch sie hätten sich besser nicht in dieser Stadt niedergelassen. Denn dort hausen böse Buben...

"22 Und da ihr Herz nun guter Dinge war, siehe, da kamen die Leute der Stadt, böse Buben, und umgaben das Haus und pochten an die Tür und sprachen zu dem alten Mann, dem Hauswirt: Bringe den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist, daß wir ihn erkennen."

(Richter 19:22)


Die Bösen wollen unbedingt Sex mit dem fremden Mann haben. Anscheinend kommen nicht allzu oft Leute zu Besuch. Der Mann und der Wirt versuchen die Leute der Stadt zu beschwichtigen.

"23 Aber der Mann, der Hauswirt, ging zu ihnen heraus und sprach zu ihnen: Nicht, meine Brüder, tut nicht so übel; nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen ist, tut nicht eine solche Torheit!"

(Richter 19:23)


Das wäre wirklich eine Torheit! Zum Glück hat der Wirt eine Tochter und der Mann eine Ehefrau. Die bieten sie einfach stattdessen zur Vergewaltigung an, da sie ja höfliche Männer sind und den Pöbel nicht ganz unverrichteter Dinge heimziehen lassen wollen.

"24 Siehe, ich habe eine Tochter, noch eine Jungfrau, und dieser ein Kebsweib; die will ich herausbringen. Die mögt ihr zu Schanden machen, und tut mit ihr, was euch gefällt; aber an diesen Mann tut nicht solche Torheit."

(Richter 19:24)



Doch die bösen Buben lassen sich nicht auf den Deal ein.

"25 Aber die Leute wollten ihm nicht gehorchen."

(Richter 19:25a)


Der Mann verhandelt aber nicht mit Terroristen und nimmt seine Frau und bringt sie zu den Vergewaltigern, ob die nun wollen oder nicht.
Dann legt er sich schlafen, während seine Frau die ganze Nacht von der Gruppe von Männern geschändet wird. Er wird sich ja nicht von solchen Kleinigkeiten den Schlaf rauben lassen.

"Da faßte der Mann sein Kebsweib und brachte sie zu ihnen hinaus. Die erkannten sie und trieben ihren Mutwillen an ihr die ganze Nacht bis an den Morgen; und da die Morgenröte anbrach, ließen sie sie gehen.
26 Da kam das Weib hart vor morgens und fiel nieder vor der Tür am Hause des Mannes, darin ihr Herr war, und lag da, bis es licht ward."

(Richter 19:25b-26)



Als der Mann morgens nach erholsamen Schlaf aufsteht, sieht er seine regungslose, geschändete Frau vor der Tür liegen. Er befiehlt der Frau, mitzukommen. Aber die antwortet einfach nicht, die bewusstlose Schlampe! Was erlaubt die sich eigentlich?!!
Der Mann packt seine Frau auf seinen Esel und reitet davon.

"27 Da nun ihr Herr des Morgens aufstand und die Tür auftat am Hause und herausging, daß er seines Weges zöge, siehe, da lag sein Kebsweib vor der Tür des Hauses und ihre Hände auf der Schwelle.
28 Er aber sprach zu ihr: Stehe auf, laß uns ziehen! Aber sie antwortete nicht. Da nahm er sie auf den Esel, machte sich auf und zog an seinen Ort."

(Richter 19:27-28)


Was denkt die sich denn dabei, nach nur einer einzigen Nacht voller Gewalt und Brutalität einfach ohnmächtig zu werden?!
Der Mann tut das einzig Vernünftige in solch einer Situation: Er ermordet seine Frau und verschickt die Leichenteile per Post.

"29 Als er nun heimkam, nahm er ein Messer und faßte sein Kebsweib und zerstückte sie mit Gebein und mit allem in zwölf Stücke und sandte sie in alle Grenzen Israels."

(Richter 19:29)





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3. Februar 2011

BIG FISH (Helden der Bibel Teil 3 - Jona)


Unglaublich, aber wahr.
Dies ist der Bericht von den Abenteuern des Propheten Jona, der besonders durch seinen Aufenthalt im Inneren eines Fisches bekannt geworden ist.
Das waren noch Zeiten...





ACROSS THE SEA

Die Geschichte beginnt damit, dass Gott von der Bosheit der Bewohner Ninives, einer assyrischen Großstadt, erfährt. Da es so viele Städte mit bösen Menschen gibt, hat Gott natürlich nicht die Zeit und das Geld, um überall persönlich aufzukreuzen - und so schickt er einen gewissen Jona als Stellvertreter dorthin.

"1 Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amitthais, und sprach:
2 Mache dich auf und gehe in die große Stadt Ninive und predige wider sie! denn ihre Bosheit ist heraufgekommen vor mich."

(Jona 1:1-2)



Doch Jona möchte nicht nach Ninive und rennt vor Gott davon. Er nimmt das nächste Schiff nach Tharsis - in's heutige Südspanien und damit in die entgegengesetzte Richtung. Da wird Gott natürlich sauer auf den Befehlsverweigerer und schickt einen Sturm. Wenn Jona nicht dahin geht, wo der HERR es sagt, soll er nirgendwo hingehen.
Nie mehr...

"3 Aber Jona machte sich auf und floh vor dem HERRN und wollte gen Tharsis und kam hinab gen Japho. Und da er ein Schiff fand, das gen Tharsis wollte fahren, gab er Fährgeld und trat hinein, daß er mit ihnen gen Tharsis führe vor dem HERRN.
4 Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, daß man meinte, das Schiff würde zerbrechen."

(Jona 1:3-4)


Während die Schiffspassagiere in Panik geraten und jeder zu seinem für ihn zuständigen Gott betet, kriegt Jona von der ganzen Aufregung nichts mit. Er liegt nämlich seelenruhig in seiner Koje und pennt.

"5 Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrieen, ein jeglicher zu seinem Gott, und warfen das Gerät, das im Schiff war, ins Meer, daß es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief."

(Jona 1:5)


Der Schiffsherr weckt ihn und empört sich über ihn. So geht das ja wohl wirklich nicht: In solch einer Notlage muss schließlich jeder mithelfen, in dem er zu seinem jeweiligen Gott des Vertrauens betet. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass einer der Götter hilft, schließlich umso höher!

"6 Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Stehe auf, rufe deinen Gott an! ob vielleicht Gott an uns gedenken wollte, daß wir nicht verdürben."

(Jona 1:6)



Die Leute auf dem Schiff sind rational denkende Menschen und geben nicht einfach willkürlich irgend jemandem die Schuld für ihre missliche Lage.
Stattdessen losen sie aus, wer schuld ist.

"7 Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, daß wir erfahren, um welches willen es uns so übel gehe. Und da sie losten traf's Jona.

(Jona 1:7)


Da das Los auf Jona gefallen war, gesteht er, dass er auf der Flucht vor dem HERRN ist. Er macht den Vorschlag, ihn vom Schiff werfen zu lassen. Das würde sicherlich Gottes Zorn besänftigen.

"10 Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Warum hast du denn solches getan? denn sie wußten, daß er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt.
11 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, daß uns das Meer still werde? Denn das Meer fuhr ungestüm.
12 Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird euch das Meer still werden. Denn ich weiß, daß solch groß Ungewitter über euch kommt um meinetwillen."

(Jona 1:10-12)


Der Vorschlag erscheint den Leuten vernünftig. Sie packen Jona und werfen ihn über Bord.
Tatsächlich legt sich der Sturm...

"15 Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer; das stand das Meer still von seinem Wüten."

(Jona 1:15)



Dass sich der Sturm gelegt hat, nachdem Jona ins Meer geworfen wurde, beweist natürlich ohne jeden Zweifel, dass alles genau so war, wie Jona es gesagt hatte. Deshalb konvertieren alle Menschen auf dem Schiff spontan zum Judentum und opfern dem HERRN - aus Dank, dass er das Menschenopfer gnädigerweise angenommen hat und so die unbeteiligten Seefahrer nicht sterben mussten, dafür dass sie einen Mitarbeiter Gottes mitgenommen hatten.

"16 Und die Leute fürchteten den HERR sehr und taten dem HERRN Opfer und Gelübde."

(Jona 1:16)




FISCHGEBET

Jona entgeht dem fast sicheren Tod dadurch, dass Gott einen großen Fisch schickt. Dieser verschlingt Jona, der daraufhin die nächsten drei Tage in der kuschelig warmen Magensäure des Tieres verbringt.

"1 Aber der HERR verschaffte einen großen Fisch, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte."

(Jona 2:1)



Im Bauch des Fischs betet Jona zu Gott. Das Angebot an Freizeitangeboten ist dort halt ein bisschen dürftig.

"2 Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches."

(Jona 2:2)


Als Jona seinem Gott verspricht, ihm üppige Opfer darzubringen, lässt der HERR ihn wieder frei.
Er redet ein Machtwort mit dem Fisch, der Jona daraufhin wieder auskotzt.
Und zwar mit soviel Druck dahinter, dass Jona auf dem Festland landet.

"10 Ich aber will mit Dank dir opfern, mein Gelübde will ich bezahlen; denn die Hilfe ist des HERRN.
11 Und der HERR sprach zum Fisch, und der spie Jona aus ans Land."

(Jona 2:10-11)




NOTHING IS IRREVERSIBLE

Jona hat nun gelernt, was passiert, wenn man nicht tut, was der HERR befiehlt. Daher macht er nun brav alles, wozu Gott ihn zwingt und reist nach Ninive.

"1 Und es geschah das Wort des HERRN zum andernmal zu Jona und sprach:
2 Mache dich auf, gehe in die große Stadt Ninive und predige ihr die Predigt, die ich dir sage!
3 Da machte sich Jona auf und ging hin gen Ninive, wie der HERR gesagt hatte. Ninive aber war eine große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß."

(Jona 3:1-3)


In Ninive angekommen, predigt Jona, wie von Gott verlangt, dass der HERR die gesamte Stadt in vierzig Tagen von der Landkarte tilgen wird.

"4 Und da Jona anfing hineinzugehen eine Tagereise in die Stadt, predigte er und sprach: Es sind noch vierzig Tage, so wird Ninive untergehen."

(Jona 3:4)


Die bösen Leute sehen ein, dass sie schreckliche Sünder sind. Was genau sie allerdings angestellt haben, wird nicht verraten. Sogar der König ordnet, als er von der Sache Wind bekommt, eine stadtweite Buße an. Vielleicht überlegt es sich Gott ja doch noch mal anders...

"5 Da glaubten die Leute zu Ninive an Gott und ließen predigen, man sollte fasten, und zogen Säcke an, beide, groß und klein.
6 Und da das vor den König zu Ninive kam, stand er auf von seinem Thron und legte seinen Purpur ab und hüllte einen Sack um sich und setzte sich in die Asche
7 und ließ ausrufen und sagen zu Ninive nach Befehl des Königs und seiner Gewaltigen also: Es sollen weder Mensch noch Vieh, weder Ochsen noch Schafe Nahrung nehmen, und man soll sie nicht weiden noch sie Wasser trinken lassen;
8 und sollen Säcke um sich hüllen, beide, Menschen und Vieh, und zu Gott rufen heftig; und ein jeglicher bekehre sich von seinem bösen Wege und vom Frevel seiner Hände.
9 Wer weiß? Es möchte Gott wiederum gereuen und er sich wenden von seinem grimmigen Zorn, daß wir nicht verderben."

(Jona 3:5-9)



Und tatsächlich: Als Gott die Buße der Niniveter sieht, ist er gerührt und es tut ihm leid, was er ihnen antun wollte.

"10 Da aber Gott sah ihre Werke, daß sie sich bekehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn des Übels, das er geredet hatte ihnen zu tun, und tat's nicht."

(Jona 3:10)



Bei aller demütigen Kritik, die ich in diesem Rahmen über Gott manchmal vorsichtig und respektvoll äußere - eines muss man ihm zugestehen: Wenn er Mist baut, ist er nicht immer uneinsichtig.

Als er im Buch Exodus zum Beispiel in einem Wutanfall sein gesamtes auserwähltes Volk ermorden will (außer Moses), bereut er diesen Plan, nachdem Moses ihn beruhigen kann.

"9 Und der HERR sprach zu Mose: Ich sehe, daß es ein halsstarriges Volk ist.
10 Und nun laß mich, daß mein Zorn über sie ergrimme und sie vertilge; so will ich dich zum großen Volk machen.
[...]
14 Also gereute den HERRN das Übel, das er drohte seinem Volk zu tun."

(Exodus 32:9-10,14)



Leider ist es für Menschen aber nicht immer von Vorteil, wenn sich Gott einen Fehler eingesteht. So bereut er im Buch Genesis die Entscheidung, überhaupt Menschen gemacht zu haben und ist sehr traurig über diesen Fehlgriff.

"5 Da aber der HERR sah, daß der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar,
6 da reute es ihn, daß er die Menschen gemacht hatte auf Erden, und es bekümmerte ihn in seinem Herzen"

(Genesis 6:5-6)


Doch Gott ist nicht nur so souverän, sich einzugestehen, dass die Menschen sich nicht so moralisch verhalten, wie er sich gewünscht hatte - er korrigiert seinen Fehler auch prompt und lässt sie elendig in der Sintfut ersaufen.

"7 und er sprach: Ich will die Menschen, die ich gemacht habe, vertilgen von der Erde, vom Menschen an bis auf das Vieh und bis auf das Gewürm und bis auf die Vögel unter dem Himmel; denn es reut mich, daß ich sie gemacht habe."

(Genesis 6:7)




LIVE TOGETHER, DIE ALONE

In diesem Fall aber ist es gut für die Menschen, dass Gott sein Vorhaben abbläst. Zumindest für die Bewohner der Stadt Ninive. Jona hingegen ist stinkewütend auf Gott.
Schließlich steht er nun wie ein Vollidiot da, hat er doch die Zerstörung der Stadt angekündigt, die nun doch nicht stattfindet.

"1 Das verdroß Jona gar sehr, und er ward zornig"

(Jona 4:1)


Jona sagt dem HERRN, dass er schon vorher gewusst habe, dass Gott einen Rückzieher machen wird und die Stadt nicht vernichtet. Daher sei er auch vor ihm davongelaufen. Hätte er ihm das einfach mal früher gesagt: Gott kann ja keine Gedanken lesen!

"2 und betete zum HERRN und sprach: Ach HERR, das ist's, was ich sagte, da ich noch in meinem Lande war; darum ich auch wollte zuvorkommen, zu fliehen gen Tharsis; denn ich weiß, daß du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und läßt dich des Übels reuen."

(Jona 4:2)



Die Zwangsarbeit hat Jona emotional recht unstabil werden lassen. Der arme Kerl ist so außer sich, dass er den HERRN bittet, ihn umzubringen.

"3 So nimm doch nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich wollte lieber tot sein als leben."

(Jona 4:3)


Doch Gott lässt ihn auch diesmal nicht sterben. So zieht Jona an den Stadtrand und baut sich dort eine Hütte. Er beobachtet die Stadt, um zu sehen, ob Gott nicht vielleicht seine Meinung noch ein zweites Mal ändert.

"4 Aber der HERR sprach: Meinst du, daß du billig zürnst?
5 Und Jona ging zur Stadt hinaus und setzte sich morgenwärts von der Stadt und machte sich daselbst eine Hütte; darunter setzte er sich in den Schatten, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde."

(Jona 4:4-5)



Jona, der gerade noch den Wunsch zu sterben geäußert hatte, ist recht einfach wieder aufzuheitern. Gott zaubert ihm einen Rizinus herbei, der seine Laune wieder bessert.

"6 Gott der HERR aber verschaffte einen Rizinus, der wuchs über Jona, daß er Schatten gäbe über sein Haupt und errettete ihn von seinem Übel; und Jona freute sich sehr über den Rizinus."

(Jona 4:6)


In der Nacht schickt Gott jedoch einen Wurm, so dass der Rizinus am nächsten Tag verdorrt ist.
Jona möchte wieder sterben...


"7 Aber Gott verschaffte einen Wurm des Morgens, da die Morgenröte anbrach; der stach den Rizinus, daß er verdorrte.
8 Als aber die Sonne aufgegangen war, verschaffte Gott einen dürren Ostwind; und die Sonne stach Jona auf den Kopf, daß er matt ward. Da wünschte er seiner Seele den Tod und sprach: Ich wollte lieber tot sein als leben."

(Jona 4:7-8)




Gott erteilt Jona auf diese Weise irgendeine Art von Lektion. Leider habe ich nicht die geringste Ahnung, worin die besteht...

"9 Da sprach Gott zu Jona: Meinst du, daß du billig zürnst um den Rizinus? Und er sprach: Billig zürne ich bis an den Tod.
10 Und der HERR sprach: Dich jammert des Rizinus, daran du nicht gearbeitet hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, welcher in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb;
11 und mich sollte nicht jammern Ninives, solcher großen Stadt, in welcher sind mehr denn hundert und zwanzigtausend Menschen, die nicht wissen Unterschied, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?"

(Jona 4:9-11)



Der HERR tut ja gerade so, als wäre es Jonas Plan gewesen, die Stadt auszulöschen, und nicht seiner. Dabei hat Jona sich ja nur darüber beklagt, dass Gott ihn unter Anwendung von Gewalt gezwungen hat, die Zerstörung der Stadt zu predigen, da er wusste, dass der HERR das sowieso nicht durchzieht. Behauptet er zumindest, vielleicht hat er auch einfach keine Lust, irgend etwas mit einem Gott zu tun zu haben, der Leute unter Mordandrohung zwingt, Arbeiten für ihn zu erledigen.
Jona erhält keine Gelegenheit, auf Gottes Frage zu antworten - denn Gott hat immer das letzte Wort. An dieser Stelle sind die wunderbaren Abenteuer des unfreiwilligen Borderline-Propheten Jona auch schon zu Ende.
Und wenn er nicht gestorben ist...
Aber wahrscheinlich hat er längst Selbstmord begangen.