10. August 2010

LEHRE/VERSPRECHUNGEN (Der Mythos Jesus Teil 3)


Jesus Christus: Gott, Mensch, Gottmensch oder Sagenfigur?

In [Teil 1] mussten wir feststellen das ein historischer Jesus mit wissenschaftlichen Mitteln nicht zu finden ist, da es keinerlei Primärquellen (Schriften von ihm oder Leuten, die ihn gekannt haben können) über ihn gibt. 

Der Versuch, den historischen Jesus aus seiner Biografie, den Evangelien zu rekonstruieren, ist in [Teil 2] daran gescheitert, dass der Großteil seiner Lebensgeschichte aus Wundern besteht und auch nicht-übernatürliche Angaben - wie die Heimatstadt von Jesus oder die Umstände seiner Geburt - historisch zweifelhaft sind. Eine Volkszählung, bei der jeder an den Ort seiner Vorfahren reisen muss, gab es wohl ebenso wenig wie eine Stadt Nazareth zu Beginn des 1. Jahrhunderts.
Es bleibt jedoch die Möglichkeit, einen historischen Jesus anhand seiner Lehren zu suchen. Vielleicht war er eine Art weiser Religionsstifter, der umher zog und moralische Lektionen erteilte.
Schauen wir uns doch zunächst mal an, was Jesus uns überhaupt so in der Bibel gelehrt hat.





GOTTA HAVE FAITH

Du musst nur ganz fest daran glauben, dann schaffst du alles! Das sagen Eltern, Lehrer und Motivationscoaches gern als Mantra. Nur die Wahrheit sieht anders aus.
Kein vernünftiger Mensch glaubt ernsthaft an Telekinese, das Bewegen von Gegenständen mit der Kraft des Geistes. Wenn ich behaupte, ich könne einen LKW durch meine Gedanken schweben lassen, wenn ich ganz, ganz fest glaube - Ihr würdet mich für einen durchgeknallten Spinner halten und das natürlich völlig zu Recht.
Wie wär's mit etwas Größerem?

"18 Und Jesus bedrohte ihn; und der Teufel fuhr aus von ihm, und der Knabe ward gesund zu derselben Stunde. 
19 Da traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? 
20 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Um eures Unglaubens willen. Denn wahrlich ich sage euch: So ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so mögt ihr sagen zu diesem Berge: Hebe dich von hinnen dorthin! so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein."

(Matthäus 17:18-20)


Also ich hab von niemandem gehört, dass er Berge heben könne. Hat also niemand "Glauben wie ein Senfkorn"? Was auch immer das bedeuten mag...
An einer anderen Stelle benutzt Jesus das Senfkorn als Metapher für Gottes Königreich, da es der kleinste aller Samen auf Erden sei. Komisch, dass Christus nicht gewusst hat, dass das nicht stimmt, wenn er doch Schöpfer von allen Dingen gewesen sein soll. Und dass er uns als allwissender Gott wohl bewusst anlügt, wenn er sagt, nichts wird uns unmöglich sein.
Solange ich keine glaubhaften Hinweise darauf hab, dass irgendjemand auf der Welt einen Berg durch Glauben versetzen kann oder ähnlich spektakuläre Wunder vollbringen kann, glaub ich nicht daran. Egal, ob mir Auto-Werbespots oder religiöse Texte aus der Antike etwas anderes erzählen.
Ich bin halt ein gottloser Heide, der seltsamerweise irgend eine Art von Beweis, zumindest ein Indiz, haben will, bevor er glaubt, dass irgendjemand magische Superheldenkräfte entwickelt, wenn er nur ganz fest daran glaubt. Das klingt für mich eher wie ein Disney-Film als etwas, was man als "die Realität" bezeichnet.

Christen hören das bestimmt nicht gern. Aber für die gäbe es einen ganz leichten Weg, meine Meinung zu ändern und mich zu einem Jesus-Freak zu machen. Sie müssten mich nicht einmal persönlich treffen.
Einfach darum bitten und alles, was du willst, geschieht, sagt Jesus.

"13
Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun, auf daß der Vater geehrt werde in dem Sohne.
14 Was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun."

(Johannes 14:13-14)

"23
Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Hebe dich und wirf dich ins Meer! und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, daß es geschehen würde, was er sagt, so wird's ihm geschehen, was er sagt. 
24 Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubet nur, daß ihr's empfangen werdet, so wird's euch werden."

(Markus 11:23-24)

"15 Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur.

16 Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.
17 Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden.
18 Schlangen vertreiben; und so sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden."

(Markus 16:15-18)


"7 So ihr in mir bleibet und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren."

(Johannes 15:7)



Verlassen wir mal das magische Märchenland der Bibel und schauen in die echte Welt: Wie können Christen seit so vielen Jahrhunderten noch behaupten, die Bibel sei göttliche "Wahrheit"? Es ist einfach nicht wahr, dass Gläubige alles bekommen, was sie wollen, wenn sie dafür beten. Es sei denn, sie wollen "nichts".
Aber vielleicht haben sie nicht den rechten Glauben (sprich: Hölle). Aber spätestens, wenn die gesamte Menschheit für alle Ewigkeiten in der Hölle schmort, weil niemand Berge versetzen kann und sich Dinge magisch herbeiwünschen kann - dann werden Christen Probleme haben, plausibel zu erklären, dass ihr Gott gerecht ist und uns liebt.



I KNOW NOT EVERBODY'S GOT A BODY LIKE ME

Ganz so leicht ist es leider nicht. Es ist nicht damit getan, an Jesus zu glauben und ihn als seinen persönlichen Erretter zu akzeptieren. Man muss ihn auch essen.

"22 Und indem sie aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.
23 Und nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus.  
24 Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des neuen Testamentes, das für viele vergossen wird.
25 Wahrlich, ich sage euch, daß ich hinfort nicht trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis auf den Tag, da ich's neu trinke in dem Reich Gottes."

(Markus 14:22-25)

Es gibt also Wein im Himmel, interessant... Sollte man doch glauben, dass das Reich Gottes auch nüchtern spannend genug ist, aber warum sollte sich Jesus durch seinen Tod vom Saufen abbringen lassen?


"53 Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Werdet ihr nicht essen das Fleisch des Menschensohnes und trinken sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch.
54 Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken.

55 Denn mein Fleisch ist die rechte Speise, und mein Blut ist der rechte Trank.
56 Wer mein Fleisch isset und trinket mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm.

57 Wie mich gesandt hat der lebendige Vater und ich lebe um des Vaters willen, also, wer mich isset, der wird auch leben um meinetwillen."

(Johannes 6:53-57)


Die so genannte "Eucharistie" ist ein an das letzte Abendmahl angelehntes Ritual der christlichen Kirchen, obwohl sich Protestanten und Katholiken über den genauen Ablauf uneins sind. Deswegen gibt es auch zur Zeit kein ökumenisches Abendmahl beider Konfessionen - Die beiden Jesuse der Kirchen waren sich nicht einig, wie man diesen rituellen Kannibalismus am Besten durchführt.
Uneinig sind sich die verschiedenen Spielarten des Christentums beispielsweise darüber, ob das Brot beim Abendmahl tatsächlich der Körper von Jesus ist oder nur symbolisch. Die wörtliche, nicht-symbolische Auslegung, die mit ihrem komplizierten Namen „Transsubstantiation“ Wissenschaftlichkeit vorgaukelt, wird offiziell von den beiden größten christlichen Kirchen, der katholischen und der orthodoxen, vertreten. Zusammen bringen es diese Kirchen auf etwa 1.400.000.000 Mitglieder.
Erwachsene Menschen glauben ernsthaft, dass sie das Blut Christi trinken und nicht nur Wein. Vielleicht bemerken sie den Unterschied nicht, weil ihr Gehirn auch vorher schon vernebelt war...

Wie dieses absurde Ritual allerdings dazu führen soll, dass jemand ein besserer Mensch wird, will mir nicht ganz einleuchten. Eben so wenig wie der Mechanismus funktionieren soll, mit dem normales Wasser in Zauberwasser verwandelt wird, mit dem man dann Sünden ausradieren kann und Vampire vertreiben...





TAUFGELAGE

Die früheste Biografie von Jesus, das Evangelium nach Markus, beginnt mit der Geschichte von Johannes, dem Täufer. Diese Figur die in allen Evangelien vorkommt, war wahrscheinlich eine historische Persönlichkeit. Zu Beginn des ersten Jahrhunderts gab es viele solcher Taufbewegungen unter den römisch besetzten Juden. Die Taufe ist also eine jüdische Erfindung, keine christliche.
Was war neu an Jesu Taufe? Das neue Testament legt es Johannes dem Täufer persönlich in den Mund:

"6 Johannes aber war bekleidet mit Kamelhaaren und mit einem ledernen Gürtel um seine Lenden, und aß Heuschrecken und wilden Honig; 
7 und er predigte und sprach: Es kommt einer nach mir, der ist stärker denn ich, dem ich nicht genugsam bin, daß ich mich vor ihm bücke und die Riemen seiner Schuhe auflöse. 
8 Ich taufe euch mit Wasser; aber er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen."

(Markus 1:6-8)



Sich Taufen zu lassen ist laut Bibel und Kirche unbedingt nötig, um in den Himmel zu kommen. Die Taufe wäscht alle deine Sünden weg. Daher ist es taktisch klug, sich im hohen Alter kurz vor dem Sterbebett taufen zu lassen, wie zum Beispiel der allererste christliche Kaiser von Rom, Konstantin.
Was aber tun, wenn man fiese Eltern hat, die einen als Baby taufen lassen, wenn man noch nicht einmal ans Sündigen denken kann?
Wegen solcher Idioten musste Jesus sterben...



GOTT IST TOT

Die wohl wichtigste Botschaft des Christentums ist, dass Gott aus Liebe seinen Sohn geopfert hat - für unsere Sünden. Doch ist das wirklich so eine frohe Botschaft?
Jemand anderes muss wegen deiner Verbrechen sterben, jemand, der selbst völlig unschuldig ist und dich liebt?

Und du hast dann die Wahl, das Opfer anzunehmen oder auch noch bestraft zu werden. Doch selbst wenn man das Opfer annimmt, werden noch Forderungen an dich gestellt und du musst dein Leben fortan nach ganz bestimmten Regeln leben.
Allerdings ist ja Jesus nicht wirklich gestorben, zumindest nach christlicher Lehre. Er ist ja körperlich wiederauferstanden und dann in den Himmel aufgefahren und wird zur Apokalypse wiederkehren, um das Ungeheuer 666, den Antichristen zu besiegen und alle Gläubigen mit in den Himmel nehmen.
Vielleicht liegt es an mir, aber ich finde, das Opfer, für jemanden zu sterben, ist irgendwie größer, wenn man danach auch wirklich tot ist und nicht mächtiger wird und in den Himmel kommt und mit dem alten Vadder das Universum reagiert...

Angenommen, diese Geschichte stünde nicht in der Bibel, sondern in Texten anderer Religionen. Würden wir dann immer noch behaupten, es wäre eine positive Message?
Stellen wir uns eine Szene mit dem großen Göttervater Zeus und dem ungläubigen Mario vor:

 (Es klopft an der Tür, Zeus ist da)
MARIO: Hallo?!
ZEUS: Ich bin der große Zeus!!!
MARIO: Hallo, Zeus.
ZEUS: Ich habe eine wichtige Botschaft für dich.
MARIO: Ich hab eigentlich nicht so viel Zeit...
ZEUS: Es ist sehr wichtig.
MARIO: Na guuuut. Was gibt's denn? Ich kaufe nichts.
ZEUS: Du bist ein Sünder!
MARIO: Und?
ZEUS: Die Strafe dafür sind schreckliche, schmerzhafte Qualen im Höllenfeuer!
MARIO: Echt?! Scheiße! Seit wann das denn?
ZEUS: Seit jetzt.
MARIO: Wieso? Was hab ich denn so Schlimmes gemacht?
ZEUS: Du bist ein Sünder!
MARIO: Von mir aus. Aber was genau?..
ZEUS: ALLES!
MARIO: Es gibt doch bestimmt größere Sünder als mich!
ZEUS: Aber hallo! Die kommen alle in die Hölle! Für immer!
MARIO: Für immer?! Und wie lange muss ich?
ZEUS: Für immer!
MARIO: Aber-- Das ist doch unfair!
ZEUS: Das ist total fair. Da ich ein gerechter Gott bin und da ich das so beschlossen habe, muss das ja auch gerecht sein.
MARIO: Logisch...
ZEUS: Aber hier kommt die gute Nachricht...
MARIO: Ja?
ZEUS: ...jemand anders wurde bereits für deine Vergehen bestraft.
MARIO: Für MEINE Sünden?
ZEUS: Ja. Ich habe meinen Sohn ermordet.
(unangenehmes Schweigen)
MARIO: Waaas?!
ZEUS: Weil ich dich so liebe.
MARIO: Ich hab dich niemals gebeten, irgendwen umzubringen!
ZEUS: Ach, was weißt du schon von der göttlichen Liebe?! Für deine Sünden ist mein Sohn gestorben!
MARIO: Er ist aus Liebe zu mir gestorben? Das ist schon nett... So ganz ohne Gegenleistung.
ZEUS: Na ja...
MARIO: Was?
ZEUS: Du musst nur an ihn glauben und dein ganzes Leben lang nach seinen Gesetzen leben.
MARIO: Oh... Und wie weiß ich das?
ZEUS: Was?
MARIO: Dass ich alle Gesetze einhalte, die dein Sohn gemacht hat? Bevor er gestorben ist, der Arme...
ZEUS: Keine Sorge, dem gehts gut. Er ist bei mir im Olymp.
MARIO: Also ist er nicht gestorben?
ZEUS: Doch, doch. Für deine Sünden. Hab ich doch gesagt!
MARIO: Häh?
ZEUS: Göttern macht sterben nicht viel aus. Man sagt doch Katzen hätten neun Leben...
MARIO: Ja.
ZEUS (stolz): Sagen wir so: Wir Götter haben definitiv mehr Leben. So viel ist sicher.
MARIO: Wieviel denn?
ZEUS: /)/§)$$)§´(nuschelt, unverständlich)
MARIO: Was?
ZEUS: Zehn.
MARIO: Aha... Und was für Gesetze muss ich jetzt noch mal einhalten?
ZEUS: Lies meine Schriften!
MARIO: Ich hab mal reingeschaut. Aber irgendwie ergibt das wenig Sinn. Es gibt vier Versionen, die sich ständig widersprechen.
ZEUS: Du darfst das alles nicht wörtlich nehmen. Du musst zwischen den Zeilen lesen... historischer Kontext... Probleme bei der Übersetzung... Exegese...
MARIO: Aber wieso schreibst du es nicht einfach und verständlich auf?
ZEUS: Ich bin ein viel beschäftigter Gott.
MARIO: Echt? Es ist 12 Uhr und du stinkst nach billigem Wein... Aber wieso hast du denn damals nicht Klartext geredet? Ich dachte, du wärst allwissend? Du musst also vorausgesehen haben, dass das so Missverständnisse geben muss...
ZEUS: So, ich muss weg, weil ich es plötzlich sehr eilig habe. Ich wette, das ist der schönste Tag deines Lebens! Verbreite die frohe Botschaft!


Wenn das Konzept schon bei einem Gott seltsam klingt, wäre es bei einem Menschen völlig absurd. Wenn Jesus kein Gott war, sondern ein Religionslehrer, dann hätte er sicherlich nicht die Autorität, die Schuld von irgendwem zu übernehmen. Wenn er die Sünden der Gläubigen auf sich nimmt, bedeutet das schließlich auch, dass die Opfer dieser Sünden keinerlei Wiedergutmachung erfahren.
Wer irgendwas anderes als das Übernehmen der Verantwortung für die eigenen Taten predigt, der ist mir als moralisches Leitbild definitiv suspekt. Was lehrt Jesus denn sonst noch so?



APOKALYPSE NOW

Der biblische Jesus predigte, dass das Ende der Welt, die Apokalypse, bald stattfinden würde. Folgendes wird dann laut Jesus geschehen: 

"29 Bald aber nach der Trübsal derselben Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen." 

(Matthäus 24:29)

Die Sterne werden auf die Erde fallen? Ach du lieber Gott! Und da hab ich geglaubt, wenn ein einziger Stern auf die Erde fallen würde, dass es die Erde dann wohl nicht mehr geben würde. Auch dachte ich, dass der Mond nicht von selbst scheinen würde. Zum Glück belehrt mich die Bibel eines Besseren.


"30 Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit."

(Matthäus 24:30)

Alle Völker der Erde werden Jesus sehen? Zum Glück ist die Erde eine Scheibe, sonst ginge das gar nicht...
Doch jetzt kommen wir zur wirklich interessanten Botschaft von Jesus. Das Ganze soll in der Lebenszeit von einigen seinen Anhängern geschehen.

"34 Wahrlich ich sage euch: Dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß dieses alles geschehe.  
35 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen."

(Matthäus 24:34-35 und Markus 13:30-31)

"27 Denn es wird geschehen, daß des Menschen Sohn komme in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln; und alsdann wird er einem jeglichen vergelten nach seinen Werken.
28 Wahrlich ich sage euch: Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis daß sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich."

(Matthäus 16:27-28)

"1 Und er sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Es stehen etliche hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis daß sie sehen das Reich Gottes mit seiner Kraft kommen."

(Markus 9:1)

"27 Ich sage euch aber wahrlich, daß etliche sind von denen, die hier stehen, die den Tod nicht schmecken werden, bis daß sie das Reich Gottes sehen."

(Lukas 9:27)



Wenn die Bibel eine unfehlbare, göttliche Wahrheit ist, heißt das, diese Leute leben immer noch - im stattlichen Alter von etwa 2000 Jahren - mehr als doppelt so lange wie Methusalem, der älteste Mensch in der Bibel, der nicht einmal tausend Jahre lebte. Loser!
Oder aber, das ganze Gerede von Endzeit vor 2000 Jahren ist Unsinn und es gibt keinen vernünftigen Grund, an einen baldigen Weltuntergang zu glauben, wie ihn Jesus in den Evangelien voraussagt. In der Bibel wird ja auch von 900jährigen Menschen, Riesen, Einhörnern und sprechenden Eseln berichtet. Das kann man glauben oder nicht. Ihr entscheidet. (Es sei denn eure Religion tut das für euch.)





Je länger die Kirche existierte, desto mehr versuchte sie den Aspekt unter den Teppich zu kehren, dass Jesus die nahende Apokalypse gepredigt hat und betont stattdessen lieber, wie er wollte, dass eine Kirche in seinem Namen gegründet wird. Doch davon steht extrem wenig in den Evangelien. Das apokalyptische Element ist weitaus wichtiger.
Ein Beispiel: Die katholische Kirche begründet die Autorität des Papstes damit, dass er angeblich der rechtmäßige Nachfolger von Petrus ist, den Jesus in der Bibel zu seinem offiziellen Nachfolger macht.



"18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.
19 Und ich will dir des Himmelsreichs Schlüssel geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel los sein."

(Matthäus 16:18-19)


Die Schwachstelle der Argumentation ist, dass Jesus nirgendwo auch nur andeutet, dass es Nachfolger für seinen Nachfolger Petrus geben soll. Und das ist auch nur konsequent, da er ja ständig predigt, dass in naher Zukunft die Welt untergeht, reicht ein Nachfolger auch dicke aus, um die Stellung zu halten, bis er persönlich wiederkommt.


"22 Und ihr müsset gehaßt werden von jedermann um meines Namens willen. Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig. 
23 Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere. Wahrlich ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis des Menschen Sohn kommt."

(Matthäus 10:22-23)

Versteht man den biblischen Jesus Christus als Endzeitpropheten, werden einige recht wunderliche Aussagen von Jesus, z.B. über Familie verständlicher.



I HATE MYSELF AND I WANT TO DIE

Fragt man die meisten Christen, ob Jesus gelehrt hat, dass man seine Familie lieben oder hassen soll, würden die meisten wohl spontan "lieben" sagen. Was sagt Jesus wirklich in der Bibel? 
 
"25 Es ging aber viel Volks mit ihm; und er wandte sich und sprach zu ihnen:
26 So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein."

(Lukas 14:25-26) 


"29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Es ist niemand, der ein Haus verläßt oder Eltern oder Brüder oder Weib oder Kinder um des Reiches Gottes willen
30 der es nicht vielfältig wieder empfange in dieser Zeit, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben."

(Lukas 18:29-30) 


"37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert. "

(Matthäus 10:37) 


"21 Und ein anderer unter seinen Jüngern sprach zu ihm: HERR, erlaube mir, daß hingehe und zuvor meinen Vater begrabe.
22 Aber Jesus sprach zu ihm: Folge du mir und laß die Toten ihre Toten begraben!" 

(Matthäus 8:21-22)


Apokalyptischen Glauben gab es lange vor Jesus und lange danach, auch heute noch.
Gemeinsam ist diesen End-Timers, ob es sich dabei um Christen handelt oder um Moslems oder um Leute, die an Außerirdische glauben, die sie zu ihrem Heimatplaneten mitnehmen: Alle erwarten ein besseres Leben und verachten daher die irdische Welt.
Wenn in jedem Moment die Welt untergehen könnte, ist es wirklich egal, ob wir unsere Eltern begraben. Trotzdem bleibt mir unverständlich, warum Jesus sagt, dass wir selbst unser eigenes Leben hassen sollen - und gleichzeitig unseren Nächsten lieben sollen, wie uns selbst!

Die Macht der urchristlichen Bewegung war ihre Botschaft der kommenden Veränderung, bei der man lieber nicht auf der falschem Seite stehen sollte. Neben den Evangelien, in denen Jesus vom Weltuntergang berichtet, gehörten apokalyptische Texte zu den wichtigsten Werken der frühen Christen. Die Offenbarung des Johannes hat es in die heutige Form der Bibel geschafft, als nicht ganz so fröhliches Ende.
Darin heißt es über das Ende der Welt: "Die Zeit ist nahe!" (Offenbarung 22:10)
Doch etwa 2000 Jahre später ist noch kein einziger Stern auf die Erde gefallen.



EIN BISSCHEN SCHWERT, DAS WÜNSCH ICH MIR

Der apokalyptische Jesus ist nicht der, an den die meisten heutigen Christen glauben. Sie denken bei Jesus an einen Friedensstifter. Auch einige Charaktere der Bibel haben dies wohl geglaubt. Doch Jesus stellt klar:

"34 Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert."

(Matthäus 10:34)



Ich weiß ja nicht, wie es euch dabei geht, aber ich hätte lieber den Frieden als das Schwert.

"35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter.
36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein."

(Matthäus 10:35-36)



Es ist Jesus eine Herzensangelegenheit, dass auch seine Anhänger mit Schwertern bewaffnet sind.

"36 Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch die Tasche; wer aber nichts hat, verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert.
37 Denn ich sage euch: Es muß noch das auch vollendet werden an mir, was geschrieben steht: "Er ist unter die Übeltäter gerechnet." Denn was von mir geschrieben ist, das hat ein Ende.
38 Sie sprachen aber: HERR, siehe, hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug."


(Lukas 22:36-38)


Wenn man nichts mit Schwertern anfangen kann, hat Jesus auch noch Zwietracht im Angebot:

"51 Meinet ihr, daß ich hergekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.
52 Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein, drei wider zwei, und zwei wider drei.
53
Es wird sein der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; die Schwiegermutter wider die Schwiegertochter, und die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter."

(Lukas 12:51-53)




GEDANKENVERBRECHEN

Während Jesus nach eigener Aussage nicht gekommen ist, um Frieden zu bringen, bringt er denn wenigstens Gerechtigkeit?
Schon das alte Gesetz Gottes, bei den Christen nun als altes Testament in ihrer heiligen Schrift, soll angeblich gerecht sein. Gläubige zitieren oft die Stelle "Auge um Auge, Zahn um Zahn...", um zu beweisen, dass jede Strafe im biblischen Rechtssystem dem Vergehen angemessen ist: Sieht man sich aber das komplette göttliche Gesetz an, kann man da wohl kaum von Gerechtigkeit und Angemessenheit reden.

Wenn heutzutage z.B. ein Ladenbesitzer sonntags trotz Verbot öffnet, wird er höchstwahrscheinlich eine Geldstrafe bezahlen müssen. Jemand, der einen Mord begeht, muss dagegen für lange Zeit ins Gefängnis. Die Strafen unterscheiden sich drastisch, weil die Verbrechen nicht vergleichbar sind. Andere Dinge sind in unserer Gesellschaft gar nicht verboten, wie die freie Meinungsäußerung.
Nach Gottes Gesetz muss man gesteinigt werden, wenn man sonntags arbeitet (sogar wenn man nur Feuerholz sammelt, laut Numeri 15:32-35). Im 4. Buch Mose tötet Gott eine Gruppe von Menschen, weil sie sich beschweren, nichts zu essen zu haben. Mörder müssen ebenfalls sterben:

"20 Schade um Schade, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er hat einen Menschen verletzt, so soll man ihm wieder tun.
21 Also daß, wer ein Vieh erschlägt, der soll's bezahlen; wer aber einen Menschen erschlägt, der soll sterben."

(Levitikus 24:20-21)



Wie kann man hier von Gerechtigkeit reden? Da man für fast jede Übertretung des Gottesgesetzes die Todesstrafe bekommt, erinnert das Ganze viel eher an eine Tyrannen-Herrschaft des HERRN als an ein faires Gerichtssystem. Außer man ist der Meinung, sonntags Feuerholz zu sammeln sei genauso schlimm wie Mord und daher mit der gleichen Strafe zu ahnden.
Sterben müssen auch Ehebrecher (Levitikus 20:10), Vergewaltiger und Frauen, die in der Stadt vergewaltigt wurden - weil sie nicht geschrien haben (Exodus 22:23,24), Zauberinnen (Exodus 22:17), Homosexuelle (Levitikus 20:13), Leute, die irgend einen anderen Gott anbeten (Deuteronomium 17:2-5) , Leute, die ihre Eltern beleidigen (Exodus 21:17) und Frauen, die bei der Hochzeit keine Jungfrauen mehr sind (Deuteronomium 22:20-21). Und natürlich Israels Feinde, oft mit Frauen und Kindern.
Mit dem Tod war's das meistens - außer Gott verflucht deine Nachkommen oder dein Land, das macht er manchmal. Aber nach dem Tod kann der alttestamentarische Gott einem nicht mehr tun.

Jesus änderte das und erhöhte die Höchststrafe von Tod auf ewige Höllenqualen und verschärfte manche Gesetze des alten Testaments.

"21 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: "Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein." 
22 Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder zürnet, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Racha! der ist des Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr! der ist des höllischen Feuers schuldig."

(Matthäus 5:21-22)



Ist das Gerechtigkeit? Jemand, der seinen Bruder einen Narren nennt bekommt dafür die gleiche Strafe wie ein Massenmörder, nämlich Hölle? Außer sie glauben an Jesus, der ihre Sünden für sie übernimmt. Dann kommt eventuell der Massenmörder in den Himmel und der Beleidiger für immer in die Hölle.
Seit wann gilt es denn überhaupt als gerecht, jemanden für ein einziges Vergehen für alle Ewigkeiten zu bestrafen?

Man muss nicht einmal etwas falsches getan haben, um ewig gequält zu werden. Es reicht ein falscher Gedanke.

"27 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: "Du sollst nicht ehebrechen." 

28 Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen."

(Matthäus 5:27-28)



Ist das nicht pervers? Nicht mal die Gedanken der Christen sind frei. Aber eventuell kann man der Hölle entgehen, bevor es zu spät ist, indem man sich Körperteile amputiert. Das empfiehlt zumindest Jesus in der Bergpredigt:

"29
Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. 

30 Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde."

(Matthäus 5:29-30)


Unser allmächtiger und allwissender Schöpfer hat uns also mit einem Sex-Trieb ausgestattet (was gut ist, weil sonst keiner von uns da wäre) und beschließt dann, dass selbst wenn man diesen Trieb nicht auslebt, sondern nur darüber nachdenkt, nur noch Selbstverstümmelung hilft - die Zerstörung des von Gott intelligent designten Körpers.



ES WAR NICHT ALLES SCHLECHT...

Natürlich gibt es auch Gutes im neuen Testament. Einige der von Jesus in den Evangelien gepredigten  Lehren sind zwar nicht revolutionär, wie einige Christen behaupten, aber immerhin gut. Doch liest man alle Evangelien, merkt man, dass dies sehr viel weniger sind, als uns Kirche und Gläubige weismachen wollen.

Beispielsweise die Episode, in der Jesus eine Steinigung verhindert, indem er diejenigen Leute auffordert, den ersten Stein zu werfen, die frei von Sünde sind. Diese Passage, sowie Jesus vermeintlicher Ausspruch bei seiner Kreuzigung: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!", standen allerdings nicht in den Originalmanuskripten der Evangelien. Forschungen haben ergeben, dass diese Stellen erst nachträglich hinzugefügt wurden und in den ersten Fassungen der Evangelien (zw. 70-110 n.Chr.) nicht enthalten waren.

Dadurch wird etwas plausibler, warum Jesus an anderen Stellen der Evangelien kein Problem mit Steinigungen hat. Er fordert sie sogar manchmal ein und beschimpft Leute, die nicht nach Vorschrift steinigen (Matthäus 15).

Die radikalste Neuerung im Vergleich mit dem alten Testament ist Jesus' Aufforderung zur Feindesliebe. Wogegen nämlich das alte Testament ziemlich eindeutig die Position vertritt, dass man seine Feinde gefälligst aus tiefstem Herzen hassen sollte und Gott dir hilft, sie zu töten. (Natürlich nur wenn man Gott fürchtet.)
Nun soll man sogar seine Feinde lieben, sagt Jesus zumindest in zwei der vier Evangelien, nicht aber im frühesten Evangelium (Markus) und im ältesten (Johannes).
Leider habe ich gar keine "Feinde", die ich lieben kann. So'n Pech. Aber was nicht ist...

Jesus sagt, wenn man eine Ohrfeige bekommt, sollte man nicht zurückschlagen, sondern auch noch die andere Wange hinhalten. Klingt erstmal ziemlich klug. Doch als praktischer Lebenstipp taugt das eher nicht. Würdet ihr eure Kinder, wenn ihr welche habt, so erziehen? Natürlich sollte man seinem Kind nicht beibringen: "Pass mal auf. Wenn der Lasse dich haut, dann polier ihm mal ordentlich die Fresse, dem kleinen Arschloch."
Aber ein Kind, das bekannt dafür ist, sich nicht zu wehren, wenn es angegriffen wird, sondern den Schlägern auch noch stolz die andere Wange hinhält - Solche Kinder steckt man in der Schule in Mülltonnen und Toiletten.

Falls es wirklich einen Jesus gab, der diesen Ratschlag erteilt hat, ist es trotzdem ziemlich zweifelhaft, ob irgendjemand so blöd war, das mal wirklich auszuprobieren. Jesus selbst hält sich des Öfteren nicht daran und flieht vor Angreifern, statt sich ihnen zu stellen (z.B. in Johannes 8:59).

Bewundernswert ist der Einsatz für Arme. Jesus rät reichen Leuten, all ihren Besitz zu verkaufen und den Armen zu geben (Matthäus Kapitel 19, Lukas 18, Markus 10). Eine gute Lehre, an die sich bloß leider recht wenige Christen halten. Ich zumindest kenne keinen.





 WHAT WOULD JESUS DO?

Dass Jesus sich selbst nicht immer an seine eigene Vorschriften hält, macht ihn nicht unbedingt glaubhafter. Im Johannes-Evangelium wird er mit teuren Ölen gesalbt. Einer seiner Jünger fragt ihn, ob man das Öl nicht lieber verkaufen sollte und das Geld Armen geben - wie Jesus das immer wieder lehrt. Der Autor versucht den gar nicht so schlechten Einwand damit zu entkräftigen, dass er Judas zugeschrieben wird, der das Geld klauen will. Jesus meint, Arme gebe es ja immer, ihn aber nicht.

"3 Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter, köstlicher Narde und salbte die Füße Jesu und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe.

4 Da sprach seiner Jünger einer, Judas, Simons Sohn, Ischariot, der ihn hernach verriet:
5
Warum ist diese Salbe nicht verkauft um dreihundert Groschen und den Armen gegeben? 
6 Das sagte er aber nicht, daß er nach den Armen fragte; sondern er war ein Dieb und hatte den Beutel und trug, was gegeben ward. 
7 Da sprach Jesus: Laß sie in Frieden! Solches hat sie behalten zum Tage meines Begräbnisses.
8 Denn Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit."

(Johannes 12:3-8)


Also sollte ich vielleicht doch nicht mein Geld an Arme verschenken, sondern mir lieber Drogen davon kaufen? Arme gibt es schließlich immer, mich aber nicht!

Jesus wird zwar in den Evangelien als armer Mann dargestellt, das ist aber nicht weiter schlimm. Braucht er mal einen oder zwei Esel, schickt er seine Jünger los, welche "auszuleihen", das sei schon Okay, Gott braucht sie.

"1 Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei 
2 und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ihr Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir! 
3 Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der HERR bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen."

(Matthäus 21:1-3)


Zur damaligen Zeit war so ein Esel ein notwendiges Massentransportmittel. Stellt euch vor, Jesus würde heute leben. Dann würde er wahrscheinlich zwei Autos "borgen".
In der Bibel steht übriges nichts davon, dass die "geliehenen" Esel wieder zu ihrem rechtmäßigen Besitzer gebracht wurden.

Und während Jesus predigt, dass man in die Hölle muss, wenn man seinen Bruder einen "Narren" nennt (Matthäus 5:22), sagt Jesus im selben Evangelium:

"15 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr Land und Wasser umziehet, daß ihr einen Judengenossen macht; und wenn er's geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der Hölle, zwiefältig mehr denn ihr seid!  
16 Weh euch, verblendete Leiter, die ihr sagt: "Wer da schwört bei dem Tempel, das ist nichts; wer aber schwört bei dem Gold am Tempel, der ist's schuldig."
17 Ihr Narren und Blinden!"

(Matthäus 23:15-17)




ANTICHRISTLICHE MORAL

Um die biblische Moral auf ihre Gültigkeit zu überprüfen, stellen wir uns doch mal eine Welt vor, in der alle das Gegenteil tun, was Jesus in der Bibel sagt. Spielen wir doch mal des Teufels Advokaten und drehen die Lehren Christi einfach um. So sieht sie aus, die anti-christliche Moral:

- Jeder ist für das verantwortlich, was er tut. Niemand kann deine Schuld übernehmen, egal wie fest du daran glaubst.
- Wenn du etwas wirklich haben willst, musst du etwas dafür tun. Beten funktioniert nicht.
- Rituale wie die Taufe können ebenso keine Sünden reinwaschen, d.h. den Menschen von Schuld freisprechen.
- Jeder hat das Recht, sich zu verteidigen, wenn er angegriffen wird.

- Seid nett zu euren Eltern. Das ist eure wahre Familie. Nicht ein Haufen von Spinnern, die auf das Ende der Welt warten. Falls eure Eltern euch großgezogen haben, haben sie eine Menge für euch getan. Tut auch mal was für sie, lasst euren toten Vater sich nicht selbst begraben.
- Wenn jemand euch etwas verspricht, besonders wenn er euch alles verspricht, was ihr wollt, wie Jesus, dann glaubt es nicht ohne einen Beweis oder zumindest einen plausiblen Grund.
- Du bist für das verantwortlich, was du tust, aber nicht für deine Gedanken. Ein Verbrechen, das nur im Kopf geschieht mit ewigen Qualen zu bestrafen, wie es in der Bibel steht, ist barbarisch und ungerecht.
- Wenn jemand euch auffordert, euer Leben zu hassen, ignoriert das Arschloch.



GOTT ODER SCHROTT

Über das Leben des Buddha werden viele fantastische Mythen erzählt. Genau wie bei Jesus gibt es keinerlei Beweise, dass hinter der Figur eine historische Person steht. Gut möglich, dass es niemals einen historischen Buddha gab. Doch wenn dem so ist, ändert das nichts an seiner Botschaft.
Denn die enthält die Aufforderung, nichts einfach so zu glauben, sondern die Lehren durch eigene Erfahrung zu überprüfen. Buddha behauptete nicht, dass er eine göttliche Botschaft verbreitet und deshalb sind seine Lehren ebenso gültig, falls sie nicht von einem historischen Buddha stammen, sondern zum Beispiel die gesammelten Einblicke einer bestimmten religiösen Schule sind und vielleicht sogar über mehrere Generation in ihre überlieferte Form gewachsen sind.


Auch an den tiefen Einblicken in die menschliche Seele in den Werken Homers ändert sich nichts daran, wenn Homer keine historische Person war, sondern mehrere, wovon heutzutage viele Forscher ausgehen.

Ganz anders liegt der Fall bei Jesus Christus. Die ganze Gültigkeit der Botschaft hängt von ihrem Überbringer ab. Christus kann nur mit göttlicher Vollmacht die Sünden anderer Menschen abnehmen. Wenn Jesus aber nur ein Mensch war, ohne Verbindung zum Übernatürlichen, wäre er nach christlichem Verständnis ein falscher Prophet.
Für ungläubige Menschen taugt er bei genauer Betrachtung wohl kaum als Vorbild für gerechtes, weises Verhalten. Falls es einen solchen Menschen gab, war er ein Sektenführer der ganz gewöhnlichen Sorte.

Er versprach denen ein Paradies, die ihre Familie verlassen und ihm folgen und ihr ganzes Vermögen den Armen schenken. Letzteres ist an sich wohl eine gute Sache, bedeutet aber natürlich auch, dass es für die nun mittelosen Jünger kaum möglich war, die Bewegung zu verlassen. Dazu kam die Drohung, dass alle, die bei der unmittelbar bevorstehenden Apokalypse nicht auf seiner Seite stehen, für alle Ewigkeiten Höllenqualen erleiden müssen. Nach christlicher Lehre ist es unmöglich, durch gute Taten oder dem Lernen aus den eigenen Verfehlungen der Hölle zu entgehen, wenn man nicht der richtigen Religion angehört.
Entweder bist du auf der Seite von Jesus oder auf der der Terroristen.

"30 Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich" (Zitat von Jesus aus Matthäus 12:30 und Lukas 11:23)






ZWISCHENFAZIT

Bei unserer Suche nach der wahren Natur von Jesus Christus sind wir zunächst von vier Möglichkeiten ausgegangen. Er war:

A) Gott
B) Mensch
C) Beides
D) Keine der oben genannten Möglichkeiten

A) können wir ausschließen.Wenn Christus nur Gott ist, aber nie als irdisches Wesen aus Fleisch und Blut seine Sandalen auf unsere Erde gesetzt hat fällt die ganze christliche Botschaft auseinander. Ohne Jungfrauengeburt, Kreuzigung und Wiederauferstehung ergibt die Lehre, dass man nur errettet werden kann, wenn man eben dieses glaubt, keinen Sinn.

B) ist möglich, aber unwahrscheinlich. Gab es einen historischen Jesus, hatte der nicht viel mit dem biblischen Christus gemein. Da es aus der angeblichen Lebenszeit von Jesus keinerlei Aufzeichnungen über ihn gibt, könnte es jedoch ebenso gut sein, dass das Christentum als jüdisch-apokalyptische Sekte begann, deren Anführer sich bereits auf einen Christus berufen haben. Vielleicht ist die Figur Jesus auch eine Sammlung von Lehren verschiedener Einzelpersonen. Ähnliche Lehren wie die des biblischen Christus gab es im Judentum auch schon vorher (dazu später in dieser Serie mehr).

Gab es den historischen Christus, kann er nicht einfach aus der Bibel rekonstruiert werden. Er wäre im Dunkel der Geschichte versunken und das wäre auch gut so.

C) Auch wenn keine Tatsachen für einen historischen Jesus sprechen, müssen Christen an dieser Option festhalten. Der göttliche Jesus ist eine Angelegenheit des Glaubens. Doch er setzt einen Jesus aus Fleisch und Blut voraus, ein physisches Wesen, das Spuren in unserer Welt hinterlassen haben soll.
Sicher kann man nicht die Nicht-Existenz eines historischen Jesus beweisen, genauso wenig wie die Nicht-Existenz von Kobolden oder irgend etwas anderem im Universum. Doch in Anbetracht des Mangels an wissenschaftlichen Beweisen, die man erwarten würde, ist die Existenz eines geschichtlichen Jesus ein blinder Glauben.
Und wenn es um Geschichte geht, haben wir bessere Methoden uns der Wirklichkeit zu nähern als etwas sehr Unwahrscheinliches zu glauben, bis das Gegenteil bewiesen wird.
Der Weg der Wissenschaft ist umgekehrt. Bis man etwas nicht plausibel mit Beweisen belegen kann, gilt es nicht als wahr. Wenn man etwas behauptet, was nicht durch Beweise oder Belege gestützt wird, muss man diese eben finden und darf sich nicht wundern, dass man vorher nicht ernst genommen wird.

D) Ein oberstes Prinzip der modernen Wissenschaft ist "Ockams Rasiermesser". Nach William of Ockham sind bei jeder wissenschaftlichen Untersuchung jene Theorien zu bevorzugen, die am wenigsten andere Tatsachen voraussetzen. Bei der Erklärung von der Entstehung des Lebens auf der Erde ist eine Theorie, die besagt, dass das Leben sich auf der Erde entwickelt hat, besser als eine, die besagt, dass Außerirdische auf die Erde kamen und dort Leben erschaffen haben. Denn die zweite Theorie setzt bereits voraus, dass es Außerirdische gibt, eine total unbelegbare Aussage.
Setzten wir doch mal das Rasiermesser an Jesus an. Die Möglichkeit, dass übernatürliche Elemente im Spiel waren, bedeutet, dass man so was als existent voraussetzt. Die Theorie von Jesus als natürlichen Menschen ist nach Ockhams Prinzip vorzuziehen, aber noch nicht ideal, da sie die unbewiesene Annahme einer historischen Person benötigt.

Weder Jesus als Gott, Mensch oder Gott-Mensch werden benötigt, um die christliche Religion zu erklären. Der Ursprung der wichtigsten Gedanken, Lehren und Ereignissen des neuen Testament lassen sich allein durch eine Entwicklung nachweislich vorhandener früherer Mythologie plausibel erklären.
Dies ist der Inhalt der kommenden Teile unserer "Mythos Jesus"-Serie.

Außer natürlich, die Welt geht vorher unter. Doch ich würde nicht darauf setzen.


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SERIE: "DER MYTHOS JESUS"



[Teil 1: Der unsichtbare Mann]
[Teil 2: Leben wie Gott in Galiläa]
>>[Teil 3: Lehre/Versprechungen]
[Teil 4: Auf den Schultern von Riesen]
[Teil 5: Dekonstruktion]


27. Juli 2010

LEBEN WIE GOTT IN GALILÄA (Der Mythos Jesus Teil 2)


[Teil 1: "Der unsichtbare Mann"]

Sie sagen, er sei der Sohn Gottes. Andere halten Jesus Christus für einen weisen Rabbi, um dessen Leben sich später Legenden gebildet haben.
Doch wie war das damals wirklich? War Jesus Gott oder Mensch?

Spielen wir doch mal beide Varianten einzeln durch und überprüfen, wie plausibel diese beiden Theorien sind.





SAY WHAT?

Jesus soll gekommen sein, um eine göttliche Botschaft zu verbreiten, so die Legende. Doch er verhielt sich dabei nicht so geschickt, wie man es von einem allwissenden Gott erwarten könnte. Denn er hätte nur irgend etwas sagen müssen, was damals kein Mensch wissen konnte. Damit hätte er - zumindest für spätere Generationen - einen überzeugenden Beweis seiner Göttlichkeit hinterlassen.

Doch seine angeblichen Äußerungen enthalten nichts, was ein normaler Mensch vor 2000 Jahren nicht hätte erzählen können. Gott beharrt beispielsweise auch in seiner neuen Offenbarung auf seinem Standpunkt, die Erde sei eine Scheibe (z.B. Lukas 4:5, Offenbarung 7:1, Hebräer 1:10).

Die Erde ist nicht flach und nicht das Zentrum des Universums, sie ist mehrere Milliarden Jahre alt und dreht sich um die Sonne, die einer von Billiarden Sternen ist. Wenn Jesus etwas derartiges gesagt hätte - Was hätten diese verdammten spöttischen Heiden für Augen gemacht, wenn eine Aussage der Bibel später wissenschaftlich hätte nachgewiesen werden können!

Aber nö, er verbreitet lieber, dass Leute, die krank, blind oder behindert sind, von "Dämonen" und "Teufeln" besessen sind und dass man gesund wird, wenn man nur kräftig genug betet. Damit brachte er die damalige Medizin um 0 Jahre voran!


Nehmen wir an, Jesus war Gott und gekommen, um die Botschaft seiner Liebe auf der Erde zu verbreiten.
Findet ihr, dass er dabei erfolgreich war? Hätte er sich als allmächtiger Gott nicht allen Menschen der Welt offenbaren können? Oder der wenigstens der Mehrheit der Menschen?
Heutzutage sind mindestens zwei Drittel der Welt nicht christlich. Und während das Christentum in unseren Breiten zumindest in der Vergangenheit allgegenwärtig war, gibt es viele Regionen der Erde, in denen das niemals so war.
Nehmen wir an, Gott hat sich geändert und ist jetzt ein liebender Gott und nicht, wie zuvor im alten Testament, ein Rassist, der eine bestimmte Volksgruppe für heilig und den anderen überlegen erklärt. Warum erscheint er dann nur in einem winzigen Teil der Welt, in dem er eh schon immer wirkte? Er will doch jetzt statt nur "Gott der Israeliten" "Gott aller" werden.

Gott hielt es wohl für besser, nur ganz bestimmten Leuten den Weg zu zeigen und sich mit Wundern zu offenbaren, für die es keine Zeugen mehr gibt. Und wir, die 99,99..% der Menschheit in der Geschichte müssen das so glauben, ohne Wunder?

Es sieht nicht so aus, als ob es das göttliche Ziel war, sich ALLEN Menschen zu offenbaren. Da gäb's bessere Methoden. Er ist ja Gott. Mit Allmacht ausgestattet sollte er einen halbwegs anständigen Job hinkriegen. Aber vielleicht will er sich ja nicht nur offenbaren, sondern den Menschen etwas Gutes tun, da er sie so liebt.



GOTT SEI DANK

"16 Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.
17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht gesandt in die Welt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde."

(Johannes 3:16-17)

Hätte der Sohn eines liebenden Gottes das Leben der Menschheit nicht etwas deutlicher verbessern können?

Wenn unser Erschaffer uns zum Beispiel erklärt hätte, dass viele Krankheiten durch mangelnde Hygiene verursacht werden (anstatt durch "Teufel", wie Jesus meint) - Wie viele Millionen von Menschenleben hätten in den letzten 2000 Jahren gerettet werden können?

Jesus sagt jedoch genau das Gegenteil. Er hat's nicht so mit dem Hände waschen, wie wir in einer Episode aus dem Matthäus-Evangelium (Kapitel 15) erfahren.
Darin kommen die Pharisäer zu Jesus und beschweren sich, dass er und seine Jünger sich nicht die Hände vor dem Essen waschen. Jesus wird stinkwütend und nennt die Pharisäer Heuchler.
Sein Argument: Er wäscht sich vielleicht nicht die Hände, die Pharisäer steinigen aber keine Menschen, die ihre Eltern beleidigt haben - was ja viel schlimmer ist...
Er kommt zu dem Schluss:

"20 Aber mit ungewaschenen Händen essen verunreinigt den Menschen nicht." (Matthäus 15:20)


Doch, Jesus, du Genie!



WARUM SCHICKST DU MICH IN DIE HÖLLE (HÖLLE, HÖLLE)?

"Gott ist Liebe"

(1. Johannes 4:8)



Gott ist Liebe und tötet daher sein Kind für uns. Damit wir einige von uns nicht in die Hölle müssen. Die hat er aber erst gleichzeitig mit Jesus erfunden und präsentiert. Jesus verbreitet das neue Konzept "Hölle" und bietet gleichzeitig einen Ausweg daraus.

Im alten Testament wird nirgends eine Hölle oder etwas Ähnliches erwähnt. Satan ist dort nicht Herrscher einer ewigen Welt voller Qualen, sondern hält sich (- wie wir im Buch Hiob erfahren - ) wahlweise auf der Erde oder im Himmel auf, inmitten der Kinder Gottes und des alten HERRN.
Erst mit Christus kommt die Idee einer ewigen Bestrafung nach dem Tode und Satan zieht als Hausherr in die Hölle.

Im alten Testament wird wieder und wieder über Sünder berichtet, die Gott für ihre Sünden unmittelbar bestraft (und meistens tötet).
Da Menschen aber auch damals wohl nicht ganz doof waren, haben sie dann irgendwann bemerkt, dass das nicht stimmt. Die Religion brauchte etwas Neues, Größeres, um den Leuten Angst zu machen.

Gott killt dich nicht sofort, wenn du sündigst: Das weiß jeder aus eigener Erfahrung.
Aber wenn die Strafe erst nach dem Tod kommt, wo sie blöderweise kein anderer sehen kann...


Man muss nicht einmal ein Mörder oder Kinderschänder sein. Laut Jesus kommt man in die Hölle, wenn man seinen Bruder einen "Narren" nennt (Matthäus 5:22) oder den heiligen Geist beleidigt. In letzterem Falle ist eine Vergebung dieser Sünde übrigens von vorne herein ausgeschlossen (Markus 3:29, Matthäus 12:32). Kann das Liebe sein?!..






KEIN WUNDER

Doch nehmen wir jetzt mal an, Jesus Christus wäre ein normaler Mann gewesen, kein Gott oder Ähnliches. Ein weiser Rabbi, der umherzog, Predigten hielt, taufte, Parabeln erzählte, und um den sich später Legenden entwickelten. Die meisten nicht-gläubigen Menschen können sich wohl mit dieser Sicht anfreunden. Aber wenn man alle Wunder aus Jesus biblischer Biografie nimmt, hat man dann schon den historischen Jesus gefunden?

So leicht ist es leider nicht. Zum einen fallen ziemlich viele wichtige Ereignisse weg, die das Bild der Figur Jesus Christus maßgeblich prägen.

Zum Beispiel:

- Die Ankündigung seiner Geburt durch einen Engel
- Die Geburt durch die Jungfrau Maria
- Der Stern über Bethlehem
- Die Niederkunft des "heiligen Geistes" in Form einer Taube bei Jesu Taufe
- Satan versucht Jesus in der Wüste
- Engel "dienen" Jesus in der Wüste
- Apostel, die mir-nichts-dir-nichts alles stehen und liegen lassen, um Jesus zu folgen, den sie gerade eben kennengelernt haben
- Jesus spuckt einem Blinden auf die Augen, worauf dieser wieder sehen kann
- Das Austreiben von "Teufeln"
- Die Speisung der 5000
- Die Speisung der 4000
- Jesus verflucht einen Feigenbaum, weil dieser keine Früchte trägt (ernsthaft - mehr dazu hier)
- Die Transfiguration (Jesus nimmt zwei Apostel mit auf einen Berg, fängt an wie verrückt zu leuchten und zu schweben, Moses und Elijah erscheinen und noch mehr Schwachsinn dieser Art)
- Jesus zaubert zwei Teufel auf dessen Wunsch in eine Herde Schweine, die daraufhin von einer Klippe stürzen und alle sterben.
- Die Wiederauferweckung von Toten
- Jesus lässt einen Sturm verschwinden
- Dutzende Wunderheilungen
- Jesus läuft über Wasser
- Der Apostel Petrus wird von Jesus beauftragt, einen Fisch zu fangen, in dessen Mund sich eine Münze für ihre Tempel-Steuer befinden soll. Prompt passiert genau das.
- Die Verwandlung von Wasser in Wein
- Jesus Voraussage, dass Judas ihn verrät und Petrus ihn verleumdet
und
- Die Wiederauferstehung






TAUFTOUR

Was bleibt? Einige wenige Handlungen, Orte und Namen, die etwas über den historischen Christus sagen.
Seine Mutter soll Maria geheißen haben, er soll in Nazareth gewohnt haben, als Zimmermann gearbeitet haben und von Johannes dem Täufer getauft worden sein. Aber sind das verlässliche biografische Daten?

Fangen wir mal bei Johannes dem Täufer an. Über den gibt es historische Aufzeichnungen, zum Beispiel beim jüdischen Geschichtsschreiber Josephus, der über Johannes als jüdischen Rebellen berichtet, Jesus aber in diesem Bericht mit keiner Silbe erwähnt.
Dabei soll doch laut den Evangelien Johannes die Göttlichkeit Christi anerkannt haben und ihn angebetet haben. Falls das wahr wäre, hätte das bedeutet, Johannes Anhänger wären wahrscheinlich spontan Christen geworden, wenn doch ihr Sektenführer einen Mann als Gottes Sohn anerkennt.

"29 Des andern Tages sieht Johannes Jesum zu ihm kommen und spricht: Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt! [...]
34 Und ich sah es und zeugte, daß dieser ist Gottes Sohn."

(Johannes 1:29;34)


Es existieren aber keine Berichte oder sonstige Beweise für Anhänger eines Jesus Christus aus der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts - während Anhänger von Johannes Taufbewegung belegt sind.



JESUSMARIA!

Was wissen wir über die Familie von Jesus?
Im frühesten Evangelium von Markus erfahren wir so gut wie gar nichts über Josef und Maria. Nichts über eine jungfräuliche Geburt oder die Prophezeiung durch einen Engel.
Die Geschichte beginnt mit Johannes dem Täufer. Die Familie von Jesus taucht zum ersten Mal im dritten Kapitel auf, wo Jesus seine hier noch namenlosen Brüder und seine Mutter verleugnet und in guter Sektenführer-Manier seine Anhänger als wahre Familie bezeichnet.

"31 Und es kam seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen.  
32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder draußen fragen nach dir.  
33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 
34 Und er sah rings um sich auf die Jünger, die im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und meine Brüder! 
35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." 

(Markus 3:31-35)


Im gesamten Markus-Evangelium wird Marias Name nur ein einziges Mal genannt, als Jesus "Sohn der Maria" genannt wird. Viel mehr erfahren wir über Maria hier auch nicht.

Erst in den späteren Evangelien von Lukas und Matthäus wird Maria zur Jungfrau. Im Lukas-Evangelium trifft sie auch noch einen Engel in einem Traum - bei Matthäus erscheint der Engel allerdings ihrem Mann Josef.

Im Johannes-Evangelium ist Jesus mit seiner Mutter bei einer Hochzeitsgesellschaft. Sie bittet ihn um einen Gefallen, woraufhin Jesus seine Mutter fragt, was er eigentlich mit ihr zu schaffen habe.

"1 Und am dritten Tag ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da.  
2 Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. 
3 Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben nicht Wein. 
4 Jesus spricht zu ihr: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen."

(Johannes 2:1-4)


Sonst erfahren wir nichts über die heilige Maria. Jesus scheint sie nicht besonders gemocht zu haben. Er verleugnet und beleidigt seine Mama und empfiehlt seinen Anhängern das selbe.

"26 So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein."

(Lukas 14:26)




HEILIGE MARIA

Später erlangt Maria dann mehr Prominenz. In Schriften des 2. Jahrhunderts werden mehrere Biografien für sie erfunden. Noch später entsteht die Geschichte von der Himmelfahrt Marias, von der in der Bibel nichts gesagt wird. Obwohl die katholische Kirche diese Texte nicht in den Kanon aufnahm, erklärte sie Mariä Himmelfahrt zum Dogma. Zweifelt man ein Dogma an, kann man aus der Kirche geschmissen werden (wie furchtbar!). Selbst wenn diese Dogmen keinen Bezug zu Texten der Bibel haben. Was die Kirche sagt, ist nämlich immer die Wahrheit, auch wenn es kompletter Schwachsinn ist.

Ein anderes Dogma erklärt Maria zur ewigen Jungfrau. Jesus Brüder und Schwestern, die in den Evangelien erwähnt werden, sind nun plötzlich angeblich nur noch "Cousins". Und wer's nicht glaubt, wird auch nicht selig.

Bei den Katholiken geht die Verehrung der Maria so weit, dass viele sie nicht nur für Jesus Mutter halten, sondern sie als "Mutter Gottes" fast selbst wie eine Göttin anbeten.


Vermutet man eine historische Maria, muss man ebenfalls aus den Berichten über sie alles Übernatürliche entfernen. Im frühesten Evangelium von Markus wird jedoch nichts Ungewöhnliches über sie gesagt, nichts über ihre Jungfräulichkeit oder die Ankündigung von Jesus' Geburt durch einen Engel. Das ist eine Geschichte, die erst später geschrieben wurde.
(Oder früher, aber in anderen Religionen, doch dazu in einem späteren Teil dieser Reihe mehr.)

Es bleibt nur die Tatsache, dass sie mit Josef verheiratet gewesen sein soll und mit ihren Kindern in Nazareth gewohnt haben soll. Stimmt denn wenigstens das?



HE'S A REAL NOWHERE MAN, SITTING IN HIS NOWHERE LAND

Die Stadt Nazareth wird zum ersten Mal in den Evangelien (zw. 70-110 n. Chr.) schriftlich erwähnt.
Zuvor nicht: Nicht im alten Testament oder sonstigen Schriften bis ins Jahr 70, nicht bei Josephus, dem jüdischen Geschichtsschreiber aus dem späten 1. Jahrhundert oder seinen Historiker-Kollegen.

Dabei ist das Gebiet der damaligen Provinz Galiläa recht mickrig und beträgt etwa 10% der Fläche der heutigen Niederlanden. Der Talmud - umfangreiche Aufzeichnungen der Hebräer, die zu Beginn des 1. Jahrtausends geschrieben wurden - nennt in diesem Gebiet über 40 Städte, Josephus sogar 65. Eine davon (die Stadt "Japha") befindet sich nur 1,5 Kilometer entfernt vom heutigen Nazareth. 
Auch Paulus, dessen Briefe früher als die Evangelien geschrieben wurden, erwähnt in seinen Schriften keine Stadt Nazareth. Es ist außerdem keine einzige Landkarte aus der Lebzeit Jesu oder davor erhalten, auf der Nazareth verzeichnet ist.

Dabei wird Nazareth in der Bibel nicht als winziges Dorf beschrieben, sondern als eine Stadt mit eigener Synagoge und einem Ruf, der ihr weit vorauseilt...

"45 Philippus findet Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben den gefunden, von welchem Moses im Gesetz und die Propheten geschrieben haben, Jesum, Joseph's Sohn von Nazareth.
46 Und Nathanael sprach zu ihm: Was kann von Nazareth Gutes kommen? Philippus spricht zu ihm: Komm und sieh es!"


(Johannes 1:45-46)


Im vierten Jahrhundert reiste Helena, die Mutter von Konstantin, dem ersten christlichen Kaiser von Rom, ins heilige Land, um die Heimatstadt ihres Heilands Jesus Christus zu suchen. Was sie fand, war wenig spektakulär. Ein einziger Brunnen, sonst nichts. Hier soll dreihundert Jahre zuvor eine Stadt gestanden haben, groß genug, dass sie eine Synagoge hatte, in der Jesus laut Bibel gelehrt haben soll?

Da Einheimische aus der Region der Mutter des Kaisers aber versicherten, aus diesem Brunnen habe die heilige Maria Wasser geschöpft, baute Helena eine Kirche an dieser Stelle. Auch in die Nähe einer Höhle, in der die Gottesfamilie gelebt haben soll, erbaute man eine Kirche.
Dank der beiden Kirchen wurde etwas, das zuvor nur ein Brunnen und eine Höhle war, nun zur Pilgerstätte "Nazareth".
Man führte eifrig Ausgrabungen durch, um noch mehr heilige Relikte zu ergattern. Das einzige, was man fand, waren ein paar Gräber. In der hebräischen Kultur der Zeit begrub man allerdings seine Toten weit weg von den Siedlungen, da Tote als unrein galten. Dass macht es noch unwahrscheinlicher, dass sich dort das "Nazareth" der Evangelien befunden hat. Höchstwahrscheinlich wurden dort Menschen aus Städten der Umgebung begraben, zum Beispiel aus dem nahen Japha.
Als sich das Christentum ausbreitete, besuchten mehr und mehr Gläubige die Pilgerstätte und langsam wuchs eine Stadt heran. Heute hat Nazareth etwa 65.000 Einwohner.

Aber dass im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung eine Stadt namens Nazareth existiert hat, ist extrem unwahrscheinlich. Da keine schriftlichen Aufzeichnungen oder archäologischen Beweise dafür sprechen, kann man davon ausgehen, dass das Nazareth der Bibel ebenso real ist wie Entenhausen, Taka-Tuka-Land  oder Gotham City.


Auch andere geografischen Angaben zu Jesus' Leben sind zweifelhaft. Im Lukas-Evangelium wird berichtet, dass Jesus in Bethlehem geboren worden sein soll, weil eine Volkszählung unter Quirinius durchgeführt wurde. Tatsächlich gab es einen Zensus unter einem Quirinius im Jahr 6 n. Chr.
Dabei musste aber keineswegs jeder in seinen Heimatort zurückkehren, wie in der Bibel berichtet wird. Die Römer ließen die Leute dort zählen, wo so gerade wohnten und verhinderten damit auch clevererweise einen Zusammenbruch der Infrastruktur und den Ausbruch von Anarchie.
Man kann den Römern viel vorwerfen, aber mangelndes Organisationstalent gehört eher nicht dazu.

Laut Matthäus-Evangelium erfährt König Herodes (73 bis 4 vor Christus), dass ein Auserwählter geboren wird. Da er fürchtet, das heilige Kind könnte eine Gefahr für ihn werden, entschließt er sich, alle Kinder in Bethlehem unter zwei Jahren töten zu lassen. Darum fliehen Maria und Josef mit Jesus nach Ägypten.
In Wirklichkeit dürfte ein solcher brutaler  Massenmord wohl kaum stattgefunden haben, ohne dass Überlieferungen davon existieren. Doch dem ist nicht so.

Wäre das Ereignis real, hätte es wohl mehr Spuren in der Geschichte hinterlassen als, nun ja, gar keine. Herodes war dem Namen nach König, aber er regierte unter dem Kommando des römischen Reiches. Unwahrscheinlich, dass Rom einfach so tatenlos dabei zusieht, wie die nächste Generation von Steuerzahlern und Soldaten allein zu Herodes' Vorteil abgeschlachtet wird, wie es bei Matthäus geschildert wird.
Das Event wird nicht einmal in irgend einem der restlichen Evangelien auch nur am Rande angesprochen. Auch der Historiker Josephus, der eine umfangreiche und sehr kritische Biografie über Herodes schrieb, erwähnt nichts derartiges.



HEY, JOE

Auch über Jesus' angeblichen Adoptivvater Josef sind keine historisch belegten Angaben überliefert. Das neue Testament gibt seinen Beruf, den Jesus später auch übernimmt, mit dem griechischen Wort "Tekton" an.
Dieses Wort wurde früher fälschlicherweise mit "Zimmermann" übersetzt. Das trifft die Sache aber nicht genau. Ein Tekton war wohl eher ein einfacher Hilfsarbeiter, der mal dies und mal das gemacht hat. Auch mit Holz haben Tektons gearbeitet, aber nicht nur oder hauptsächlich. Es war ein Beruf, der in der sozialen Hierarchie damals ganz unten stand.

Laut den Stammbäumen bei Matthäus und Lukas stammt Josef vom biblischen König David ab (den es höchstwahrscheinlich auch nicht gab). Obwohl König David zu den verehrtesten Figuren im alten Testament gehört, und dort auch ein Erlöser angekündigt wird, welcher ein Ahne von David sein soll, gibt es in den umfangreichen hebräischen Aufzeichnungen nicht einen einzigen Stammbaum, der Josef beinhaltet - weder als Nachfahre Davids, noch als (Adoptiv)Vater von Jesus Christus.

Auch die zwölf Apostel und die zwölf Jünger sind geschichtlich nicht nachweisbar. Nach den Überlieferungen aus den Evangelien hatte Jesus zwölf Gefolgsleute. Nach Jesus' Tod sollen elf davon zu Aposteln berufen worden sein - Judas war nicht mehr von der Partie.
Weil 12 besser als 11 klingt, holte man sich noch einen neuen Mann an Bord. Die Aufgabe der Apostel sollte sein, die Nachricht von Jesu' Taten und seine Lehren zu verbreiten.
Und wie haben die das gemacht?

Gar nicht. Die traditionelle Bibelforschung ging davon aus, dass zwei der Apostel auch Evangelien geschrieben haben, nämlich Matthäus und Johannes. Da aber heutzutage selbst die allermeisten der christlichen Bibelforscher davon ausgehen, dass diese Evangelien nicht von Aposteln stammen können und das Petrus nicht die Petrus-Briefe geschrieben hat, kann man annehmen, dass die Beweise stark darauf hindeuten.

Von keinem der zwölf angeblichen Männer ist irgendwas aus ihrer Lebenszeit erhalten, weder Schriften von ihnen, noch Berichte über sie, nicht einmal eine klitzekleine Randnotiz.
Gab es überhaupt keinen historischen Jesus, ist es nicht überraschend, dass er es auch keine zwölf Jünger und Apostel gab. Sollte es aber einen historischen Jesus gegeben haben, der eine Bewegung erschuf, die die halbe Welt erobern sollte, brauchte er dafür höchstwahrscheinlich ein paar mehr als nur zwölf Jünger.



GOD OR NOT

Falls ein historischer Jesus Christus existiert haben sollte, wissen wir rein gar nichts über dessen Leben.
Nimmt man alles Übernatürliche, alle Wunder aus den Berichten der Evangelien, bleibt wenig. Und selbst dieses Wenige ist historisch zweifelhaft.

Die wichtigsten Informationen, um einen Menschen dieser Zeit eindeutig zu identifizieren, sind seine Ahnen und sein Geburtsort. Über Jesus' Vorfahren wissen wir nichts. In der Bibel werden zwei unterschiedliche Ahnentafeln überliefert. Da diese für den jüdischen Glauben extrem wichtige Figuren wie Adam, Abraham, Isaak und König David enthalten, stimmen höchstwahrscheinlich beide nicht. Doch selbst wenn einer der beiden Stammbäume der Wahrheit entsprechen würde, wüssten wir noch immer nicht, welcher. Wir können also nichts Gewisses über die Vorfahren Jesu sagen.
Und nicht einmal das Geburtsjahr von Jesus Christus ist überliefert. Die beiden Evangelien, die dazu Angaben machen, nennen zwei verschiedene historische Fixpunkte, die allerdings um mindestens ein Jahrzehnt auseinander liegen: Die Amtszeit von Herodes, der 4 vor Christus gestorben ist, und die Volkszählung unter Quirinius im Jahr 6 nach Christus.

Es kommt noch dicker: Wir haben nicht nur keine (begründete) Ahnung, wann Jesus gelebt haben könnte, wir wissen auch nicht wo. Ja, wo kam der eigentlich her, dieser Jesus aus Nazareth?
Nichts spricht dafür, dass es im ersten Jahrhundert wirklich so eine Stadt gegeben hat. Dagegen spricht, dass es einfach nicht so arg wahrscheinlich ist, dass eine nicht ganz kleine Stadt (immerhin soll sie eine Synagoge gehabt haben) in einem ziemlich kleinen Gebiet einfach verloren geht. Während ihres ganzen Bestehens soll niemand sie auch nur einmal irgendwo kurz erwähnt haben? Und dann sollen sich auch noch alle Überreste der Stadt innerhalb von ein paar Jahrzehnten spontan in Luft aufgelöst haben?

Wenn es einen historischen Jesus gegeben hätte, wüssten wir gar nichts über dessen Leben. Aber vielleicht haben sich die biblischen Legenden gar nicht um die Taten eines historischen Jesus gebildet, sondern um dessen Lehren. Um diesen Aspekt geht es im nächsten Teil unserer "Der Mythos Jesus"-Serie.

Eine dieser Lehren haben wir bereits erwähnt:

"26 So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein."

(Lukas 14:26)




Bis zum nächsten Mal könnt ihr ja schon mal ein wenig üben, eure Familie und euer Leben aus tiefster Seele zu hassen. Gott will es so.


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SERIE: "DER MYTHOS JESUS"

>>[Teil 2: Leben wie Gott in Galiläa]

11. Juli 2010

DER UNSICHTBARE MANN (Der Mythos Jesus Teil 1)


Viele Menschen glauben an Jesus Christus, den Sohn Gottes. Und selbst die meisten der Ungläubigen sind sich sicher, dass hinter den Bibelgeschichten ein echter Mann steckt, ein historischer Jesus von Nazareth.
Aber gab es wirklich jemals einen solchen Menschen?






DER GOTTESSOHN

Vor etwa zwei Jahrtausenden lebte ein Mann, über den sowohl Legenden als auch historische Tatsachen gut überliefert sind. Mythen erzählen, er sei von einer Jungfrau geboren worden. Nicht nur das: Er soll sogar Sohn eines Gottes gewesen sein.

Die Rede ist natürlich von Octavian, der später als römischer Kaiser den Namen Augustus annahm. Sein Adoptivvater Julius Cäsar wurde vom römischen Senat ganz offiziell zum "Gott" ernannt, wie auch Augustus nach seinem Tod im Jahre 14.
Erst mehr als ein halbes Jahrhundert später - um 70 nach Christus - sollte dann mit dem Markus-Evangelium der erste, uns bekannte geschriebene Lebensbericht über Christus entstehen.

Über Augustus gibt es zahlreiche erhaltene Aufzeichnungen aus dessen Lebenszeit.  Es existieren schriftliche Berichte von Zeitgenossen und Geschichtsschreibern, Schriften von ihm selbst, es gibt archäologische Funde wie Münzen, Statuen und Inschriften, die eine nicht zu leugnende Spur in der Geschichte beweisen. Dabei war er "nur" Kaiser von Rom.

Jesus soll dagegen Wunder bewirkt haben. Die waren sicher nicht unauffällig. So soll er 5000 Menschen mit wenigen Broten und Fischen gespeist haben (und es ist sogar noch was übrig geblieben). Ein Kapitel später wird im selben Evangelium noch von einer Speisung der 4000 berichtet (Matthäus 15). Das sind schon mal 9000 Augenzeugen eines Wunders.

Jesus' erstes Wunder im Johannes-Evangelium ist die Verwandlung von Wasser in Wein bei einer Hochzeitsgesellschaft. Gleich drei mal erweckt er vor Zeugen Tote wieder zum Leben. 
Laut den Evangelien soll er weit rumgekommen sein, in vielen Städten an öffentlichen Orten Wunderheilungen vollbracht haben und vor großen Menschenmassen Predigten gehalten haben.
Zudem sahen ihn doch angeblich gleich mehrere Leute - Nachdem er bereits gestorben war.
Er muss also aufgefallen sein.



Da sollte man annehmen, es gäbe Tonnen von schriftlichen Überlieferungen aus dieser Zeit, die von Jesus wundersamen Taten berichten und seine Lehren verbreiten. Oder wenigstens seinen Namen erwähnen. Doch die Realität sieht anders aus...



WO STEHT DAS?

Beginnen wir doch unsere Suche nach dem wahren Christus damit, jedes einzelne Wort, das Jesus aufgeschrieben hat, ganz genau unter die Lupe zu nehmen.
Okay, fertig. Eine Aufgabe, die wie geschaffen ist für einen faulen Menschen wie mich. Es ist nämlich kein einziges schriftliches Wort von Jesus persönlich überliefert. Keine Silbe.

Doch nicht nur das. Es gibt aus der gesamten Zeit, in der Jesus gelebt haben soll, keine einzige schriftliche Erwähnung seiner Taten und noch nicht einmal seines Namens. Nirgendwo.
Schon komisch.

Die vier Evangelien der Bibel sind nach heutigem Wissen in einem Zeitraum von vier Jahrzehnten entstanden. Das erste erschien frühestens um etwa 70 nach Christus.
In den vierzig Jahren nach Jesu Tod hielt es angeblich keiner von den Aposteln oder sonstwer für nötig, die spannenden Geschichten vom Sohn Gottes oder seine revolutionären Ansichten niederzuschreiben.

Doch mit einem Mal boomten Jesus-Storys. Damals gab es dann gleich mindestens sechzig Evangelien.
Erst im vierten Jahrhunderten wurden alle Bücher, die in der heutigen Bibel sind, zum ersten mal in einer Zusammenstellung zusammengetragen. Man entschied sich für die Evangelien von Markus, Lukas, Johannes und Matthäus. Diese Namen wurden jedoch erst nachträglich zugeordnet, im Original wird kein Autor genannt.



DAS LEBEN DER ANDEREN CHRISTI

Die Evangelien, die es nicht in die Bibel geschafft hatten, waren jedoch den frühen Christen durchaus auch bekannt. Wie zum Beispiel das Evangelium von Judas, von Maria oder von Thomas, welches ausschließlich Zitate von Jesus enthält.
Hier kann man das Thomasevangelium online lesen. Ein kleiner Vorgeschmack:

"14 Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr fastet, werdet ihr euch eine Sünde zuschreiben; und wenn ihr betet, werdet ihr verdammt werden; und wenn ihr Almosen gebt, werdet ihr Böses an eurem Geist tun."

"71 Jesus sprach: Ich werde dieses Haus zerstören, und niemand wird in der Lage sein, es wieder aufzubauen."

"98 Jesus sprach: Das Königreich des Vaters ist gleich einem Mann, der wollte einen Edlen töten. Er zog in seinem Haus das Schwert und durchstach die Mauer, um herauszufinden, ob seine Hand stark genug wäre. Dann tötete er den Edlen."

"114 Simon Petrus sprach zu ihnen: Maria soll aus unserer Mitte fortgehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig. Jesus sprach: Seht, ich werde sie ziehen, um sie männlich zu machen, damit auch sie ein lebendiger Geist wird, vergleichbar mit euch Männern. Denn jede Frau, die sich männlich macht, wird in das Himmelreich gelangen."

"7 Jesus sprach: Selig ist der Löwe, den der Mensch isst, und der Löwe wird Mensch werden; und verflucht sei der Mensch, den der Löwe frisst, und der Löwe wird Mensch werden."


Habt ihr das mit dem Löwen verstanden? Ich nicht.
Interessant ist auch, dass Jesus das Beten verbietet...



I AIN'T AFRAID OF NO GHOST

Mit einer bestimmten Auswahl von Jesus-Biografien bestimmte die Kirche damals, was göttlich offenbarte Wahrheit war und was nicht. Sie begründeten ihre Autorität damit, dass der "heilige Geist", der die Bibelautoren inspirierte, auch bei der Auswahl der Texte im Spiel gewesen sei.

Wie glaubhaft man das finden kann, dass eine Institution, die behauptet, eine göttliche Offenbarung zu kennen, dies mit den Handlungen eines Geistes begründet, den außer ihnen sonst keiner sehen kann - das sei mal so dahin gestellt.



UND SONST SO?

Im neuen Testament sind neben den Evangelien allerdings noch frühere Schriften über Jesus überliefert. Die Briefe von Paulus zeichnen aber ein ganz anderes Bild von Jesus. Er wird eher spirituell betrachtet, über spektakuläre Wunder verliert Paulus kein Wort.
Keine einzige wörtliche Überlieferung von Jesus finden wir in Paulus' Schriften. Auch nichts über das Leben Christi: Nichts über die heilige Jungfrau, den Stern über Bethlehem, Nazareth, Josef, Maria, Judas, Pontius Pilatus, Johannes den Täufer, Wunderheilungen, Totenerweckungen, Brotvermehrungen, dem Spaziergang übers Wasser, der Verwandlung von Wasser in Wein und so weiter und so fort...
Dabei erzählt die Bibel, dass Paulus einen der Apostel persönlich gekannt haben soll, nämlich Petrus, den vermeintlichen Gründer der Kirche und ersten Papst (danach Wächter der Himmelspforte). Der soll ihm nichts erzählt haben von all den Wundern und Zeichen unseres Mensch gewordenen Gottes? Das sind doch Ereignisse, die man eigentlich eher nicht vergessen würde...



WHO'S YOUR DADDY?

In zwei der Evangelien werden uns Stammbäume von Jesus gegeben. Die widersprechen sich jedoch unübersehbar: Sie nennen nicht nur verschiedene angebliche Vorfahren, sondern auch eine verschiedene Anzahl von Generationen. So nennt Lukas 40, Matthäus aber nur 25 Generationen zwischen Jesus und König David. Beide Stammbäume führen auf Jesus Vater Josef.
Glaubt man allerdings den Evangelien von Lukas und Matthäus, war Josef aber gar nicht der richtige Vater von Jesus, sondern Gott.

Im frühesten Evangelium von Markus ist von einer jungfräulichen Geburt allerdings nirgendwo die Rede. Auch nicht im ältesten, wohl um 100-110 nach Christus entstandenen Johannes-Evangelium. Zwei der vier offiziell anerkannten Biografen Christi fanden dieses Detail wohl nicht erwähnenswert.
So schaffte es beispielsweise eine bizarre Episode in das Markus-Evangelium, in der Jesus einen Feigenbaum verflucht, weil der (außerhalb der Saison) keine Früchte trägt. Aber nicht die Jungfrau-Sache...
Sollen wir wirklich glauben, dass der Markus-Autor wusste, dass Jesus' Mutter bei der Geburt eine Jungfrau war, dies aber nicht für erwähnenswert für seine Biografie hielt? Dass er sich dachte: "Die Feigenbaum-Verfluchung, das ist der Stoff, aus dem Göttergeschichten sind!
Sohn einer Jungfrau, wen interessiert denn so was?.."



WAS NICHT PASST...

Weil die frühen Christen keine Berichte über ihren geliebten Jesus in geschichtlichen Aufzeichnungen finden konnten, fälschten sie einfach welche. Wie bei Josephus Flavius, dem jüdisch-römischen Geschichtsschreiber. Diese Fälschung ist allerdings aufgeflogen, weil sie recht plump ist und blöderweise erst im 4. Jahrhundert zum ersten Mal auftauchte -  obwohl der Text aus dem zweiten Jahrhundert stammt.
Historiker streiten heute darüber, was Josephus im Original aus dem Jahr 93 nach Christus wirklich geschrieben hat. Einig sind sie sich jedoch, dass der heute bekannte Text von Christen nach seiner Veröffentlichung manipuliert wurde.

Die nächsten vermeintlichen Erwähnungen in der Geschichtsschreibung stammen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.
Der römische Historiker Sueton schrieb 120 nach Christus über ein römisches Dekret aus dem Jahr 49: „Die Juden, welche von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, vertrieb er aus Rom.“
"Chrestos" war damals ein üblicher Name für Sklaven und befreite Sklaven und bedeutet "der Gute". Selbst wenn Jesus Christus gemeint wäre, belegt dies allerhöchsten, dass es zu Anfang des zweiten Jahrhunderts Menschen gab, die an einen Christus glaubten. Das bestreitet allerdings auch niemand.
Darin einen außerbiblischen Beleg für die historische  Existenz Jesu Christi zu sehen ist gewagt. Oder verzweifelt.

Es gibt eine kurze Stelle über Jesus beim Historiker Tacitus, die aus dem Jahr 117 stammt. Die ist allerdings ebenfalls nicht gerade unumstritten. Wissenschaftlich erwiesen ist jedoch, dass im Originaldokument etwas von "chrestianos" stand (Anhänger eines "Chrestos") und nachträglich in "christianos" (Anhänger eines "Christus") korrigiert wurde. Dass frühe Christen solche Fälschungen für nötig hielten, spricht wohl nicht unbedingt dafür, dass Jesus historisch belegt ist.

Und selbst wenn Tacitus und Sueton mit "Chrestos" tatsächlich den biblischen "Jesus Christus" meinen, selbst wenn die gefälschte Stelle bei Josephus im Original der manipulierten Textstelle Christus erwähnt, ändert das nichts an der Tatsache, dass es bis ins Jahr 92 nach Christus keine einzige Passage in irgendwelchen historischen Aufzeichnungen gibt - egal ob echt oder gefälscht -, die einen Jesus Christus erwähnen.

 

KEINER WILL'S GESEHEN HABEN...

"52 Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, die Gräber taten sich auf, und standen auf viele Leiber der Heiligen, die da schliefen,
53 und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen."

(Matthäus 27:52-53)


Dies berichtet das Matthäus-Evangelium über den Todestag von Jesus Christus. Heilige Zombies in Jerusalem?..
Das klingt eigentlich nicht wie etwas, das jahrzehntelang niemand aufschreibt, der sowas mal erlebt hat oder von glaubhaften Zeugen gehört hat.
Auch gibt es keine Aufzeichnungen davon, dass nach dem Tod Jesu laut Bibel angeblich weltweit für drei Stunden die Sonne nicht geschienen haben soll, was schon ungewöhnlich wäre, da Sonnenfinsternisse eigentlich höchstens ein paar Minuten andauern.



NO NAME

Also gab es einen historischen Jesus? Nein, es gab sogar viele Jesusse (Jesus's?)...

Von mehr als einem halben Dutzend Jesusen - oder wie auch immer der Plural lautet - gibt es schriftliche Aufzeichnungen. Diverse Anführer von jüdischen Rebellengruppen trugen zu dieser Zeit den damals nicht ungewöhnlichen Namen Jesus. Nur unser Lieblings-Jesus aus Nazareth, bekannt aus Funk und Fernsehen, der ist leider nicht dabei.

"Christus" ist kein Name, sondern ein religiöser und politischer Titel, der übersetzt "der Gesalbte" bedeutet. Das hebräische Wort für "Christus" ist übrigens "Messias".
Damals wurden Könige nicht gekrönt, sondern mit Öl gesalbt. Man stelle sich mal Prinz Charles bei einer weltweit übertragenen Salbung vor - Lieber nicht... Zum Glück hat man das abgeschafft.



STERN ÜBER BETHLEHEM

Die bekannte Weihnachts-Geschichte von Jesu Geburt in Bethlehem taucht im frühsten Evangelium von Markus gar nicht auf.
Die ersten überlieferten Berichte über Stall, Krippe und die heiligen drei Könige (in der Bibel allerdings weder als Könige noch als drei bezeichnet, sondern als "Weise aus dem Morgenland") stammen also aus den späteren Evangelien von Lukas und Matthäus. Deren Entstehungszeit war frühestens zwischen 70 und 100 nach Christus.

Die Jesus-Geburtsgeschichte spielt laut Matthäus und Lukas in der Amtszeit von König Herodes, der etwa um 4 vor unser Zeitrechnung gestorben ist.
Mindestens 74 Jahre vergingen also, bis die Story zum ersten Mal aufgeschrieben wurde. Das kann wohl kaum ein Augenzeugenbericht sein, in einer Zeit, als die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 30 Jahren lag.




THE MAN WHO WASN'T THERE

Jesus ist ein Phantom - ein Mann, über den nichts aus seiner Lebzeit überliefert ist. Außerhalb von religiösen Texten gibt es im ganzen ersten Jahrhundert keinerlei Belege dafür, dass er überhaupt existiert hat.
Und selbst die frühesten religiösen Texte über das Leben von Jesus sind mehrere Jahrzehnte nach seinem angeblichen Tod entstanden.
Aus einer Masse von vielen solchen Texten, die sich teilweise widersprechen, wählte dann, dreihundert Jahre später, der "heilige Geist" jene aus, die die tatsächlichen Ereignisse wiedergeben sollen. Obwohl auch die vier Evangelien der Bibel sich zum Teil widersprechen.
An dieser Stelle sollte eine Portion Skepsis durchaus mal gestattet sein.

Nüchtern betrachtet muss man einsehen: Es gibt keine Beweise für einen echten Jesus Christus.
Falls nur ein Bruchteil der biblischen Geschichten über ihn wahr ist, sollte man aber zumindest ein paar Hinweise auf seine historische Existenz erwarten.

Alternative Erklärungen über die Herkunft der Geschichten aus den Evangelien gibt es jedoch viele: Dazu mehr in späteren Teilen dieser Reihe.

Vieles spricht gegen einen historischen Jesus Christus, nichts dafür. Außer man wünscht es sich ganz, ganz doll. Das nennt man dann "Glauben".




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SERIE: "DER MYTHOS JESUS"


>>[Teil 1: Der unsichtbare Mann]
[Teil 2: Leben wie Gott in Galiläa]
[Teil 3: Lehre/Versprechungen]
[Teil 4: Auf den Schultern von Riesen]
[Teil 5: Dekonstruktion]


27. Juni 2010

ZERMALME DIE GOTTLOSEN (Helden der Bibel Teil 2 - Hiob)


Das Buch Hiob enthält eine der bekanntesten, aber auch außergewöhnlichsten Geschichten der Bibel. Und wenn man das Ding mal gelesen hat, weiß man: Das will schon was heißen.


Fast das ganze restliche alte Testament dreht sich um "historische Ereignisse" des Volkes der Israeliten. Oft geht es um Gottes Lieblinge, die für ihre Gottesfurcht belohnt werden. Nicht so Hiob. Dieser macht nämlich nichts falsch und dennoch tun sich Gott und Satan zusammen, um Hiobs Leben zur Hölle zu machen. 

Der plausible Grund: Gott hält es für nötig, sich vor seinem Erzfeind Satan zu beweisen.




ONE OF UZ

"l Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Derselbe war schlecht und recht, gottesfürchtig und mied das Böse."

(Hiob 1:1)


Und dafür, dass er schlecht und recht war, belohnt Gott ihn mit Reichtum, einer großen Familie und vielen, vielen Sklaven.

"2 Und zeugte sieben Söhne und drei Töchter;  
3 und seines Viehs waren siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen, und er hatte viel Gesinde; und er war herrlicher denn alle, die gegen Morgen wohnten."

(Hiob 1:2-3)


Während Hiob also sein Gott gegebenes Glück genießt, ahnt er nicht, dass ihm der Teufel und der HERR da bald einen Strich durch die Rechnung machen werden.
Die ganze Misere beginnt, als der Teufel im Himmel aufkreuzt, wo er sich offenbar problemlos und ungehindert unter die Kinder Gottes mischt. Anders als ungläubige Menschen scheint Satan im Himmel nicht unerwünscht zu sein.


"6 Es begab sich aber auf einen Tag, da die Kinder Gottes kamen und vor den HERRN traten, kam der Satan auch unter ihnen."

(Hiob 1:6)





DEAL WITH THE DEVIL

Satan mischt sich also unter die Kinder Gottes. Über die erfährt man in der Bibel wenig, im Gegensatz zu Gottes berühmten Sohn, dem Zimmermann. Aber das ist ja auch gleichzeitig er selbst. Gott spricht gerne über sich selbst.
Im Buch Genesis erfährt man immerhin, dass einige der Söhne Gottes Kinder mit menschlichen Frauen hatten, die aus irgendwelchen Gründen berühmte Riesen waren.

"4 Die Riesen waren auf Erden in jenen Tagen, und zwar daraufhin, daß die Söhne Gottes zu den Töchtern der Menschen kamen und diese ihnen gebaren. Das sind die Helden, die von alters her berühmt gewesen sind."

(Genesis 6:4)

Riecht nach einem Spin-Off. "First Blood Part 2 - The Next Generation" oder so. Vor allem deswegen, weil wir außer ein paar Erwähnungen wie hier im Buch Hiob fast keine weiteren Informationen über Gottes Kinder in der Bibel bekommen. Auch deren Kinder, die berühmten Riesen, waren für die Bibelautoren nicht weiter erwähnenswert.

Auch in unserer Story von Hiob spielen die Kinder Gottes keine wichtige Rolle. Es kommt zur spannenden Begegnung zwischen Gott, dem Schöpfer von Allem, und Satan. Ich hab vergessen, warum genau Gott den eigentlich erschaffen hat...

Der Allwissende und Allgegenwärtige fragt Satan zunächst, wo er denn gesteckt hat.

"7 Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe das Land umher durchzogen."

(Hiob 1:7)



Gott hält es nun für nötig, warum auch immer, vor Satan anzugeben.

"8 Der HERR sprach zu Satan: Hast du nicht achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht im Lande, schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse."

(Hiob 1:8)


Satan erwidert, dass Hiob Gott nur mag, weil der ihm immer so tolle Sachen schenkt.

"9 Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Meinst du, daß Hiob umsonst Gott fürchtet? 
10 Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher verwahrt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Gut hat sich ausgebreitet im Lande."

(Hiob 1:9-10)



Der Satan schlägt Gott nun eine Wette vor. Wenn der Hiob alles wegnehmen würde, was er besitzt, dann würde Hiob Gott gar nicht mehr so dufte finden.


"11 Aber recke deine Hand aus und taste an alles, was er hat: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen?"

(Hiob 1:11)



Das kann sich Gott nicht gefallen lassen. Wäre doch gelacht, wenn er dem Satan nicht beweisen würde, dass er immer Recht hat. Bei dieser Gelegenheit, Satans dummes Gesicht zu sehen, wenn er seine Wette verloren hat! Da ist es nur schlecht und recht, seinen treuesten Untergebenen brutal zu quälen und eine Menge Menschen zu ermorden.


"12 Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan aus von dem HERRN."

(Hiob 1:12)




DREAM TEAM

Schon früh im allerersten Kapitel des Buches Hiob begehen Satan und Gott nun gemeinschaftlich mehrere Massenmorde. Gottes Wege sind unergründlich.

"13 Des Tages aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken in ihres Bruders Hause, des Erstgeborenen,
14
kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide,

15 da fielen die aus Saba herein und nahmen sie und schlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte."

(Hiob 1:13-15)


Hiob ahnt noch nicht, dass sich Gott und Satan zum gemeinsamen Ziel gemacht haben, Hiobs Leben zur Hölle zu machen. Dass die Sklaven von denen aus Saba gekillt werden, kann ja mal vorkommen, in diesen rauen Zeiten.
Doch das Blutbad hat gerade erst begonnen. Gott und Satan lassen immer nur einen Sklaven überleben, der dann Hiob Bericht erstatten kann.


"16 Da er noch redete, kam ein anderer und sprach: Das Feuer Gottes fiel vom Himmel und verbrannte Schafe und Knechte und verzehrte sie; und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte.
17 Da der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machte drei Rotten und überfielen die Kamele und nahmen sie und schlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts; und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte.
18 Da der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen,
19 Und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß auf die vier Ecken des Hauses und warf's auf die jungen Leute, daß sie starben; und ich bin allein entronnen, daß ich dir's ansagte."

(Hiob 1:6-19)



Wer genau die Morde begeht, bleibt leider recht nebulös. In Vers 12 gibt Gott Satan eine Vollmacht, Hiob alles anzutun, was er mag, solange er ihm nicht persönlich an den Pelz geht.
In Vers 16 allerdings sterben Schafe und Knechte durch das "Feuer Gottes."

Die armen Knechte müssen übrigens gleich drei mal sterben (Verse 15, 16 und 17). Und auch Hiobs Kinder hat Gott unwiderruflich getötet. Aber ist ja für einen guten Zweck.

Auch wenn sich Gott für die Morde nur teilweise persönlich die Hände schmutzig macht - moralisch ist er  hundertprozentig verantwortlich. Denn Satan krümmt keinem Menschen auch nur ein Haar, bevor er nicht dafür die Vollmacht von Gott erhalten hat.
Nicht, dass das besonders schwierig gewesen ist...

Wie Gott prophezeit hatte, fällt Hiob trotz alledem immer noch nicht vom Glauben ab.  Jetzt könnte Gott Satan fortschicken und die Sache auf sich beruhen lassen - oder die Zeit zurück drehen und alles ungeschehen machen. Hey, er ist schließlich Gott und kann alles.

Stattdessen diskutiert er weiter mit Satan.


"3 Der HERR sprach zu dem Satan: Hast du nicht acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen im Lande nicht, schlecht und recht, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, daß ich ihn ohne Ursache verderbt habe."

(Hiob 2:3)


Gott gibt also zu, dass er Hiob "ohne Ursache", sprich grundlos, gequält hat.
Das könnte ihm eine Lehre sein, sich nicht von Satans Geschwätz zu Folterungen seiner treusten Untergebenen überreden zu lassen. Vielleicht hätte er das sogar schon irgendwann vorher mal bemerken können, dass man sich besser nicht vom Teufel manipulieren lässt. Aber manche lernen´s nie...

Satan gibt nämlich die Wette mit Gott noch nicht auf. Er bittet Gott, Hiob an die Haut gehen zu dürfen. Dann sagt Hiob bestimmt Gott ab. Was sagt Gott? "Fass meinen Lieblingsknecht nicht an, Satan, und was rede ich hier im Himmel eigentlich mit meinem Erzfeind?"
Nicht ganz...

"6 Der HERR sprach zu dem Satan: Siehe da, er ist in deiner Hand; doch schone seines Lebens! 
7 Da fuhr der Satan aus vom Angesicht des HERRN und schlug Hiob mit bösen Schwären von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel."

(Hiob 2:6-7)



Sogar mit den bösen Schwären schwört Hiob Gott nicht ab. Satan hat seine Wette verloren. Allerdings ist er nicht schlechter dran als vorher. Es gab keinerlei Wetteinsatz, es ging nur ums Recht. Immerhin hatte er die Gelegenheit mit Gottes Einwilligung zu morden, zu zerstören und den Lieblingsknecht seines Erzfeindes, dem HERRN, grausam zu quälen.
Nach dem zweiten Kapitel, von 42, taucht Satan im ganzen Buch Hiob kein einziges Mal mehr auf.
Wo zum Teufel steckt der bloß?





TURTLES ALL THE WAY DOWN

Der Rest des Buches - außer dem allerletzten Kapitel - hat mit dieser Geschichte, die in vorbiblischen Zeiten wohl eine weit verbreitete Legende war, nicht viel zu tun. Er besteht aus der so genannten Hiobs-Dichtung, von einem späteren Autor dazu erfunden und anders als die bekannte Hiobs-Sage in Versform geschrieben. Die Rahmenhandlung mit Satan im Himmel wird jedoch nie erwähnt. Es lamentieren darin Hiob und drei Freunde elendig lang, warum Hiob Schlechtes widerfahren ist (wobei unwichtige Details wie von die Gott getöteten Kinder in der Dichtung nie erwähnt werden).
Die Freunde beharren darauf, dass Hiob etwas getan haben muss, was Gott nicht gefällt. Denn Gott ist ja gerecht: Guten passiert Gutes, Bösen aber Böses. Hiob bleibt bei seiner Ansicht, nicht Böses verbrochen zu haben.

Erst in Kapitel 38 meldet sich schließlich Gott persönlich (aus einer Wolke) zu Wort.
Er gibt keine brauchbaren Antworten sondern gibt nur ein wenig an, wie toll er ist und alle anderen nicht.

"1 Und der HERR antwortete Hiob aus dem Wetter und sprach: 
2
Wer ist der, der den Ratschluß verdunkelt mit Worten ohne Verstand?
3
Gürte deine Lenden wie ein Mann; ich will dich fragen, lehre mich!
4
Wo warst du, da ich die Erde gründete? Sage an, bist du so klug!
5
Weißt du, wer ihr das Maß gesetzt hat oder wer über sie eine Richtschnur gezogen hat?


(Hiob 38:1-5)



Ein interessantes Detail über die Erschaffung der Erde wird uns hier gegeben. Gott hat eine Richtschnur verwendet, um die Erde zu machen. Und nur darum ist die Scheibe gerade und wir fallen nicht alle am Rand runter ohne uns ständig irgendwo festhalten zu müssen.
Hättet ihr das gewußt? Also ich nicht, aber ich bin ja auch nicht der tolle Gott, der alles erschaffen hat.

"6 Worauf stehen ihre Füße versenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt,"

(Hiob 38:6)




Worauf stehen die Füße der Erde? Weiß doch jedes Kind: Auf Schildkröten!
Gott brabbelt noch ewig lange weiter solch einen Quatsch...

"32 Kannst du den Morgenstern hervorbringen zu seiner Zeit oder den Bären am Himmel samt seinen Jungen heraufführen?"

(Hiob 38:32)


Weil sich ja die Sterne um die Erde drehen. Wenn ihr Gott wärt, wüsstet ihr das.


"35 Kannst du die Blitze auslassen, daß sie hinfahren und sprechen zu dir: Hier sind wir?"

(Hiob 38:35)


Gott kriegt sich mal wieder nicht ein und lamentiert von sprechenden Blitzen, Einhörnern und Straußen. Weiß Gott, was er uns damit sagen will. Ich weiß es jedenfalls nicht.

"9 Meinst du das Einhorn werde dir dienen und werde bleiben an deiner Krippe?"

(Hiob 39:9)

"3 Der Fittich des Straußes hebt sich fröhlich. Dem frommen Storch gleicht er an Flügeln und Federn. [...]
14
Doch läßt er seine Eier auf der Erde und läßt sie die heiße Erde ausbrüten.
15 Er vergißt, daß sie möchten zertreten werden und ein wildes Tier sie zerbreche.
16
Er wird so hart gegen seine Jungen, als wären sie nicht sein, achtet's nicht, daß er umsonst arbeitet.  

17 Denn Gott hat ihm die Weisheit genommen und hat ihm keinen Verstand zugeteilt."

(Hiob 39:3,14-17)



Weisheit genommen? Das heißt, der Strauß war mal weise und Gott fand, dass das nicht so gut war?
Jedenfalls ist Gott nun völlig außer sich und ruft zum Dschihad aus.

"12 Ja, schaue die Hochmütigen, wo sie sind und beuge sie; und zermalme die Gottlosen, wo sie sind! 
13
Verscharre sie miteinander in die Erde und versenke ihre Pracht ins Verborgene"


(Hiob 40:12-13)




HAPPY END?

Im letzten Kapitel wird der arme Hiob endlich vom unverschuldeten Übel befreit. Gott gibt ihm mehr Rinder und Esel als er je hatte.

"12 Und der HERR segnete hernach Hiob mehr denn zuvor, daß er kriegte vierzehntausend Schafe und sechstausend Kamele und tausend Joch Rinder und tausend Eselinnen."

(Hiob 42:12)


Aber wie könnte Hiob glücklich weiterlebe in dem Wissen, dass seine Kinder tot sind?
Gott könnte die ja eigentlich wieder zum Leben erwecken. Im neuen Testament verleiht Gott zum Beispiel Petrus und Paulus die Fähigkeit, Tote wiederzuerwecken, im alten Testament den Propheten Elia und Elisa. Hätte sich das Hiob nicht nach der ganzen Nummer auch verdient?
Nein. Die Kinder und Knechte bleiben tot.
Aber keine Sorge: Er kriegt neue, die dabei auch noch besser aussehen als die alten.

13 Und er kriegte sieben Söhne und drei Töchter;
14
und hieß die erste Jemima, die andere Kezia und die dritte Keren-Happuch.

15 Und wurden nicht so schöne Weiber gefunden in allen Landen wie die Töchter Hiobs."

(Hiob 42:13-15)


Ende gut...





THE DEVIL MAY CARE

Wie können wir diese seltsame Geschichte verstehen? Als geschichtliche Ereignisse? Vielleicht...
Oder doch eher als moralische Lektion? Anscheinend ist Hiob ja eine Art Vorbild. Aber warum nur?..

Hiob schwört dem HERRN niemals ab - einem Gott, der seine Kinder ermordet hat. Nur um Satan, der bösesten Kreatur im Universum, etwas zu beweisen.
Gott hat die Wahl: Entweder verbietet er Satan, seinem Lieblingsknecht Hiob irgendwas anzutun und befiehlt ihm, sich zum Teufel zu scheren. Oder aber nicht.
Der liebe Gott entscheidet, dass die Leben von ein paar Menschen weniger wichtig sind als Satan zu zeigen, dass der HERR immer Recht hat. Immer. Auch wenn er uns erzählt, dass er bei der Erschaffung der Welt ein Lot benutzt hat, ein antiker Vorläufer einer Wasserwaage. Oder dass es Einhörner gibt.
Aber schließlich kann ich ja nicht beweisen, dass es keine gibt und war ja nicht dabei, als Gott vor ewigen Zeiten (4000 Jahre) die Ecksteine der Erde verlegt hat.

Diesen Gott sollen wir anbeten? Und wenn Satan gerade mal wieder im Himmel ist und er an deiner Gottesfurcht zweifelt, dann hast du den Kerl an der Backe?
Und dein Gott hilft dir nicht, sondern hilft lieber dem Teufel. Aber nur für ´ne Weile und wenn deine Kinder tot sind, kannst du ja wieder neue machen. Das ist Moral auf Bibel-Art.
Wenn du dich über dein unverschuldetes Unglück beklagst, hält dir Gott auch noch einen elendig langen, bitterbösen Vortrag, wie toll er doch sei. Na, schönen Dank auch...

Der HERR dominiert gerne seine Untergebenen. Es gibt wohl nur einen, der im Buch Hiob Spaß hat. Das ist Satan. Der ist meines Wissens kein glühender Verehrer des alten HERRN - und wird dennoch sehr viel besser von ihm behandelt als treue Gläubige. Ist das die moralische Botschaft?..

Wie auch immer: Passt auf euch auf und zermalmt die Gottlosen, wo sie sind!



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SERIE: HELDEN DER BIBEL

>>Teil 2: "Zermalme die Gottlosen" (Hiob)
Teil 3: "Big Fish" (Jona)


24. Juni 2010

FLACH-MIXA (oder: Der ewige Bischof)

Walter Mixa, der ehemalige Bischof von Augsburg, trat vor ein paar Wochen zurück - nach Anschuldigungen, er hätte Kinder geschlagen und missbraucht  und eine Menge Geld veruntreut
Alles gelogen, meinte er.
"Ein paar Watschn", meinte er sehr viel später, als sehr konkrete Anschuldigungen öffentlich wurden, das war ja normal zu der Zeit.
Das war 1990, also noch ganz nah dran an den Fünfzigern...


Mixa trat zurück, aber nicht lange.
Nach einem Aufenthalt in einer Klinik kehrte er in seine Amtswohnung zurück. Plötzlich war das nicht mehr so ernst gemeint mit dem Rücktritt, er sei ja praktisch gezwungen worden. Als auch das nicht geklappt hat, schrieb Walter Mixa gestern einen Brief an die Gläubigen.
Und da der öffentlich ist (bistum-augsburg.de), hab ich den mal gelesen, auch wenn er nicht an mich adressiert ist.

Schauen wir doch mal, was der Mann schreibt, der, wie wir gleich lesen können, für immer Bischof sein wird. Ein Stellvertreter Christi auf Erden. Hervorhebungen und Kommentare (in Klammern) von mir.


"Brief von Bischof em. Mixa an die Gläubigen
Bitte um Versöhnung und Verzeihung
Dr. Walter Mixa
Bischof emeritus von Augsburg, 23. Juni 2010


Bitte um Versöhnung und neuen Zusammenhalt der Gläubigen in der Diözese Augsburg des emeritierten Katholischen Diözesan- und Militärbischofs Dr. Walter Mixa

Während der vergangenen Monate ist sehr viel in den Medien über die Verhältnisse in der Diözese Augsburg, auch über meine Person, geschrieben und gesagt worden. In vielfältiger Hinsicht waren die Berichte in dieser oder jener Richtung tendenziös.


(Diese verdammten Katholiken hassenden liberalen Medien haben es gewagt, über gewaltige Vorwürfe zu schreiben und ihn dabei auch noch schlecht aussehen lassen! Hetzkampagne!)


Über diese vergangenen Berichte will ich jetzt nicht sprechen, da sie weitgehend bekannt sind. Mir geht es mit meinem jetzigen Zeugnis nicht nur um eine Klarstellung, sondern darum, auch eine Versöhnung zu erbitten und alle dazu einzuladen.



(Nicht nur? Aber auch? Was stellt er denn klar? Ein Gerücht über angeblichen Kindesmissbrauch hatte sich als unwahr herausgestellt. Aber dass er Kinder geohrfeigt hat, gab er selbst zu - es gibt jedoch mehrere glaubhafte Zeugen für weit drastischere Prügel.

Dazu ein kleiner Exkurs - in die Bibel. Denn die darf nicht fehlen in einem Beitrag über eine Kirche, die ihren Machtanspruch auf diesem Buch begründet.

"13 Laß nicht ab den Knaben zu züchtigen; denn wenn du ihn mit der Rute haust, so wird man ihn nicht töten.
14 Du haust ihn mit der Rute; aber du errettest seine Seele vom Tode."
(Sprüche 23:13-14)


"15 Torheit steckt dem Knaben im Herzen; aber die Rute der Zucht wird sie fern von ihm treiben."

(Sprüche 22:15)



"24 Wer seine Rute schont, der haßt seinen Sohn; wer ihn aber liebhat, der züchtigt ihn bald."

(Sprüche 13:24)


"18 Züchtige deinen Sohn, solange Hoffnung da ist; aber laß deine Seele nicht bewegt werden, ihn zu töten."

(Sprüche 19:18)

)



14 Jahre lang bin ich sehr gern Diözesanbischof sowohl in Eichstätt als auch in Augsburg gewesen und habe meine bischöflichen Dienste mit großer Bereitschaft und Liebe getan. Ebenso war ich in der Militärseelsorge mit unseren Soldaten in den verschiedenen Situationen immer gut verbunden und habe versucht, ihre Sorgen und Anliegen mitzutragen und auch den nötigen Trost zu geben.


(Dafür, dass er Militärbischof war, bezog er ein Teil seines Gehalts,  etwa 55.000 Euro im Jahr, übrigens von den bayrischen Steuerzahlern.)



Wie allgemein bekannt, bin ich durch die widrigen Umstände, die sich wegen der Mißhandlungsfälle in verschiedenen Internaten und Häusern ergeben haben, auch ins Gespräch gekommen. 20 Jahre hatte ich als Stadtpfarrer von Schrobenhausen eine Mitverantwortung für das dortige Kinder- und Jugendheim.


In den vielen Jahren meines Dienstes habe ich immer versucht, den richtigen Weg einzuschlagen und mich bemüht, die Erwartungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu erfüllen. Ich will keineswegs verschweigen, dass mir nicht immer alle diese Vorsätze in der rechten Weise gelungen sind. Ich habe sicher auch viele Fehler gemacht, obwohl ich niemanden in irgendeiner Weise verletzen oder beschädigen wollte.

(Ist das die schonungslose Klarstellung? Ich hab Fehler gemacht, wollt aber niemandem was Böses. Na dann...)


Es soll aber nicht irgendeine Beschönigung ausgesprochen werden,
(zu spät) sondern ich bitte nicht nur um Entschuldigung, sondern vor allem um Verzeihung für alles, was ich nicht recht gemacht habe und vor allen Dingen um Verzeihung bei all den Menschen, die ich nicht in der rechten Weise behandelt habe, deren Erwartungen ich nicht erfüllt habe und die ich enttäuscht habe. Dies tut mir von ganzem Herzen leid. Ein großer Trost ist für mich, daß in der Botschaft Jesu immer wieder die Rede ist von der Barmherzigkeit, die Gott uns in der Liebe Jesu schenkt. Damit will ich sagen: ich bin in vieler Hinsicht schuldig geworden und bitte alle, die ich enttäuscht habe, nochmals nicht nur um Verständnis, sondern auch um Verzeihung.


Wegen der sich zusammenbrauenden Berichte in der unterschiedlichsten Weise sah ich mich in einer sehr schmerzlichen Situation veranlaßt, sehr schweren Herzens dem Papst meinen bischöflichen Dienst anzubieten, die sogenannte Resignation auf das Amt des Diözesanbischofs auszusprechen.

Für mich ist es jetzt von einer ganz großen Bedeutung, daß in unserer Diözese gegenseitige Streitereien und gegenseitige schwerwiegende Vorwürfe abgebaut werden (also Klartext: Gras drüber. Wieso über Kleinigkeiten streiten?) und daß wir alle zu einem guten Einverständnis und zum Frieden in der Gemeinschaft der Kirche finden.
Der Heilige Vater hat mir in seinem sehr liebevollen Brief geschrieben, daß ich nach meinem Rücktritt von meinem Bischofsamt in Augsburg immer Bischof bleibe und daß ich die geistlichen Dienste wie die Feier der Eucharistie, die Spendung der Sakramente, auch der Firmung, wahrnehmen sollte und in unterschiedlicher Weise auch geistlich für viele Menschen da sein kann.

(Herzlichen Glückwunsch, liebe Katholiken. Den werdet ihr nicht los.)



Gleichzeitig sage ich allen unseren Priestern, Diakonen, hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre verantwortungsvollen Dienste ein aufrichtiges Vergelt´s Gott!


Wichtig ist für mich jetzt vor allen Dingen, daß wir uns alle durch Taufe und Firmung als Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche verstehen, daß wir füreinander eintreten, aber auch füreinander beten und besonders auch mit Überzeugung die Eucharistie als Zeichen der Einheit feiern. Mit diesem Wunsch bitte ich alle in der Diözese nochmals um Verzeihung für das, was ich nicht richtig gemacht habe und bitte gleichzeitig um die Bereitschaft zur gegenseitigen Versöhnung und auch wieder zu gegenseitigem Vertrauen. Das ist mein ganz großer Wunsch, und ich hoffe und bete darum, daß uns dies in der kommenden Zeit mit dem Segen Gottes, mit der Fürsprache der Gottesmutter, nicht zuletzt auch durch das Beispiel der Heiligen gelingen möge.

(Mit den vereinigten Kräften von Gott, seiner Mutter und den bei den Katholiken hochverehrten Heiligen auf unserer Seite - Moment mal, war da nicht irgendwas mit Monotheismus?..)



Mit ganz herzlichen Versöhnungs- und Segensbitten bin ich


+ Walter Mixa




(
Mit Verwunderung und Belustigung bin ich
+ Mario
)