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5. August 2011

DU SOLLST NICHT... ODER DOCH? (Widersprüche in der Bibel Teil 5)



Die Zehn Gebote werden uns oft als wichtigste Regeln der Bibel überhaupt verkauft - als klares, unverrückbares Fundament der christlichen Moral. Aber zu fast allen Geboten gibt es Widersprüche, Relativierungen und Ausnahmen...


"Die Zehn Gebote Gottes sind deshalb so klar und eindeutig, weil sie nicht erst auf einer Konferenz beschlossen wurden."

(Konrad Adenauer) 




OH MEINE GÖTTER!

Zuerst das Wichtigste... Das erste Gebot ist, dass man keine Götter neben Jahwe haben soll. Wär ja auch noch schöner!

"3 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben."

(Exodus 20:3)


Nach Meinung der meisten Christen bedeutet das Gebot nicht nur, dass der HERR ein eifersüchtiger Gott ist, sondern auch der einzig real existierende.

Der HERR nimmt sich ziemlich wichtig. Gotteslästerung ist wahrlich kein Kavaliersdelikt in der Bibel und der liebe Gott ordnet dafür sogar die Todesstrafe an (Deuteronomium 17:2-5). Als Jesus im neuen Testament genau dieses Vergehen vorgeworfen ist, hat er eine kreative Ausrede...

"33 Die Juden antworteten ihm und sprachen: Um des guten Werks willen steinigen wir dich nicht, sondern um der Gotteslästerung willen und daß du ein Mensch bist und machst dich selbst zu Gott.
34 Jesus antwortete ihnen: Steht nicht geschrieben in eurem Gesetz: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter"?
35 So er die Götter nennt, zu welchen das Wort geschah, und die Schrift kann doch nicht gebrochen werden,
36 sprecht ihr denn zu dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: "Du lästerst Gott", darum daß ich sage: Ich bin Gottes Sohn?"

(John 10:33-36)



Wir sind also nicht nur Deutschland und Papst, sondern auch Götter. Hurra!
Den Vers, den Jesus hier zitiert, stammt aus dem 82. Psalm. Dieser Psalm weckt gewisse Zweifel an der "Es gibt keinen Gott außer Gott"-Theorie...

"1 Ein Psalm Asaphs. Gott steht in der Gemeinde Gottes und ist Richter unter den Göttern. [...]
6 Ich habe wohl gesagt: "Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten";
7 aber ihr werdet sterben wie Menschen und wie ein Tyrann zugrunde gehen.
8 Gott, mache dich auf und richte den Erdboden; denn du bist Erbherr über alle Heiden!"

(Psalm 82:1,6-8)






FLY ON MY SWEET ANGEL

An zweiter Stelle von Gottes Top-10-Liste der grausamsten Ungerechtigkeiten steht das Anfertigen von Götzen. Dafür sucht Gott sogar noch die Urenkel des Delinquenten heim.

"4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist.
5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen"

(Exodus 20:4-5)




Wenig später hat er das aber anscheinend wieder vergessen und befiehlt Mose einen "Gnadenstuhl" zu bauen - eine Art extravaganter Deckel für die Bundeslade, in der die Steintafeln mit den 10 Geboten aufbewahrt werden sollen. Dieser Gnadenstuhl soll mit goldenen Engelsfiguren verziert werden...

"1 Und der HERR redete mit Mose und sprach: [...]
18 Und du sollst zwei Cherubim machen von getriebenem Golde zu beiden Enden des Gnadenstuhls,
19 daß ein Cherub sei an diesem Ende, der andere an dem andern Ende, und also zwei Cherubim seien an des Gnadenstuhls Enden.
20 Und die Cherubim sollen ihr Flügel ausbreiten von oben her, daß sie mit ihren Flügeln den Gnadenstuhl bedecken und eines jeglichen Antlitz gegen das des andern stehe; und ihre Antlitze sollen auf den Gnadenstuhl sehen."

(Exodus 25:1,18-20)


Falls ihr euch fragt, wie so ein Cherub aussieht - man darf ja keine Bilder von ihm machen... eigentlich:

"19 Und ein jeder Cherub hatte zwei Angesichter: auf einer Seite wie ein Menschenkopf, auf der andern Seite wie ein Löwenkopf."

(Hesekiel 41:19)



Das Bilderverbot ist für heutige Christen anscheinend nicht mehr bindend, wenn man sich die christliche Malerei der letzten Jahrhunderte mal so anschaut...
Auch wenn Engel entgegen der biblischen Beschreibung meistens nicht mit halbem Löwenkopf porträtiert werden, sondern als nackte Babys mit Flügeln. So wie der griechische Gott Eros übrigens schon seit vorchristlichen Zeiten dargestellt wird. Verständlich, denn so wie der Cherub beschrieben wird, sieht er ja gruselig wie Sau aus.
Warum diese Vorschrift aus den ja so immens wichtigen zehn Geboten nicht mehr gildet, weiß ich nicht.
Wahrscheinlich, weil sie dämlich ist.





EVERY DAY IS LIKE SUNDAY

"8 Gedenke des Sabbattags, daß Du ihn heiligest.
9 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle dein Dinge beschicken;
10 aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist.
11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn."

(Exodus 20:8-11)


Die zehn Gebote finden sich übrigens nicht nur im Buch Exodus (2. Buch Mose), sondern auch im Buch Deuteronomium (5. Buch Mose). Dort wird das Sabbatgebot allerdings mit dem Exodus begründet - anders als im Buch Exodus, wo es mit der Genesis begründet wird. Irgendwie verwirrend, oder?

"13 Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
14 Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Ochse noch dein Esel noch all dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist, auf daß dein Knecht und deine Magd ruhe wie du.
15 Denn du sollst gedenken, daß du auch Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort ausgeführt hat mit einer mächtigen Hand und mit ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, daß du den Sabbattag halten sollst."

(Deuteronomium 5:13-15)


Das Buch Levitikus (3. Buch Mose) gibt eine... na, sagen wir mal etwas simplere Begründung für die Einhaltung jeglicher Feiertage.

"3 Ein jeglicher fürchte seine Mutter und seinen Vater. Haltet meine Feiertage; denn ich bin der HERR, euer Gott."

(Levitikus 19:3)



Man könnte auf die abwegige Idee kommen, dass am Sonntag zu arbeiten nicht ganz so dramatisch sei, da es ein Verbrechen ohne Opfer ist. Der liebe Gott sieht das jedoch ganz und gar nicht so und befiehlt die Todesstrafe fürs Arbeiten am Sabbat (Exodus 31:15).
Aber wen interessiert schon, was Gott für absurdes Zeugs von sich gibt?! Offenbar nicht einmal alle der Bibel-Autoren...

"5 Einer hält einen Tag vor dem andern; der andere aber hält alle Tage gleich. Ein jeglicher sei in seiner Meinung gewiß.
6 Welcher auf die Tage hält, der tut's dem HERRN; und welcher nichts darauf hält, der tut's auch dem HERRN.

(Römer 14:5)


"8 Aber zu der Zeit, da ihr Gott nicht erkanntet, dientet ihr denen, die von Natur nicht Götter sind.
9 Nun ihr aber Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch denn wiederum zu den schwachen und dürftigen Satzungen, welchen ihr von neuem an dienen wollt?
10 Ihr haltet Tage und Monate und Feste und Jahre.
11 Ich fürchte für euch, daß ich vielleicht umsonst an euch gearbeitet habe."

(Galater 4:8-11)


"16 So lasset nun niemand euch Gewissen machen über Speise oder über Trank oder über bestimmte Feiertage oder Neumonde oder Sabbate"

(Kolosser 2:16)




WEM HASS GEBÜHRT

"12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, daß dir der HERR, dein Gott, gibt."

(Exodus 20:12)


Allerdings ist es gar nicht so einfach, jemanden zu ehren, den wir gleichzeitig auch noch hassen sollen...

"26 So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.

(Jesus C. in Lukas 14:26)




FASTER, PUSSYCAT! KILL! KILL!

"13 Du sollst nicht töten."

(Exodus 20:13)


Ganz so einfach ist es aber nicht. Da gibt es nämlich die ein oder andere Ausnahme...

"9 Wer seinem Vater oder seiner Mutter flucht, der soll des Todes sterben. Sein Blut sei auf ihm, daß er seinem Vater oder seiner Mutter geflucht hat.
10 Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat.
11 Wenn jemand bei seines Vaters Weibe schläft, daß er seines Vater Blöße aufgedeckt hat, die sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.
12 Wenn jemand bei seiner Schwiegertochter schläft, so sollen sie beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.
13 Wenn jemand beim Knaben schläft wie beim Weibe, die haben einen Greuel getan und sollen beide des Todes sterben; ihr Blut sei auf ihnen.
14 Wenn jemand ein Weib nimmt und ihre Mutter dazu, der hat einen Frevel verwirkt; man soll ihn mit Feuer verbrennen und sie beide auch, daß kein Frevel sei unter euch.
15 Wenn jemand beim Vieh liegt, der soll des Todes sterben, und das Vieh soll man erwürgen.
16 Wenn ein Weib sich irgend zu einem Vieh tut, daß sie mit ihm zu schaffen hat, die sollst du töten und das Vieh auch; des Todes sollen sie sterben; ihr Blut sei auf ihnen."

(Levitikus 20:9-16)


Und das waren gerade einmal sieben Verse...
Im Rest der Bibel finden sich noch viele weitere Anweisungen, wen man so alles steinigen oder verbrennen muss. Unter anderem alle Leute, die nicht an den HERRN glauben - also die Mehrheit der Menschheit.
Eigentlich wäre es einfacher und kürzer, dass Gebot andersherum zu formulieren: Du sollst alle töten - außer Leute, die sich immer an jede einzelne von Gottes abenteuerlichen Vorschriften halten.




IST DOCH KEIN EHEBRUCH!

"14 Du sollst nicht ehebrechen."

(Exodus 20:14)


Nicht ehebrechen? Schade eigentlich! Aber was ist denn genau Ehebruch? Gilt es als Ehebruch, wenn man sich scheiden lässt und neu heiratet? Jesus findet schon:

"11 Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seinem Weibe und freit eine andere, der bricht die Ehe an ihr;
12 und so sich ein Weib scheidet von ihrem Manne und freit einen anderen, die bricht ihre Ehe."

(Markus 10:11-12)


Im Buch Exodus erlaubt Gott die Scheidung allerdings und auch einer erneuten Hochzeit steht nichts im Wege, solange man nicht die gleiche Frau zweimal heiratet.
Hier wird uns also nicht geboten, dass die Ehe ewig halten soll. Wohl aber die Scheidung...

"1 Wenn jemand ein Weib nimmt und ehelicht sie, und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen, weil er etwas schändliches an ihr gefunden hat, so soll er einen Scheidebrief schreiben und ihr in die Hand geben und sie aus seinem Haus entlassen.
2 Wenn sie dann aus seinem Hause gegangen ist und hingeht und wird eines andern Weib,
3 und der andere ihr auch gram wird und einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause läßt, oder so der andere Mann stirbt, der sie zum Weibe genommen hatte:
4 so kann sie ihr erster Mann, der sie entließ, nicht wiederum nehmen, daß sie sein Weib sei, nachdem sie unrein ist, den solches ist ein Greuel vor dem HERRN, auf daß du nicht eine Sünde über das Land bringst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe gegeben hat."

(Exodus 24:1-4)


Ganz schon kompliziert, jetzt genau zu sagen, was genau "Ehebruch" sein soll. Aber nicht ganz unwichtig: Schließlich erwartet Ehebrecher - ihr ahnt es bestimmt - die Todesstrafe.

Hin und wieder hat Gott aber auch einen guten Tag. Dann vergisst er seine spießige Sexualmoral für ein Weilchen und erlaubt dem Menschen mal eine kleine Freude...

"2 Da der HERR anfing zu reden durch Hosea, sprach er zu ihm: Gehe hin und nimm ein Hurenweib und Hurenkinder; denn das Land läuft vom HERRN der Hurerei nach."

(Hosea 1:2)





I LOVE STEALING, I LOVE TAKING THINGS

"15 Du sollst nicht stehlen."

(Exodus 20:15)


Ausnahmen bestätigen die Regel.

"10 So raubet nun Silber! raubet Gold! denn hier ist der Schätze kein Ende und die Menge aller köstlichen Kleinode."

(Nahum 2:10)






LIAR LIAR PANTS ON FIRE

"16 Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten."

(Exodus 20:16)


Dieses Gebot wird meistens fälschlicherweise mit "Du sollst nicht lügen wiedergegeben". Doch eigentlich verbietet es nur eine gerichtliche Falschaussage. Dass man nicht lügen darf steht nicht in den zehn Geboten, ist in der Bibel allerdings an anderen Stellen zu finden.

"11 Ihr sollt nicht stehlen noch lügen noch fälschlich handeln einer mit dem andern.
12 Ihr sollt nicht falsch schwören bei meinem Namen und entheiligen den Namen deines Gottes; denn ich bin der HERR."

(Levitikus 19:11-12)


Allerdings ist die Bibel voll von Figuren, die lügen und dafür auch noch gelobt werden. Zum Beispiel Rahab aus Jericho, die ihre Mitbürger anlügt und Spione der Israeliten verbirgt.

"25 Desgleichen die Hure Rahab, ist sie nicht durch die Werke gerecht geworden, da sie die Boten aufnahm und ließ sie einen andern Weg hinaus?"

(Jakobus 2:25)


"2 Da ward dem König von Jericho gesagt: Siehe, es sind in dieser Nacht Männer hereingekommen von den Kindern Israel, das Land zu erkunden.
3 Da sandte der König zu Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus gekommen sind; denn sie sind gekommen, das ganze Land zu erkunden.
4 Aber das Weib verbarg die zwei Männer und sprach also: Es sind ja Männer zu mir hereingekommen; aber ich wußte nicht, woher sie waren.
5 Und da man die Tore wollte zuschließen, da es finster war, gingen sie hinaus, daß ich nicht weiß, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen eilend nach, denn ihr werdet sie ergreifen."

(Josua 2:2-5)


Lügen ist also Okay, wenn es um einen guten Zweck geht. Wie in diesem Fall, wo die Stadt Jericho ausgespäht werden muss, damit die Israeliten auf Gottes Befehl hin die Stadt angreifen und alle Bewohner ermorden können.
Mit einer Ausnahme: Die Hure Rahab wird wegen ihrer Heldentat verschont und auch noch gelobt. Und Huren werden in der Bibel wahrhaftig nicht allzu oft gelobt.

Auch die großen Helden der Bibel haben oft gelogen, ohne dass Gott sie dafür bestraft oder wenigstens gerügt hat. Der Stammvater Abraham verleugnet direkt zwei mal seine Frau und verkauft sie als seine Schwester - was nicht völlig gelogen ist, aber auch nicht wirklich ehrlich ist (mehr dazu hier).
Sein Enkel Jakob lügt seinen Vater auf dem Sterbebett an, um seinen Bruder um sein Erbe zu betrügen (mehr dazu hier).
Jakobs Söhne verkaufen ihren Bruder Joseph als Sklaven und erzählen ihrem Vater, er sei von einem wilden Tier gefressen worden. Als Joseph seine Brüder wiedersieht, ist er es, der sie anlügt (mehr dazu hier).

Und selbst zwei der vielleicht wichtigsten Charaktere der Bibel sind erwiesenermaßen Lügner: Jesus und Gott.
So meint Jesus:

"17 Die Zeichen aber, die da folgen werden denen, die da glauben, sind die: in meinem Namen werden sie Teufel austreiben, mit neuen Zungen reden.
18 Schlangen vertreiben; und so sie etwas Tödliches trinken, wird's ihnen nicht schaden; auf die Kranken werden sie die Hände legen, so wird es besser mit ihnen werden."

(Markus 16:18)


Das ist ja wohl eindeutig geschwindelt. Aber jeder Christ ist herzlich willkommen, etwas Tödliches zu trinken und mir das Gegenteil zu beweisen...

Der erste Lügner der Weltgeschichte ist übrigens Gott selbst:

"16 Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten;
17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben."

(Genesis 2:16-17)


"3 Und Adam war hundertunddreißig Jahre alt und zeugte einen Sohn, der seinem Bild ähnlich war und hieß ihn Seth
4 und lebte darnach achthundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter;
5 daß sein ganzes Alter ward neunhundertunddreißig Jahre, und starb."

(Genesis 5:3-5)


Wer einmal lügt...



THE DOGGONE GIRL IS MINE

"17 Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat."

(Exodus 20:17)


Dass der "Nächste" natürlich nur der Landsmann mit der selben Religion ist und dass man seine Feinde ausrauben darf, ist ja klar. Aber auch unter den Israeliten macht Gott auch schon mal eine Ausnahme zum diesem Gebot.

So erlaubt er es im Buch Richter, dass der Stamm der Benjamiter sich Frauen von einem anderen israelitischen Stamm klauen darf.

"20 Und sie geboten den Kindern Benjamin und sprachen: Gehet hin und lauert in den Weinbergen.
21 Wenn ihr dann seht, daß die Töchter Silos heraus mit Reigen zum Tanz gehen, so fahret hervor aus den Weinbergen und nehme ein jeglicher sich ein Weib von den Töchtern Silos und gehet hin ins Land Benjamin.
22 Wenn aber ihre Väter oder Brüder kommen, mit uns zu rechten, wollen wir zu ihnen sagen: Gönnt sie uns; denn wir hatten nicht für jeden ein Weib genommen im Streit. Auch habt nicht ihr sie ihnen gegeben; sonst wäret ihr jetzt schuldig.
23 Die Kinder Benjamin taten also und nahmen Weiber nach ihrer Zahl von den Reigen, die sie raubten, und zogen hin und wohnten in ihrem Erbteil und bauten die Städte und wohnten darin."

(Richter 21:20-23)





IN GOTTES NAMEN

Das einzige Gebot zu dem es kein Widerspruch, keine Ausnahme oder Relativierung gibt - und damit wohl das wichtigste von allen:

"7 Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht."

(Exodus 20:7)


Noch schlimmer als den Namen des HERRN zu missbrauchen oder sich über Jesus lustig zu machen, ist - aus mir schleierhaften Gründen - das Lästern über den heiligen Geist.
Wer das tut, dem wird Gott niemals vergeben ewiglich und der Schuft hat sich das Ticket zur Hölle schon gelöst.

"32 Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt."

(Matthäus 12:32)


"29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts."

(Markus 3:29)



Herrgottsakra! Der soll sich mal nicht so aufspielen, dieser beschissene heilige Geist!

Aber zum Glück gibt es im echten Leben ja keine Geister...
Und wenn doch, weiß ich, wen ich anrufen muss.

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WIDERSPRÜCHE IN DER BIBEL

Teil 4: "Jein"
>>Teil 5: "Du sollst nicht... Oder doch?"


DIE ZEHN GEBOTE

"Top Ten"

22. August 2010

DIE ECHTEN ZEHN GEBOTE (oder: Warum sich niemand daran hält)


So gut wie alle Menschen, einschließlich Christen, denken bei dem Stichwort "Die zehn Gebote" an Gesetze, die Gott Moses auf Steintafeln überreicht hat. Die wichtigsten Regeln, auf denen der Bund mit Gott basiert. Diese Gebote gibt es tatsächlich, es sind aber nicht die Gebote, die die meisten Menschen für DIE zehn Gebote halten.
Im Folgenden schauen wir uns die einzigen zehn Gebote an, die als "zehn" Gebote bezeichnet werden (Exodus 34:28), auf Steintafeln niedergeschrieben wurden und das Fundament des Bundes mit Gott sind.




Im Buch Exodus wird erzählt, wie Moses auf einem Berg von Gott höchstpersönlich zwei Steintafeln mit den berühmten zehn Geboten erhält. Eines dieser Gebote ist: "Du sollst nicht töten."
Doch während dies geschieht, basteln sich die Israeliten am Fuß des Berges eine goldene Götzenfigur. Moses kann Gott gerade noch davon abhalten, sämtliche Juden auf einen Schlag auszurotten und verspricht, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Als er den Götzen sieht, wird er so wütend, dass er die schönen Gesetzestafeln auf dem Boden zerschmettert. Danach zieht er mit Gleichgesinnten durch sein Lager und ermordet 3000 Menschen [mehr dazu in "TOP TEN? (oder: die 10 Gebote)"]

Daraufhin erhält Moses eine zweite Ausgabe der zehn Gebote, die nicht zu Bruch geht und daher nach der Logik der Bibel die Grundlage des Bundes zwischen Gott und seinem erwählten Volk ist. Doch diese zweite Version unterscheidet sich von der populäreren Variante.

Warum hält sich heute keiner mehr an die Gebote, die der HERR für sein heiliges Volk für die wichtigsten hielt? Die Antwort ist ziemlich offensichtlich, wenn man sich einmal die Gebote durchliest. Sie lautet: Weil sie dämlich sind.



PRÄAMBEL

"5
Da kam der HERR hernieder in einer Wolke und trat daselbst zu ihm und rief aus des HERRN Namen."

(Exodus 34:5)


Warum ruft er seinen eigenen Namen aus? Wer sollte denn sonst in einer Wolke erscheinen?..


"6
Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: HERR, HERR, GOTT, barmherzig und gnädig und geduldig und von großer Gnade und Treue!

7 der da bewahrt Gnade in tausend Glieder und vergibt Missetat, Übertretung und Sünde, und vor welchem niemand unschuldig ist; der die Missetat der Väter heimsucht auf Kinder und Kindeskinder bis ins dritte und vierte Glied."

(Exodus 34:6-7)


Was denn nun? Ist er barmherzig und gnädig oder ist er ein so nachtragendes Arschloch, dass er noch deine Kinder, Kindeskinder und deren Kinder für deine Verbrechen bestraft?


"8
Und Mose neigte sich eilend zu der Erde und betete an

9 und sprach: Habe ich, HERR, Gnade vor deinen Augen gefunden, so gehe der HERR mit uns; denn es ist ein halstarriges Volk, daß du unsrer Missetat und Sünde gnädig seist und lassest uns dein Erbe sein.
10 Und er sprach: Siehe, ich will einen Bund machen vor allem deinem Volk und will Wunder tun, dergleichen nicht geschaffen sind in allen Landen und unter allen Völkern, und alles Volk, darunter du bist, soll sehen des HERRN Werk; denn wunderbar soll sein, was ich bei dir tun werde.
11 Halte, was ich dir heute gebiete. Siehe, ich will vor dir her ausstoßen die Amoriter, Kanaaniter, Hethiter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter."

(Exodus 34:8-11)


Jetzt fangen sie an, die echten zehn Gebote, von denen ich persönlich übrigens fast keines befolge. Und ihr?



ERSTES GEBOT

"12 Hüte dich, daß du nicht einen Bund machest mit den Einwohnern des Landes, da du hineinkommst, daß sie dir nicht ein Fallstrick unter dir werden;
13
sondern ihre Altäre sollst du umstürzen und ihre Götzen zerbrechen und ihre Haine ausrotten; 

14 denn du sollst keinen andern Gott anbeten. Denn der HERR heißt ein Eiferer; ein eifriger Gott ist er.
15 Daß du nicht einen Bund mit des Landes Einwohnern machest, und wenn sie ihren Göttern nachlaufen und opfern ihren Göttern, sie dich nicht laden und du von ihrem Opfer essest,
16
und daß du nehmest deinen Söhnen ihre Töchter zu Weibern und dieselben dann ihren Göttern nachlaufen und machen deine Söhne auch ihren Göttern nachlaufen."

(Exodus 34:12-16)


Das erste Gebot ähnelt dem ersten Gebot der berühmteren zehn Gebote, außer dass es noch die Aufforderung zur Sachbeschädigung enthält.
Wenn Mangel an Jebusitern und Kanaanitern besteht, ist Gott zur Not sicherlich auch damit zufrieden, wenn ihr eine Moschee abfackelt und ein paar Buddhas-Statuen kaputt macht. Schließlich ist Gott nicht nur ständig eifersüchtig, er heißt auch so. Hier eine moderne und klarere Übersetzung von Vers 14:

"14 Du darfst dich vor keinem anderen Gott niederwerfen, denn Jahwe ist ein eifersüchtiger Gott und heißt auch 'der Eifersüchtige'!"

(Exodus 34:14 - Neue Evangelische Übersetzung)




ZWEITES GEBOT

"
17 Du sollst dir keine gegossenen Götter machen."

(Exodus 34:17)


Was hat der Eifersüchtige denn gegen gegossene Götter? Muss er diese Konkurrenz wirklich fürchten? Anscheinend ja, sonst gäbe es solch ein Gebot wohl nicht.
Aber gegossene Götter tun zumindest niemandem etwas und es ist ihnen egal, wie viele Götter man nebenher noch so anbetet. Und wenn doch, kann man sie ja einfach wieder einschmelzen und sich einen neuen Gott machen.
Den Willen des HERRN kann man nicht so einfach ändern, da er ja schwarz auf weiß in der Bibel niedergeschrieben ist. Allerdings kann man ihn ignorieren, genau wie es fast jeder Christ mit allen nachfolgenden Geboten tut.




DRITTES GEBOT

"18
Das Fest der ungesäuerten Brote sollst du halten. Sieben Tage sollst du ungesäuertes Brot essen, wie ich dir geboten habe, um die Zeit des Monats Abib; denn im Monat Abib bist du aus Ägypten gezogen."

(Exodus 34:18)


Gottes Prioritäten sind schon etwas komisch. Das Mordverbot hat es nicht mehr auf die Gesetzestafeln 2.0 geschafft, ebenso wenig wie die Gebote, seine Eltern zu ehren, nicht zu stehlen und nicht zu lügen - das mit dem Fest der ungesäuerten Brote hingegen schon. Ist wohl wichtiger.



VIERTES GEBOT

"19 Alles, was die Mutter bricht, ist mein; was männlich sein wird in deinem Vieh, das seine Mutter bricht, es sei Ochse oder Schaf.
20 Aber den Erstling des Esels sollst du mit einem Schaf lösen. Wo du es aber nicht lösest, so brich ihm das Genick. Alle Erstgeburt unter deinen Söhnen sollst du lösen. Und daß niemand vor mir leer erscheine!"

(Exodus 34:19-20)


Christen versuchen einem in der Regel weiszumachen, dass sie die Opfervorschriften des alten Testaments nicht einhalten müssen - mit der Begründung, Jesus sei das ultimative Opfer gewesen, das alle weiteren Tieropfer unnötig gemacht hat.

Zwei Dinge sprechen dagegen: Das alte und das neue Testament. Im neuen Testament besteht Jesus darauf, dass nicht ein einziges Wort von Moses Gesetzen geändert werden dürfe (zumindest nicht, bevor Himmel und Erde vergehen).
Im Buch Hezekiel wird sehr detailliert über eine Vision von dem dritten Tempel Jerusalems berichtet. Der erste wurde von den Babyloniern vernichtet, der zweite von den Römern. Das war allerdings erst 70 n. Chr, also nach dem ultimativen Opfer. Bisher ist der dritte Tempel aus dem Buch Hezekiel noch nicht gebaut worden. In Kapitel 43 gibt Gott detaillierte Anweisungen für Tieropfer, die in diesem (nach Jesu Tod erbauten) Tempel durchzuführen sind.
Aber selbst wenn man der Meinung ist, keine Tiere mehr opfern zu müssen, würde sich Gott bestimmt darüber freuen. Den Duft von einem Brandopfer findet Gott nämlich "lieblich" (Genesis 8:21) und da er ein vollkommenes Wesen ist, ändert er seinen Geschmack ja nicht. Also wenn ihr eurem Gott mal eine Freude machen wollt, ermordet eines seiner Geschöpfe für ihn!



FÜNFTES GEBOT

"21 Sechs Tage sollst du arbeiten; am siebenten Tage sollst du feiern, mit Pflügen und mit Ernten."

(Exodus 34:21)


Die allerwenigsten Menschen arbeiten sechs Tage, wie sie es sollen. Leute, die sonntags arbeiten, werden in unserer Gesellschaft nicht als Sünder angesehen und ermordet (wie es in Exodus 31:15 von Gott persönlich gefordert wird), sondern meistens sogar noch besser bezahlt als an anderen Tagen.
Welch' deutlicheres Zeichen als dieses für eine unmoralische, verkommene Gesellschaft könnte es geben?..
Hey, nicht darüber nachdenken, das war doch eine rhetorische Frage, keins natürlich...
Nein, stimmt nicht! Das ist sehr wohl wichtig!



SECHTES GEBOT

"22
Das Fest der Wochen sollst du halten mit den Erstlingen der Weizenernte, und das Fest der Einsammlung, wenn das Jahr um ist."

(Exodus 34:22)


Diese verdammten, gottlosen Sünder, die das Fest der Wochen nicht einhalten! Wie kann man nur! Das man das auch noch explizit erwähnen muss, beweist doch, dass der Mensch nur böse im Dichten und Trachten seines Herzens ist immerdar!



SIEBTES GEBOT

"23
Dreimal im Jahr soll alles, was männlich ist, erscheinen vor dem Herrscher, dem HERRN und Gott Israels.
24 Wenn ich die Heiden vor dir ausstoßen und deine Grenze erweitern werde, soll niemand deines Landes begehren, die weil du hinaufgehst dreimal im Jahr, zu erscheinen vor dem HERRN, deinem Gott."


(Exodus 23:24)


Denkt euch einen passenden sarkastischen Spruch. Die Gebote sind sowas von absurd, was soll man dazu noch sagen...



ACHTES GEBOT

"25
Du sollst das Blut meines Opfers nicht opfern neben gesäuertem Brot, und das Opfer des Osterfestes soll nicht über Nacht bleiben bis an den Morgen."

(Exodus 34:25)

Warum denn eigentlich nicht?
Ne, war nur Spaß, das Gebot ist so elementar für unsere Moralvorstellungen, das es keiner Erklärung bedarf. Aber ich sag's nicht, nicht weil ich es nicht weiß, sondern um euch zu testen, klar...



NEUNTES GEBOT

"26
Die Erstlinge von den Früchten deines Ackers sollst du in das Haus des HERRN, deines Gottes, bringen."

(Exodus 34:26a)

Dieser Gott weiß auch nicht, was er will. Plötzlich will er Früchte, wo doch zuvor in der Bibel berichtet wird, wie Gottes Abneigung gegen Früchte-Opfer den ersten Mord der Geschichte verursacht...

3 Es begab sich nach etlicher Zeit, daß Kain dem HERRN Opfer brachte von den Früchten des Feldes;
4 und Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Und der HERR sah gnädig an Abel und sein Opfer;
5 aber Kain und sein Opfer sah er nicht gnädig an."

(Genesis 4:1-5a)




ZEHNTES GEBOT

"Du sollst das Böcklein nicht kochen in seiner Mutter Milch.

27Und der HERR sprach zu Mose: Schreib diese Worte: denn nach diesen Worten habe ich mit dir und mit Israel einen Bund gemacht.
27 Und er war allda bei dem HERRN vierzig Tage und vierzig Nächte und aß kein Brot und trank kein Wasser. Und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die Zehn Worte."

(Exodus 34b-27)




Die zehn Gebote... so aktuell und zeitlos... Grundlage unserer Gemeinschaft... Das ist wichtig zu wissen, denn wenn man es nicht weiß, könnte man denken, diese Gesetze seien nur in einem ganz spezifischen historischen und kulturellen Kontext sinnvoll. Und das wäre ja schrecklich!

Viele Christen weisen auf die zehn Gebote (die bekanntere Version) und behaupten, unsere Moralvorstellungen würde auf diesen Geboten beruhen. Doch nur drei dieser Gebote (Verbot von Mord, Diebstahl und Falschaussage) sind Bestandteil unser modernen Rechts. Und diese Gesetze gab es schon Jahrhunderte vor der Entstehung der Bibel, auch in niedergeschriebener Form, wie z.B. im sumerischen"Codex Ur-Nammu". Doch in der alternativen Version in Exodus 34 fehlen alle drei dieser Gebote. Diese Gesetze waren in den Augen der Bibelautoren also offensichtlich nicht so wichtig, als dass man auf eine alternative Version der Gebote in der heiligen Schrift hätte verzichten wollen. Obwohl man dadurch gleichzeitig einen Widerspruch im Text beseitigt hätte und deutlich machen könnte, dass z.B. das Mordverbot definitiv zu den wichtigsten Gesetzen zählt.
Doch dem ist nicht so. Eindeutig die wichtigsten Gebote sind diejenigen, die in beiden Versionen enthalten sind: Das Verbot der Religionsfreiheit - keine Götter außer dem Eifersüchtigen - und das Verbot der freien Religionsausübung: Jeder muss am Sonntag den HERRN anbeten und niemand darf gegossene Götter anbeten, auch wenn es noch so viel Spaß macht.


So, jetzt gieß ich mir einen Gott und arbeite am Sonntag! Ich bin halt ein ruchloser Outlaw.
Jemand, der einfach so ohne Skrupel das Fest der ungesäuerten Brote missachtet...
Beschwert euch doch bei eurem nächsten Termin mit dem Gott Israels! Harharhahrhar!!! [Man stelle hier ein klassisches Bösewichts-Gelächter vor.]







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DIE ZEHN GEBOTE

"Top Ten"

8. März 2010

TOP TEN? (oder: Die 10 Gebote)


Die zehn Gebote gehören zum Bekanntesten, was die christliche und hebräische Bibel (der "Tanach") zu bieten haben. Sie werden oft zitiert, um vermeintlich zeitlose, göttliche Werte in der Heiligen Schrift zu beweisen.
Schauen wir uns doch mal an, was uns da so geboten wird.





An zwei Stellen in der so genannten Torah, den fünf Büchern Mose, werden diese zehn Gebote genannt. Allerdings sind sie nicht nummeriert. Welches jetzt zum Beispiel das "1. Gebot" ist, unterscheidet sich, ob man Jude, Katholik, Protestant oder orthodox ist (Hier ein Überblick).
Macht aber nichts: Der Text ist immer derselbe.

Es folgt die kommentierte Version der zehn Gebote aus dem 2. Buch Mose, farbig markiert.


DEIN GOTT!

"1 Und Gott redete alle diese Worte:
2 Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe.
3 Du sollst keine anderen Götter neben mir haben."


(Exodus 20:1-3)



Man soll also keine anderen Götter außer den HERRN anbeten. Und man hat ebenfalls die heilige Pflicht, alle die das doch tun, zu Tode zu steinigen:

"2 Wenn unter dir in der Tore einem, die dir der HERR, geben wird, jemand gefunden wird, Mann oder Weib, der da übel tut vor den Augen des HERRN, deines Gottes, daß er seinen Bund übertritt
3 und hingeht und dient andern Göttern und betet sie an, es sei Sonne oder Mond oder allerlei Heer des Himmels, was ich nicht geboten habe, 
4 und es wird dir angesagt, und du hörst es, so sollst du wohl darnach fragen. Und wenn du findest, das es gewiß wahr ist, daß solcher Greuel in Israel geschehen ist,
5
so sollst du den Mann oder das Weib ausführen, die solches Übel getan haben, zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen."


(Deuteronomium 17:2-5)



IN HIS OWN IMAGE

"4 Du sollst dir kein Bildnis noch irgend ein Gleichnis machen, weder des, das oben im Himmel, noch des, das unten auf Erden, oder des, das im Wasser unter der Erde ist.
"

(Exodus 20:4)


Die Erschaffung Adams: Deckengemälde in der Sixtinischen Kappelle, der offiziellen Residenz des Papstes.


Oft wird von Christen, die nicht selten vehement die vermeintliche Aktualität und Wichtigkeit der zehn Gebote betonen, ausschließlich -wenn überhaupt- der "oben im Himmel"-Teil zur Kenntnis genommen und kein Bildnis vom HERRN gemacht. (Michelangelo hatte wahrscheinlich eine Sondergenehmigung.)
Doch wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass Bilder generell verboten sind.
Doch das Gebot geht noch weiter. Folgende Verse werden bei der Aufzählung der zehn Gebote meist einfach weggelassen. Dabei sind sie gar nicht so unwichtig.

"5 Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifriger Gott, der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied, die mich hassen;
6 und tue Barmherzigkeit an vielen Tausenden, die mich liebhaben und meine Gebote halten."

(Exodus 20:5-6)



Wenn man sich an die Gebote hält und kein Bildnis von irgendwas macht, hat man kein Problem. Wenn nicht, wird man vom ach so liebenden Gott "heimgesucht" und er bestraft deine Kinder, Kindeskinder und deren Kinder dafür.
Also bitte, Leute, seid keine so bösen Menschen, die bildermachende Großväter haben!



NO NAME

"7
Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht."

(Exodus 20:7)


Was ist wohl die Strafe dafür, den Namen des HERRN zu lästern? Eine geringfügige Geldstrafe, die sozialen Zwecken zugute kommt? Oder muss man einen dreiseitigen Aufsatz schreiben, warum man Gottes Namen nicht missbrauchen soll?..
Sicherlich ist das nicht so schlimm, als dass man dafür sterben.. Doch?

"16 Welcher des HERRN Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen."

(Exodus 24:16)



Während der alttestamentarische HERR die Menschen für alle ihre Missetaten einfach tötet, kommt mit Christus und dem neuen Testament eine ganz neue Ära der Bestrafung: Ewige Verdammnis.

"29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung ewiglich, sondern ist schuldig des ewigen Gerichts. "

(Markus 3:29)


"32 Und wer etwas redet wider des Menschen Sohn, dem wird es vergeben; aber wer etwas redet wider den Heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben, weder in dieser noch in jener Welt."

(Matthäus 12:32)




IMMER WIEDER SONNTAGS

"8 Gedenke des Sabbattags, daß Du ihn heiligest.
9
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle dein Dinge beschicken;
10 aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist.
11 Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.
"

(Exodus 20:8)



Interessant an dieser Stelle ist, dass uns geboten wird, 6 Tage in der Woche zu arbeiten. Samstags nicht zu arbeiten ist also genauso eine Übertretung der Gebote wie wenn man sonntags arbeitet. Oder seine Sklaven, Tiere und Kinder an diesem Tag arbeiten lässt.
Und wenn man das Gebot missachtet?..
Ihr ahnt es sicherlich bereits:

"12 Und der HERR redete mit Mose und sprach: [...]
15 Wer eine Arbeit tut am Sabbattag, der soll des Todes sterben."

(Exodus 31:12,15)

"32 Als nun die Kinder Israel in der Wüste waren, fanden sie einen Mann Holz lesen am Sabbattage.
33 Und die ihn darob gefunden hatten, da er das Holz las, brachten sie ihn zu Mose und Aaron und vor die ganze Gemeinde.
34
Und sie legten ihn gefangen; denn es war nicht klar ausgedrückt, was man mit ihm tun sollte. 
35
Der HERR aber sprach zu Mose: Der Mann soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen draußen vor dem Lager."

(Numeri 15:32-35)




EINE FRAGE DER EHRE

"12 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, daß dir der HERR, dein Gott, gibt."

(Exodus 20:12)



Denn sonst... (Ja, ja, wird langsam öde, aber ich habs mir ja nicht ausgedacht)

"17 Wer Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben." (Exodus 21:17)



Dazu eine nette kleine Geschichte aus dem Matthäus-Evangelium (Kapitel 15):
Die Pharisäer kommen zu Jesus und beschweren sich, dass er und seine Jünger sich nicht die Hände vor dem Essen waschen. Jesus wird stinkesauer und bezeichnet die Pharisäer als Heuchler.
Sein Argument: Er wäscht sich vielleicht nicht die Hände, die Pharisäer steinigen aber keine Menschen, die ihre Eltern beleidigt haben - was ja viel schlimmer ist...
Um seine Position zu verteidigen zitiert er eifrig aus dem alten Testament, erzählt Gleichnisse, die er dann auch noch deutet (was die Gleichnisse so ziemlich überflüssig macht) und kommt dann zu dem Schluss:

"20 Aber mit ungewaschenen Händen essen verunreinigt den Menschen nicht." (Matthäus 15:20)


Nicht? Na, wenn Jesus das sagt...

Nochmal die Moral der Geschicht, ein schönes Zitat Jesu Christi, damit wir es auch nicht vergessen:

"3 Warum übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Aufsätze willen?
4 Gott hat geboten: "Du sollst Vater und Mutter ehren; wer Vater und Mutter flucht, der soll des Todes sterben."

(Matthäus 20:3-4)

So einfach ist das!
PS: Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Denn Jesus sagt auch:


"26 So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein."

(Lukas 14:26)



ACH SO...

"13 Du sollst nicht töten." (Exodus 20:13)

Nee, klar...



HOT MOMMA

"14 Du sollst nicht ehebrechen." (Exodus 20:14)


Nicht überraschend:

"10 Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat."

(Levitikus 20:10)


Wenn man allerdings mit seiner Schwiegermutter Sex hat, liegen die Dinge ein wenig anders. Dann ist die Strafe ausnahmsweise mal keine Steinigung.

"14 Wenn jemand ein Weib nimmt und ihre Mutter dazu, der hat einen Frevel verwirkt; man soll ihn mit Feuer verbrennen und sie beide auch, daß kein Frevel sei unter euch. "

(Levitikus 20:14)


Es werden also Ehebrecher, Ehebrecherin (die Schwiegermutter) und auch die betrogene Ehefrau verbrannt - weil sie so eine (Vorsicht, Wortspiel) heiße Mutter hat.



HERRENBEDARF

"15 Du sollst nicht stehlen." (Exodus 20:15)



Außer natürlich, der HERR befiehlt es...

"15 Und Gott sprach weiter zu Mose: [...]
21 Und ich will diesem Volk Gnade geben vor den Ägyptern, daß, wenn ihr auszieht, ihr nicht leer auszieht;
22 sondern ein jeglich Weib soll von ihrer Nachbarin und Hausgenossin fordern silberne und goldene Gefäße und Kleider; die sollt ihr auf eure Söhne und Töchter legen und von den Ägyptern zur Beute nehmen."

(Exodus 3:15,21-22)

"1 Da sie nun nahe an Jerusalem kamen, gen Bethphage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei
2 und sprach zu ihnen: Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ihr Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir!
3
Und so euch jemand etwas wird sagen, so sprecht: Der HERR bedarf ihrer; sobald wird er sie euch lassen."


(Matthäus 21:1-3)




ZEUGNISPROBLEME

"16 Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." (Exodus 20:16)



Es sei denn, man hat einen guten Grund dafür, zum Beispiel wenn einem Gott einen falschen Geist in den Mund gibt oder ihnen kräftige Irrtümer sendet.

"23 Nun siehe, der HERR hat einen falschen Geist gegeben in aller dieser deiner Propheten Mund"

(1. Könige 22:23)

"11 Darum wird ihnen Gott kräftige Irrtümer senden, daß sie glauben der Lüge,
12 auf daß gerichtet werden alle, die der Wahrheit nicht glauben, sondern haben Lust an der Ungerechtigkeit."

(2 Thessalonicher 2:11-12)


Es ist ja nicht so, alles könne das jeder einfach so behaupten...

Oft wird das Gebot mit "Du sollst nicht lügen" wiedergegeben. Doch das ist nicht das, was in der Bibel steht. Ein falsches Zeugnis gegen jemanden ablegen, bedeutet, einen Unschuldigen eines Verbrechens zu beschuldigen. Nach dem Gerichtssystem dieser Zeit galt dieser dann als schuldig, bis er seine Unschuld beweisen konnte - wenn er konnte...
Die moderne Entsprechung des Gebots ist also nicht, dass man nicht lügen soll, sondern dass man nicht zur Polizei gehen, einen Unschuldigen eines Verbrechens beschuldigen und falsche Beweise bei ihm verstecken soll. Gut, dass wir die Bibel haben. Darauf wäre sonst sicher niemand anderes gekommen, dass es unmoralisch ist, jemand für etwas zu bestrafen zu lassen, dass er nicht getan hat. Gott sei Dank!
(Außer natürlich sein Vater oder Großvater hat es getan, in diesem Fall ist es natürlich aus irgendwelchen Gründen okay.)



TIPPS & TRICKS

"17 Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. Laß dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat."


(Exodus 20:17)



Ja, ja, die zehn Gebote sind wahrlich zeitlos! Wieviele Probleme unserer Gesellschaft wären gelöst, wenn wir nicht ständig die Ochsen und Esel unserer Mitmenschen begehren würden!
Oder ständig danach streben wollten, bessere Sklaven zu kriegen, wie unserer Nachbar sie besitzt!
Oder die anderen Besitztümer, zum Beispiel dessen Frau!

Für den Fall, dass man eine verheiratete Frau begehrt, bietet die Bibel praktische und lebensnahe Tipps. So empfiehlt Jesus in seiner Bergpredigt:

"28 Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.

29 Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
30 Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, daß eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde."

(Matthäus 5:28-30)


Man sollte die Anweisungen besser befolgen, denn wenn man die Ehe bricht - sei im Herzen oder in der Hose -, hat das unangenehme Konsequenzen. Nämlich eine öffentliche Hinrichtung. Wir erinnern uns:

"10 Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat."

(Levitikus 20:10)


Ach, und hatte ich schon erwähnt, dass man nicht töten soll?..



GODBYE

"18 Und alles Volk sah den Donner und Blitz und den Ton der Posaune und den Berg rauchen. Da sie aber solches sahen, flohen sie und traten von ferne
19
und sprachen zu Mose: Rede du mit uns, wir wollen gehorchen; und laß Gott nicht mit uns reden, wir möchten sonst sterben.
20 Mose aber sprach zum Volk: Fürchtet euch nicht; denn Gott ist gekommen, daß er euch versuchte und daß seine Furcht euch vor Augen wäre, daß ihr nicht sündigt.
21 Also trat das Volk von ferne; aber Mose machte sich hinzu in das Dunkel, darin Gott war."

(Exodus 20:18.21)



Dass die Leute lieber sterben wollen als nochmal mit Gott zu reden ist verständlich. Doch was hat es mit der Posaune auf sich?
(Warum spielt Gott Posaune? Warum kann man den Ton der Posaune sehen? Und wo kriegen die Leute in der Wüste ihre Drogen her?)

Der Zweck der Posaune wird klarer, wenn wir die Vorgeschichte betrachten. Gott, wohlerzogen wie er ist, kündigt seinen Besuch zuvor an. In Kapitel 19 des Buches Exodus nimmt Moses auf einem Berg Anweisungen vom HERRN entgegen.

"9 Und der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich will zu dir kommen in einer dicken Wolke, auf daß dies Volk es höre, wenn ich mit dir rede, und glaube dir ewiglich [...]
Gehe hin zum Volk und heilige sie heute und morgen, daß sie ihre Kleider waschen
11 und bereit seien auf den dritten Tag; denn am dritten Tage wird der HERR herabfahren auf den Berg Sinai."

(Exodus 19:9,10b-11)


Gott hat nicht irgendeinen Ort gewählt, um dort herabzufahren. Er mag den Berg Sinai wohl sehr. So sehr, dass er alle töten will, die den Berg auch nur anfassen.

"12 Und mache dem Volk ein Gehege umher und sprich zu ihnen: Hütet euch, daß ihr nicht auf den Berg steiget noch sein Ende anrührt; denn wer den Berg anrührt, soll des Todes sterben.
13 Keine Hand soll ihn anrühren, sondern er soll gesteinigt oder mit Geschoß erschossen werden; es sei ein Tier oder ein Mensch, so soll er nicht leben.
Wenn es aber lange tönen wird, dann sollen sie an den Berg gehen."

(Exodus 19:12-13)


Der HERR hatte nun angekündigt, in drei Tagen auf einer Wolke zu erscheinen, begleitet von einem langen Ton. Als drei Tage später genau das passiert, sind die Leute dennoch total überrascht.
Anscheinend hatten sie vergessen, dass Gott sie besuchen wollte. Man kann sich ja nicht alles merken.

"16 Als nun der dritte Tag kam und es Morgen war, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dicke Wolke auf dem Berge und ein Ton einer sehr starken Posaune; das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak.
"

(Exodus 19:16)





IT'S GETTING BETTER ALL THE TIME

Gott verkündigt also dem Volk die zehn Gebote und geht dann. Moses folgt ihm auf den Berggipfel, wo der HERR weitere Gebote erlässt. Mehr als 100 Verse, übrigens.
Hier einige Highlights:

"28 Wenn ein Ochse einen Mann oder ein Weib stößt, daß sie sterben, so soll man den Ochsen steinigen"

(Exodus 21:28)

"8 Wo einer den andern beschuldigt um irgend ein Unrecht, es sei um Ochsen oder Esel oder Schaf oder Kleider oder allerlei, das verloren ist, so soll beider Sache vor die "Götter" kommen.
Welchen die "Götter" verdammen, der soll's zwiefältig seinem Nächsten wiedergeben."

 (Exodus 22:8)


"15 Wenn jemand eine Jungfrau beredet, die noch nicht verlobt ist, und bei ihr schläft, der soll ihr geben ihre Morgengabe und sie zum Weibe haben.
16 Weigert sich aber ihr Vater, sie ihm zu geben, soll er Geld darwägen, wieviel einer Jungfrau zur Morgengabe gebührt."

(Exodus 22:15-16)

"17
Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen." (Exodus 22:17)

"28 Deiner Frucht Fülle und Saft sollst du nicht zurückhalten. Deinen ersten Sohn sollst du mir geben."

(Exodus 22:28)


"21 Ihr sollt keine Witwen und Waisen bedrängen.
22 Wirst du sie bedrängen, so werden sie zu mir schreien, und ich werde ihr Schreien erhören;
23 so wird mein Zorn ergrimmen, daß ich euch mit dem Schwert töte und eure Weiber Witwen und eure Kinder Waisen werden."

(Exodus 22:21-23)



Das nächste Gebot ist gut zu wissen, wenn man z.B. auf eine Geburtstagsfeier eines Christen eingeladen ist. Man will ja nicht ihre heiligen Gesetze missachten...

"8 Du sollst nicht Geschenke nehmen; denn Geschenke machen die Sehenden blind und verkehren die Sachen der Gerechten."

(Exodus 23:8)

"32 Du sollst mit ihnen oder mit ihren Göttern keinen Bund machen" (Exodus 23:32)


"28 Ich will Hornissen vor dir her senden, die vor dir her ausjagen die Heviter, Kanaaniter und Hethiter."

(Exodus 23:28)




ALLES WIRD BLUT

Die ganzen Gesetze und Verordnungen kann sich natürlich kein Schwein merken, deshalb macht Moses brav Notizen.
Danach besiedelt er den Bund standesgemäß, wie es Gott gefällt: Mit Blut. Es gibt kaum jemanden, der kein Vampir ist, der so auf Blut steht wie der HERR.

"4 Da schrieb Mose alle Worte des HERRN und machte sich des Morgens früh auf und baute einen Altar unten am Berge mit zwölf Säulen nach den zwölf Stämmen Israels,
5 und sandte hin Jünglinge aus den Kindern Israel, daß sie Brandopfer darauf opferten und Dankopfer dem HERRN von Farren.
6 Und Mose nahm die Hälfte des Blutes und tat's in ein Becken, die andere Hälfte sprengte er auf den Altar.
7
Und nahm das Buch des Bundes und las es vor den Ohren des Volkes. Und da sie sprachen: Alles, was der HERR gesagt hat, das wollen wir tun und gehorchen,
8 da nahm Mose das Blut und besprengte das Volk damit und sprach: Sehet, das ist das Blut des Bundes, den der HERR mit euch macht über allen diesen Worten."

(Exodus 24:4-8)



So, fertig. Sollte man denken...

Aber Gott ruft Moses gleich wieder auf den Berg und diktiert ihm weitere Gesetze (sieben Kapitel lang).

"12 Und der HERR sprach zu Mose: Komm herauf zu mir auf den Berg und bleib daselbst, daß ich dir gebe steinerne Tafeln und Gesetze und Gebote, die ich geschrieben habe, die du sie lehren sollst.  [...]
18 Und Mose ging mitten in die Wolke und stieg auf den Berg und blieb auf dem Berg vierzig Tage und vierzig Nächte."

(Exodus 24:12,18)




DER KLEINE FINGER GOTTES

Der arme HERR hat meistens keinen zum Reden und daher viel zu erzählen. Als er seinen Redeschwall endlich beendet, schreibt er Moses alles (243 Verse!) persönlich mit dem Finger auf zwei Steintafeln.
Er hat wohl recht kleine Finger...

"18 Und da der HERR ausgeredet hatte mit Mose auf dem Berge Sinai, gab er ihm zwei Tafeln des Zeugnisses; die waren beschrieben mit dem Finger Gottes
."

(Exodus 31:18)


Während Moses auf dem Berg gerade die Steintafeln entgegen nimmt, kommt sein Bruder Aaron auf eine wunderbare Idee: Lasst uns doch Götzen anbeten!
Er weist die Israeliten an, all ihre goldenen Ohrringe herbeizuschaffen, um daraus eine goldene Statue zu machen.

"2 Aaron sprach zu ihnen: Reißt ab die goldenen Ohrenringe an den Ohren eurer Weiber, eurer Söhne und eurer Töchter und bringet sie zu mir.
3 Da riß alles Volk seine goldenen Ohrenringe von ihren Ohren, und brachten sie zu Aaron.
4 Und er nahm sie von ihren Händen und entwarf's mit einem Griffel und machte ein gegossenes Kalb. Und sie sprachen: Das sind deine Götter, Israel, die dich aus Ägyptenland geführt haben!"


(Exodus 32:2-4)




Gott sieht das vom Berg aus und wird mal wieder fuchsteufelswild und droht, das ganze, auserwählte Volk zu ermorden.
Man könnte denken, er sei selbst schuld, in seiner Allwissenheit hätte er das ja eventuell vorausahnen können. Aber sagt ihm das besser nicht ins Gesicht....

"9 Und der HERR sprach zu Mose: Ich sehe, daß es ein halsstarriges Volk ist.
10 Und nun laß mich, daß mein Zorn über sie ergrimme und sie vertilge;"

(Exodus 32:9-10)


Moses kann Gott jedoch von dem Vorhaben abbringen. Mit welchem Argument schafft er das? Erinnert er Gott, dass Mord immer und aus Prinzip unmoralisch ist, weshalb Gott es in seine Gebote aufgenommen hat? Viel besser: Er spricht Gottes Eitelkeit an und warnt ihn, dass eine solche Tat eine schlechte Presse bringt.

"11 Mose aber flehte vor dem HERRN, seinem Gott, und sprach: Ach HERR, warum will dein Zorn ergrimmen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand hast aus Ägyptenland geführt?
12 Warum sollen die Ägypter sagen und sprechen: Er hat sie zu ihrem Unglück ausgeführt, daß er sie erwürgte im Gebirge und vertilgte vom Erdboden? Kehre dich von dem Grimm deines Zornes und laß dich gereuen des Übels über dein Volk [...]14 Also gereute den HERRN das Übel, das er drohte seinem Volk zu tun" 

(Exodus 32:14)



HOLY OF HOLIES

"15 Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand, die waren beschrieben auf beiden Seiten.
16 Und Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben."

(Exodus 32:15-16)



Moses kommt also vom Berg mit dem größten Heiligtum, dass die Israeliten jemals besaßen: Gesetzestafeln persönlich von Gott gemacht. Sei achtsam, Moses, so ein Heiligtum sollte mit der größtmöglichsten Vorsicht und äußersten Respekt behandelt werden. Solch einen unvorstellbar kostbaren Schatz muss man hüten wie... Hey!

"19 Als er aber nahe zum Lager kam und das Kalb und den Reigen sah, ergrimmte er mit Zorn und warf die Tafeln aus seiner Hand und zerbrach sie unten am Berge


(Exodus 32:19)





DU SOLLST NICHT TÖTEN

"20 und nahm das Kalb, das sie gemacht hatten, und zerschmelzte es mit Feuer und zermalmte es zu Pulver und stäubte es aufs Wasser und gab's den Kindern Israel zu trinken
21 und sprach zu Aaron: Was hat dir das Volk getan, daß du eine so große Sünde über sie gebracht hast?"

(Exodus 32:20-21)


Aaron hat eine super Ausrede:

"22 Aaron sprach: Mein Herr lasse seinen Zorn nicht ergrimmen. Du weißt, daß dies Volk böse ist."

(Exodus 32:20-21)


Böses Volk! Aber nun kriegt es, was es verdient...

"25 Da nun Mose sah, daß das Volk zuchtlos geworden war (denn Aaron hatte sie zuchtlos gemacht, zum Geschwätz bei ihren Widersachern),
26
trat er an das Tor des Lagers und sprach: Her zu mir, wer dem HERRN angehört! Da sammelten sich zu ihm alle Kinder Levi.
27 Und er sprach zu ihnen: So spricht der HERR, der Gott Israels: Gürte ein jeglicher sein Schwert um seine Lenden und durchgehet hin und zurück von einem Tor zum andern das Lager, und erwürge ein jeglicher seinen Bruder, Freund und Nächsten.
28
Die Kinder Levi taten, wie ihnen Mose gesagt hatte; und fielen des Tages vom Volk dreitausend Mann."

(Exodus 32:25-28)




DAS LASS ICH MIR NICHT BIETEN

Ende gut, alles gut. Die bösen Götzenanbeter werden von ihrem Volk ermordet und Moses kriegt  neue Gesetzestafeln. Nur muss er die Tafeln diesmal zur Strafe für die zerbrochenen Gottesgesetze selbst aus dem Stein hauen.

"1 Und der HERR sprach zu Mose: Haue dir zwei steinerne Tafeln, wie die ersten waren, daß ich die Worte darauf schreibe, die auf den ersten Tafeln waren, welche du zerbrochen hast."

(Exodus 34:1)


Dummerweise hat der alte HERR nicht das beste Gedächtnis und schreibt auf die neuen Tafeln völlig andere zehn Gebote...

Sind die zehn Gebote - auch in unserer Zeit - wirklich die besten zehn, die es gibt?
Vier der zehn Gebote verbieten religiöse Toleranz und sagen uns, dass der HERR die dicksten Eier hat.
Dass Mord verboten wird, klingt an sich nicht schlecht, wird aber durch so viele Ausnahmen relativiert, dass man es schon fast als zynischen Scherz des HERRN betrachten kann.
Folter, Kindesmisshandlung, Vergewaltigung und Sklaverei werden nicht verboten. Ganz im Gegenteil: Diese Dinge werden in vielen Bibelversen gutgeheißen und empfohlen. (Aber das ist der Stoff für andere Artikel).
Wenn die zehn Gebote doch so unheimlich wichtig sind, warum wird dann z.B. das Bilderverbot (ganz besonders bei der größten christlichen Gruppe, den Katholiken) so vehement ignoriert? Obwohl doch Gott bei Missachtung die Nachkommen des Übeltäters bis in die 4. Generation heimsucht?..

Der springende Punkt ist aber dieser: Wenn man die Bibel für Gottes Wort hält, muss man sich an alle Gebote halten, nicht nur an diese zehn.
Dann muss man sieben Tage im Jahr ungesäuertes Brot essen, Geschenke ablehnen und folgende Leute töten: Homosexuelle, Zauberinen, Ehebrecher, Mörder, Gotteslästerer, Hindus, Heiden, mörderische Ochsen, Leute, die ihre Eltern beleidigen oder sonntags arbeiten und Frauen, die nicht jungfräulich in die Ehe gehen und viele mehr.
Alle müssen gesteinigt werden! Ach so, und töten soll man nicht...



TODESLISTE 2.0

Wenn man aber der (besonders bei Christen populären) Meinung ist, dass im neuen Testament stünde, das alte gelte nicht mehr (obwohl Jesus darin mehrfach sagt, es gelte bis Himmel und Erde untergehen)- für den gibt es auch im neuen Testament eine Liste mit Vergehen, die des Todes würdig sind:

"28 Und gleichwie sie nicht geachtet haben, daß sie Gott erkenneten, hat sie Gott auch dahingegeben in verkehrten Sinn, zu tun, was nicht taugt,
29 voll alles Ungerechten, Hurerei, Schalkheit, Geizes, Bosheit, voll Neides, Mordes, Haders, List, giftig, Ohrenbläser,
30 Verleumder, Gottesverächter, Frevler, hoffärtig, ruhmredig, Schädliche, den Eltern ungehorsam,
31 Unvernünftige, Treulose, Lieblose, unversöhnlich, unbarmherzig.

32 Sie wissen Gottes Gerechtigkeit, daß, die solches tun, des Todes würdig sind"

(Römer 1:28-32)


Meine Lieblingsstelle ist "List, giftig, Ohrenbläser".
Sehr poetisch...



SCHLUSSGAGS

"Warum hält und lehrt man denn die Zehn Gebote? Antwort: Darum, dass die natürlichen Gesetze nirgends so fein und ordentlich sind verfasset als von Mose."
- Martin Luther

"Ein Volk, das die zehn Gebote nicht achtet, ist ein verlorenes Volk."
- Franklin D. Roosevelt

"Die Zehn Gebote sind nicht Last, sondern Wegweiser zu einem geglückten Leben."

- Papst Benedikt XVI.

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