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6. August 2012

BONUS-MATERIAL (Geschichten aus der Bibel Teil 6)


Alle Christen haben einen Haufen von verrückten und merkwürdigen Geschichten in ihrer heiligen Schrift. Die Katholiken und Orthodoxen haben allerdings noch ein paar mehr als ihre Kollegen...


Die religiösen Texte, die nur in der Bibel der katholischen und orthodoxen Kirche zu finden sind, nennt man „deuterokanonisch“. Dabei handelt es sich um das Buch Tobit, das Buch Judith, das erste Buch der Makkabäer, das zweite Buch der Makkabäer, das Buch Baruch, das Buch der Weisheit, das Buch Jesus Sirach und zusätzliche Szenen zu den Büchern Ester und Daniel.
Juden und Protestanten haben darauf verzichtet, diese Bücher in ihre Bibel aufzunehmen. Dabei haben sie durchaus spannende Geschichten zu erzählen.




PLAYING GOD

Wie zum Beispiel die Sage vom Kampf Daniels gegen babylonische Götter, zu finden in den Zusätzen zum Buch Daniel.
Die Juden sind zu diesem Zeitpunkt im erzwungenen Exil in Babylon. Der Prophet Daniel wird vom babylonischen König aufgefordert, den hungrigen Gott Bel anzubeten. Doch Daniel wittert Betrug...

"3 Nun hatten die Babylonier einen Götzen, den sie Bel nannten, und sie opferten ihm täglich 12 Zentner Mehl, 40 Schafe und 240 Liter Wein.
4 Auch König Kyrus erwies dem Götzenbild seine Verehrung und ging Tag für Tag in den Tempel, um es anzubeten. Daniel aber betete nur zu seinem Gott, dem Gott Israels.
»Warum betest du nicht zu Bel?«, fragte ihn der König
5 und Daniel antwortete: »Ich bete nicht zu Bildern, die von Menschen gemacht sind. Ich bete zu dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat und Herr ist über alles, was lebt.«
6 »Hältst du denn Bel nicht für einen lebendigen Gott?«, fragte der König. »Du siehst doch, wie viel er jeden Tag isst und trinkt!«"

(Zusätze zu Daniel 3-6)





Daniel lacht den König aus. Er ist überzeugt, dass Bel gar kein echter Gott sei. Und er ist auch bereit, das zu beweisen.

"7 Daniel aber lachte und sagte: »Lass dich nicht anführen, mein König! Dieser Gott besteht innen aus Ton und außen aus Bronze und gegessen oder getrunken hat er noch nie!«
8 Voll Zorn rief der König seine Priester und sagte zu ihnen: »Sagt mir, wer all diese Mengen verzehrt, sonst müsst ihr sterben!
9 Wenn ihr mir aber beweisen könnt, dass es Bel ist, muss Daniel sterben, weil er ihn beleidigt hat.«
»So soll es geschehen«, sagte Daniel."

(Zusätze zu Daniel, 7-9)





Daniel streut Asche auf den Boden und entlarvt so die Priester und deren Familien, die jede Nacht durch einen Geheimgang kommen und die Speiseopfer mopsen. Anscheinend hat niemand, auch nicht der König, daran gedacht, die Priester für ihren Job zu bezahlen, so dass sie keinen Betrug nötig hätten, um ihre Familien mit Nahrung zu versorgen.
Die Geschichte kriegt ein Happy End: Daniel darf am Leben bleiben, der vermeintliche Gott ist als Schmuh entlarvt und die Priester und ihre Familien werden getötet.

"19 Daniel aber lachte und hielt den König zurück, der sich schon zum Gehen anschickte. »Schau doch auf den Fußboden«, sagte er; »was sind denn das für Spuren?«
20 »Ich sehe Fußspuren von Männern, Frauen und Kindern«, stellte der König fest.
21 Voll Zorn ließ er die Priester und ihre Familien herbeiholen und sie mussten ihm den geheimen Gang zeigen, durch den sie in den Tempel gekommen waren, um die Opfergaben zu verzehren.
22 Dann ließ er sie töten; das Götzenbild aber überließ er Daniel, der es samt dem Tempel zerstörte."

(Zusätze zu Daniel 19-22)



Mit einer fast wissenschaftlichen Vorgehensweise hat Daniel greifbare Beweise gegen die Existenz von Bel geliefert. Aber Achtung, liebe religiöse Mitbürger: So viel Skeptizismus und Logik darf man natürlich nur bei fremden Religionen anwenden. Bei dem wahren Glauben sind Beweise irrelevant - es sei denn man kann damit den lächerlichen, dummen Glauben der Heiden als Schmarr'n entlarven.



DRACHE IST BLUTWURST

Daniel hat den ersten Gott besiegt. Doch die Babylonier haben gleich mehrere Götter und beten auch einen Drachen an...

"23 Die Babylonier verehrten auch einen großen Drachen.
24 Der König sagte zu Daniel: »Der ist ja wohl ein lebendiger Gott! Das kannst du nicht bestreiten. Also bete ihn an!«"

(Zusätze zu Daniel 23-24)



Man könnte erwarten, dass jetzt wieder so ein Lehrstück über falsche Götter folgt, durch das wir lernen, dass es nur einen einzigen Gott gibt. Wahrscheinlich ist der Drache in Wirklichkeit aus Pappmaché und wird von Puppenspielern bewegt, oder es ist eine große Echse mit aufgeklebten Geierflügeln.
Doch dem ist nicht so: Denn den Drachen gibt es wirklich...

"25 Daniel erwiderte: »Ich bete den Herrn, meinen Gott, an; er allein ist ein lebendiger Gott.
26 Wenn du es erlaubst, König, werde ich den Drachen ohne Schwert oder Keule töten.«
»Ich erlaube es dir«, sagte der König.
27 Da nahm Daniel Pech und Fett und Haare, knetete es zusammen und machte Fladen daraus. Die gab er dem Drachen zum Fressen und der zerplatzte.
»Da seht ihr, was ihr anbetet«, sagte Daniel."

(Zusätze zu Daniel 25-27)





Der große Prophet Daniel ermordet also einen armen Drachen, ohne dass der ihm irgend etwas getan hat. Eigentlich hätte er ahnen können, dass er sich bei den Babyloniern nicht gerade beliebt macht, wenn er ihre Götter tötet.
Das Volk ist in der Tat nicht gerade begeistert über Daniels Kreuzzug gegen ihre Religion und versammelt sich wütend vor dem Palast. Sie fordern den König auf, Daniel herauszugeben, damit sie ihn lynchen können.

"28 Als die Babylonier davon erfuhren, wurden sie wütend und rotteten sich gegen den König zusammen. Sie schrien: »Der König ist ein Jude geworden! Bel hat er zertrümmert, den Drachen hat er getötet und die Priester abgeschlachtet!«
29 Sie gingen zum König und sagten: »Gib uns Daniel heraus! Sonst bringen wir dich selbst um und deine ganze Familie.«"

(Zusätze zu Daniel 28-29)



Kyrus ist König über das riesige babylonische Reich und Befehlshaber über eine gigantische Armee, die Nachbarländer wie Israel militärisch überrollt hat. Dennoch hat er anscheinend keine gute Security und daher keine andere Wahl, als die Forderungen des wütenden Mobs zu erfüllen...

"30 Der König sah, dass es ihnen ernst war, und unter dem Druck der aufgebrachten Masse lieferte er Daniel aus."

(Zusätze zu Daniel 30)




DER KÖNIG DER LÖWEN

Der babylonische Pöbel will Daniels Tod. Doch anstatt ihm einfach auf der Stelle den Kopf abzuschlagen, entscheiden sie sich wie James-Bond-Bösewichte für einen komplizierten, langwierigen Plan und gehen nach Hause, bevor Daniel tot ist.
Angesichts dessen, dass er gerade einen göttlichen Drachen ohne Waffen getötet hat, ist die Idee nicht sonderlich gut, Daniel mit Löwen einzusperren und ihn dann unbeobachtet zu lassen, anstatt ihm einfach ein Schwert in den Bauch zu rammen und die Sache hinter sich zu bringen.

"31 Sie warfen ihn in die Löwengrube; dort blieb Daniel sechs Tage lang.
32 In der Grube waren sieben Löwen, denen sonst täglich zwei Menschen und zwei Schafe vorgeworfen wurden. Jetzt gab man ihnen nichts, damit sie sich auf Daniel stürzen sollten."

(Zusätze zu Daniel 31-32)





Gott hat jetzt die perfekte Gelegenheit, Daniel zu retten. Er könnte die Löwen in Schafe verwandeln oder Daniel spektakulär durch die Lüfte fliegen lassen oder ähnliches, um eindrucksvoll seine Macht zu beweisen und es mal wieder allen zu zeigen.

Doch der HERR hat ebenfalls eine Vorliebe für unnötig komplizierte Pläne. Er lässt zunächst den Propheten Habakuk aus Juda mit einem Privat-Engel einfliegen. Der Engel könnte Habakuk unter die Arme greifen oder um die Taille, aber er ist ja nicht schwul und um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, packt er ihn einfach bei den Haaren und macht sich mit ihm auf und davon.

"33 Damals lebte in Juda der Prophet Habakuk; der hatte gerade eine Suppe gekocht und Brot hineingebrockt und wollte sie den Schnittern aufs Feld bringen.
34 Da befahl ihm der Engel des Herrn: »Bring das Gericht nach Babylon zu Daniel in der Löwengrube!«
35 »Herr«, erwiderte Habakuk, »ich war noch nie in Babylon und von einer Löwengrube weiß ich auch nichts.«
36 Da packte ihn der Engel des Herrn an den Haaren und brachte ihn mit der Kraft seines Geistes in Windeseile nach Babylon an den Rand der Löwengrube."

(Zusätze zu Daniel 33-36)


Nach der wahrscheinlich wenig komfortablen Reise bringt Habakuk Daniel Suppe. Und das war's. Weder der Engel noch der Prophet helfen ihm aus der Grube, sondern gehen, nachdem sie Daniel sein Essen gebracht haben, wieder nach Hause.

"37 Habakuk rief: »Daniel, Daniel! Diese Mahlzeit schickt dir der Herr!«
38 Da rief Daniel: »Gott, du hast wirklich an mich gedacht! Du lässt deine Getreuen nicht im Stich!«
39 Dann stand er auf und aß; Habakuk aber wurde vom Engel des Herrn auf demselben Weg wieder nach Hause gebracht."

(Zusätze zu Daniel 37-39)





Wozu die Nummer gut war, erfahren wir nicht. Daniel ist nach sieben Tagen in der Grube immer noch nicht gefressen und wird freigelassen. In dieser Zeit wäre er wohl auch ohne Habakuks Suppe nicht verhungert.
Hätte der HERR nicht etwas Spektakuläreres veranstalten können mit einem Propheten und einen Engel – ein etwas beeindruckenderes Wunder als Suppe mit Brot?
Wenn Gott schon mal einen seiner besten Propheten aus dem Ausland einfliegen lässt, wäre dies doch die ideale Gelegenheit, den Babyloniern zu beweisen, dass man sich besser nicht mit dem HERRN anlegt. Vielleicht hätte er das schon längst mal machen sollen, schließlich haben die Babylonier das Land von Gottes erwählten Volk eingenommen, den Tempel in Jerusalem zerstört und die Juden ins Exil gezwungen. Doch das eindeutigste Zeichen, zu dem sich der HERR durchringen kann, ist, dass Daniel nach einer Woche nicht von den Löwen verspeist wurde.

"40 Am siebten Tag ging der König zur Löwengrube, um für Daniel die Totenklage zu halten; aber als er hinunterblickte, sah er ihn unversehrt dort sitzen.
41 Da rief er mit lauter Stimme: »Groß bist du, Herr, du Gott Daniels! Es gibt keinen anderen Gott außer dir.«"

(Zusätze zu Daniel 40-41)


Der König hat eingesehen, dass nicht einmal eine schreckliche Armee von sieben Löwen Daniel etwas anhaben können und schließt daraus, dass dies wohl ganz sicher bedeute, dass es keine Götter außer den HERRN geben könne.

Etwas vorschnell, wenn ihr mich fragt. Schließlich hat Gott nicht verhindert, dass sein erwähltes Volk besiegt und ins Exil geschickt wird, sondern nur einen Sieg eingefahren in einem siebentägigen Duell gegen sieben Raubkatzen.
Hätte ich ein geladenes Maschinengewehr, hätte auch ich sieben Tage in der Grube verbringen können. Bedeutet das, dass der Hersteller des Gewehrs die Welt erschaffen hat und der einzige Gott im Universum ist?



WER NICHT FRAGT BLEIBT DUMM

Eine weitere Geschichte aus den Zusätzen zum Buch Daniel erzählt uns, wie Daniel als junger Mann in einen Gerichtsprozess verwickelt wird. Die Juden befinden sich noch nicht im Exil und haben noch eine autonome Regierung. Doch ihr Gerichtssystem lässt etwas zu wünschen übrig.
Die Story beginnt, als Gott persönlich über einen Justizirrtum aufgeklärt wird und daher seinen Mitarbeiter Daniel vorbeischickt.

"44 Der Herr hörte Susannas Hilferuf.
45 Als sie zur Hinrichtung abgeführt wurde, brachte der Geist Gottes einen noch ganz jungen Mann namens Daniel dazu,
46 dass er laut protestierte. Er rief: »Ich will nichts damit zu tun haben, wenn diese Frau unschuldig getötet wird!«
47 Alle wandten sich ihm zu und fragten: »Was hat das zu bedeuten? Was willst du damit sagen?«"

(Zusätze zu Daniel 44-47)





Eine jüdische Frau namens Susanna wird des Ehebruchs bezichtigt. Die dafür in Gottes Gesetz vorgesehene Strafe ist die Steinigung. Doch Daniel ist von der Unschuld der Frau überzeugt. Er tadelt die Richter, die Angeklagte hätte keinen fairen Prozess bekommen.
Obwohl das Urteil bereits gesprochen wurde, wird die Verhandlung nun neu aufgenommen.

"48 Daniel trat vor und sagte: »Habt ihr den Verstand verloren, Männer von Israel? Ohne Verhör und ohne Beweis verurteilt ihr eine israelitische Frau!
49 Nehmt sofort die Gerichtsverhandlung wieder auf! Die beiden haben eine falsche Beschuldigung erhoben.«
50 Sofort kehrten sie alle um. Im Haus Jojakims sagten die Ältesten des Volkes zu Daniel: »Setz dich hierher zu uns und sag, was du weißt! Du bist noch so jung, aber Gott hat dir die Weisheit des Alters geschenkt!«"

(Zusätze zu Daniel 48-50)


Daniel verhört aber nicht Susanna, sondern die beiden Richter, die im Rechtssystem des Gottesstaats Judäa offenbar gleichzeitig die Anklage vertraten und das Urteil sprechen konnten.

"51 Daniel sagte: »Trennt die beiden weit voneinander, damit sie sich nicht verständigen können! Ich will sie verhören.«
52 Dann rief er den einen und sagte zu ihm: »Nicht in Ehren, sondern in Schande bist du grau geworden! Aber jetzt trifft dich die Strafe für alle Sünden, die du begangen hast.
53 Als Richter hast du das Recht gebeugt: Unschuldige hast du verurteilt und Verbrecher hast du laufen lassen. Und der Herr hat doch gesagt: 'Einen Unschuldigen sollst du nicht töten!'"

(Zusätze zu Daniel 51-53)


Da darüber offenbar Unklarheit herrschte, hat Gott explizit befohlen, keine Unschuldigen zu töten. Doch laut Daniel war das Gericht gerade im Begriff, dies zu tun. Im Unterschied zu den zwei wenig kompetenten Richtern kann Daniel seine Anschuldigungen beweisen. Er bringt die beiden dazu, sich in Widersprüche zu verwickeln und setzt zusätzlich die altbewährte Verhörmethode des „battle rap“ ein.

"54 Nun, wenn du diese Frau beim Ehebruch ertappt hast, dann sag mir doch: Unter was für einem Baum lag sie mit dem fremden Mann?«
»Unter einer Buche«, antwortete er.
55 Daniel erwiderte: »Unter einer Buche? Dass Gott dich verfluche! Diese Lüge kostet dich Kopf und Kragen! Der Engel Gottes hat schon Befehl erhalten, dich in Stücke zu hauen.«
56 Daniel ließ ihn abführen und den anderen herbeibringen. Zu ihm sagte er: »Du Nachfahre von Kanaan und nicht von Juda! Frauenschönheit hat dich verführt, Liebestollheit hat dir den Verstand geraubt!
57 Frauen aus dem Nordreich Israel könnt ihr so erpressen, sie werden euch aus lauter Angst zu Willen sein. Aber eine Frau aus Juda lässt sich das nicht gefallen.
58 Sag mir doch: Unter was für einem Baum hast du sie mit dem fremden Mann ertappt?«
»Unter einer Fichte«, antwortete er.
59 Daniel erwiderte: »Unter einer Fichte? Dass Gott dich vernichte! Diese Lüge kostet dich den Hals. Der Engel Gottes wartet schon mit dem Schwert, um dich mittendurch zu spalten. Er wird mit euch beiden kurzen Prozess machen!«

(Zusätze zu Daniel 54-59)

Daniel macht den Richtern/Anklägern klar, dass sie so eine Nummer vielleicht mit den jüdischen Frauen aus dem Nordreich Israel machen könnten, höchstwahrscheinlich mit Heiden, aber ganz sicher nicht mit den Frauen aus dem Südreich.
Die Richter bekommen nach dem Gesetz Gottes die Strafe, die es auch für das Verbrechen gibt, dessen sie Susanna beschuldigt hatten.

"60 Da priesen alle Versammelten mit lauter Stimme Gott, der die Bedrängten rettet, die ihm vertrauen.
61 Darauf nahmen sie sich die beiden Ältesten vor, die Daniel durch ihre eigene Aussage überführt hatte. Weil sie sich als lügenhafte Ankläger erwiesen hatten, wurde über sie dieselbe Strafe verhängt, die sie der fälschlich angeklagten Susanna zugedacht hatten.
62 Nach der entsprechenden Vorschrift im Gesetz Moses wurden sie beide hingerichtet.
So wurde die unschuldige Susanna an jenem Tag vom Tod gerettet."

(Zusätze zu Daniel 60-62)



Ist das wirklich eine gute Idee für ein Gerichtssystem: Falsche Ankläger sofort hinrichten?
Hatten die Richter denn selbst ein ausführliches und gerechtes Verfahren für ihr Todesurteil? Wohl kaum. Was ist, wenn sie doch Recht gehabt hätten? Natürlich, die Unschuld Susannas wird uns in der heiligen Schrift von Gott versichert - aber ich traue ihm nicht, diesem wahnsinnigen Bastard.
Die menschliche Erinnerung funktioniert nicht wie eine Videokamera. Auch bei ehrlichen Zeugenaussagen kommt es oft zu verfälschten oder ungenauen Einzelheiten. Dass ein Zeuge von einer Buche, der andere von einer Fichte spricht, ist kein eindeutiger Beweis, dass beide Männer definitiv bewusst und mutwillig eine falsche Anklage geführt haben und dafür hingerichtet werden müssen.
Was ist wenn nur einer der Richter eine Falschaussage gemacht hat, mutwillig oder nicht?..

Wenn so eine Praxis öffentlich bekannt ist, würde ich als Zeuge eines Verbrechens lieber schweigen - so schwer es mir auch prinzipiell fällt, die Klappe zu halten. Denn wenn ich mich nicht an alle Details genau erinnern kann oder ein anderer Zeuge etwas anderes erzählt, könnte es mich meinen Kopf kosten.
Und den brauch ich noch. Nicht nur zum hübsch aussehen, sondern gelegentlich auch, um mir Drogen und Junk-Food zuzuführen. Daher würde mich ungern auf diese liebgewonnene Körperteil verzichten.


"63 Ihr Vater Hilkija, ihre Mutter, ihr Mann Jojakim und alle ihre Angehörigen priesen Gott, weil Susanna von jedem Vorwurf reingewaschen worden war."

(Zusätze zu Daniel 63)


Dass man den HERRN lobt ist eine Standardfloskel in biblischen Texten. An dieser Stelle sollte man doch auch mal Daniel loben. Dieser hat schließlich eine Unschuldige vor dem Tod bewahrt und gleichzeitig zwei Verbrecher überführt. Und das allein durch ein simples Verhör. Gott zeigt uns hier eine effektive Methode, Dinge zu beurteilen: Nachfragen, neugierig sein, alle Puzzleteile rational zusammensetzen.
Dafür braucht man nicht einmal Religion. Ab und zu kommt es sogar vor, dass ein nicht-religiöser Mensch sogar noch besser darin ist, sich auf harte Fakten zu stützen und nichts anderes. Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde...

Gott wird immer wieder erwähnt und lobgepriesen, weil das damals einfach so Brauch war. Aber in den antiken Detektiv-Storys von Susanna und vom falschen Gott Bel ist die Figur Gott unwichtig. Daniel benutzt seinen Verstand, um durch physische Beweise Illusionen aufzulösen, die von hohen Autoritäten dazu verwendet werden, die einfachen Leute zu verarschen.
Diese skeptische Haltung ist ein zweischneidiges Schwert und könnte auch gegen den Bibelgott verwendet werden. Daher gingen die Juden und Protestanten wohl auf Nummer Sicher, den Text erst gar nicht in ihr magisches Buch aufzunehmen.
Denn mit der gleichen Methode, mit der man die Täuschungen und absurden Vorstellungen von anderen entlarven kann, kann man auch seine eigenen Täuschungen und absurden Vorstellungen entlarven. Und wer will das schon?



A MAN'S WORLD

Die Bibel erzählt nicht gerade oft Geschichten über selbständige und starke Frauen.
Nur zwei der 66 Bücher der protestantischen Bibel sind aus Sicht einer Frau geschrieben: Das Buch Rut und das Buch Ester. Das Buch Rut erzählt die Story einer jüdischen Frau, die ihren Mann verliert, dann das furchtbare Schicksal erleidet, eine unverheiratete Frau sein zu müssen und schließlich wieder heiratet. Die Suche einer Frau nach ihrer Rolle in der Gesellschaft endet erwartungsgemäß hinter dem Herd.



Das Buch Ester beginnt damit, dass der persische König seine Frau abschießt, weil die sich weigert, vor seiner betrunkenen Party-Gesellschaft zu tanzen. Der sympathische Gentleman lässt einen öffentlichen Brief verfassen, in denen alle Frauen angehalten werden, den Befehlen ihres Mannes bedingungslos Gehorsam zu leisten. [Mehr dazu hier]
Um eine neue Dame an seiner Seite zu finden, lässt er sich Jungfrauen wie auf einem Viehmarkt präsentieren. Er wählt die schließlich die heimlich jüdische Waise Ester zu seiner neuen Königin. Die ist zwar die Titelheldin und darf ein Komplott gegen den König aufdecken und ein jüdisches Fest begründen – trotzdem verdankt sie ihre Macht einzig und allein dem König, der immer die Hosen im Haus anbehält.




Sowohl Ester als auch Rut sind komplett durch ihre Ehe definiert. Ester ist nicht die Herrscherin, sie ist bloß die Frau an der Seite eines großen Mannes. Rut findet ihr Glück als Hausfrau und Mutter.
Da wundert es, dass die einzige Geschichte, in der die Titelheldin eine clevere und toughe Killerbraut ist, nur in den Bibeln der katholischen Kirche zu finden ist, die eigentlich nicht unbedingt für ihren radikalen Feminismus bekannt ist.



HALSABSCHNEIDERIN

Die Protagonistin aus dem Buch Judith glänzt weder wegen ihres Mannes, noch handelt sie auf den Befehl irgend eines Mannes. Klingt seltsam, ich weiß.
Die Geschichte spielt in einer Zeit, als Gottes Reich einmal wieder von Feinden besetzt war, wie meistens. Die jüdische Frau Judith schleust sich als Spionin in das Lager des feindlichen Hauptmannes Holofernes. Sie gibt vor, eine von dessen Gespielinnen zu sein.

"17 Da wallte dem Holofernes sein Herz; denn er war entzündet mit Begierde nach ihr.
18 Und er sprach zu ihr: Sitz nieder, trink, und sei fröhlich; denn du hast Gnade gefunden bei mir.
19 Und Judith antwortete: Ja, Herr, ich will fröhlich sein, denn ich bin mein Leben lang so hoch nicht geehrt worden.
20 Und sie aß und trank vor ihm, was ihr ihre Magd bereitet hatte.
21 Und Holofernes war fröhlich mit ihr, und trank so viel, wie er nie getrunken hatte sein Leben lang."

(Judith 12:17-21)


Judith spielt eine von ihr erwartete Frauenrolle, die Konkubine - doch bewusst und mit Berechnung. Nachdem sie den Hauptmann unter den Tisch gesoffen hat, ist er genau da, wo sie ihn haben will. Sie spricht sich durch ein Gebet Mut zu und schlägt Holofernes den Kopf ab...

"3 Holofernes aber war auf sein Bett hingefallen und schlief; denn er war ganz trunken. [...]
7 Nach solchem Gebet trat sie zu der Säule oben am Bett und langte das Schwert, das daran hing,
8 und zog es aus und ergriff ihn beim Schopf und sprach abermals:
9 Herr Gott, stärke mich in dieser Stunde! Und sie hieb zweimal in den Hals mit aller Macht und schnitt ihm den Kopf ab; danach wälzte sie den Leib aus dem Bette und nahm den Vorhang von den Säulen weg mit sich.
10 Danach ging sie heraus und gab das Haupt des Holofernes ihrer Magd und hieß sie es in ihren Sack stoßen."

(Judith 13:3,7-10)




In einem direkten Duell mit Schwertern hätte eine Frau sicherlich keine Chance gegen einen gut trainierten Soldaten gehabt. Doch Judith ist cleverer als ihr Gegner und wird zur Heldin des Tages - auch wenn erwartungsgemäß alle paar Minuten dem HERRN alle Lorbeeren zugesprochen werden.
Doch Judith war es, die die Feinde infiltrierte und dabei jederzeit damit rechnen musste, entdeckt, gefoltert und ermordet zu werden, und die letztendlich das Schwert in der Hand hielt und Holofernes von seinem Kopf trennte (- oder von seinem Körper, je nach Betrachtungsweise).
Das ist nicht ganz einfach, nicht physikalisch und sicherlich nicht psychologisch. Judith hat also keinen besonders angenehmen Abend, während Gott im Himmel auf seinem fetten Arsch sitzt und Regenwolken über Wohngebiete mit einer hohen Rate von Kindern, die am Vortag ihren Teller nicht geleert hatten, schickt.

Wenn Gott doch angeblich so toll ist, warum lässt er die ganze Arbeit immer von Menschen verrichten und macht sich nicht mal ausnahmsweise selbst nützlich?



YOU CAN LEAVE YOUR HEAD ON

Später trifft Judith sich samt dem Sack mit Holofernes' Haupt mit einem gewissen Achior und zeigt ihm, wer hier der Boss ist und wer die Bitch.

"26 Danach forderte man den Achior; zu dem sprach Judith: Der Gott Israels, von dem du gezeugt hast, daß er sich an seinen Feinden rächen kann, hat diese Nacht der Gottlosen Haupt umgebracht durch meine Hand.
27 Und daß du es sehest, so ist hier der Kopf des Holofernes, der den Gott Israels trotzig gelästert hat, und dir den Tod gedroht, da er sprach,
28 wenn das Volk Israel gefangen würde, so wollte er dich mit ihnen erstechen lassen.
29 Und da Achior des Holofernes Kopf sah, entsetzte er sich, daß er erstarrte."

(Judith 13:26-29)



Was lernen wir daraus? In gefährlichen Situationen sollten wir nie den Kopf verlieren, sondern dafür sorgen, dass dies dem Feind geschieht. Im Endeffekt ist Mord nämlich immer die beste Lösung für jedes Problem.
Im Prinzip haben wir es hier also mit der selben Moral zu tun, die 10 von 9 Bibelgeschichten vermitteln. Wenn nicht mehr.




 
LAZING ON A SUNDAY AFTERNOON

Bei den Geschichten über triumphale Siege von unterlegen scheinenden Menschen, die Gott auf ihrer Seite haben, könnte man auf die Idee kommen, dass es immer und für jeden nur Vorteile hat, zum erwählten Volk Gottes zu gehören. Doch für hunderte der "Makkabäer", jüdische Widerstandskämpfer gegen die seleukidischen Besatzung, wurde ihr Glaube zum Verhängnis.

Alexander der Große hatte einst die halbe Welt erobert, doch nach seinem Tod zerfiel sein Reich in vier Teile. Eines davon war das seleukidische Reich, zu dem auch das gelobte Land der Juden gehörte. Da die Juden ihre Religion unter der Fremdherrschaft nicht mehr ungestört öffentlich ausleben durften, versammelten sie sich für ihre Rituale heimlich in der Wüste.
Unsere heitere Erzählung beginnt an einem Sabbat, dem Tag, an dem die Juden laut Gottes Gesetz nicht die geringste Arbeit verrichten dürfen und den HERRN anbeten müssen.
Die Besatzer haben die Juden entdeckt und greifen an. Was tun: Kämpfen? Das wäre ja Arbeit. Macht Gott diesmal vielleicht eine Ausnahme unter diesen besonderen Umständen oder verschieben die Juden den Sabbat auf einen Ausweichtermin?

"31 Da aber des Königs Volk zu Jerusalem in der Stadt Davids hörte, daß etliche sich wider des Königs Gebot setzten und sich aus den Städten getan hätten, sich heimlich in der Wüste zu verstecken und aufzuhalten, und daß viel Volks zu ihnen gezogen war,
32 erhoben sie sich eilend am Sabbat, sie zu überfallen; 

33 und ließen ihnen sagen: Wollt ihr noch nicht gehorsam sein? Ziehet heraus und tut, was der König geboten hat, so sollt ihr sicher sein.

(1 Makkabäer 2:31-33)



Gott kann sich auf seine Leute verlassen: Wie er es ihnen befohlen hat, heiligen sie den Sabbat ohne wenn und aber. Der HERR schaut stolz wie Oskar vom Himmel herab, wie sein Volk ihn innig verehrt und dann brutalst massakriert wird.

34 Darauf antworteten sie: Wir wollen nicht herausziehen, gedenken auch, den Sabbat nicht zu entheiligen, wie der König gebietet. 
35 Und die draußen stürmten den Felsen;
36 und die drinnen wehrten sich nicht, warfen nicht einen Stein heraus, machten auch die Höhlen nicht zu
37 und sprachen: Wir wollen also sterben in unsrer Unschuld; Himmel und Erde werden Zeugen sein, daß ihr uns mit Gewalt und Unrecht umbringt.
38 Also wurden die drinnen am Sabbat überfallen und ihre Weiber und Kinder samt dem Vieh umgebracht, bei tausend Personen."

(1. Makkabäer 2:34-38)




Ist das Leben von unschuldigen Menschen weniger wichtiger als das wöchentliche Sabbat-Ritual? Das sahen nicht alle so - daher beschließen die Juden sich zu wehren, sogar am Wochenende. Da sie sich schon einmal die Mühe gemacht hatten, sich Waffen zu besorgen, gehen sie zudem schnell dazu über, selbst anzugreifen, um eifrig und zornig Andersgläubige zu ermorden.

"39 Da Mattathias und seine Freunde solches hörten, tat es ihnen sehr weh;
40 und sie sprachen untereinander: Wollen wir alle tun wie unsere Brüder und uns nicht wehren wider die Heiden, unser Leben und Gesetz zu retten, so haben sie uns leicht ganz vertilgt.
41 Und beschlossen bei sich. So man uns am Sabbat angreifen würde, wollen wir uns wehren, daß wir nicht alle umkommen, wie unsre Brüder in den Höhlen ermordet sind.
42 Und es sammelte sich eine große Menge der Frommen, tapfere Leute aus Israel, die alle beständig blieben im Gesetz;
43 und kamen zu ihnen alle die, so von der Tyrannei flehen, und mehrten ihre Stärke.
44 Darum rüsteten sie sich auch und erschlugen viel Gottlose und Abtrünnige in ihrem Eifer und Zorn, die übrigen aber gaben die Flucht und entrannen zu den Heiden."

(1. Makkabäer 2:39-44)


Die Rebellion gegen König Antioch läuft nun zu Gunsten der Juden, die wieder und wieder Siege erringen. Der König wollte die Juden zwingen, fremde Gebräuche anzunehmen und ihre eigenen Traditionen aufzugeben. Doch die vorbildlichen Diener des HERRN schaffen die religiöse Tyrannei des Antioch ab: Die Juden haben nämlich ihre eigene Religion, die sie allen anderen Bewohnern aufzwingen wollen – notfalls mit Gewalt.

"45 Danach zogen Mattathias und seine Freunde umher im Lande Israel und rissen die Altäre wieder nieder
46 und beschnitten die Kinder, so noch unbeschnitten waren, mit Gewalt
47 und griffen die Gottlosen an; und es ist ihnen gelungen,
48 daß sie das Gesetz erhielten wider alle Macht der Heiden und Könige, daß die Gottlosen nicht über sie Herren wurden."

(1. Makkabäer 2:45-48)



Es lebe die Freiheit!*
(* den einzig wahren Gott anbeten zu dürfen)



ENDE GUT?

Der schönste Schluss eines Buches, den man innerhalb und außerhalb der Bibel findet, ist das Ende des zweiten Buchs der Makkabäer. Das geht in etwa so: „Das Buch ist zu Ende. Ich hoffe es hat euch gefallen! Wenn nicht, kann ich da auch nichts machen... Ende.“

"38 So will ich nun hiemit dies Buch beschließen, nachdem Nikanor umgekommen und die Juden die Stadt wieder erobert haben.
39 Und hätte ich's lieblich gemacht, das wollte ich gerne. Ist's aber zu gering, so habe ich doch getan, soviel ich vermochte.
40 Denn allezeit nur Wein oder Wasser trinken, ist nicht lustig, sondern zuweilen Wein, zuweilen Wasser trinken, das ist lustig. Also ist's auch lustig, so man mancherlei liest.
Das sei das Ende."

(2 Makkabäer 15:38-40)


Besser könnte ich es nicht sagen: Das sei das Ende.




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>>Teil 6: "Bonus-Material"



11. Februar 2011

FRAUENGESCHICHTEN (Geschichten aus der Bibel Teil 4)



In der Bibel sind alle Hauptrollen männlich. In den wenigen Geschichten, in denen Frauen eine aktive Rolle übernehmen, endet dies für sie meistens recht ungünstig.
Ja, so war das damals - als die Welt noch in Ordnung war...







YOUR PRINCESS IS IN ANOTHER CASTLE

Dass Frauen höhere berufliche Positionen durch Sex mit ihrem Chef bekommen, ist ein altes Klischee. Mindestens so alt wie die Bibel, wie wir in der Erzählung vom persischen König Ahasveros erfahren.
Die Story beginnt damit, dass der König eine riesige Party mit allen wichtigen Leuten seines Reiches veranstaltet. So eine königliche Party dauert natürlich nicht nur eine Nacht: Ganze 180 Tage lang feiert der König sein rauschendes Fest.
Fragt sich nur, wer in der Zeit das Land regiert...

"1 Zu den Zeiten Ahasveros (der da König war von Indien bis an Mohrenland über hundert und siebenundzwanzig Länder)
2 und da er auf seinem königlichen Stuhl saß zu Schloß Susan,
3 im dritten Jahr seines Königreichs, machte er bei sich ein Mahl allen seinen Fürsten und Knechten, den Gewaltigen in Persien und Medien, den Landpflegern und Obersten in seinen Ländern,
4 daß er sehen ließe den herrlichen Reichtum seines Königreichs und die köstliche Pracht seiner Majestät viele Tage lang, hundert und achtzig Tage."

(Ester 1:1-4)



Am siebten Tag der Party will der besoffene König mit seiner hübschen Frau angeben. Die durfte anscheinend bisher nicht mitfeiern - doch die Gäste sind neugierig auf die heiße Königin und wollen sie tanzen sehen.

"10 Und am siebenten Tage, da der König gutes Muts war vom Wein, hieß er [...] die sieben Kämmerer, die vor dem König Ahasveros dienten,
11 daß sie die Königin Vasthi holten vor den König mit der königlichen Krone, daß er den Völkern und Fürsten zeigte ihre Schöne; denn sie war schön."

(Ester 1:10-11)


Die Völker und die Fürsten machen sich wohl nicht viel aus inneren Werten. Aber die Königin weigert sich, herauszukommen und sich zu präsentieren.

"12 Aber die Königin Vasthi wollte nicht kommen nach dem Wort des Königs durch seine Kämmerer. Da ward der König sehr zornig, und sein Grimm entbrannte in ihm."

(Ester 1:12)




Die Befehlsverweigerung macht den König sehr wütend. Sein Berater macht ihn auf den Ernst der Lage aufmerksam. Die Weigerung der Königin könnte nämlich weit reichende Folgen haben. Denn wenn alle Frauen sich die Königin zum Vorbild nehmen würden und die Befehle ihrer Männer verweigern würden: Wo kämen wir denn dahin?!

"16 Da sprach Memuchan vor dem König und den Fürsten: Die Königin Vasthi hat nicht allein an dem König übel getan, sondern auch an allen Fürsten und an allen Völkern in allen Landen des Königs Ahasveros.
17 Denn es wird solche Tat der Königin auskommen zu allen Weibern, daß sie ihre Männer verachten vor ihren Augen und werden sagen: Der König Ahasveros hieß die Königin Vasthi vor sich kommen; aber sie wollte nicht."

(Ester 1:16-17)



Man schlägt dem König vor, sich sofort per Gesetz scheiden zu lassen und eine "bessere" Frau zu suchen. Also eine, die tut, was man ihr sagt.

"19 Gefällt es dem König, so lasse man ein königlich Gebot von ihm ausgehen und schreiben nach der Perser und Meder Gesetz, welches man nicht darf übertreten: daß Vasthi nicht mehr vor den König Ahasveros komme, und der König gebe ihre königliche Würde einer andern, die besser ist denn sie."

(Ester 1:19)


Dem König gefällt die Idee. Die politische Karriere der Königin ist somit zu Ende.
Außerdem folgt der König einem Vorschlag seines Beraters und verschickt Briefe an alle Länder seines Reich, mit denen er die Ungleichbehandlung von Frauen offiziell zum Gesetz macht.

"20 Und es erschalle dieser Befehl des Königs, den er geben wird, in sein ganzes Reich, welches groß ist, daß alle Weiber ihre Männer in Ehren halten, unter Großen und Kleinen.
21 Das gefiel dem König und den Fürsten; und der König tat nach dem Wort Memuchans.
22 Da wurden Briefe ausgesandt in alle Länder des Königs, in ein jegliches Land nach seiner Schrift und zu jeglichem Volk nach seiner Sprache: daß ein jeglicher Mann der Oberherr in seinem Hause sei und ließe reden nach der Sprache seines Volkes."

(Ester 1:20-22)



Der König braucht nun eine neue Frau. So lässt er sich Jungfrauen von überall her zu sich bringen.
Die werden dann mit Schmuck aufgedonnert und dem König präsentiert. Diejenige Jungfrau, die ihm am meisten gefällt, soll die neue Königin werden. Bis Ahasveros wieder eine neue und bessere Frau haben will, versteht sich.

"1 Nach diesen Geschichten, da der Grimm des Königs Ahasveros sich gelegt hatte, gedachte er an Vasthi, was sie getan hatte und was über sie beschlossen war.
2 Da sprachen die Diener des Königs, die ihm dienten: Man suche dem König junge, schöne Jungfrauen,
3 und der König bestellte Männer in allen Landen seines Königreichs, daß sie allerlei junge, schöne Jungfrauen zusammenbringen gen Schloß Susan ins Frauenhaus unter der Hand Hegais, des Königs Kämmerers, der der Weiber wartet, und man gebe ihnen ihren Schmuck;
4 und welche Dirne dem König gefällt, die werde Königin an Vasthis Statt. Das gefiel dem König, und er tat also."

(Ester 2:1-4)


Durch ihre majestätischen Eigenschaften - gut aussehen und gehorchen - bekommt schließlich eine hebräische Frau namens Ester den Job als neue Königin. Politische Macht hat sie aber nicht.
Wäre ja auch noch schöner: eine Frau, die ein Land regiert... Absurd!




DU SOLLST NICHT KÖSTLICHE SCHUHE TRAGEN

Frauen an der Macht - das kann ja nicht gut gehen. Das sieht man an den verdammten Gottlosen, die von Weibern beherrscht werden. Wehe ihnen!

"1 Weh aber den Gottlosen! denn sie haben es übel, und es wird ihnen vergolten werden, wie sie es verdienen.
2 Kinder sind Gebieter meines Volkes, und Weiber herrschen über sie. Mein Volk, deine Leiter verführen dich und zerstören den Weg, da du gehen sollst."

(Jesaja 3:1-2)


Denn wenn man den Weibern einmal erlaubt, etwas anderes zu tun als das, was ihr Mann befiehlt, verleitet das die Frauen zur schrecklichen Sünden. Schuhe kaufen, zum Beispiel, oder Make-Up tragen. Oder, noch furchtbarer: Sie entwickeln ein selbstbewusstes Auftreten!
Das hat der HERR gar nicht gern.

"16 Und der HERR spricht: Darum daß die Töchter Zions stolz sind und gehen mit aufgerichtetem Halse, mit geschminkten Angesichtern, treten einher und schwänzen und haben köstliche Schuhe an ihren Füßen,"

(Jesaja 3:16)



Der HERR ist ja als Gott in moralischen und sonstigen Dingen dem Menschen überlegen. Und wenn jemand stolz ist und meint, sie sei besser als Gott - indem sie köstliche Schuhe anhat und mit aufgerichtetem Halse läuft -, wenn der HERR derart beleidigt wird, muss er natürlich Rache nehmen und den Frauen all die schönen Sachen wieder wegnehmen. Zusätzlich lässt er ihnen die Haare ausfallen.
Mal gucken, wie eitel die dann noch sind, lacht sich Gott in sein Fäustchen und zeigt so seine Überlegenheit.

"17 so wird der HERR den Scheitel der Töchter Zions kahl machen, und der HERR wird ihr Geschmeide wegnehmen.
18 Zu der Zeit wird der HERR den Schmuck an den köstlichen Schuhen wegnehmen und die Heftel, die Spangen,
19 die Kettlein, die Armspangen, die Hauben,
20 die Flitter, die Gebräme Randbesatz eines Kleides, die Schnürlein, die Bisamäpfel, die Ohrenspangen,
21 die Ringe, die Haarbänder,
22 die Feierkleider, die Mäntel, die Schleier, die Beutel,
23 die Spiegel, die Koller, die Borten, die Überwürfe;"

(Jesaja 3:17-23)


Und damit auch wirklich niemand auf die Idee kommt, die Frauen immer noch für attraktiv zu halten, sorgt der HERR auch noch dafür, dass sie stinken. Der denkt aber an alles, dieser Gott!

"24 und es wird Gestank für guten Geruch sein, und ein Strick für einen Gürtel, und eine Glatze für krauses Haar, und für einen weiten Mantel ein enger Sack; solches alles anstatt deiner Schöne."

(Jesaja 3:24)



In Ausnahmefällen dürfen die Frauen ja schon Schmuck tragen. Wenn der König zum Beispiel eine neue Frau sucht - oder mehrere - dann geht das schon. Ansonsten gilt: Gott empfiehlt der gläubigen Dame von heute in dieser Saison das modische Ensemble "Sack und Glatze".



SZENEN EINER EHE

Kahlköpfigkeit und von Gott gestohlener Schmuck sind natürlich nicht das größte Problem, das Frauen haben können. Man muss nur den falschen Mann heiraten oder - wie bei den Damen in der Bibel - mit dem falschen Mann verheiratet werden.
Besonders ungünstig hat es in dieser Hinsicht eine namenlose Frau im Buch Richter getroffen. Ihr Mann erweist sich nämlich als nicht unbedingt gentleman like.

Dabei beginnt alles idyllisch. Die Frau und ihr Mann sind unterwegs auf Reisen. Sie übernachten eines Nachts in der Stadt Gibea bei einem alten Wirt. Doch sie hätten sich besser nicht in dieser Stadt niedergelassen. Denn dort hausen böse Buben...

"22 Und da ihr Herz nun guter Dinge war, siehe, da kamen die Leute der Stadt, böse Buben, und umgaben das Haus und pochten an die Tür und sprachen zu dem alten Mann, dem Hauswirt: Bringe den Mann heraus, der in dein Haus gekommen ist, daß wir ihn erkennen."

(Richter 19:22)


Die Bösen wollen unbedingt Sex mit dem fremden Mann haben. Anscheinend kommen nicht allzu oft Leute zu Besuch. Der Mann und der Wirt versuchen die Leute der Stadt zu beschwichtigen.

"23 Aber der Mann, der Hauswirt, ging zu ihnen heraus und sprach zu ihnen: Nicht, meine Brüder, tut nicht so übel; nachdem dieser Mann in mein Haus gekommen ist, tut nicht eine solche Torheit!"

(Richter 19:23)


Das wäre wirklich eine Torheit! Zum Glück hat der Wirt eine Tochter und der Mann eine Ehefrau. Die bieten sie einfach stattdessen zur Vergewaltigung an, da sie ja höfliche Männer sind und den Pöbel nicht ganz unverrichteter Dinge heimziehen lassen wollen.

"24 Siehe, ich habe eine Tochter, noch eine Jungfrau, und dieser ein Kebsweib; die will ich herausbringen. Die mögt ihr zu Schanden machen, und tut mit ihr, was euch gefällt; aber an diesen Mann tut nicht solche Torheit."

(Richter 19:24)



Doch die bösen Buben lassen sich nicht auf den Deal ein.

"25 Aber die Leute wollten ihm nicht gehorchen."

(Richter 19:25a)


Der Mann verhandelt aber nicht mit Terroristen und nimmt seine Frau und bringt sie zu den Vergewaltigern, ob die nun wollen oder nicht.
Dann legt er sich schlafen, während seine Frau die ganze Nacht von der Gruppe von Männern geschändet wird. Er wird sich ja nicht von solchen Kleinigkeiten den Schlaf rauben lassen.

"Da faßte der Mann sein Kebsweib und brachte sie zu ihnen hinaus. Die erkannten sie und trieben ihren Mutwillen an ihr die ganze Nacht bis an den Morgen; und da die Morgenröte anbrach, ließen sie sie gehen.
26 Da kam das Weib hart vor morgens und fiel nieder vor der Tür am Hause des Mannes, darin ihr Herr war, und lag da, bis es licht ward."

(Richter 19:25b-26)



Als der Mann morgens nach erholsamen Schlaf aufsteht, sieht er seine regungslose, geschändete Frau vor der Tür liegen. Er befiehlt der Frau, mitzukommen. Aber die antwortet einfach nicht, die bewusstlose Schlampe! Was erlaubt die sich eigentlich?!!
Der Mann packt seine Frau auf seinen Esel und reitet davon.

"27 Da nun ihr Herr des Morgens aufstand und die Tür auftat am Hause und herausging, daß er seines Weges zöge, siehe, da lag sein Kebsweib vor der Tür des Hauses und ihre Hände auf der Schwelle.
28 Er aber sprach zu ihr: Stehe auf, laß uns ziehen! Aber sie antwortete nicht. Da nahm er sie auf den Esel, machte sich auf und zog an seinen Ort."

(Richter 19:27-28)


Was denkt die sich denn dabei, nach nur einer einzigen Nacht voller Gewalt und Brutalität einfach ohnmächtig zu werden?!
Der Mann tut das einzig Vernünftige in solch einer Situation: Er ermordet seine Frau und verschickt die Leichenteile per Post.

"29 Als er nun heimkam, nahm er ein Messer und faßte sein Kebsweib und zerstückte sie mit Gebein und mit allem in zwölf Stücke und sandte sie in alle Grenzen Israels."

(Richter 19:29)





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mehr zum Thema "Frauen in der Bibel":

Sex in der Bibel
Das Buch Genesis - Teil 9: "Der Mensch und das Weib"
Religionsguide für Frauen
Religionsguide für Frauen - Das Quiz


29. Januar 2011

DER MENSCH UND DAS WEIB (Das Buch Genesis Teil 9)


Die Bibel bietet Ratschläge für alle Bereiche des Lebens. Auch zum Thema "Frauen". 
Wo kommen die eigentlich her und wozu sind sie gut? Die Heilige Schrift gibt Antworten auf diese Fragen.

Wir setzen unsere Reise durch das Buch Genesis fort und ziehen dann ein Fazit, welches Frauenbild uns in diesem dubiosen Machwerk vermittelt werden soll.






ALLE FÜR EINEN

Die letzten Kapitel des Buches Genesis erzählen uns von den Söhnen Jakobs, den mythischen Ur-Vätern der zwölf Stämme Israels. Die treten zum ersten Mal in Kapitel 34 in Aktion.
Die Geschichte beginnt damit, dass Jakobs einzige Tochter - oder zumindest die einzige, von der wir erfahren - vergewaltigt wird.

"1 Dina aber, Leas Tochter, die sie Jakob geboren hatte, ging heraus, die Töchter des Landes zu sehen.
2 Da die sah Sichem, Hemors Sohn, des Heviters, der des Landes Herr war, nahm er sie und lag bei ihr und schwächte sie."

(Genesis 34:1-2)



Der HERR hatte seine großartigen Gesetze leider noch nicht veröffentlicht. (Dies tut er erst zu Moses' Zeiten, die chronologisch sehr viel später angesiedelt sind als das Buch Genesis.) Daher gibt es noch keine göttliche Rechtsprechung, was in einem solchen Fall zu tun ist.

Die korrekte Lösung wäre: Sichem muss Dina heiraten und darf sich niemals scheiden lassen und muss Jakob zudem 50 Silberlinge bezahlen (laut Deuteronomium 22:28).
Aber man müsste Sichem gar nicht zu einer Hochzeit zwingen: Er hat sich in sein Vergewaltigungsopfer verliebt und bittet seinen Vater, für ihn die Hochzeit mit Dina zu organisieren.

"3 Und sein Herz hing an ihr, und er hatte die Dirne lieb und redete freundlich mit ihr.
4 Und Sichem sprach zu seinem Vater Hemor: Nimm mir das Mägdlein zum Weibe."

(Genesis 34:3-4)



Jakob und seine Söhne haben bereits von der Schändung erfahren. Zum Schein beginnen sie mit den Hochzeitsverhandlungen und stellen die erste Bedingung: Der Bräutigam in spe soll sich erst mal beschneiden lassen. (Die Beschneidung ist das Zeichen von Gottes Bund mit Abraham und dessen Nachkommen.)

"13 Da antworteten Jakobs Söhne dem Sichem und seinem Vater Hemor betrüglich, darum daß ihre Schwester Dina geschändet war,
14 und sprachen zu ihnen: Wir können das nicht tun, daß wir unsere Schwester einem unbeschnittenem Mann geben; denn das wäre uns eine Schande.
15 Doch dann wollen wir euch zu Willen sein, so ihr uns gleich werdet und alles, was männlich unter euch ist, beschnitten werde;"

(Genesis 34:13-15)



Doch nicht nur Sichem soll sich Vorhaut entfernen lassen, sondern alle männlichen Bewohner der Stadt, aus unerfindlichen Gründen. Aus noch unerfindlicheren Gründen erklären sich auch alle Männer sofort dazu bereit.

"24 Und sie gehorchten dem Hemor und Sichem, seinem Sohn, alle, die zu seiner Stadt Tor aus und ein gingen, und beschnitten alles, was männlich war, das zu dieser Stadt aus und ein ging."

(Genesis 34:24)



Aber die ganze Nummer war nur ein Schelmenstreich: Jakob hat gar nicht vor, seine Tochter zu verheiraten. Die Bewohner der Stadt sitzen nun mit schmerzenden Genitalien in ihrer Bude und schauen blöde aus der Wäsche. Harharhar!!
Um nun noch ein I-Tüpfelchen auf die Rache zu setzen, ermorden Jakobs Söhne noch alle Männer der Stadt und plündern ihre Häuser.

"25 Und am dritten Tage, da sie Schmerzen hatten, nahmen die zwei Söhne Jakobs, Simeon und Levi, der Dina Brüder, ein jeglicher sein Schwert und gingen kühn in die Stadt und erwürgten alles, was männlich war.
26 und erwürgten auch Hemor und seinen Sohn Sichem mit der Schärfe des Schwerts und nahmen ihre Schwester Dina aus dem Hause Sichems und gingen davon.
27 Da kamen die Söhne Jakobs über die erschlagenen und plünderten die Stadt, darum daß sie hatten ihre Schwester geschändet.
28 Und nahmen ihre Schafe, Rinder, Esel und was in der Stadt und auf dem Felde war
29 und alle ihre Habe; alle Kinder und Weiber nahmen sie gefangen, und plünderten alles, was in den Häusern war."

(Genesis 34:25-29)



Wie Jesus schon sagte: Wenn dir jemand auf die linke Backe schlägt, dann ermorde alle Männer der Stadt und raube deren Familien aus.


Es scheint ein wenig ungerecht, alle Bewohner der Stadt für die Tat eines Einzelnen zu bestrafen. Aber Gott hat nichts dagegen, was man an seinem Schweigen in dieser Angelegenheit ablesen kann.
Wenn Gott nämlich mit irgendwas nicht einverstanden ist, folgt eine eindeutige Reaktion - wie wir durch die folgende Episode erfahren.



ONAN DER BARBAR

Die letzten Kapitel des Buches Genesis erzählen in erster Linie von Joseph, Jakobs Lieblingssohn. Unterbrochen wird diese Geschichte jedoch von einem Bericht über Juda, einen anderen Sohn Jakobs, und dessen Söhne Onan und Ger.

Juda besorgt seinem ältesten Sohn Ger eine Frau. Doch die Ehe hält nicht lange: Ger tut irgendwas, das den HERR verärgert. Deshalb tötet ihn Gott.

"6 Und Juda gab seinem ersten Sohn, Ger, ein Weib, die hieß Thamar.
7 Aber Ger war böse vor dem HERRN; darum tötete ihn der HERR."

(Genesis 38:6-7)



Juda bittet seinen anderen Sohn Onan, die nun verwitwete Thamar zu heiraten. Dieser erfüllt dem Vater den Wunsch, möchte aber keine Kinder mit Thamar haben. Daher landet sein Samenerguss immer auf dem Boden und nie in seiner Schwägerin/Ehefrau.

"8 Da sprach Juda zu Onan: Gehe zu deines Bruders Weib und nimm sie zur Ehe, daß du deinem Bruder Samen erweckest.
9 Aber da Onan wußte, daß der Same nicht sein eigen sein sollte, wenn er einging zu seines Bruders Weib, ließ er's auf die Erde fallen und verderbte es, auf daß er seinem Bruder nicht Samen gäbe."

(Genesis 38:8-9)


Nach damaligem Recht hätten Onans Kinder Anspruch auf das Erbe seines von Gott getöteten Bruders gehabt. Dies lehnt Onan aber vehement ab. Warum, erfahren wir nicht.
Die Moral der Geschicht' ist allerdings eindeutig: Indem Onan den guten Samen auf den Boden fallen und verderben lässt, macht er Gott wütend. Und wir wissen ja, was dann passiert.

"10 Da gefiel dem HERRN übel, was er tat, und er tötete ihn auch."

(Genesis 38:10)



Die ganze Story wird von der katholischen Kirche so interpretiert, dass jede Sperma-Verschwendung Sünde ist: Sowohl Selbstbefriedigung (nach Onan auch "Onanie" genannt), als auch Coitus Interruptus und andere Verhütungsmethoden.
Natürlich ist in der echten Welt der Coitus Interruptus keine sichere Verhütungsmethode, aber das hat der Verfasser dieses Textes, Gott, wohl nicht gewusst.



YOU DON'T HAVE TO WEAR THAT DRESS TONIGHT

Da Gott nun auch ihren zweiten Ehemann getötet hat, zieht Thamar wieder zu ihren Eltern. Viele Jahre vergehen und Thamar bleibt unverheiratet. Juda hatte ihr zwar versprochen, sie mit seinem Sohn Sela zu verheiraten, wenn der alt genug ist, hält aber sein Versprechen nicht ein.
Thamar möchte aber unbedingt ein Kind aus der Familie von Juda. Um das hinzukriegen, ersinnt sie einen gewitzten Plan. Alles beginnt damit, dass Thamar erfährt, dass der seit kurzem verwitwete Juda gerade auf dem Weg zu seinen Schafen ist. Sie verhüllt sich vollständig, auch ihr Gesicht, so dass Juda sie nicht erkennt, und fängt ihn am Stadttor ab.

"12 Da nun viele Tage verlaufen waren, starb des Sua Tochter, Juda's Weib. Und nachdem Juda ausgetrauert hatte, ging er hinauf seine Schafe zu scheren, gen Thimnath mit seinem Freunde Hira von Adullam.
13 Da ward der Thamar angesagt: Siehe, dein Schwiegervater geht hinauf gen Thimnath, seine Schafe zu scheren.
14 Da legte sie die Witwenkleider von sich, die sie trug, deckte sich mit einem Mantel und verhüllte sich und setzte sich vor das Tor von Enaim an dem Wege gen Thimnath; denn sie sah, daß Sela war groß geworden, und sie ward ihm nicht zum Weibe gegeben."

(Genesis 38:12-14)



Heutzutage denkt man beim Anblick von voll verschleierten Frauen nicht zwingend, dass diese Damen sicherlich der Prostitution nachgehen würden. Früher war das wohl anders.

"15 Da sie nun Juda sah, meinte er, sie wäre eine Hure; denn sie hatte ihr Angesicht verdeckt."

(Genesis 38:15)


Als Juda die vermeintliche Hure sieht, denkt er sich: Ein bisschen Spaß muss sein.

"16 Und er machte sich zu ihr am Wege und sprach: Laß mich doch zu dir kommen; denn er wußte nicht, daß es seine Schwiegertochter wäre. Sie antwortete: Was willst du mir geben, daß du zu mir kommst?"

(Genesis 38:16)




Auf die Frage, was Juda bereit sei für den Sex zu bezahlen, bietet er einen Ziegenbock an. Da er die Ziege nicht dabei hat, gibt er ihr einige persönliche Gegenstände als Pfand.

"17 Er sprach: Ich will dir einen Ziegenbock von der Herde senden. Sie antwortete: So gib mir ein Pfand, bis daß du mir's sendest.
18 Er sprach: Was willst du für ein Pfand, das ich dir gebe? Sie antwortete: Deinen Ring und deine Schnur und deinen Stab, den du in den Händen hast."

(Genesis 38:17-18a)


Sehr detailliert wird der Sex nicht beschrieben. Immerhin erfahren wir, dass Thamar davon schwanger wird.

"Da gab er's ihr und kam zu ihr; und sie ward von ihm schwanger."

(Genesis 38:18b)


Klingt fast wie ein kleines Gedicht, sehr schön.

Thamar lässt ihr Gesicht beim Sex anscheinend die ganze Zeit verschleiert, oder aber Juda schaut woanders hin. Jedenfalls bemerkt er nicht, dass es sich bei der angeblichen Sexarbeiterin um seine Ex-Schwiegertochter handelt. Wieder zuhause, schickt Juda einen Freund los, um der Prostituierten den Ziegenbock zu bringen. Aber der kann die Hure natürlich nicht finden.

"22 Und er kam wieder zu Juda und sprach: Ich habe sie nicht gefunden; dazu sagen die Leute des Orts, es sei keine Hure da gewesen.
23 Juda sprach: Sie mag's behalten; sie kann uns doch nicht Schande nachsagen, denn ich habe den Bock gesandt, so hast du sie nicht gefunden."

(Genesis 38:22-23)


Da er versucht hat, die unbekannte Dame zu bezahlen, ist er nun aus dem Schneider und niemand könne ihm eine Schande nachsagen, findet Juda. Er findet Prostitution moralisch nicht verwerflich. Natürlich nur für einen Mann. Die Hure hat den Tod verdient.

"24 Über drei Monate ward Juda angesagt: Deine Schwiegertochter Thamar hat gehurt; dazu siehe, ist sie von der Hurerei schwanger geworden. Juda spricht: Bringt sie hervor, daß sie verbrannt werde."

(Genesis 38:24)



Da Juda gerüchteweise gehört hat, dass Thamar gehurt hat, möchte er sie jetzt natürlich auf dem Scheiterhaufen verbrennen.
Obwohl Thamar gar nicht zu seinem Haushalt gehört, (da Juda sein Versprechen gebrochen hatte, sie mit seinem Sohn Sela zu verheiraten,) macht er einen großen Wirbel um die Sache.
Als er jedoch erfährt, wer der Freier war, nämlich er selbst, denkt er sich plötzlich, dass es wohl doch besser wäre, die Sache lieber unter den Teppich zu kehren.

"25 Und da man sie hervorbrachte, schickte sie zu ihrem Schwiegervater und sprach: Von dem Mann bin ich schwanger, des dies ist. Und sprach: Kennst du auch, wes dieser Ring und diese Schnur und dieser Stab ist?
26 Juda erkannte es und sprach: Sie ist gerechter als ich; denn ich habe sie nicht gegeben meinen Sohn Sela. Doch erkannte er sie fürder nicht mehr."

(Genesis 38:25-26)



Thamar ist rehabilitiert. Nicht, dass sich etwas an Judas hurenfeindlicher Einstellung geändert hat. Aber er sieht ein, dass er selbst auch einen Fehler gemacht hat. Ein Unrecht gleicht das andere aus: Auge um Auge, Betrug um Betrug. Dies ist die fragwürdige Moral Gottes im gesamten alten Testament.



HAND OUT

Thamar passiert nun das allerbeste, was einer Frau in der Bibel passieren kann. Sie bekommt männlichen Nachwuchs und das auch noch im Doppelpack.

"27 Und da sie gebären sollte, wurden Zwillinge in ihrem Leib gefunden."

(Genesis 38:27)


Nach dem Rechtsverständnis der damaligen Zeit bekommt immer der erstgeborene Sohn den Hauptteil des Erbes. Im Fall von Thamars Zwillingen winkt dem, der zuerst aus der Mutter kommt, das Erbe von Ger - dem ersten von Gott ermordeten Mann Thamars.
Eine Hand kommt aus der Vagina... Die Hebamme bindet einen roten Faden um einen Finger, um so den Erstgeborenen zu kennzeichnen.

"28 Und als sie jetzt gebar, tat sich eine Hand heraus. Da nahm die Wehmutter einen roten Faden und band ihn darum und sprach: Der wird zuerst herauskommen."

(Genesis 38:28)


Aber Pustekuchen! Der kleine Racker überlegt es sich anders, flutscht rückwärts durch den Geburtskanal zurück in die Gebärmutter und überlässt seinem Bruder den Vortritt.

"29 Da aber der seine Hand wieder hineinzog, kam sein Bruder heraus; und sie sprach: Warum hast du um deinetwillen solchen Riß gerissen? Und man hieß ihn Perez.
30 Darnach kam sein Bruder heraus, der den roten Faden um seine Hand hatte. Und man hieß ihn Serah."

(Genesis 38:29-30)


Laut dem neuen Testament (Matthäus 1:3) ist Perez übrigens ein Ur-Ahn von König David und Jesus Christus. Mehr erfahren wir über ihn und seinen Zwillingsbruder nicht. Auch die Geschichte von Thamar ist hier zu Ende.

Ehefrau, Mutter, Hure und intrigante Betrügerin: Thamar verkörpert so ziemlich alle Rollen, die eine Frau in der Bibel spielen darf.
Nehmen wir doch mal das Frauenbild unter die Lupe, dass die ersten 40 Kapitel des Buches Genesis vermitteln. Dies ändert sich nämlich in der gesamten Bibel nicht mehr.



PLAN B

Die erste Frau in der Bibel bleibt namenlos. Sie wird vom HERRN gleichzeitig mit dem ebenfalls namenlosen ersten Mann als Gottes Ebenbild erschaffen.

"27 Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib."

(Genesis 1:27)



Viel bekannter ist jedoch die zweite Schöpfungsgeschichte des Menschen, die im krassen Widerspruch zur ersten Version steht. Hier wird die Frau nicht gleichzeitig mit dem Mann erschaffen, sondern ist nur Gottes Plan B.
Zunächst erschafft der HERR einen Mann.

"7 Und Gott der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß, uns blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele.
8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Morgen und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte."

(Genesis 2:7-8)


Dieser (dritte) erste Mensch, den Gott erschaffen hat, bekommt übrigens auch niemals einen individuellen Namen: "Adam" ist das hebräische Wort für "Mensch".
Als Gott mit seinem Super-Spürsinn bemerkt, dass Adam einsam ist, beschließt er, etwas dagegen zu tun.

"18 Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei."

(Genesis 2:18)


Da Gott sich schon die Mühe gemacht hatte, allerlei Tiere zu erschaffen, probiert er zunächst, ob nicht eins davon eine passende Gehilfin für Adam sein könnte.

"19 Denn als Gott der HERR gemacht hatte von der Erde allerlei Tiere auf dem Felde und allerlei Vögel unter dem Himmel, brachte er sie zu dem Menschen, daß er sähe, wie er sie nennte; denn der wie Mensch allerlei lebendige Tiere nennen würde, so sollten sie heißen. 
20 Und der Mensch gab einem jeglichen Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre."

(Genesis 2:19-20)



[[BILD ENTFÄLLT AUS JUGENDSCHUTZGRÜNDEN]]


Die Suche war leider erfolglos. Gott muss sich was anderes überlegen.

"21 Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippen eine und schloß die Stätte zu mit Fleisch.
22 Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er vom Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.
23 Da sprach der Mensch: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin heißen, darum daß sie vom Manne genommen ist."

(Genesis 2:21-23)


Nachdem der Allmächtige erfolglos Millionen Spezies von Landtieren und Vögeln auf die Tauglichkeit als Gehilfe für Adam überprüft hatte, entwirft er den Prototyp der Männin.
Den Namen "Eva" kriegt sie übrigens erst nach dem Sündenfall und zwar, wie sollte es anders sein, von ihrem Mann, der ja Experte im Namen geben ist. Leider erweist sich Gottes Design bald als nicht allzu intelligent und versaut Adam das paradiesische Leben.

Diese Version von der Erschaffung der Frau als Gehilfin für den Mann passt viel besser zum Frauenbild der Bibel als die erste Variante. Die Rippen-Geschichte wird auch von den Verfassern des neuen Testaments bevorzugt:

"11 Ein Weib lerne in der Stille mit aller Untertänigkeit.
12 Einem Weibe aber gestatte ich nicht, daß sie lehre, auch nicht, daß sie des Mannes Herr sei, sondern stille sei.
13 Denn Adam ist am ersten gemacht, darnach Eva."

(1. Timotheus 2:11-13)


"8 Denn der Mann ist nicht vom Weibe, sondern das Weib vom Manne.
9 Und der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen, sondern das Weib um des Mannes willen."

(1. Korinther 11:8-9)


[mehr zur Schöpfungsgeschichte in Teil 1 dieser Serie]




HERR IM HAUS

Dabei fängt doch alles so gut an. Der Mensch und das Weib vergnügen sich als schamlose Nackedeie im Garten.

"25 Und sie waren beide nackt, der Mensch und das Weib, und schämten sich nicht."

(Genesis 2:25)



Doch leider wird das Weib von einer sprechenden Schlange überzeugt, die verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis zu schnabulieren. Auch Adam isst daraufhin auf Empfehlung seiner Frau von der Frucht.
Als Gott das rausfindet, ist er stinkesauer. Die Frau bekommt zwei Strafen: So möchte Gott ihr Schmerzen bei der Geburt bereiten. Außerdem soll sie auf ewig ihrem Mann untertänig sein - der Gehilfin wird also die Chance auf Gleichberechtigung endgültig und unwiderruflich verweigert.

"16 Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein." 

(Genesis 3:16)


Dass Evas Strafe auch für alle ihre weiblichen Nachkommen gilt, ist teilweise offensichtlich: Schließlich bereitet Gott auch den heutigen Frauen noch Geburtsschmerzen.
Und dass die Rolle der Untergebenen für alle Frauen der Welt für alle Zeiten gelten soll, das behaupten zumindest die Autoren des alten Testaments.
Und die Autoren des neuen Testaments:

"22 Die Weiber seien untertan ihren Männern als dem HERRN.
23 Denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie auch Christus das Haupt ist der Gemeinde, und er ist seines Leibes Heiland.
24 Aber wie nun die Gemeinde ist Christo untertan, also auch die Weiber ihren Männern in allen Dingen."

(Epheser 5:22-24)

"1 Du aber rede, wie sich's ziemt nach der heilsamen Lehre: [...]
4 daß sie die jungen Weiber lehren züchtig sein, ihre Männer lieben, Kinder lieben,
5 sittig sein, keusch, häuslich, gütig, ihren Männern untertan, auf daß nicht das Wort Gottes verlästert werde."

(Titus 2:1,4-5)

"1 Desgleichen sollen die Weiber ihren Männern untertan sein, auf daß auch die, so nicht glauben an das Wort, durch der Weiber Wandel ohne Wort gewonnen werden"

(1. Petrus 3:1)

"34 Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt."

(1. Korinther 14:34)







GEBÄR, MUTTER!

Das Beste, was einer Frau in der Bibel passieren kann, ist ein Kind zu bekommen. Dabei sind so gut wie alle Neugeborenen in der Bibel männlich. So wird im zum Beispiel im Buch Genesis über folgende Geburten berichtet:
- Von Abrahams Söhnen Ismael und Isaak, nicht aber von deren Frauen und Schwestern
- Von Isaaks Söhnen Jakob und Esau, nicht aber von den drei Frauen Esaus oder Jakobs vier Frauen
- Von Jakobs zwölf Söhnen, aber von keiner deren Frauen;
- Von Jakobs männlichen Enkeln seiner Söhne Juda und Josef - nicht aber, welch Überraschung, von deren Frauen.
In den unzähligen Stammbäumen werden stets nur männliche Nachkommen genannt.

Auch im neuen Testament, das mehrere hundert Jahre nach dem Buch Genesis entstand, hat sich nichts an dieser Einstellung geändert.

"14 Und Adam ward nicht verführt; das Weib aber ward verführt und hat die Übertretung eingeführt.
15 Sie wird aber selig werden durch Kinderzeugen, so sie bleiben im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung samt der Zucht."

(1. Timotheus 2:14-15)


"23 Und Jesus war, da er anfing, ungefähr dreißig Jahre alt, und ward gehalten für einen Sohn Josephs, welcher war ein Sohn Eli's,
24 der war ein Sohn Matthats, der war ein Sohn Levis, der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Jannas, der war ein Sohn Josephs, 
25 der war ein Sohn des Mattathias, der war ein Sohn des Amos, der war ein Sohn Nahums, der war ein Sohn Eslis, der war ein Sohn Nangais, 
26 der war ein Sohn Maaths, der war ein Sohn des Mattathias, der war ein Sohn Simeis, der war ein Sohn Josechs, der war ein Sohn Juda's, 
27 der war ein Sohn Johanans, der war ein Sohn Resas, der war ein Sohn Serubabels, der war ein Sohn Sealthiels, der war ein Sohn Neris, 
28 der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn Addis, der war ein Sohn Kosams, der war ein Sohn Elmadams, der war ein Sohn Hers, 
29 der war ein Sohn des Jesus, der war ein Sohn Eliesers, der war ein Sohn Jorems, der war ein Sohn Matthats, der war ein Sohn Levis, 
30 der war ein Sohn Simeons, der war ein Sohn Judas, der war ein Sohn Josephs, der war ein Sohn Jonams, der war ein Sohn Eliakims, 
31 der war ein Sohn Meleas, der war ein Sohn Menams, der war ein Sohn Mattathans, der war ein Sohn Nathans, der war ein Sohn Davids, 
32 der war ein Sohn Jesses, der war ein Sohn Obeds, der war ein Sohn des Boas, der war ein Sohn Salmas, der war ein Sohn Nahessons,
33 der war ein Sohn Amminadabs, der war ein Sohn Rams, der war ein Sohn Hezrons, der war ein Sohn des Perez, der war ein Sohn Juda's, 
34 der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn Isaaks, der war ein Sohn Abrahams, der war ein Sohn Tharahs, der war ein Sohn Nahors, 
35 der war ein Sohn Serugs, der war ein Sohn Regus, der war ein Sohn Pelegs, der war ein Sohn Ebers, der war ein Sohn Salahs, 
36 der war ein Sohn Kenans, der war ein Sohn Arphachsads, der war ein Sohn Sems, der war ein Sohn Noahs, der war ein Sohn Lamechs, 
37 der war ein Sohn Methusalahs, der war ein Sohn Henochs, der war ein Sohn Jareds, der war ein Sohn Mahalaleels, der war ein Sohn Kenans,
38 der war ein Sohn des Enos, der war ein Sohn Seths, der war ein Sohn Adams, der war Gottes."

(Lukas 3:23-38)


Weitere 1500 Jahre später gab es einen großen Wandel in der Kirche: Die Reformation. An der frauenfeindlichen Einstellung hat sich jedoch nichts getan, wie folgendes Zitat von Martin Luther dezent andeutet:

"Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, daß die Männer durch sie geboren werden."

(Martin Luther)



Auch heute noch dürfen in der katholischen Kirche Frauen nicht das Priesteramt (oder gar noch höhere Positionen) bekleiden, weil Paulus und ein paar andere Männer, von denen wir nicht einmal die Namen kennen, es vor etwa Zweitausend Jahren nicht gestattet haben.
Eine geistige Entwicklung kann man hier wohl beim besten Willen nicht erkennen. Übrigens sprechen orthodoxe Juden jeden Morgen das gleiche Gebet, bei dem Männer Gott danken, dass er sie nicht als Frau erschaffen hat. Ist das nicht nett von Gott?..



I'M A BITCH, I'M A LOVER, I'M A CHILD, I'M A MOTHER

Das Kinderkriegen ist zwar das Beste, was eine Frau so machen kann - das heißt natürlich nicht, dass sie irgendeinen Einfluss darauf hat, mit wem sie den Nachwuchs zeugt.
Dies verdeutlicht beispielsweise die Geschichte um die Geburt von Abrams erstem Sohn...

"3 Da nahm Sarai, Abrams Weib, ihre ägyptische Magd, Hagar, und gab sie Abram, ihrem Mann, zum Weibe, nachdem sie zehn Jahre im Lande Kanaan gewohnt hatten.
4 Und er ging zu Hagar, die ward schwanger."

(Genesis 16:3-4a)



Einige Zeit später - Abram wurde mittlerweile von Gott in Abraham umbenannt - kommt der allmächtige HERR zu Besuch.

"1 Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, da saß er an der Tür seiner Hütte, da der Tag am heißesten war."

(Genesis 18:1)


Gott kommt einzig und allein vorbei, um anzukündigen, dass Abrahams Frau Sara (vormals Sarai) bald einen Sohn gebären soll. Irgendwie betrifft Sara das ja auch ein bisschen - schließlich muss sie ja das Kind austragen, im Alter von über 90 Jahren. Dennoch darf sie nicht am Tisch mit Gott sitzen, sondern wird dorthin geschickt, wo Frauen nun mal hingehören: Hinter den Herd.

"6 Abraham eilte in die Hütte zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß Semmelmehl, knete und backe Kuchen."

(Genesis 18:6)



Mutter und Ehefrau, manchmal auch Tochter und Schwester: Dies sind die Rollen, die der Großteil der biblischen Frauen einnehmen darf - und dies auf die passivste Art, die man sich vorstellen kann.
In den wenigen Fällen, in denen Frauen aktiv handeln, werden sie als extrem hinterlistig, unmoralisch und durchtrieben dargestellt.

Lots Töchter machen ihren Vater betrunken und lassen sich von ihm schwängern. Rebekka betrügt einen ihrer Söhne und ihren Ehemann Isaak. Ihre Schwiegertochter Rahel stiehlt ihrem Vater die Götter. Ihr Enkel Juda wird von Thamar überlistet. Die begibt sich damit auch kurzzeitig ins horizontale Gewerbe.
Hurerei und Ehebruch sind die einzigen Situationen, in denen einen Frau in der Bibel selbstbestimmt mit ihrer Sexualität umgehen kann - beides todeswürdige Verbrechen in Gottes Augen (Deuteronomium Kapitel 22).



RAPE ME, MY FRIEND

Frauen sind Eigentum ihrer Väter, bis sie durch Heirat den Besitzer wechseln. Besonders eindeutig wird diese Haltung in Gottes Gesetzen, die Vergewaltigungen betreffen.

"23 Wenn eine Dirne jemand verlobt ist, und ein Mann kriegt sie in der Stadt und schläft bei ihr,
24 so sollt ihr sie alle beide zu der Stadt Tor ausführen und sollt sie steinigen, daß sie sterben; die Dirne darum, daß sie nicht geschrieen hat, da sie doch in der Stadt war; den Mann darum, daß er seines Nächsten Weib geschändet hat; und sollst das Böse von dir tun."

(Deuteronomium 22:23-24)


Der Mann muss sterben, weil er das Eigentum eines anderen Mannes beschädigt hat. Anders liegt der Fall, wenn das Vergewaltigungsopfer nicht verheiratet ist.

"28 Wenn jemand an eine Jungfrau kommt, die nicht verlobt ist, und ergreift sie und schläft bei ihr, und es findet sich also,
29
so soll, der bei ihr geschlafen hat, ihrem Vater fünfzig Silberlinge geben und soll sie zum Weibe haben, darum daß er sie geschwächt hat; er kann sie nicht lassen sein Leben lang."

(Deuteronomium 22:28)


In diesem Fall ist die Frau nun beschädigte Ware, deren Verkaufswert geschmälert wurde und daher nicht mehr verheiratet werden kann. Daher muss der Vergewaltiger dem Vater eine hohe Entschädigung zahlen, denn dem ist ja der Schaden entstanden. Außerdem muss der Täter sein Opfer heiraten und darf sich niemals scheiden lassen.
Dass manche Frauen eventuell keine Lust haben, ihre Vergewaltiger zu heiraten, ist völlig irrelevant.
Wen interessiert das schon? Gott jedenfalls nicht.



MARIA MARIA

Das neue Testament bringt die frohe Botschaft von Gottes Tochter... Ne, war nur Spaß, der alte HERR ist immer noch ein Macho und will den Menschen das Evangelium, ganz sicher aber nicht die Emanzipation bringen.
In der Jesus-Story gibt es nur zwei Frauen, die überhaupt eine nennenswerte Rolle spielen: Maria und Maria.

Die mit Abstand wichtigste weibliche Figur im Christentum ist natürlich die Mutter Gottes. Warum? Weil sie die Mutter Gottes ist. Nachdem sich Gott ungefragt ihre Gebärmutter geliehen hat, spielt sie für den weiteren Verlauf der Jesus-Saga keine Rolle mehr.
Dann gibt es da noch die Maria Magdalena. In der katholischen Kirchentradition wird sie als Prostituierte angesehen. Davon steht allerdings rein gar nichts in der Bibel.
Maria aus Magdala taucht in der Christus-Geschichte zwei mal auf. Einmal, als Jesus gleich sieben Teufel aus Maria austreibt und zum zweiten Mal am Grab Christi.
Als sie allein das Grab besucht, entdeckt sie nämlich, dass es leer ist und Jesus verschwunden ist (Johannes 20:1). Oder vielleicht war sie nicht allein, sondern zusammen mit einer anderen Maria (Matthäus 28:1) oder mit einer Salome und einer anderen Maria (Markus 16:1) oder mit einer anderen Maria, einer Johanna und noch mindestens zwei anderen Frauen (Lukas 24:10) - Je nach dem, welches Evangelium man liest.

Auch in der Apostelgeschichte spielen Frauen keine bedeutende Rolle, schließlich ist es ihnen ja nicht gestattet zu lehren.

Obwohl Jesus in seinen Predigten und Parabeln das Thema Frauenrechte nicht erwähnt, bezieht er gerade durch dieses Schweigen Stellung. Da er sich nicht gegen die herrschende Praxis der Ungleichbehandlung ausspricht, scheint er sich nicht besonders daran zu stören.
Ein noch deutlicheres Zeichen ist die Auswahl seiner zwölf Jünger, die allesamt männlich sind. Es gab wohl keine Frau die dafür so geeignet war, wie die Männer, die Jesus auserwählt hat, z.B. Judas.





GIRL, YOU'LL BE A MAN SOON

In den vier Evangelien der Bibel sagt Jesus zwar nichts über Frauen, wohl aber im Thomas-Evangelium, das es zwar nicht in die Bibel geschafft hat, dennoch aber unter den frühen Christen bekannt und beliebt war.
Das Thomas-Evangelium besteht nur aus Jesus-Zitaten. In einem macht Jesus den Frauen Hoffnung auf gleiche Rechte wie Männer. Denn, wenn die sich so richtig anstrengen, meint Christus, können sie sich in Männer verwandeln. Der Heiland weiß, was Frauen wollen.


"114 Simon Petrus sprach zu ihnen: Maria soll aus unserer Mitte fortgehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig
Jesus sprach: Seht, ich werde sie ziehen, um sie männlich zu machen, damit auch sie ein lebendiger Geist wird, vergleichbar mit euch Männern. Denn jede Frau, die sich männlich macht, wird in das Himmelreich gelangen."


Jesus widerspricht nicht, wenn Petrus meint, dass Frauen des Lebens nicht würdig sind. Aber wenn sie nur ganz fest an den Erlöser glauben, befreit er sie vielleicht von ihrem furchtbaren Schicksal, eine Frau sein zu müssen. Lob sei dem HERRN!


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SERIE: "DAS BUCH GENESIS"




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